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30.7.2008

Die Ansprüche der Hörer haben sich geändert

Soll Radio nur noch Spaß machen?

Axel Buchholz ist den meisten Journalisten bekannt als Mit-Herausgeber des Standardwerkes "Radio-Journalismus". Ethische Fehltritte in den Medien findet er nicht nur im Radio. Eine Initiative zur Stärkung der Glaubwürdigkeit im Radio begrüßt der Medienprofessor.

Axel Buchholz, geboren 1939 in Berlin, ist neben Walther von La Roche Herausgeber des Standardwerkes "Radio-Journalismus". Das Handbuch für Ausbildung und Praxis im Hörfunk wurde mehrfach überarbeitet und bereits in 9. Auflage aktualisiert. Buchholz, bis 2002 Chefredakteur und stellvertretender Programmdirektor beim Hörfunk des Saarländischen Rundfunks, lehrt heute als Honorarprofessor am Journalistischen Seminar der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz.

Professor Axel Buchholz beobachtet eine "Vollmundigkeit" im Boulevardradio.

Seit geraumer Zeit beobachtet der Radiopraktiker eine gewisse Vollmundigkeit im Boulevardradio, die sich offensichtlich immer weiter ausbreitet. Gefakte Interviews mit angeblichem Exklusivcharakter, Ankündigungstrailer, die ihre Versprechen nicht halten und Lobbyisten, die nicht als solche kenntlich gemacht werden sind bei öffentlich-rechtlichen wie auch privaten Radiostationen keine Seltenheit. Auch wenn dies nicht allein ein Problem des Radios, sondern auch der anderen Medien sei, so hält Buchholz eine Initiative zur Stärkung der Glaubwürdigkeit im Radio für dringend notwendig.

Zugleich gibt Buchholz zu bedenken, dass das Radio im Laufe der letzten Jahrzehnte seine Funktionalität dramatisch verändert habe. Und diese Entwicklung begann schon vor der Geburt des Privatradios Mitte der 80er Jahre. Nicht so sehr die Information, sondern der Spaßfaktor sei heute das Nutzungsmotiv für das Radio. Der Hörer stelle andere Ansprüche an das Radio. So sei der Verlust der Glaubwürdigkeit in den Augen der "Macher" dramatischer als im Empfinden der Konsumenten.

Original Töne des Interviews mit Axel Buchholz

"Radio muss den ethischen Grundlagen des Journalismus genügen"


Welche Rolle kann und muss Ethik im Radio spielen?

"Journalisten hätten am liebsten ein Gesamt-
regelwerk mit Spezialbereichen"


Hat ein Verhaltenskodex nur für das Radio Chancen auf Akzeptanz oder muss ein großes Regelwerk her?

"Der Hörer hält das Radio für weniger glaubwürdig als Zeitung und Fernsehen"


Stimmt der Eindruck vieler Programmmacher, dass die Glaubwürdigkeit des Radios immer weiter sinkt?
"Die Radioinhalte haben sich über die Jahrzehnte sehr geändert"


Journalistische Inhalte sind dem Spaßfaktor im Radio gewichen. Das bedauert Buchholz als Journalist.

von Inge Seibel-Müller

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