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20.4.2012

Motive

Nach Motiven für eine geplante Rückkehr in die Türkei wird in der Studie des Liljeberg- und des INFO-Institutes nicht explizit gefragt. Die Befragten werden lediglich um eine Stellungnahme zu folgender Aussage gebeten: "In der Türkei hätte ich gute Chancen auf einen gut bezahlten Job".

Blick in das Büro eines Medienkonzerns in Istanbul. (© picture-alliance/dpa)


Die nach Bildungsstand/Ausbildungsniveau der Interviewten aufgeschlüsselten Ergebnisse zeigen, dass dieser Aussage vor allem Personen zustimmen, die mindestens über das Abitur bzw. einen Hochschulabschluss verfügen. 52 Prozent dieser Personengruppe bejahten diese Aussage und sehen für sich damit gute berufliche Möglichkeiten in der Türkei. [1]

Das Ergebnis, wonach Türkeistämmige mit einem höheren Bildungsabschluss eine ausgeprägtere Mobilitätsbereitschaft zeigen als niedrig(er)qualifizierte Personen, korreliert mit Daten aus Untersuchungen zum allgemeinen Zusammenhang von Bildung und Mobilitätsverhalten. Demnach sind Personen mit akademischem Abschluss mobiler als die Vergleichsgruppe ohne Hochschuldiplom. [2] In Bezug auf abwandernde deutsche Staatsangehörige zeigen Sauer/Ette beispielsweise auf, dass es sich bei diesen um eine positiv selektierte Gruppe handelt: 49 Prozent haben einen Hochschulabschluss gegenüber 29 Prozent in der nicht-mobilen deutschen Bevölkerung. [3] Das Wanderungsverhalten Türkeistämmiger entspricht also tendenziell dem von Personen ohne Migrationshintergrund und hebt sich somit zunächst nicht besonders hervor, zumal grenzüberschreitende Mobilität bereits in ihrer Familiengeschichte und damit auch in ihrer Biographie angelegt ist. Es stellt sich also die Frage nach den Motiven für das Verlassen Deutschlands und die Wahl der Türkei als Migrationsziel. Während die Liljeberg/INFO-Studie nur indirekt die Gründe für die Abwanderung erfragt und dabei vor allem den Aspekt einer gut bezahlten Arbeitsstelle in der Türkei anspricht, betont die TASD-Studie insbesondere Faktoren im Herkunftsland Deutschland, die eine Abwanderung fördern.

Als Abwanderungsmotive nennt die TASD-Studie vor allem ein »fehlendes Heimatgefühl in Deutschland«, »berufliche Gründe« und »wirtschaftliche Gründe«. [4] Unter die beiden letztgenannten Gründe subsumieren sich u.a. Annahmen der Befragten hinsichtlich besserer Karriereaussichten und schnellerer Aufstiegschancen in der Türkei. Das Ergebnis der Studie wirft den Autoren zufolge daher auch die Frage nach der Diskriminierung Türkeistämmiger auf dem deutschen Arbeitsmarkt auf. Dieser Gedanke schließt an Untersuchungen zur Diskriminierung von Arbeitsuchenden türkischer Herkunft an. Kaas/Manger (2010) fanden heraus, dass Bewerber mit türkischklingendem Namen trotz deutscher Muttersprache und Staatsangehörigkeit schlechtere Chancen auf eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch haben als solche mit einem deutschen Namen. Studien der OECD (2007/2010) kommen zu dem Ergebnis, dass Akademiker aus Einwandererfamilien in Deutschland häufiger von Erwerbslosigkeit betroffen sind als Akademiker ohne Zuwanderungsgeschichte. Begründet werden diese Ergebnisse mit dem Verweis auf ethnische Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. Deren tatsächliches Ausmaß lässt sich allerdings nur sehr schwer messen, da sie durch erhebliche strukturelle Nachteile der zweiten Migrantengeneration aufgrund niedriger Bildungsabschlüsse verschleiert wird, die eingeschränkte Zugangsmöglichkeiten zum Arbeitsmarkt nach sich ziehen. [5] Besonders bei Frauen türkischer Herkunft lassen sich insgesamt niedrige Beschäftigungsquoten und damit ein eingeschränkter Arbeitsmarktzugang ablesen. [6] Es ist anzunehmen, dass (türkische) Einwandererinnen der Gefahr einer doppelten Diskriminierung ausgesetzt sind, da sie sowohl aufgrund ihrer Herkunft (ethnische Diskriminierung) als auch ihres Geschlechts auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden. Dies könnte auch eine mögliche Begründung für das Ergebnis der TASD-Studie sein, wonach die befragten Frauen eine höhere Abwanderungsbereitschaft signalisierten als männliche Untersuchungsteilnehmer. [7] Darüber hinaus verfügen die zumeist aus Arbeiterfamilien – also nicht-akademischen Elternhäusern – stammenden Studierten türkischer Herkunft nicht über Netzwerke in akademische Beschäftigungssegmente hinein, sodass darin auch ein Grund für deren Benachteiligung auf dem deutschen Arbeitsmarkt gesehen werden kann.

