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1.11.2010

Welt: Migranten stark von der Wirtschaftskrise betroffen

Eine aktuelle Studie des Migration Policy Institute bestätigt, dass Migranten in den meisten Industriestaaten seit 2008 stark von der Wirtschaftskrise betroffen sind. Im Gegensatz zu anderen Industriestaaten stieg die Zahl der arbeitslosen Ausländer in Deutschland nicht.

Die Studie "Migration and Immigrants Two Years after the Financial Collapse: Where Do We Stand?" des Migration Policy Institute (MPI) ist am 7. Oktober in Washington vorgestellt worden. Sie analysiert die Situation von Migranten in fünf Industrieländern (USA, Vereinigtes Königreich, Deutschland, Irland und Spanien) auf der Grundlage bisher vorhandener Migrations- und Arbeitsmarktdaten aus den jeweiligen Ländern. Demnach ist die Zuwanderung in die Industriestaaten während der Wirtschaftskrise stark zurückgegangen.

Besonders deutlich war der Rückgang in Irland, wo die Einwanderung allein aus den neuen EU-Mitgliedstaaten zwischen April 2007 und April 2010 von 33.700 auf 5.800 Personen jährlich zurückging (-83%).

Zahlen aus den USA zeigen, dass dort die Zahl der befristeten Visa für Saisonarbeiter zwischen 2008 und 2009 um 50% zurückgegangen ist.

In Deutschland stieg die Zuwanderung von 682.000 Personen im Jahr 2008 auf 721.000 Personen 2009. Insgesamt war der Wanderungssaldo 2009 jedoch negativ (-13.000 Personen, 734.000 Fortzüge).

Der Abstand zwischen der Arbeitslosenquote von Ausländern und Einheimischen vergrößerte sich zwischen dem vierten Quartal 2007 und dem vierten Quartal 2009 in den USA (von 0,7 auf 2,1 Prozentpunkte), Irland (von 1,5 auf 7,4), Italien (von 3 auf 4,3), Portugal (von 1,9 auf 5,3), Schweden (von 7,1 auf 8,9) und Frankreich (von 8,3 auf 9,8). Am stärksten öffnete sich diese Schere in Spanien, wo der Unterschied zwischen der Arbeitslosenquote der Einheimischen und der Quote der Einwanderer von 4,4 Prozentpunkten auf 12,2 Prozentpunkte anstieg (vgl. MuB 8/08). In Deutschland hingegen verringerte sich der Abstand von 8,6 auf 7,1 Prozentpunkte.

Auch Einwanderer, die bereits länger in den Industrieländern leben, sind von der Krise in Form von Arbeitslosigkeit betroffen. Männliche Migranten wurden besonders häufig arbeitslos, da sie oft in Branchen arbeiten, die stark unter der Rezession zu leiden hatten, wie dem Baugewerbe und der Industrie. Auch junge Migranten (15-24 Jahre) waren weltweit besonders stark von Arbeitslosigkeit betroffen. 2009 waren im EU-Durchschnitt 24% der im Ausland geborenen Jugendlichen arbeitslos, in Spanien waren es sogar 41% , in Schweden 37%.

Besonders hart traf die Krise Einwanderer aus bestimmten Staaten: Einwanderer aus Bangladesch in Großbritannien, Nordafrikaner und Lateinamerikaner in Spanien sowie Südamerikaner in den USA. Besser als dem Durchschnitt erging es asiatischen Migranten in den USA und Indern in Großbritannien. Diese Unterschiede sind hauptsächlich damit zu erklären, dass Angehörige der letztgenannten Gruppen im Durchschnitt besser ausgebildet sind. Höher qualifizierte Migranten waren in den meisten Industriestaaten weniger stark von Arbeitslosigkeit betroffen als gering qualifizierte.

Durch die gesunkene Migration und die starken wirtschaftlichen Probleme vieler Migranten gingen die Rücküberweisungen weltweit während der Wirtschaftskrise zurück (2009: -6,7% im Vergleich zum Vorjahr). Besonders stark sanken die Rücküberweisungen nach Europa und Zentralasien (-20,3%), Südamerika und in die Karibik (-12,3%). Die Rücküberweisungen nach Rumänien sanken im ersten Halbjahr 2009 sogar um 60%. Nur die Rücküberweisungen nach Südasien stiegen um 4,9%.

Verglichen mit anderen Industriestaaten waren Migranten in Deutschland laut der Studie weniger stark von der Wirtschaftskrise betroffen. Insgesamt ging die Arbeitslosigkeit inzwischen wieder etwas zurück. Im Oktober 2008 hatte die Quote laut Bundesagentur für Arbeit bei 7,3% für Deutsche bzw. 17,2% für Ausländer gelegen, im Oktober 2010 bei 6,4% bzw. 14,7%.
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