zurück 
22.6.2006

Presseschau vom 22.06.2006

Die Sportpresse stellt die Frage nach dem Mythos der Turniermannschaft und ist beeindruckt von der Fehlerfreiheit Jürgen Klinsmanns. Daneben ein Überblick über die Mannschaft Schwedens, deren Spiel recht kritisch betrachtet wird, weiterhin hinterlässt das Spiel der englischen Mannschaft Ratlosigkeit.

Die Sportpresse stellt die Frage nach dem Mythos der Turniermannschaft und ist beeindruckt von der Fehlerfreiheit Jürgen Klinsmanns. Daneben ein Überblick über die Mannschaft Schwedens, deren Spiel recht kritisch betrachtet wird, weiterhin hinterlässt das Spiel der englischen Mannschaft Ratlosigkeit.

Deutsche Elf

Aufgepasst! Dies ist kein Laternenumzug!

Zwei Texte aus El País, die belegen, dass alte Stereotype über deutschen Fußball in Spanien tief verwurzelt sind – erstes Beispiel:
"Es ist eine Phrase, eine von vielen, aber verdammt nochmal, sie stimmt einfach fast immer! Fußball ist ein Spiel elf gegen elf, und am Ende gewinnt Deutschland. Beinahe, zumindest. An ihrer WM hat Jürgen Klinsmanns Mannschaft trotz viel negativem Gerede drei von dreien gewonnen. So. Deutschland spielt außerdem zuhause, was erwiesenermaßen hilfreich ist (außer bei der lächerlichen Darbietung Spaniens in Spanien 82). Sie sind über den schnellen und überzeugenden Weg ins Achtelfinale gekommen. Und sie haben Leute ganz oben wie Klose, Neuville, Podolski oder Ballack. Es muss ganz klar mit ihnen gerechnet werden. So wie es normal ist, und wie es an der Mehrheit von uns Kritikern vorbeigegangen ist. Ich sehe sie zu allem bereit. Klar, sie sind Deutschland. Die ohne wenigstens Taba [ein Kinderspiel, d. Übersetzerin] gespielt zu haben ins Finale von Japan und Südkorea 2002 kamen – wie konnte mir das entgehen? Man muss eben jedes noch so kleine Detail erkennen."

Auch der zweite Textausschnitt belegt die Mischung aus Respekt und Abneigung:
"Deutschland geht mit denselben Waffen wie immer und großer Entschlossenheit durch diese WM. Eine Augenweide bieten sie nicht, nein. Ihr Spiel ist sehr mechanisch, wie das Räderwerk eines Fahrrads. Dennoch macht sie diese Einfachheit, dieser Pragmatismus, dieses Es-gut-machen zu einem der stärksten Kandidaten auf den Meistertitel. Rufen wir uns einmal die Titel in Erinnerung, die sie in Italien und bei der EM 96 errangen: ohne Glanz, ohne Schnörkel, aber schrecklich effektiv. Der deutsche Stürmer ist der treue Reflex seiner Mannschaft. Er scheint gar nicht da zu sein, aber in dem Moment, in dem er auch nur über die kleinste Chance verfügt, versetzt er den entscheidenden Schlag. Im reinen Tyson-Stil. Klose ölt die deutsche Maschinerie. (...) Wenn der Funke nicht übersprang, zeigte Michael Ballack seine Führungsqualität und sein Wissen darüber, dass über ihn diskutiert wird. Er baute auf und lenkte, um den Rest seines Teams brillieren zu lassen. (...) Freilich ein Spiel ohne Ahs und Ohs über seine Schönheit, mit der sich andere schmücken, aber dafür mit anderen, gleichwertigen Vorteilen. Die drei Siege der Vorrunde sind eine einfache Warnung: Aufgepasst! Dies ist kein Laternenumzug! Wenn die deutsche Maschinerie zu rollen beginnt ..."