Ergebnisse von Sievers et al. verweisen darauf, dass den erbrachten Leistungen von türkeistämmigen Bildungsaufsteigern in Deutschland nicht immer Anerkennung entgegengebracht wird. Die Autoren deuten an, dass ein Mangel an Anerkennung sowohl der Person als auch ihrer Leistungen eine Abwanderung aus Deutschland motivieren kann. [8] Sie verstehen unter Anerkennung die »Erfahrung von Zugehörigkeit und Respekt«. [9] Der Argumentation Honneths und Stojanovs zufolge, ist sie »fundamental für die soziale Existenz und für die gesellschaftliche Integration«. [10] Diese Erkenntnis spiegelt sich auch in Forderungen nach einer ›Kultur der Anerkennung‹ bzw. einer ›Willkommenskultur‹ wider, die beispielsweise im Konzept der interkulturellen Öffnung (von Verwaltungen etc.) zum Tragen kommt.

Wirtschaftliche Wanderungsmotive

Ergebnisse aus qualitativen Studien zur Abwanderung hochqualifizierter Türkeistämmiger von Aydın/Pusch (noch nicht abgeschlossen) und Hanewinkel (2010, unveröffentlicht) bestätigen die Aussage der TASD-Studie nicht, wonach unvorteilhafte berufliche Perspektiven in Deutschland für die Befragten einen entscheidenden Migrationsfaktor bilden. Die Mehrzahl der Befragten sei vielmehr vor ihrer Migration in die Türkei auf dem deutschen Arbeitsmarkt gut integriert gewesen. Berufliche bzw. wirtschaftliche (Karriere-)Überlegungen spielten bei der Abwanderung aber dennoch eine wichtige Rolle. Dies betonen vor allem Aydın/Pusch. Zu den wirtschaftlichen Wanderungsgründen zählen Aspekte wie die Aussicht auf bessere Aufstiegschancen im Zielland, ein attraktiverer Job oder eine Verbesserung der finanziellen Situation. Theoretisch werden diese Migrationsmotive vor allem in neo-klassischen Push- und Pull-Modellen aufgegriffen. Dieser Ansatz fokussiert ein gewinnmaximierendes Individuum (homo oeconomicus), das sich unter rationalen Gesichtspunkten und unter Abwägung ökonomischer Vor- und Nachteile zweier Länder für die Migration entscheidet, sofern diese eine Verbesserung der eigenen wirtschaftlichen Situation verspricht. Kritisiert werden diese Modelle insofern, als sie individuelle (emotionale) Wanderungsmotive sowie den Einfluss sozialer Netzwerke (Familie, Verwandtschaft, Freundes- und Bekanntenkreise etc.) auf Wanderungsentscheidungen vernachlässigen.

