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Rachel aus Zentralasien: Arbeitsblatt

Rachel und ihrer Familie gelingt zwar die Flucht, doch zunächst dürfen sie und ihre Eltern nicht in Europa bleiben. Womit hängt das zusammen? Warum bekommen sie keine Aufenthaltsgenehmigung? Das Arbeitsblatt bietet Hintergrundinformationen zum Thema Asyl und Abschiebung sowie Aufgaben und Fragen zum besseren Verständnis von Rachels Geschichte.

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Rachel kommt aus einem Land in Zentralasien. Sie und ihre Eltern dürfen dort als Christen nicht ihre Religion offen leben. Sie gehören nicht richtig dazu. Rachel findet die Stimmung angespannt. Sie wünscht sich eine sorglose Kindheit. Die Familie flüchtet in einem dunklen Lastwagen nach Europa. Dort genießt Rachel die neue Freiheit und Sicherheit. Doch die Familie darf nicht bleiben, sie wird in ihre alte Heimat zurückgeschickt. Dort wird Rachels Familie nun noch feindseliger behandelt. Die Familie flüchtet ein zweites Mal nach Europa. Dort ist zunächst alles wieder in Ordnung, doch die Angst, nicht endgültig sicher zu sein, bleibt. Endlich kommt die gute Nachricht: Die Familie darf bleiben! Rachel möchte in der Zukunft gerne als Anwältin für die Rechte von Geflüchteten kämpfen.

1. Vor dem Sehen des Films

Ein unbekanntes Land

1 (© 2013 Mosaic Films / SWR)


2 (© 2013 Mosaic Films / SWR)



Schau dir diese beiden Bilder an. Sie zeigen das Land, aus dem Rachel und ihre Familie kommen und eine Erinnerung an Rachels Leben dort.
  1. Was denkst du, wie ist es in diesem Land? Wie ist die Natur, das Klima, die Menschen, die Sprache, die Religion? Wo könnte dieses Land liegen? Finde Adjektive, die beschreiben, wie die Darstellung des Landes (Bild 1) auf dich wirkt. Würdest du dort gern einmal hinreisen? Begründe deine Aussage.
  2. Beschreibe, was Rachel tut. Findest du, dass sie glücklich aussieht?
  3. Was denkst du, warum ist sie im Haus?

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Gut zu wissen

Zentralasien ist eine Region im Zentrum des Kontinents Asien, zu der verschiedene Länder gezählt werden, zum Beispiel Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Kirgisistan oder Tadschikistan. In dem Film wird nicht klar, aus welchem Land genau Rachel kommt. Die Region wurde in der Vergangenheit immer wieder von verschiedenen Mächten und Herrschern regiert. Die Mehrheit der Menschen in der Region Zentralasien gehört islamischen Religionsgemeinschaften an, Christen und andere Religionsgruppen sind in der Minderheit.

2. Den Film sehen und verstehen

Eine Religion macht viele Probleme (0:00 - 1:15 min.)
Filmausschnitt (0:00 - 1:15 min.) (© 2013 Mosaic Films / SWR)


Fasse zusammen, wie Rachel ihr Leben in ihrem Heimatland beschreibt. Sie sagt „Ich spürte, dass ich anders war“. Was meint sie damit? Kennst du das Gefühl, wenn man nicht zu einer Gruppe dazu gehört, aber man würde gern? Beschreibe, wie es Rachel vermutlich geht.

Welche Religion hat Rachels Mutter und wie übte sie ihre Religion aus? Wie wurde die Familie von anderen Menschen behandelt?

Eine Reise mit ungewissem Ausgang (1:16 - 1:45 min.)
Filmausschnitt (1:16 - 1:45 min.) (© 2013 Mosaic Films / SWR)


Stelle dar, wie die Flucht ablief.

Rachel sagt: „Es war eine Reise, von der wir nicht wussten, wohin sie führen würde“ (1:38)

3 (© 2013 Mosaic Films / SWR)


Noch ist alles offen und ungewiss. Überlege, wie es mit Rachel und ihrer Familie weitergehen könnte, wenn sie in einem neuen Land ankommen: Wird sofort alles gut sein? Welche Schwierigkeiten oder Probleme könnte es geben? Sammelt eure Antworten an der Tafel oder auf einem großen Papier. Schreibt auf eine Seite die guten Aussichten, auf die andere Seite die möglichen Schwierigkeiten.

Ein neues Leben - auf Zeit (1:45 - 2:16 min.)
Filmausschnitt (1:45 - 2:16 min.) (© 2013 Mosaic Films / SWR)


Beschreibe, wie es Rachel in ihrem neuen Zuhause geht.

Was passiert, das wieder alles verändert?