Glaube

Turniermannschaft Deutschland, mythische Zauberworte – Michael Horeni (FAZ) spürt alten Wurzeln nach:
"Die Kombination aus Siegen, vielen Toren, Teamgeist und einer riesigen Begeisterungswelle im Lande wirkt auf die Gegnerschaft nicht unbedingt beruhigend. Schweden und Engländer kämpften in ihrem Gruppenspiel bis zur allerletzten Minute, um nicht als Zweiter auf die Heimmannschaft dieses Turniers treffen zu müssen. Aus anderen Ländern sind inzwischen hochachtungsvolle Meinungsäußerungen zu hören. Vergessen erst einmal die zögerliche, fast erniedrigende Haltung der vergangenen Jahre. Als Rudi Völler bei der Europameisterschaft 2004 vor dem Abwehrbollwerk Lettlands warnte, gegen das etwas mehr Torgefahr ausgehen müsse, um 'vielleicht' zu gewinnen. Bekanntermaßen schied die verunsicherte deutsche Mannschaft vor den K.-o.-Spielen aus -gegen die Letten stand am Ende ein zähes wie grausames 0:0. Oder als 2000 bei der EM ein indisponierter Erich Ribbeck den für das von Hochleistung geprägte Fußballgeschäft unmöglichen Satz sagte: 'Ich hoffe, ich kann meinen Spielern begreiflich machen, daß es für uns gegen Portugal noch um sehr viel geht.' Wie nicht anders zu erwarten folgte damals das Debakel mit einem 0:3 gegen eine Ersatzmannschaft der Portugiesen und der absolute Tiefpunkt der deutschen Fußballgeschichte. Sechs Jahre weiter ist wieder ein Hauch zu spüren von 'la Mannschaft' oder 'die Mannschaft', wie die Franzosen oder Holländer in besseren Zeiten ehrfurchtsvoll der deutschen Fußballauswahl huldigten. Um wirklich zu einer Turniermannschaft zu werden, muß Klinsmanns Mannschaft erst einmal viele Spiele in diesem Turnier bestreiten. Die alte Tradition oder den alten Mythos würde ein Sieg im Achtelfinale weiter aufleben lassen, doch nicht gänzlich zurückbringen. Aber so vorsichtig derzeit Spieler und Trainer sich äußern, sie glauben zu spüren, daß eine große Chance vor ihnen liegt."

Position der Stärke

Jan Christian Müller (FR) stellt Jürgen Klinsmann ein sehr gutes Zeugnis aus und vernimmt seine Kritik an der Bundesliga:
"Es ist verblüffend, wie fehlerfrei der Jung-Trainer mit seinem umfangreichen Mitarbeiterstab bislang gearbeitet hat. Er gewann zum Eröffnungsspiel den Machtkampf mit Michael Ballack, ohne dass dieser erkennbare Schrammen davontrug; er wechselte gegen Polen perfekt aus und noch perfekter ein, er gab Lukas Podolski gegen Ecuador das Vertrauen, das der Junge brauchte und mit einem Tor zurückzahlte, er ließ den angeschlagenen Christoph Metzelder zuschauen und den zuvor auffällig miesepetrigen Robert Huth mitspielen, ehe dieser vom Lagerkoller erfasst worden wäre. Er demonstrierte Sebastian Kehl im Eröffnungsspiel und Gerald Asamoah in der letzten Vorrunden-Begegnung einfühlsam, dass sie nicht abgeschrieben sind. Er gibt sich sogar bei seinen öffentlichen Auftritten inzwischen wieder entspannter. Siege, man sieht das an Klinsmann, sind Balsam für die Seele. Nun kann der monatelang kritisierte Bundestrainer aus einer Position der Stärke argumentieren. Gestern ließ er durchblicken, dass er sich bei seiner Mission nicht ausreichend unterstützt fühlte. 'Wir hatten es nicht einfach die letzten Jahre. Denn teilweise wurden unsere Nationalspieler in den Vereinen auf die Bank gesetzt. Wir haben sie durchgepusht.' In der Bundesliga, deren Manager inzwischen brav in die nationalen Jubelorgien einstimmen, wird man solche Worte sensibel zu deuten wissen. Klinsmann ist auch in der Stunde des Erfolges nicht daran gelegen, sich neue Freunde zu machen. Er hat das jetzt noch weniger nötig als je zuvor. Erstmals offenbarte er gestern, dass die vier Leistungstests, die auf seine Initiative hin zwischen September 2004 und Mai 2006 durchgeführt wurden, zu Ergebnissen geführt hätten, 'mit denen wir nicht zufrieden waren'."
Mehr in fr-online.de ...