Im Fall der türkeistämmigen Hochqualifizierten zeigt sich, dass die geographische Mobilität nicht selten auf einen beruflichen und sozialen Aufstieg zielt. [11] Die wachsende Präsenz deutscher Unternehmen in der Türkei ermöglicht die Migration durch eine Stellenvermittlung auf dem firmeninternen Arbeitsmarkt. Gesucht werden türkeistämmige Akademiker für Schlüsselpositionen in den türkischen Niederlassungen dieser Firmen aufgrund ihrer Sozialisation in der türkischen und der deutschen Gesellschaft sowie ihrer Kenntnisse beider Sprachen.

Attraktiv wirkt auch das seit einigen Jahren anhaltend hohe Wirtschaftswachstum in der Türkei. Nach einem konjunkturellen Einbruch in der Wirtschaftskrise 2008/09 erholte sich das Land schnell. Bereits 2010 verzeichnete die türkische Wirtschaft wieder ein beachtliches Wachstum von 8,9 Prozent. Der Aufwärtstrend setzte sich fort. Im ersten Halbjahr 2011 erzielte die türkische Wirtschaft mit durchschnittlich 10,2 Prozent die höchste Wachstumsrate weltweit [12], sodass die Türkei bereits als »neues China« bezeichnet wird. [13] Im Vergleich dazu zeigt die deutsche Wirtschaft weit weniger Dynamik. Im Jahr 2011 verzeichnete sie ein Wachstum von vergleichsweise niedrigen 2,6 Prozent. [14]

Besonders die West-Türkei ist Gewinnerin der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Dadurch bildet sich ein starkes strukturelles Gefälle zwischen dem wirtschaftlich boomenden Westen und dem landwirtschaftlich geprägten Osten. Die Suche nach besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen zieht große Teile der Landbevölkerung in die Städte. Vor allem Istanbul ist seit Jahren eine der Hauptaufnahmeregionen dieser Land-Stadt-Wanderungen.

Die Westtürkei ist auch das Hauptziel der aus Deutschland abwandernden türkeistämmigen Hochqualifizierten. Die Mehrzahl verschlägt es in Städte wie Izmir oder Istanbul, die als modern, kosmopolitisch und fortschrittlich gelten, westliche Lebensstile und die Aussicht auf einen europäischen Lebensstandard versprechen. Besonders weibliche Abwanderer präferieren diese Zielorte. [15] Hochqualifizierte türkeistämmige Frauen erhoffen sich, wie Hanewinkel (2010) herausgefunden hat, darüber hinaus von der Verlegung ihres Lebensmittelpunktes in die Türkei auch bessere Aufstiegschancen, da in der Türkei mehr weibliches Personal in Führungspositionen zu finden sei als in Deutschland.
Diese Einschätzung bestätigt eine Untersuchung der internationalen Unternehmensberatung Hay Group aus dem Jahr 2010. Demnach sind in Deutschland weniger Frauen sowohl in den unteren (Frauenanteil: ca. 20 Prozent) als auch in den Top-Führungspositionen (Frauenanteil: ca. 7 Prozent) vertreten als in der Türkei (untere Führungspositionen: ca. 30 Prozent; Top-Führungspositionen ca. 12 Prozent). [17] Besonders gute Chancen haben Frauen im türkischen Bankensektor: In der mittleren Führungsetage sind 75 Prozent der Posten mit Frauen besetzt. [18] Diese Zahlen stehen im Gegensatz zur allgemeinen Frauenbeschäftigungsquote in der Türkei, die mit nur 24 Prozent im OECD-Vergleich (ca. 58 Prozent) äußerst niedrig ist. [19]

Die in Deutschland erworbenen Qualifikationen finden in der Türkei Anerkennung. In Istanbul befragte türkeistämmige Hochqualifizierte geben an, dass ein an einer deutschen Universität erworbener Bildungstitel in der Türkei hoch angesehen ist. Ebenso profitierten sie von ihren dort erworbenen Fremdsprachenkenntnissen sowie Arbeitserfahrungen in einem deutschen oder internationalen Unternehmen. [20]