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Flüchtlinge und das Recht zu bleiben

Flüchtlinge [www.hanisauland.de/lexikon/f/fluechtling.html] sind Menschen, die ihre Heimat verlassen, zum Beispiel weil sie dort wegen ihrer Hautfarbe, Religion, Staatsangehörigkeit oder politischen Ansichten verfolgt werden. Wenn einer dieser Gründe für die Flucht vorliegt, sind andere Staaten verpflichtet sie aufzunehmen. Dies steht in einem wichtigen Vertrag, der Genfer Flüchtlingskonvention. Diesen Vertrag haben viele Staaten der Welt im Jahr 1951 unterschrieben, auch Deutschland. In Deutschland gibt es noch dazu das Grundrecht auf Asyl [www.hanisauland.de/lexikon/a/asyl.html], wenn jemand aus politischen Gründen in der Heimat verfolgt wird. Asyl meint so viel wie „Schutz“ oder „Zuflucht“.

Wenn Menschen hier bleiben wollen, müssen sie einen Antrag stellen, also ein Formular ausfüllen und in einem Gespräch ihre Fluchtgründe erklären. Der Staat prüft das sehr genau. Wenn es gut geht, dürfen die Menschen bleiben, zumindest für eine bestimmte Zeit. Manchmal wird der Antrag auch abgelehnt und die Menschen werden wieder in ihre Heimatländer zurückgeschickt – man sagt auch, sie werden „abgeschoben“.

Abschiebung

Wenn jemand nicht als Flüchtling oder Asylberechtigte/-r anerkannt wird, muss er oder sie Deutschland verlassen. Aber Ausreise und Abschiebung [https://www.hanisauland.de/lexikon/l/landesverweis.html] sind nicht immer möglich. Es kann sein, dass jemand nicht reisen kann, weil er oder sie zum Beispiel krank ist, oder dass er keinen Pass [https://www.hanisauland.de/lexikon/p/pass.html] hat oder es keine Verkehrsverbindung in das Herkunftsland gibt. Manchmal ist die Lage in dem Land auch nicht sicher. Dann kann er oder sie eine Duldung erhalten und noch eine Zeit lang in Deutschland bleiben.

Mehr über die Themen Flucht und Asyl kannst du hier erfahren

HanisauLand Spezial Flüchtlinge – Menschen auf der Flucht: https://www.hanisauland.de/spezial/flucht-fluechtlinge/

Bei Logo! Artikel und Erklärfilme:

Asyl erklärt in Text und Videos: http://www.tivi.de/fernsehen/logo/artikel/03781/index.html
Film Asylantrag: http://www.tivi.de/mediathek/flucht-nach-europa-2434430/asylantrag-2790994/
Film Asylrecht: http://www.tivi.de/mediathek/flucht-nach-europa-2434430/asylrecht-2446856/


Gefängnis und Abschiebung (2:17 - 3:19 min.)
Filmausschnitt (2:17 - 3:19 min.) (© 2013 Mosaic Films / SWR)


Fasse zusammen, was passierte, nachdem Rachel und ihre Familie den Brief mit der Ablehnung ihres Asylantrages bekommen hatten.

Wieder in der alten Heimat (3:19 - 3:59 min.)
Filmausschnitt (3:19 - 3:59 min.) (© 2013 Mosaic Films / SWR)


Beschreibe, wie es Rachels Familie zurück in der alten Heimat erging und was sie taten.

Wieder in Europa (4:00 - 4:58 min.)
Filmausschnitt (4:00 - 4:58 min.) (© 2013 Mosaic Films / SWR)


Rachels Familie kommt wieder nach Europa. Beschreibe, wovor Rachel sich anfangs fürchtet. Wie geht es Rachel, nachdem der Anruf kommt? Welche Pläne für die Zukunft hat Rachel?

3. Alle anders, alle gleich? Religionsfreiheit und Gleichbehandlung

4 (© 2013 Mosaic Films / SWR)


Besprecht in Partnerarbeit mit eurem Tischnachbarn oder eurer Tischnachbarin folgende Fragen: Rachel und ihre Familie werden in ihrem Heimatland wegen ihrer Religion schlechter behandelt als die anderen Menschen. Was darf Rachels Mutter nicht tun? Was kann Rachel nicht tun? Wie gehen die anderen Leute mit ihnen um?

Rachel sagt im Film: „In Europa ist es kein Problem, Christ zu sein, aber in meinem Land leben hauptsächlich Muslime. Da mag man die christliche Religion und ihre Bräuche nicht.“

In Rachels Heimat gehören die meisten Menschen dem muslimischen Glauben an. Wie ist es in Deutschland? Schaut euch die Grafik an und findet heraus: Welche Religionen gibt es und welchen gehören die meisten Menschen an?