Vor dem break even

Philipp Selldorf (SZ) ehrt Klinsmanns Gelassen- und Bescheidenheit im Sieg:
"Für Bundestrainer Klinsmann und seine Leute bestünde jetzt Gelegenheit, alle berufsmäßigen Nörgler und Besserwisser für ahnungslos und vogelfrei zu erklären. Aber dem negativen Reflex der 'Genugtuung', der ein typisches Element für Akteure im kommerziellen Spitzensport ist, versagt er sich. Er liegt nicht in seinem Interesse, vielleicht auch nicht in seiner Natur – und schon gar nicht würde diese Art der Aggression in sein psychologisches Konzept passen. Unfrieden kommt darin nicht vor, deswegen befindet er sich seit der WM-Vorbereitung in einem Verhältnis harmonischer Neutralität zu allen notorischen Widersachern aus früheren Tagen (bis dahin 'Feinde fürs Leben' genannt). Klinsmanns beinahe beiläufige Siegerlaune nach dem Sieg gegen Ecuador folgte kluger Einsicht in die Qualität der Herausforderung ('dieses Spiel war kein Maßstab') und weiser Ahnung dessen, was bevorsteht." Peter Heß (FAZ) gibt zu bedenken: "So schön diese Weltmeisterschaft bisher für Deutschland verlaufen ist, gewonnen wurde noch nichts. Weder Klinsmann noch irgendein anderer leitender Angestellter des DFB könnte die WM als sportlichen Erfolg verkaufen, wenn Schweden der deutschen Kampagne ein Ende setzte. Erst mit dem Einzug ins Viertelfinale wäre das erreicht, was in der Wirtschaft break even heißt. Jeder weitere Triumph rechtfertigte dann das Lob, mit dem Klinsmann schon jetzt überschüttet wird."
Mehr in faz.net ...

Berliner Zeitung: Fitnesstests – Klinsmanns deutliche Kritik an den Bundesligavereinen
Mehr in berlinonline.de ...

Frankfurter Allgemeine Zeitung-Bericht und Fotostrecke vom 3:0-Sieg gegen Ecuador
Mehr in faz.net ...

faz.net: Zwischenzeugnis
Mehr in faz.net ...

Frankfurter Rundschau-Portrait Arne Friedrich
Mehr in fr-online.de ...

Gruppe B

Nervensägen

Ronald Reng (BLZ) betont die Heterogenität der Schweden:
"Schweden hat bei dieser WM bislang schlechte Haltungsnoten bekommen. Ihr Spiel ist steril, für Kreativität muss eine Vermisstenanzeige aufgegeben werden. Das 2:2 gegen England lieferte das bislang beste Röntgenbild dieses schwedischen Teams. Sie zeigten alles. Ihre Schwächen, etwa die Schwierigkeit, den Ball ruhig zu passen, oder die Lücken auf der rechten Abwehrseite. Ihre Stärken, die Aggressivität, das Pressing und die gefährlichen Eckbälle. Es ist eine Elf ohne Komplexe, die Experten sollen gerne über ihre Biederkeit lästern, sie, die Spieler, wissen sehr gut, wer sie sind und was sie können. Sie sind immer noch Nervensägen. Viel ist geschrieben worden über ihren neuen Glamour, eine Angriffsreihe von Weltniveau mit Zlatan Ibrahimovic und Henrik Larsson. Doch stilprägend für Schweden sind noch immer die anderen, Kim Källström von Olympique Lyon und Tobias Linderoth vom FC Kopenhagen im zentralen Mittelfeld, mit ihrer Energie, ihrer Kondition, ihrer taktischen Disziplin."
Mehr in berlin-online.de ...