Während Sievers et al., Aydın/Pusch sowie die TASD-Studie das Gewicht von wirtschaftlichen Wanderungsmotiven für die Migrationsentscheidung selbst betonen, verweisen Ergebnisse von Hanewinkel (2010) in Bezug auf weibliche türkeistämmige Migrantinnen darauf, dass diese bei der Entscheidungsfindung eine eher untergeordnete Rolle spielen. Ihre Befragten gaben an, vor allem aus emotionalen Gründen in die Türkei gekommen zu sein (s.u.). Der Wunsch, einmal ausprobieren zu wollen, wie es ist, in der Türkei zu leben, wird zu einem essentiellen Teil der eigenen Selbstverwirklichungsidee:
Verwirklichen und in die Tat umsetzen lässt sich dieser Wunsch aber nur unter der Voraussetzung einer möglichen beruflichen Integration auf dem türkischen Arbeitsmarkt. Praktika während des Studiums – häufig absolviert in der türkischen Niederlassung eines deutschen Unternehmens – führen an den Arbeitsmarkt in der Türkei heran. Bereits die Studienwahl wird von einigen Befragten direkt an den (angenommenen) Bedürfnissen der türkischen Wirtschaft orientiert. [22]

Während der Grund für die Abwanderung also ein emotionaler sein kann, gestaltet sich die Umsetzung des Migrationsvorhabens oft auf eine wirtschaftliche Art und Weise. Gleichzeitig ist anzumerken, dass Wanderungsentscheidungen zumeist nicht aus einem einzigen Grund getroffen werden, sondern dass verschiedene Motivlagen kumulieren, was dazu beiträgt, dass sich die Untersuchung von Migrationsentscheidungen als kompliziert erweist.

Auch wenn wirtschaftliche Faktoren vor der Migration eine durchaus untergeordnete Rolle spielen können und für die Migrationsentscheidung nicht zwangsläufig ausschlaggebend sind, gewinnen sie den Ergebnissen Hanewinkels zufolge nach der Migration an Bedeutung, denn: Die Befragten wollen auf ihren aus Deutschland gewohnten Lebensstandard nicht verzichten. Kurzfristig werden im direkten Anschluss an den Wechsel des Aufenthaltsstaates zwar finanzielle Einbußen in Kauf genommen, langfristig streben aber alle Befragten einen ihrem Leben in Deutschland ähnlichen oder höheren Lebensstandard an. Dies kann nur gelingen, indem sich die Migranten erfolgreich auf dem türkischen Arbeitsmarkt platzieren und eine ihren in Deutschland erworbenen Qualifikationen angemessene Anstellung mit entsprechender Vergütung finden. Vor allem in Städten wie Istanbul, in denen die Lebenshaltungskosten Umfragen zufolge aktuell z.T. diejenigen in deutschen Großstädten übersteigen [23], hat dies zur Konsequenz, dass die Anhäufung finanzieller Ressourcen von entscheidender Bedeutung auch für die Aufenthaltsdauer in der Türkei ist. Ergebnisse von Hanewinkel (2010) deuten an, dass eine Rückkehr nach Deutschland bzw. der Umzug in ein anderes Land dann wahrscheinlich wird, wenn sich deutliche Einbußen im Lebensstandard dauerhaft abzeichnen. Insgesamt kann die Migration in die Türkei also als ergebnisoffener Prozess interpretiert werden.

Emotionale Wanderungsmotive

Zu den nicht-ökonomischen Wanderungsmotiven zählen vielfältige Aspekte persönlicher "Selbstverwirklichungspläne", die hier nicht umfassend erörtert werden können. Daher werden lediglich einige Akzente gesetzt, die die Bandbreite dieser Motivlagen aufzeigen sollen. Anstoß für die Migration hochqualifizierter Türkeistämmiger geben häufig familiäre und verwandtschaftliche Beziehungen (Netzwerke) in die Türkei, die seit der Kindheit durch Familienurlaube gepflegt wurden. Dadurch entsteht auch das Gefühl, mit dem Leben in der Türkei bereits vertraut zu sein. Gefestigt wird es teilweise auch durch Studienaufenthalte in der Türkei (Auslandsemester). Damit bestätigen sich Ergebnisse der jüngeren Migrationsforschung, wonach Netzwerke, also soziale Kontakte ins Zielland sowie Vorerfahrungen im Ausland, beispielsweise in Form von Studienaufenthalten, Abwanderungsentscheidungen begünstigen. [24]

