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14.11.2014

Syriens Nachbarländer erreichen Belastungsgrenze bei der Flüchtlingsaufnahme

Aus keinem anderen Land der Welt fliehen derzeit so viele Menschen wie aus Syrien. Obwohl auch in Europa die Zahl der syrischen Schutzsuchenden steigt, bleibt der Großteil von ihnen doch in der Region. Die Nachbarländer fordern mehr Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft.

(© Burak Korkmaz, www.bkorkmaz.com)


Infolge der gewaltsamen Niederschlagung friedlicher Proteste gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad (Baath-Partei) herrscht in Syrien seit 2011 Bürgerkrieg. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind im Krieg bislang rund 200.000 Menschen getötet worden. Etwa 9 Mio. Syrer sind auf der Flucht, davon haben mehr als 3 Mio. Zuflucht außerhalb des Landes gesucht (vgl. Ausgaben 4/14, 10/13). Nach Einschätzung der Vereinten Nationen hat es seit dem Völkermord in Ruanda 1994 keine größere Flüchtlingskrise mehr gegeben.

Nur ein Bruchteil der syrischen Flüchtlinge kommt in Europa an, der weitaus größere Teil verbleibt in der Region. Ein Viertel der im Libanon lebenden 4,5 Mio. Menschen sind inzwischen Flüchtlinge, pro Kopf mehr als in jedem anderen Land der Welt. Am 23. Oktober beschloss das libanesische Parlament die Schließung der Landesgrenzen für Flüchtlinge aus Syrien, die Belastungsgrenze sei erreicht. Das UN-Flüchtlingshilfswerk muss sich seither die Erlaubnis des Sozialministeriums einholen, bevor es syrische Staatsangehörige als Flüchtlinge registrieren darf. Informationsminister Ramzi Joreige (Kata'ib Partei, christlich/national-konservativ) betonte, dass die Regierung darüber hinaus alles unternehmen werde, um die Flüchtlinge zur Rückkehr in ihr Herkunftsland oder zur Weiterwanderung in ein anderes Land zu bewegen.

Auch die Türkei hat über 1 Mio. syrische Flüchtlinge aufgenommen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan (AKP) forderte bereits im September die internationale Gemeinschaft zu mehr Unterstützung auf. Auf einer internationalen Syrien-Flüchtlingskonferenz in Berlin am 28. Oktober beklagte der stellvertretende türkische Außenminister Naci Koru (AKP), dass die Türkei Kosten von 3,15 Mrd. Euro trage, um den Zustrom syrischer Flüchtlinge zu bewältigen, von der internationalen Gemeinschaft aber nur mit 250 Mio. US-Dollar unterstützt werde. Auch UN-Flüchtlingskommissar António Guterres forderte mehr Solidarität mit Syriens Nachbarländern und warnte vor einer „humanitären Katastrophe“, sollten die finanziellen Hilfen nicht deutlich erhöht werden. Allein dem World Food Programme fehlen bis Ende dieses Jahres nach eigenen Angaben 280 Mio. Euro, um die Versorgung der Flüchtlinge in Syrien und den umliegenden Staaten zu gewährleisten. Das Hilfswerk musste die Nahrungsmittelrationen für syrische Flüchtlinge in der Region um die Hälfte kürzen. Auf der Konferenz sicherten Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) den syrischen Nachbarländern in den kommenden drei Jahren 500 Mio. Euro zu.

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Vera Hanewinkel

Vera Hanewinkel

Vera Hanewinkel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück und Redakteurin bei focus Migration. E-Mail: vera.hanewinkel@uni-osnabrueck.de


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