Roland Zorn (FAZ) fügt hinzu:
"Die Schweden, seit zwölf Begegnungen ohne Niederlage, haben genug zu bieten, um auch dem Turnier-Gastgeber gefährlich werden zu können: eine in sich gefestigte, aber in Eins-gegen-eins-Situationen anfällige Abwehr; ein stabiles, aber selten inspiriertes Mittelfeld; und ein paar individuell glänzende, kollektiv aber nicht immer leicht zu integrierende Stars im Angriff. Und dann diese Standardsituationen: Kaum eine Mannschaft versteht es bei diesem Turnier so gut wie die Schweden, Eckbälle zu Waffen zu machen. Die englischen Recken Ferdinand und Terry gerieten in diesen nach der Pause zahlreichen Momenten geradezu in Panik. Schließlich vertraut Schweden einer ebenso herausragenden Fitness wie die Deutschen und darüber hinaus seinen Endspurtqualiäten."

Ungeschlacht

Bernd Müllender (taz) geht mit den Schweden härter ins Gericht:
"Viele Aktionen der Schweden waren wenig Achtelfinal-würdig. Ungeschlacht das schwedische Aufbauspiel, ohne Kreativität und Finesse. Mittelfeldspieler Christian Wilhelmsson steht, optisch jedenfalls, stellvertretend für diese Spielweise: Sein langes dünnes Zöpfchen war höchstens vor 15 oder 20 Jahren aktuell. Entsprechend das schwedische Aufbauspiel: aggressiv zwar, aber ohne Ballstafetten, schnell, weit und hoch nach vorne, um das Mittelfeld bloß schnell zu überbrücken. Freddie Ljungberg und Henrik Larsson, die wirbeligen Angreifer, können einem Leid tun: Sie haben in diesem Team kaum fähige Mitspieler."
Mehr in taz.de ...

Frankfurter Rundschau: Warum die Schweden so schwer zu schlagen sind
Mehr in fr-online.de ...

Süddeutsche Zeitung: Die Schweden überschätzen ihre Fußballer, Journalisten werden zu Fans und Politiker zu Reportern, über Deutschland schreibt man im Kriegsvokabular
Mehr in sueddeutsche.de ...

Systembedingte Schwäche

Michael Wulzinger (Spiegel) geht dem Unterschied zwischen der englischen Nationalmannschaft und der englischen Liga auf den Grund:
"Trotz ihrer großen Namen bolzten sie so uninspiriert wie in jenen Tagen, als auf der Insel kontinentale Einflüsse im Fußball noch als Bedrohung ureigener Werte verteufelt wurden. Es ist so etwas wie der Fluch der Premier League. Einerseits suggeriert das Spektakel, das den Fans auf der Insel Woche für Woche geboten wird, dass sie im fußballerischen Schlaraffenland leben. Andererseits hat der milliardenschwere Glamourbetrieb einen Verdrängungswettbewerb um die begehrten Arbeitsplätze bei den Vereinen in Gang gesetzt, der weltweit einmalig ist. (...) Es erstaunt nur bedingt, dass englische Starkicker wie Frank Lampard vom FC Chelsea oder Steven Gerrard vom FC Liverpool, die in der Premier League verlässlich auf Hochtouren laufen, im Nationalteam nur selten ihr Niveau erreichen. Ihr Leistungsabfall ist systembedingt. So muss der schussgewaltige Gerrard genauso wie Lampard bei Länderspielen im Mittelfeld Defensivaufgaben erledigen, die ihm im Club ein Stratege wie der Spanier Xabi Alonso – auf dieser Position bei der WM einer der überragenden Spieler – selbstverständlich abnimmt."

Raphael Honigstein (SZ) weiß nicht, was er von dem 2:2 gegen Schweden, insbesondere der zweiten Halbzeit der Engländer, halten soll:
"Kapitän Beckham, der anfangs mit ein paar feinen Pässen gefallen hatte, verwandelte sich in einen ausgesprochenen Passivposten an der rechten Außenbahn. Er war so neben der Spur, dass man gar nicht wusste, ob er überhaupt noch mitspielte. Dass dann auch noch die sonst so verlässlichen Innenverteidiger patzten, machte den Abend vollends befremdlich. Es war der beste und der schlechteste Auftritt der Engländer innerhalb eines einzigen Spiels. Auf wen oder was kann man sich in dieser Mannschaft überhaupt noch verlassen?"
Frankfurter Rundschau: Publikumsliebling Trinidad und Tobago
Mehr in fr-online.de ...

