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1.1.2010

Deutschland: Migrantenkinder zu selten in Kindertagesstätten

Nur 84 % der Kinder mit Migrationshintergrund besuchen eine Kindertagesstätte, gegenüber 93 % der deutschen Kinder in Westdeutschland (ohne Berlin). Das ist Ergebnis einer Anfang des Jahres vorgestellten Studie der Bertelsmann Stiftung.

Die Erkenntnisse basieren auf Ergebnissen des Ländermonitors "Frühkindliche Bildungssysteme" der Bertelsmann Stiftung. Untersucht wurde die Bildungsbeteiligung von drei- bis sechsjährigen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund an einem Stichtag im Jahr 2008 (15.3.2008) in den alten Bundesländern (ohne Berlin). Für die neuen Bundesländer liegen keine repräsentativen Zahlen vor.

Am geringsten fielen die Unterschiede in Baden-Württemberg aus, wo etwa 95 % der Kinder ohne Migrationshintergrund eine Kita besuchen und 94 % der gleichaltrigen Kinder mit Migrationshintergrund. Am größten waren die Unterschiede in Schleswig-Holstein mit 91 % zu 60 %.

Barrieren, die Kinder aus Zuwandererfamilien vom Besuch einer Kindertageseinrichtung abhalten, seien zum Beispiel fehlende mehrsprachige Informationen über ihren Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. Wichtig sei außerdem, die Pädagogen interkulturell zu schulen und mehr Erzieher einzusetzen, die selbst einen Migrationshintergrund hätten, heißt es in der Studie.

Das von der Bundesregierung geplante Betreuungsgeld, das als Alternative zu der ab 2013 gesetzlich zugesicherten Kinderbetreuung gezahlt werden soll, sei dagegen der "völlig falsche Anreiz", kritisierte Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Eltern mit Migrationshintergrund würden ihr Kind eher in eine gebührenfreie Kita schicken. Gerade Kinder aus benachteiligten Verhältnissen und Zuwandererfamilien sollten eine Kita besuchen, da der Besuch frühkindlicher Bildungseinrichtungen die Grundlage für spätere Lernerfolge sei, sagte Dräger.

NRW-Familienminister Armin Laschet (CDU) sieht durch die Studie die Bemühungen der nordrhein-westfälischen Landesregierung, v. a. im Bereich der frühkindlichen Sprachförderung, bestätigt. Allerdings rangiert Nordrhein-Westfalen in der Studie mit einer Teilnahmequote von 88 % der Kinder mit Migrationshintergrund (92% Kinder ohne Migrationshintergrund) im unteren Mittelfeld.

Die Präsidentin des Deutschen Städtetages, Petra Roth, sagte: "Bund und Länder müssen endlich erkennen, dass der Ausbau der Kinderbetreuung unterfinanziert ist. Ohne weitere Finanzhilfen werden die Kommunen es nicht bewältigen können, den Rechtsanspruch ab dem Jahr 2013 umzusetzen."
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