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30.4.2013

Kurzmeldungen – Welt

Brasilien: Regierung will Hochqualifizierte anwerben

Das Schwellenland Brasilien setzt auf die Einwanderung von Hochqualifizierten. "Wir suchen weltweit nach Humankapital", sagte Ricardo Paes de Barros, Chef des Sekretariats für strategische Angelegenheiten (SAE), Anfang April in einem Zeitungsinterview. Vor einhundert Jahren waren rund 7 % der brasilianischen Bevölkerung im Ausland geboren, aktuell sind es nur noch 0,3 %. Das SAE, das die Präsidentin der Republik berät, will diesen Wert durch hochqualifizierte Einwanderer in den kommenden fünf Jahren wieder auf 2-3 % steigern. Das entspräche einer Zuwanderung von sechs Millionen Menschen. Bislang ist es aufgrund zahlreicher bürokratischer Hürden relativ schwierig, eine Arbeitserlaubnis in Brasilien zu erhalten. Das will das SAE nun ändern. Eine Taskforce aus Regierungsbehörden und Wissenschaftlern legt seit einigen Jahren regelmäßig fest, für welche Berufsgruppen das Land die Einwanderung erleichtert. So werden derzeit etwa Ingenieure für den Bergbau und die Ölindustrie weltweit angeworben. Auch für die Bereiche Infrastruktur und Kommunikation sucht das Land nach geeigneten Zuwanderern. 2012 vergab Brasilien rund 73.000 Arbeitsvisa, von denen allerdings nur etwa 8.300 unbeschränkt erteilt wurden. Dieser Wert soll nun langsam gesteigert werden (vgl. Ausgaben 2/13, 2/12, 10/11).
www.sae.gov.br

Australien: Zuwanderung um 30 Prozent gestiegen

Im Zeitraum vom 1. Oktober 2011 bis zum 30. September 2012 sind in Australien 228.000 Menschen mehr ein- als ausgewandert. Dies teilte das nationale Statistikamt Ende März mit. Die Nettozuwanderung ist damit gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast ein Drittel gestiegen (vgl. Ausgabe 5/12). 2010 hatte sie noch bei 176.000 Personen gelegen. 60 % der Neuzuwanderung ist dabei temporärer Natur, wie Bob Birrell, Professor für Bevölkerungsentwicklung an der Monash Universität in Melbourne, erklärte. Dazu zählen auch Reisende und Studierende, die mindestens ein Jahr lang im Land bleiben. Sollte sich die Nettozuwanderung auch in den kommenden Jahren auf diesem hohen Niveau halten, würde die Bevölkerung Australiens bis 2050 von derzeit 22 auf 40 Mio. Personen anwachsen. 2010 war eine offizielle Bevölkerungsprognose von 36 Mio. Einwohnern im Jahr 2050 ausgegangen, wobei eine Nettozuwanderung von 180.000 Personen pro Jahr zugrunde gelegt wurde.
www.abs.gov.au

Israel: Illegale Einwanderung sinkt

Die Zahl illegal Eingewanderter in Israel sinkt. Das gab die Behörde für Bevölkerung, Einwanderung und Landesgrenzen (PIBA) Anfang April bekannt. Laut einem Bericht der Behörde leben derzeit rund 230.000 Ausländer ohne Aufenthaltsgenehmigung in Israel, darunter 14.000 illegal beschäftigte Arbeiter sowie 92.000 Touristen, die ihr Visum überzogen haben. 2012 lag die Gesamtzahl der sich illegal im Land aufhaltenden Migranten noch bei rund 242.000. 55.195 der Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis stammen aus Afrika und sind illegal über die Grenze im Süden nach Israel eingereist. 66 % von ihnen kommen aus Eritrea und 25 % aus dem Sudan. Ein Jahr zuvor lebten noch 58.088 illegal eingereiste afrikanische Migranten in Israel. Vor allem Sudanesen wurden in ihr Herkunftsland abgeschoben. Infolge des Baus eines "Sicherheitszauns" an der Grenze zu Ägypten waren im Januar 2013 über diese Route nur zehn und im Februar nur fünf Menschen illegal eingewandert (vgl. Ausgaben 1/13, 7/12, 1/10). Im Vorjahreszeitraum waren es noch fast 3.500 gewesen.
http://piba.gov.il

Kanada: Neues Visa-Programm für Selbständige

Ausländische Unternehmer können seit dem 1. April bereits vor der Einreise nach Kanada ein unbegrenztes Aufenthaltsrecht erlangen. Dies gilt laut dem neuen Visa-Programm "Startup" für Ausländer, deren Geschäftsidee von kanadischen Investoren unterstützt wird. So soll in Kanada die Ansiedlung neuer Unternehmen gefördert werden. Die Startup-Firmen müssen eine Mindestsumme an Beteiligungskapital von in Kanada ansässigen Investoren nachweisen. Bestehende Anforderungen hinsichtlich Sprachkenntnissen und Bildungsabschlüssen müssen von diesen Zuwanderern ebenfalls erfüllt werden. "Die Rekrutierung von dynamischen Unternehmern aus der ganzen Welt wird Kanada dazu verhelfen, in der globalen Wirtschaft wettbewerbsfähig zu bleiben", sagte Einwanderungsminister Jason Kenney (Konservative). Das Startup-Visa-Programm ist Teil einer Reihe von Änderungen in der Einwanderungspolitik Kanadas (vgl. Ausgaben 10/12, 7/12, 2/12), die sich stärker als bisher an nationalen ökonomischen Interessen ausrichten soll.
www.startupvisa.ca
www.cic.gc.ca
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Christoph Wöhrle, Janne Grote, Fatma Rebeggiani

Christoph Wöhrle

Christoph Wöhrle ist freier Journalist und lebt in Hamburg. Er hat an der Berliner Journalisten Schule volontiert und schreibt regelmäßig Texte zum Thema Migration und Integration. 2007 wurde er für ein Stück über Migranten mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. E-Mail: christoph.woehrle@gmx.de


Janne Grote

Janne Grote ist Doktorand an der Bremen International Graduate School of Social Sciences (BIGSSS) und freiberuflicher Referent in der politischen Erwachsenenbildung. E-Mail: janne.grote@bigsss-bremen.de


Fatma Rebeggiani

Fatma Rebeggiani ist Doktorandin an der Bremen International Graduate School of Social Sciences (BIGSSS) und Redakteurin beim Newsletter "Migration und Bevölkerung". E-Mail: fatmarebeggiani@googlemail.com


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