Gruppe C

Beschleuniger

Christian Eichler (FAZ) schildert das Alleinstellungsmerkmal Juan Riquelmes, des argentinischen Spielmachers:
"Riquelme gilt vielen als zu langsam. Tatsächlich könnte die Schwäche der Argentinier in ihrer Abhängigkeit von ihrem Spielmacher liegen, der pro Spiel im Schnitt über hundert Ballkontakte hat, mehr als jeder andere bei der WM. Jorge Valdano, der Weltmeister von 1986, hat einen Freund, der Riquelme das 'Zollhäuschen' nenne – weil der Ball bei ihm immer haltmachen müsse. So paßte er nicht ins System des direkten Spiels und hohen Balltempos, das man beim FC Barcelona pflegt. Dort ließ ihn Trainer Louis van Gaal, der den Argentinier nicht wollte, auf dem Flügel versauern. Er ist kein Treiber des Balles, eher ein Schlepper – der aber dann, aus der scheinbaren Schläfrigkeit, die seinen Bewegungen und seinen melancholischen Augen innewohnt, den überraschenden Tempowechsel holt. Denn nicht Schnelligkeit ist das wirklich Entscheidende im Offensivspiel, sondern 'Beschleunigung', wie Aime Jacquet sagt – und wie er es bei der heutigen französischen Equipe vermißt. Die Kunst des Tempowechsels versetzt Gegner oft mehr in Stress als das regelmäßige, berechenbare Tempo, das Teams wie Deutschland und England anstreben. 'Unberechenbar' will Trainer Pekerman denn auch vor allem sein mit seiner Mannschaft. Er ist damit ein Bruder im Geiste von Jose Mourinho. Der predigt den Rhythmuswechsel, ein Spiel namens 'press and rest': jagen und ruhen. Hat der Gegner den Ball, sind seine Spieler rastlos: Druck ausüben auf dem ganzen Platz, Ball gewinnen. Haben sie ihn, sollen sie die Wahl treffen: schnell attackieren – oder, häufiger, am Ball ausruhen, warten, bis der Jäger ruhig und das Opfer reif ist. Es ist das, was auch Argentinien vorführt: Man muß das Tempo nicht hoch halten, aber man muß es bestimmen. Es ist das Gegenteil der Hetzjagd, es ist die lauernde Art der Raubkatze: Ruhe haben, warten können, zupacken. Argentiniens Trainer fügt einen Satz an, mit dem schon ein anderer Meister der Verschleierung und Verschleppung, der Ruhe und des Rhythmuswechsels Weltmeister wurde, nachdem auch er alles um den einen Spielmacher herumbaute, nämlich Sepp Herberger: 'Es ist der Ball, der laufen sollte, nicht der Spieler.'"

taz: Warum bei der WM das angekündigte Hochgeschwindigkeits-Fußballspektakel ausbleiben könnte
Mehr in taz.de ...

Süddeutsche Zeitung-Portrait Edwin van der Sar
Mehr in sueddeutsche.de ...

Gruppe D

Leidenschaftlichen Jünglinge und abgeklärte Liebhaber

Thomas Klemm (FAZ) schenkt den Portugiesen und Mexikanern (2:1) Beifall:
"Fast schien es, als hätten beide Mannschaften vor dem Spiel einen Pakt geschlossen, daß sie ihren Fans ein Schauspiel des Sturm und Drang bieten wollen. Die Mexikaner, die von Beginn an unbedingt den fehlenden Punkt zur gesicherten Achtelfinalteilnahme erkämpfen wollten, übernahmen die Rolle der leidenschaftlichen Jünglinge, die offensiv um ein Tor buhlten; die Portugiesen spielten wie abgeklärte Liebhaber der schönen Fußballkunst."