Grafik: Religionszugehörigkeit, Anteile in Prozent der Gesamtbevölkerung (© 2012 Bundeszentrale für politische Bildung)


Im Grundgesetz [www.hanisauland.de/lexikon/g/grundgesetz.html] steht, dass alle Menschen ihre Religion ausüben dürfen und dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind, also die gleichen Rechte haben.

Kennst du Situationen, in denen Menschen, die zum Beispiel muslimischen oder jüdischen Glaubens sind, wegen ihrer Religion Probleme oder Nachteile haben? Hat jemand aus deiner Familie oder haben Bekannte mal schlechte Erfahrungen wegen ihrer Religionszugehörigkeit gemacht? Denke dabei zum Beispiel an Menschen, die Zeichen ihrer Religion tragen, wie Frauen mit Kopftüchern, Männer mit bestimmten Mützen oder Bärten…

Schreibe auf Kärtchen ein Beispiel für eine solche Situation. Stellt euch in Kleingruppen (2-3 Kinder) gegenseitig eure Ideen vor. Sucht euch dann eine Situation aus, die ihr als kleines Rollenspiel einübt (höchstens 1-2 Minuten lang).

Kommt im Sitzkreis zusammen und spielt den anderen eure kurzen Rollenspiele vor. Sprecht über die Situationen. Was ist passiert? Warum gibt es das Problem? Wie gehen die Menschen miteinander um? Wie könnte man es besser machen? Überlegt euch Lösungen und spielt diese vor.

3. Menschen- und Kinderrechte

Viele Staaten haben gemeinsam eine Sammlung von Rechten aufgestellt, die für alle Menschen gelten sollen, das ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. In vielen staatlichen Verfassungen oder Grundgesetzen stehen diese Menschenrechte auch. Es gibt außerdem eine Sammlung von Rechten, die speziell für die Kinder der Welt gelten sollen, und zwar für alle. In dieser Kinderrechtskonvention steht zum Beispiel:

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Kein Kind darf benachteiligt werden

Alle Kinder haben diese Rechte, egal wer sie sind, wo sie leben, woher sie kommen, welche Hautfarbe sie haben, was ihre Eltern machen, welche Sprache sie sprechen, welche Religion sie haben, ob sie Junge oder Mädchen sind, in welcher Kultur sie leben, ob sie eine Behinderung haben, ob sie reich oder arm sind. Keinem Kind darf irgendeines der beschlossenen Rechte weggenommen werden. (Art. 2 der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen)

Grund- oder Menschenrechte (aus dem Grundgesetz von Deutschland):

Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. (Artikel 3)

Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet. (Artikel 4)

Vergleicht die Rechte, die hier aufgeschrieben sind und die für alle Kinder und Menschen gelten sollen, mit Rachels Leben in ihrem Heimatland und mit den Situationen, die ihr vorgespielt habt. Da stimmt etwas nicht, oder? Überlegt in Kleingruppen, warum die Rechte nicht immer und überall eingehalten werden.

Was können wir dafür tun, dass es besser wird? Gestaltet in der Kleingruppe ein buntes Plakat, auf dem ihr eine kurze Forderung oder einen Wunsch aufschreibt, was besser werden soll. Ihr könnt etwas schreiben oder malen oder beides.

Ihr könnt noch mehr über Kinderrechte herausfinden, zum Beispiel auf diesem Plakat: http://www.bpb.de/shop/lernen/falter/194570/kinderrechte

oder auf diesen Internetseiten:

https://www.hanisauland.de/spezial/kinderrechte/

https://www.unicef.de/mitmachen/youth

4. Rolle des Staates und der Polizei

Besprecht in der Gruppe folgende Fragen: Welche Aufgaben hat die Polizei bei uns? Hattet ihr schon mal direkt etwas mit Polizistinnen oder Polizisten zu tun? Welche Gefühle hattet ihr dabei?

Wie werden die Polizisten in dem Film dargestellt (schau dir die Bilder an)? Welche Gefühle hat Rachel in der Situation, auch gegenüber den Polizisten? Vergleiche dies mit deinen eigenen Erfahrungen oder Gefühlen, die mit Polizei zu tun haben.

5 (© 2013 Mosaic Films / SWR)

6 (© 2013 Mosaic Films / SWR)

7 (© 2013 Mosaic Films / SWR)

8 (© 2013 Mosaic Films / SWR)


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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-SA 4.0 - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International" veröffentlicht. Autor/-in: Katharina Reinhold für bpb.de

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Katharina Reinhold

Katharina Reinhold

Katharina Reinhold

Katharina Reinhold ist Redakteurin, Autorin und Vermittlerin mit den Fachgebieten politische und kulturelle Bildung.


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