Das Gefühl, mit dem Leben in der Türkei bereits vertraut zu sein, entsteht auch dadurch, dass viele der Abwanderer die Türkei nicht als Ausland betrachten, sondern sich diesem Land heimatlich verbunden fühlen. Im Gegensatz zur TASD-Studie, die "fehlendes Heimatgefühl in Deutschland" als einen der Hauptabwanderungsgründe ausmacht, weisen die Studien von Aydın/Pusch, Hanewinkel und Sievers et al. auf eine Doppelorientierung der hochqualifizierten Abwanderer türkischer Herkunft hin. Demnach sehen die Befragten nicht entweder Deutschland oder die Türkei als ihre Heimat an, sondern verstehen beide Länder als solche. Über soziale Netzwerke und Medien, aber auch die physische Bewegung selbst (Urlaube, Studienaufenthalte etc.) werden Beziehungen in beide Länder hinein gepflegt. Gestärkt wird ihr Bezug zur Türkei auch durch die eigenen Eltern, die oft als "Gastarbeiter" nach Deutschland kamen. Die Mehrzahl der von Hanewinkel befragten Migrantinnen türkischer Herkunft berichtet davon, in der Kindheit und Jugend durch den Wunsch der Eltern nach einer Rückkehr in die Türkei geprägt worden zu sein. Dieser sei daran sichtbar geworden, dass die Familie symbolisch immer "auf dem Sprung" gelebt habe:
Für eine Befragte symbolisiert der Erwerb eines eigenen Hauses schließlich das Eingeständnis, dass der "Traum von der Rückkehr geplatzt" sei. Sie sieht sich selbst als älteste Tochter in der Verantwortung, den Traum ihrer Eltern doch noch in die Realität umzusetzen, der mit der Zeit auch zu ihrem eigenen Wunsch gereift sei.

Ob und inwieweit die Remigration ehemaliger "Gastarbeiter", die oft im Rentenalter erfolgt [26], sich auf die Abwanderung der Nachfahren in die Türkei auswirkt bzw. inwieweit auch eine Abwanderung der zweiten Migrantengeneration zu einer Rückkehr der Eltern ins Heimatland beitragen kann, ist ungeklärt. Hanewinkels Untersuchungen legen nahe, dass eine Beeinflussung in beide Richtungen denkbar ist. Eine ihrer Befragten verlegte ihren Lebensmittelpunkt in die Türkei, da ihre Eltern nach einem langjährigen Aufenthalt in Deutschland dorthin zurückgekehrt waren. Eine andere Befragte schilderte, dass ihre eigene Migration in die Türkei ihre Eltern dazu veranlasste, lange gehegte Rückkehrpläne in die Tat umzusetzen. Da deren Kinder in Deutschland und in der Türkei leben, pendeln sie nun zwischen diesen beiden Ländern hin und her.

Neben familiären Bezügen in die Türkei kann auch eine Partnerschaft oder Heirat mit einer in der Türkei lebenden Person zu einer Abwanderung aus Deutschland führen, sofern sich eine Beziehung z.B. aufgrund der Berufstätigkeit des Partners in der Türkei besser realisieren zu lassen scheint als in Deutschland. [27]

Die Attraktivität Istanbuls mit seinen vielfältigen Lebensstilen stellt einen weiteren emotionalen Grund für die Migration hochqualifizierter Türkeistämmiger in die Türkei dar. Facettenreiche Kultur- und Unterhaltungsangebote, die "kulturelle" Vielfalt der Bevölkerung, aber auch die wirtschaftliche Aufbruchstimmung in der Bosporus-Metropole wirken attrahierend. [28] Im Vordergrund steht bei den Abwanderern nicht zwangsläufig der Wunsch nach einem Leben im Heimatland der Eltern, der Türkei, sondern ausdrücklich der Wunsch nach einem Leben in Istanbul:
Dieser Text ist Teil des Kurzdossiers "Die Abwanderung hochqualifizierter türkeistämmiger deutscher Staatsangehöriger in die Türkei".
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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Vera Hanewinkel für bpb.de