Scheu vor dem Ausland

Frank Heike (FAZ) macht Bequemlichkeit als Grenze Mexikos aus:
"Vereinsstrukturen nach europäischem Vorbild kennt man in Mexiko nicht. Der mexikanische Fußball gleicht in seiner Struktur eher den amerikanischen Unternehmen in den vier großen Sportarten Basketball, Football, Baseball und Eishockey. Geld verdienen kann man mit dem Fußball in Mexiko kaum, es ist eher eine Art von Öffentlichkeitsarbeit. Bis zu 15 Millionen Dollar pro Serie soll mancher Unternehmer in sein Spielzeug stecken. Auf diese für europäisches Verständnis ungewöhnliche Weise hat sich eine für die Profis höchst lukrative Liga herausgebildet. Bis zu 150.000 Dollar sollen die Spitzenverdiener im Monat einnehmen. So ist Mexiko eine Anlaufstation für Profis des ganzen Kontinents geworden. Befeuert wird das rasante Wachstum vom mexikanischen Wirtschaftswunder: seit das Freihandelsabkommen mit Amerika und Kanada vor zwölf Jahren in Kraft getreten ist, hat sich Mexiko zur zehntgrößten Volkswirtschaft und siebtgrößten Exportnation entwickelt und Brasilien als größte Wirtschaftsmacht der Region abgelöst. Kritiker des mexikanischen Fußballs prangern eine im gleichen Maß gestiegene Saturiertheit der in der Heimat verwöhnten Nationalspieler an. (...) Die Scheu der Mexikaner vor dem Ausland scheint aber auch eine nationale Eigenart zu sein."

Gruppe E

Verschleißerscheinungen

Die Schläge des Moggi-Skandals – Dirk Schümer (FAZ) zählt Italien an:
"Weil Juventus Turin und der AC Mailand den Kern der italienischen Nationalmannschaft bilden, schlagen die Ermittlungen hohe Wellen bis ins Duisburger Quartier. Wie können die Spieler jetzt höchste Konzentration und Enthusiasmus aufbringen, anstatt sich um ihre berufliche Zukunft zu sorgen und zu kümmern? Erste Verschleißerscheinungen sind nicht zu übersehen: Während Luca Toni in der Serie A bei Florenz zu Europas erfolgreichstem Stürmer reifte, hat er bei der WM noch Ladehemmung, was mit seiner unsicheren Situation zu tun haben könnte. Doch die Tifosi wären nicht die listigen und begeisterungsfähigen Mittelmeeranrainer, als die sie alle Welt kennt, würden sie nicht auch jetzt das Beste in der katastrophalen Situation sehen: Die Fußballmillionäre aus Mailand, Turin und Florenz haben endlich einen wirklich guten Grund, ihre Qualitäten vor den Augen möglicher neuer Arbeitgeber vorzuführen und möglichst nicht mehr durch brutale Tätlichkeiten wie den Ellenbogenstoß Daniele De Rossis gegen die Amerikaner die Karriere zu ruinieren."
Mehr in faz.net ...

FR-Portrait Gianluigi Buffon
Mehr in fr-online.de ...

Kleine Könige

Ralf Weitbrecht (FAZ) blickt gespannt auf Tschechiens Trainer:
"Verrückte Tschechen: Erst glückt ihnen ein brillantes Auftaktspiel bei diesen Festspielwochen des Weltfußballs, und sie werden nach dem 3:0 gegen die vorab hochgeschätzten Amerikaner mit Lob überschüttet. Dann plötzlich scheint ihnen nichts mehr zu gelingen, und sie werden von grandiosen Ghanaern 2:0 düpiert. Der äußerlich ruhig wirkende Schachliebhaber Karel Brückner steht vor seiner vielleicht größten Herausforderung. Jetzt muß er die richtigen Züge machen und seine Bauern, Läufer und Pferde, die in Wirklichkeit alles kleine Könige sind, strategisch einsetzen. Der Auftrag ist so einfach wie kompliziert: Die goldene Generation soll noch lange nicht schachmatt gehen."
Frankfurter Rundschau-Portrait Petr Cech
Mehr in fr-online.de ...

