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30.6.2011

Alternativprogramm ohne Quotendruck und Werbung

Das Münchener Ausbildungsradio M94.5 wird 15

"Laut Indie Stadt" – der Slogan gehört zu Münchens Ausbildungsradio M94.5. Zweimal im Jahr, immer zum Semesterbeginn, kann sich jeder Auszubildende, Schüler oder Student, für eine Mitarbeit bei M94.5 bewerben. Hier gibt es weder Quotendruck noch Werbung. Die Musik ist eine Mischung aus Alternative Rock, Independent Pop und Electro Pop. Das Wortprogramm eine Mischung aus Campusradio, Lokalradio und Szeneprogramm. In München ist der Sender auf UKW 94.5 bereits seit 15 Jahren im Äther.

Wolfgang Sabisch

Wolfgang Sabisch ist Programmchef beim Radio. Unter seinen Mitarbeitern herrscht ein ständiges 'Kommen und Gehen'. Quotendruck, Dudelfunk und Werbung gibt es in seinem Programm nicht: Sabisch arbeitet seit Juni 1996 beim Münchener Ausbildungsradio M94.5. Am heutigen Freitag wird der Sender fünfzehn Jahre alt.

(1. Juli 2011) - Mitmachen kann bei afk M94.5 jeder, der in einer Ausbildung steht - egal ob Schüler, Auszubildender oder Student. Die meisten Redaktionsmitglieder sind jedoch Studenten der Münchner Hochschulen und Universitäten. Sie arbeiten zunächst zwei Semester in einem der Tagesteams und in einem Ressort, dann als freie Mitarbeiter - und als Moderatoren, Sendungsverantwortliche oder in anderen Funktionen. Eine Lehrredaktion umfasst rund 160 Leute, jeder Wochentag hat sein eigenes Tagesteam. Nur die Praktikanten, die für rund 2 Monate bleiben, sind fünf Tage die Woche an Bord und übernehmen gemeinsam mit den Chefs vom Dienst die Koordination der Tagesteams. Rund 1600 Auszubildende haben bereits die Chance genutzt, für sich selbst im realen Sendebetrieb herauszufinden, ob der Weg in die Medien für sie überhaupt der richtige ist.

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Fragt man Programmchef Wolfgang Sabisch nach den gravierendsten Änderungen in den vergangenen 15 Jahren, fällt ihm eine ganze Menge ein. Extrem viel habe sich geändert. Gestartet 1996 noch mit Bandmaschinen, hat der Ausbildungskanal mittlerweile das dritte Schnittsystem erprobt. "Bei uns ist alles ständig in Bewegung", sagt Sabisch. "Zu uns kommen viele technikaffine junge Leute, mit vielen neuen Vorschlägen und Ideen." Leider sei das Studium mit den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen mittlerweile so verschult, dass es immer schwieriger sei, junge Leute zu einer parallelen Ausbildung zu motivieren.

Doch manche Radio-Azubis bleiben bis zu sechs Jahren. "Das hängt ganz individuell davon ab, wann die Leute selbst das Gefühl haben, sie hätten nun genug gelernt", sagt Sabisch. Bei den privaten aber auch öffentlich-rechtlichen Radiostationen sind Absolventen des Münchener Ausbildungsradios gerne gesehen - auch beim Bayerischen Rundfunk. Wolfgang Sabisch wünscht sich daher sehr, dass auch die öffentlich-rechtliche Anstalt bald zu den Gesellschaftern zählen würde, die das afk-Projekt mit rund einer Million Fördergeldern pro Jahr unterstützen.

Als Programmchef ist Sabisch eine der wenigen Konstanten bei M94.5. Und manchmal fühlt er eine gewisse Wehmut, wenn gute Leute den Sender verlassen, die sich im Laufe der Ausbildung zu wertvollen Redaktionsmitgliedern entwickelt haben. Aber er ist auch immer wieder neugierig, wer und was mit jedem Studiensemester Neues kommt.

Quotendruck, wie andere Programmchefs, kennt Wolfgang Sabisch nicht, und darum wird ihn mancher Kollege beneiden. "Wir sind hier aber kein Labor, das in den luftleeren Raum sendet", betont Sabisch, "wir machen Radio. Das bedeutet: Respekt, Zuhörer ernst nehmen" - dieses Bewusstsein müsse er immer wieder anschieben. Zahlenmaterial, regelmäßige Umfragen wie kommerzielle Privatsender kann Sabisch nicht nachweisen. Nur die Funkanalyse Bayern, die jährlich im Sommer in Nürnberg im Rahmen der Lokalrundfunktage vorgestellt wird. "Regelmäßig zwischen 12.000 und 14.000 ‚Hörer gestern' - wir dürfen zufrieden sein", sagt Sabisch.

Zwei Dinge empfiehlt Sabisch jedem, der beim Ausbildungsradio mitmachen möchte: Die Liebe zum Medium und die Liebe zur Sprache.

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Hintergrund

Bayerns afk-Projekt

Ausbildungsplattform für kompetenten Mediennachwuchs

Grundlage der afk-Idee ist das duale Rundfunksystem Bayerns (öffentlich/privat), in dem es keine offenen Kanäle gibt. Das heißt keine Frequenzen, in denen nicht-kommerzielle Rundfunk- bzw. Fernsehstationen betrieben werden können, wie diese in den meisten Bundesländern üblich sind. In Bayern wurde daher, statt des Systems der offenen Kanäle, das System der Aus- und Fortbildungskanäle gewählt, um jungen Medienschaffenden die Möglichkeit zu bieten, sich - unter medienpädagogischer Begleitung - auszuprobieren und Erfahrungen in Medienberufen zu sammeln. Die Aus- und Fortbildungskanäle in Bayern – Radio afk M94.5 in München, Radio afk max in Nürnberg sowie der Münchener TV-Lehrsender afk tv – stehen allen jungen Menschen offen, die vor oder neben dem Studium bzw. einer festen Ausbildung erste Erfahrungen in Radio- oder Fernsehjournalismus als Vorausbildung und Orientierungshilfe machen möchten. Gesellschafter der gemeinnützigen afk GmbH sind neben der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) als Hauptgesellschafterin und Initiatorin des Projektes bedeutende Vertreter der deutschen bzw. bayerischen Medienlandschaft. Dazu gehören Verbände und Vereine ebenso wie privatwirtschaftliche Unternehmen, Forschungs- bzw. Bildungseinrichtungen sowie die Landeshauptstadt München, die Stadt Nürnberg, der Sankt Michaelsbund und der Bayerischen Jugendring.
Weiterführende Links: afk und Medienwiki

Inge Seibel-Müller

bio_Inge Seibel-Mueller Zur Person

Inge Seibel-Müller

Inge Seibel-Müller ist freie Journalistin und Radioberaterin. Sie arbeitete zuvor als Moderatorin, Chefredakteurin und Programmchefin bei Radio Charivari München und Antenne Thüringen in Weimar. 2003 bis 2010 gehört sie zum Projektteam Hörfunk der bpb. Sie ist Mitglied der Grimmejury für den Deutschen Radiopreis.


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