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Fußnoten

1.
Liljeberg/INFO (2011, S. 33).
2.
Vgl. dazu auch Rebeggiani (2011).
3.
Ette/Sauer (2011). Allerdings weisen die Autoren darauf hin, dass mehr hochqualifizierte Deutsche aus dem Ausland wieder zurückkehren als Abwanderer ohne akademischen Abschluss (Ette/Sauer 2010a, S. 8). Demnach sind Akademiker insgesamt mobiler als Personen ohne Hochschulabschluss.
4.
Sezer/Dağlar (2009, S. 17).
5.
OECD (2005, S. 52 f.).
6.
Vgl. OECD (2005, S. 22).
7.
Sezer/Dağlar (2009, S. 7).
8.
Sievers et al. (2010, S. 65).
9.
Sievers et al. (2010, S. 71).
10.
Honneth/Stojanov (2006).
11.
Vgl. Pusch/Aydın (2011), Hanewinkel (2010).
12.
http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Tuerkei/Wirtschaft_node.html (Zugriff: 28.12.2011).
13.
http://www.focus.de/finanzen/news/konjunktur/wirtschaftswachstum-tuerkei-ist-das-neue-china_aid_664402.html (Zugriff: 28.12.2011).
14.
http://www.focus.de/finanzen/finanz-news/deutschland-wirtschaftswachstum-geht-weiter-0-5-prozent-im-letzten-quartal_aid_684474.html (Zugriff: 28.12.2011).
15.
Sezer/Dağlar (2009, S. 21).
16.
Interviewausschnitt, Hanewinkel (2010).
17.
http://www.presseportal.de/pm/66526/1580155/hay_group (Zugriff: 28.12.2011).
18.
http://www.euractiv.de/druck-version/artikel/bankensektor-mit-topchancen-fr-trkinnen-003806 (Zugriff: 15.02.2012).
19.
Böhm et al. (2011, S. 1) und http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Tuerkei/Wirtschaft_node.html (Zugriff: 28.12.2011).
20.
Hanewinkel (2010).
21.
Interviewausschnitt, Hanewinkel (2010).
22.
Hanewinkel (2010).
23.
Cost of Living Survey 2011 der Consulting Agentur Mercer: http://www.mercer.com/press-releases/1420615 (Zugriff: 4.1.2012): Istanbul liegt im weltweiten Städtevergleich auf Platz 70 (im Vorjahr: Platz 44) der teuersten Städte der Welt. Frankfurt a.M. schafft es als höchstplatzierte deutsche Stadt auf Platz 73 und liegt damit hinter der Bosporusmetropole.
24.
Beispielsweise belegten 2007 zwei Sondererhebungen für die Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) zur Abwanderungsbereitschaft und tatsächlichen Abwanderung von Deutschen, dass rund zwei Drittel der Befragten mit ernsthaften Abwanderungsgedanken und -plänen regelmäßig Kontakte in das potenzielle Zielland ihrer Auswanderung pflegten. Auch Vorerfahrungen mit Auslandsaufenthalten z.B. im Studium erhöhen die Abwanderungsbereitschaft und tragen zum Aufbau sozialer Netzwerke außerhalb Deutschlands bei (Diehl et al. 2008).
25.
Interviewausschnitt, Hanewinkel (2010).
26.
Erlinghagen et al. (2009).
27.
Sievers et al.(2010), Hanewinkel (2010).
28.
Aydın/Pusch (2011), Hanewinkel (2010), Sievers et al. (2010).
29.
Interviewausschnitt, Hanewinkel (2010).

Vera Hanewinkel

Zur Person

Vera Hanewinkel

Vera Hanewinkel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück und Redakteurin bei focus Migration. E-Mail: vera.hanewinkel@uni-osnabrueck.de


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