Lobby

Jörg Marwedel (SZ) notiert Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Trainer:
"Arena und Klinsmann sind Freunde geworden. Der Amerikaner nennt den deutschen Bundestrainer mit Wohnsitz in Kalifornien sogar einen 'brillanten Menschen', der 'eine andere Perspektive' in den Fußball gebracht habe. Dass diese Perspektive sich weitgehend mit seiner eigenen deckt, ja zum Teil von ihm übernommen ist, verschweigt er ebenso taktvoll wie die Vermutung, dass Klinsmann neben dem Heimvorteil der deutschen Elf wohl auch über die besseren Spieler verfügen kann. Dafür genießt Arena einen anderen Vorteil: Er verfügt in Amerika über eine Lobby, wie sie der unbequeme Klinsmann wohl selbst nach dem Gewinn des WM-Titels dauerhaft niemals hätte. Arena wird deshalb höchstwahrscheinlich weitermachen, selbst wenn das Team nach der Vorrunde ausscheidet. Zu groß ist sein Ansehen bei den Vertretern der heimischen Major League Soccer, zu deren einflussreichen Managern der große Kommunikator glänzende Kontakte pflegt. Und neulich hat sich sogar US-Präsident und Baseball-Fan George W. Bush live in die Mannschaftssitzung schalten lassen, um mitzuteilen: 'Das ganze Land steht hinter euch.' Das war bestimmt mächtig übertrieben. Eine viel größere Bestätigung für den Chef der nur viertwichtigsten Sportart der USA gibt es dennoch kaum."

taz: Für Soccer ist gegen Bush – warum Fußballfans in den USA oft linksliberale Kosmopoliten und Blumenkinder-Kinder sind
Mehr in taz.de ...

Süddeutsche Zeitung: Michael Essien herrscht absolutistisch über das Spiel Ghanas
Mehr in sueddeutsche.de ...

Gruppe F

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Australien vor dem entscheidenden Spiel gegen Japan
Mehr in faz.net ...

Süddeutsche Zeitung: Kroatische Australier treffen auf australische Kroaten
Mehr in sueddeutsche.de ...

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Konkurrenzkampf bei den Brasilianern
Mehr in faz.net ...

Berliner Zeitung: Die fabelhafte Aushilfe – Robinho als Zwanzig-Minuten-Junge
Mehr in berlineonline.de ...

Gruppe H

Klischees

Andreas Rüttenauer (taz) nennt die zwei Mannschaften, über die wir am wenigsten erfahren:
"Saudi-Arabien spielt regelmäßig bei Weltmeisterschaften mit. Die Spieler bleiben dennoch unbekannte Männer, über die auch Fußballexperten hierzulande kaum etwas wissen. Deshalb landen die Scheichs in ihren wallenden Gewändern, die den Fußball nach Saudi-Arabien importiert haben, oft im Mittelpunkt der Berichterstattung, obwohl auch über sie so gut wie nichts bekannt ist. Wüste, Scheichs und Öl sind die Begriffe, die wohl am häufigsten verwendet werden, wenn über Fußball auf der arabischen Halbinsel gesprochen wird. Aber auch über die Ukraine, den Gegner der Saudis, waren vor dem Anpfiff in Hamburg beinahe nur klischeehafte Geschichten im Umlauf. Über die typisch osteuropäische Korruption im Verband wurde geschrieben, über den Trainer Oleg Blochin als postsowjetischen Betonkopf, über den unerklärlichen Reichtum von Funktionären in einem armen Land, über die märchenhaft hohe Weltmeister-Prämie von angeblich 28 Millionen Euro und über eine Öffentlichkeitsarbeit, die sich vor allem im Schließen von Türen äußert. Und dann gab es noch ein Gerücht. Es soll gesoffen worden sein nach der Niederlage gegen Spanien. Typisch!"
Mehr in taz.de ...

Ball und Buchstabe

Schalt-Büttel

Markus Völker (taz) kritisiert den DFB für die Live-Schaltung nach Kabul:
"Die Idee mit der Schalte sei von der Presseabteilung gekommen, hieß es, aber warum, muss man sich fragen, macht sie es sich zur Aufgabe, den Ball in ein Militärlager zu kicken, wo sie doch sonst stets betont, dass Sport und Politik nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun haben? Wird es weitere Sidekicks in den Kongo geben, zum Horn von Afrika, moderiert vom DFB? Macht sich die ARD weiterhin zum Schalt-Büttel des Verbandes? Und: Warum hätten es nicht ein paar deutsche Zivildienstleistende getan? Davon gibt es auch einige im Auslandseinsatz, man glaubt es kaum."
Mehr in taz.de ...

Frankfurter Rundschau: Drohungen gegen einen kritischen togoischen Journalisten
Mehr in fr-online.de ...

Frankfurter Rundschau: Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Ulrich Thöne, gibt Fehler seiner Organisation in der Patriotismus-Debatte zu
Mehr in fr-online.de ...

taz-Interview mit Gregor Gysi über Patriotismus, die Nationalhymne und sein Verhältnis zur deutschen Nationalmannschaft
Mehr in taz.de ...

Frankfurter Rundschau: Ist Schwarz-Rot-Gold Pop? Eine Stilkritik am Patriotismus
Mehr in fr-online.de ...

taz: über das gewandelte Deutschland-Bild in England
Mehr in taz.de ...

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Jürgen Klopp, Sieger der WM
Mehr in faz.net ...

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Wer wird Weltmeister? Eine Prognose
Mehr in faz.net ...

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Wie Vereine sich und ihre Spieler versichern
Mehr in faz.net ...

Süddeutsche Zeitung: Obdachlose und die WM
Mehr in sueddeutsche.de ...

Mainstream

Axel Kintzinger (FTD) stöhnt über Deutsche in Brasilien-Trikots:
"Die Liebe zum größten südamerikanischen Land basiert nicht auf einer humboldtschen Suche nach Erkenntnisgewinn, nicht einmal auf Sympathie für die den Brasilianern unterstellte Lebenslust, sondern viel mehr auf dem Wunsch nach Teilhabe an einem Image, das selbst durch die mittelmäßigen Auftritte der Mannschaft nicht zu erschüttern ist. Sie ist Ausdruck einer Mainstream-Kultur, die einen verzweifeln lässt und die wir in diesem Sommer bald wieder erleben werden: wenn die Rolling Stones durchs Land touren. Komplett austauschbar. Da verwundert es nicht, dass die Bekenntnis-Brasilianer zur Fankultur auch nichts beitragen. Mehr als 'Brasil, Brasil!'-Sprechchöre ist von ihnen nicht zu hören. Der deutsche Brasilien-Anhänger hat meistens keine Ahnung von Fußball. Fachfremderes Publikum als bei den Spielen der Seleção ist in den Stadien dieser WM schwer zu finden. Keinen Schimmer, aber ein großes Herz: Der Germano-Brasilianer hat alle lieb und freut sich über jeden Gast zu jeder Zeit und unabhängig von jedem Spielverlauf. Mit Ausnahme vielleicht der Engländer. Die – voll konzentriert auf Ball, Bier und Bordelle – entziehen sich dem One-World-Geschwurbel und verdienen sich damit einen Sympathiepunkt, den einzigen. Die Gutmenschen in Gelb hingegen entpuppen sich als komplette Quälgeister. Ungelenk hampeln sie zu allem, was sie für den Klang einer Sambatrommel halten. Infantil verwandeln sie alles zum großen Kindergeburtstag. Da hilft nur eins: Brasilien muss raus. Fußballerisch wäre es schade, aber fürs Gelingen dieser WM sei der Wunsch erlaubt. Brasil, go home!"

freistösse des tages

Was Monika Lierhaus von ihren männlichen Moderatorenkollegen unterscheidet
Mehr in ftd.de ...

Deutsche Mannschaft beeindruckt auch Engländer
Mehr in fr-online.de ...

Zu Gast bei Freunden - nicht so bei Bild ...
Mehr in bildblog.de ...

Steh auf wenn du für Merkel bist
Mehr in taz.de ...

Erkenn den Fan - eine kleine Typologie ...
Mehr in zeit.de ...

Die Fußball-Presseschau zur Fußball WM 2006 wird in Zusammenarbeit mit indirekter-freistoss.de erstellt. Dort können Sie auch einen E-Mail-Newsletter abonnieren und sich die Presseschau täglich in Ihr Postfach kommen lassen.
Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln