zurück 
17.10.2011

Wer bekommt die Lufthoheit im Regionalen? oder: Die 1-Millionen-Dollar-Frage.

Seit mehr als fünfzehn Jahren ist der Journalist Harald Ritter mit seinem Unternehmen apricon-media beratend für Regional- und Lokalzeitungen tätig. Auf den Tutzinger Radiotagen 2011 gewährte er den Radiokollegen Einblick in die Zukunftsstrategien der Lokalzeitungen und fand so manche Parallelen zwischen den Mediengattungen. Er prophezeite das Ende des Terminjournalismus, betonte die Notwendigkeit des crossmedialen Workflows und glaubt an einen einschneidenden Generationenwechsel in den Redaktionen in den kommenden fünf Jahren.

Berthold Flöper und Harald Ritter, Tutzinger Radiotage 2011


Harald Ritter ist eine beeindruckende Persönlichkeit. Der freiberufliche Journalist, Publizist und Medienberater hat als Chef vom Dienst, als Chefredakteur und als Verlagsleiter in namhaften Unternehmen gearbeitet. Heute berät er Medienhäuser in Fragen von Workflow, Content-, Projekt- und Qualitätsmanagement, Onlinestrategien und Mitarbeiterprofilierung. Den in vielen Zeitungshäusern mittlerweile üblichen "Newsdesk" hat er im In- und Ausland maßgeblich vorangetrieben.

Medienneutral arbeiten - medienspezifisch publizieren

Als Referent bei den Tutzinger Radiotagen 2011 fand Ritter viele Parallelen zwischen den beiden Mediengattungen Radio und Zeitung. Wer letztlich die Lufthoheit im Regionalen bekommt? Für Ritter ist das die "1-Millionen-Dollar-Frage", deren Beantwortung er zum Schluss seines Vortrages dann dennoch wagte: "Nur wer zeitnah in der Region durchgängig medienneutral arbeitet und medienspezifisch publiziert, erringt die Informations- und Werbeführerschaft", meint Ritter.

Nach einer Bestandsaufnahme über die gesellschaftliche Entwicklung und die selektivere Mediennutzung verwies Ritter auf die rasant wachsende Bedeutung der mobilen Mediennutzung durch den Siegeszug der Smartphones. Noch immer gäbe es in vielen Medienhäusern keine durchgängige Medienstrategie, das müsse er leider feststellen. "Doch bedenken Sie", sagt Ritter, "Mobilität führt in andere Nutzungssituationen und braucht innovative Services und Qualität, um Reichweite für die Vermarktung zu erzielen." Trotz Newsdesks könne er aber ein durchgängiges crossmediales Arbeiten nur in Ansätzen feststellen.

Seid Pfadfinder im Informations-Dschungel

Man könne nicht schnell - quick and dirty - Online machen. "Das funktioniert nicht", so der Unternehmensberater. "Sie müssen Themen setzen, verlässlich und glaubwürdig sein und Pfadfinder im Informations-Dschungel werden", appellierte er an die Radioleute. Auch auf einer etablierten Marke könne man sich nicht ewig ausruhen. Kontakt nach außen herstellen, sichtbar sein, um nachhaltig wahrgenommen zu werden, heiße die Devise.

Der Terminjournalismus im Lokalen ist für Ritter tot. Mittlerweile gebe es viel unmittelbarere und authentischere Übermittlungswege. "Auch Radio hat dann eine Chance , wenn es relevant und nachhaltig bleibt", meint Ritter.

Der mentale Wandel in den Redaktionen nach Harald Ritter/apricon-media

Für die kommenden fünf Jahre erwartet Ritter einen einschneidenden Generationenwechsel, vor allem bei den Zeitungsredaktionen. Zurzeit werde zwar noch verhältnismäßig gering in Redakteure und redaktionelle Mitarbeiter investiert - doch das werde sich in den kommenden zwei Jahren dramatisch ändern.









Aktuelle Herausforderungen für Medienschaffende laut Harald Ritter:

Von Inge Seibel-Müller

Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln