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24.5.2006

Presseschau vom 24.05.2006

Die Rückkehr der Trainerlegende Jupp Heynckes an seinen alten Arbeitsplatz Borussia Mönchengladbach beschäftigt die Sportpresse. Die kommende WM wirft ihre Schatten voraus, der deutschen WM-Mannschaft wird die beste Vorbereitung aller deutschen Teams nachgesagt, wozu sicherlich auch die Wärmebildkameras zu beitragen, die Jürgen Klinsmann einsetzt.

Die Rückkehr der Trainerlegende Jupp Heynckes an seinen alten Arbeitsplatz Borussia Mönchengladbach beschäftigt die Sportpresse. Die kommende WM wirft ihre Schatten voraus, der deutschen WM-Mannschaft wird die beste Vorbereitung aller deutschen Teams nachgesagt, wozu sicherlich auch die Wärmebildkameras zu beitragen, die Jürgen Klinsmann einsetzt.

Bundesliga

Held der Vergangenheit

Jupp Heynckes kehrt als Trainer zurück nach Mönchengladbach; Stefan Hermanns (Tagesspiegel) hält ihn für die falsche Wahl und einen alten Besen:
"Es gibt in der Bundesliga wohl keinen Verein, der so sehr in der Vergangenheit lebt wie Borussia Mönchengladbach. Das folgt fast zwangsläufig aus der glänzenden Geschichte des Vereins, die im Vergleich mit der grauen Gegenwart immer heller zu strahlen scheint. Ist es nicht eine wunderbare Idee, Jupp Heynckes, einen der Helden der Vergangenheit, zum Trainer für die Gegenwart zu machen? Vermutlich nicht. Vielleicht hätte sich die Vereinsführung einfach mal die Frage stellen sollen: Welchen Trainer brauchen wir eigentlich nach dem lieben Horst Köppel, der ohne Zweifel seine Verdienste hatte, aber immer auch ein wenig unbedarft wirkte? Borussia Mönchengladbach braucht einen Anti-Köppel: einen Trainer mit frischen Ideen; einen, der moderne Vorstellungen von Spiel und Training hat, ein klares taktisches Konzept verfolgt und die Sprache der jungen Spieler zumindest versteht. Alles in allem also das genaue Gegenteil dessen, wofür Jupp Heynckes steht."
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Freudloser Zuchtmeister

Jan Christian Müller (Frankfurter Rundschau) rät Heynckes zu Altersmilde:
"Heynckes ist bekannt dafür, gerade junge Spieler gezielt zu fördern und zu fordern. Dem Vernehmen nach ist Heynckes dabei in der Vergangenheit zu sehr Pauker und zu wenig Psychologe gewesen. Das kostete ihn den Arbeitsplatz bei Schalke 04. Die medial hoch gezüchteten Profis akzeptierten seinen autoritären Führungsstil am Ende nicht mehr und verweigerten die Leistung. Kein Mensch kann jedoch ernsthaft behaupten, dass Heynckes deshalb kein guter Fußballtrainer ist, der Talenten mit seiner Erfahrung, seiner Hingabe und seinem unbestrittenen Können viel beibringen kann. Und vielleicht schafft es der zur Freudlosigkeit neigende Zuchtmeister ja auch, die Arbeit in der Geborgenheit seiner Heimat auf die alten Tage heiterer und gelassener anzugehen als früher."
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Deutsche Elf

Unterschätzt

Holger Gertz macht im Monatsmagazin Player seine Hoffnung auf ein gutes deutsches Turnier an Miroslav Klose fest:
"Der Stürmer Klose scheint charakterlich aus einer Zeit zu stammen, als die Nationaltrikots noch schneeweiß waren und nicht verziert mit schwarz-rot-goldenen Farbklecksen. Er ist kein Showmann. Seine Fairness ist das Ergebnis seines Willens, sich nicht zu verstellen. Er hat sich nicht fallen lassen, als ihm Oliver Kahn mit dem Finger an der Nase herumgedrückt hat. Er hat sich später entschuldigt für ein wunderbares Tor in Köln – er habe damit keinesfalls die Kölner Verteidiger veralbern wollen. Er hat, vergangene Saison gegen Bielefeld, dem Schiedsrichter gesagt, der Torwart Hain habe ihn nicht gefoult. Der Schiedsrichter hatte auf Elfmeter entschieden und nahm das nach Kloses Einspruch zurück. Da stand es noch 0:0. Wenn man mit Klose spricht, hört er sich ein bisschen an wie Sepp Herberger oder Fritz Walter, und das liegt nicht am weichen, pfälzischen Klang seiner Stimme. (...) Er hat sich zu einem Kombinationsfußballer entwickelt, der zwar die 11 trägt, aber trifft wie eine 9. Er verteilt die Bälle und füttert die Kollegen, wie es eine 10 tut. Und er setzt nach und grätscht an der Seitenlinie im Stile einer 2 oder 3. Der Mann, der manchmal spricht wie einer der Helden von Bern, ist auf dem Platz einer dieser schnellen, kompletten Alleskönner, wie man sie von der PlayStation auf der höchsten Geschwindigkeitsstufe kennt. Oder von Fernsehübertragungen, wenn Arsenal oder Barcelona spielen. (...) Miroslav Klose kann ein Star werden bei der WM – auch deshalb, weil er noch keiner ist, trotz der vielen Tore. Klose ist zwar oft im Fernsehen, aber irgendwie sitzt er trotzdem immer am Rand. So sehr sich die Qualitäten eines stillen Strategen auf dem Platz bemerkbar machen, so sehr fallen sie im Fernsehen unter den Tisch. In den Fernsehspots sind vor allem Kahn, Ballack und Podolski. (...) Warum wird nach der WM alles von diesem Miroslav Klose reden? Weil er als Mensch in die gute alte Zeit reicht und als Spieler in die gute neue Zeit. Weil er warten kann, ohne das Ziel zu vergessen. Weil er unterschätzt wird, und unterschätzte Männer aus der Pfalz (vgl. Helmut Kohl und Kurt Beck) es öfter weit bringen."

Mitreißer

Andreas Lesch (Berliner Zeitung) fleht Jürgen Klinsmann an, Tim Borowski aufzustellen:
"Klinsmann will seine Spieler jetzt zu einem Gebilde formen, das flexibel ist und sich versteht. Er will ein Team bauen, das Druck machen kann, das aggressiv auftritt, das sich durchsetzt gegen die Besten der Welt. Er kann bei diesem Vorhaben keinesfalls auf Tim Borowski verzichten, er braucht ihn dringend, und so könnte alles gut sein, wenn da nicht dieses Problem wäre, diese entscheidende Frage: Weiß der Bundestrainer das? In seiner bisherigen Amtszeit hat Klinsmann den Eindruck erweckt, er könne mit Borowski nicht so recht etwas anfangen. Es schien, als sei der Mittelfeldspieler ihm suspekt. Dabei könnte er, egal in welchem System, die deutsche Mannschaft stärker machen, als sie ist. Borowski gibt einem Spiel Struktur, er prägt es durch seine Pässe und seine Präsenz. Er kann durch seine Breitschultrigkeit, durch seinen aufrechten, fast arrogant wirkenden Laufstil dem Gegner imponieren. Er bereitet Tore vor oder erzielt sie selbst. Er ist eine dominante Figur, und er ist in vielerlei Hinsicht der genaue Gegenentwurf zu Bernd Schneider, mit dem er voraussichtlich um den Platz im halbrechten Mittelfeld konkurriert. Schneider ist ein verspielter Techniker, ein Kringeldreher, ein Mitläufer im Wortsinn: Läuft es gut, ist er gut; läuft es schlecht, ist er schlecht. Bei der WM aber wird die Mannschaft einen Mitreißer wie Borowski brauchen, und es wird viel über den Trainer Klinsmann sagen, ob er endlich einen Platz im Team für ihn findet."
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Jan Christian Müller (Frankfurter Rundschau) blickt voraus:
"Der junge Fußballlehrer Klinsmann ist kein begnadeter Taktiker. Er kann ein Spiel noch nicht mit der Routine eines alten Fahrensmannes lesen. Deshalb wird sich bei der WM eine deutsche Mannschaft mit mehr Herz als Verstand präsentieren. Es wäre verwegen anzunehmen, dass das zum Titel reicht. Aber zu aufregendem Fußball allemal."


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Kahns Hoffnung

Christof Kneer (Süddeutsche Zeitung) geht der Platzverweis für Jens Lehmann nicht aus dem Kopf:
"Diese eine Szene. Es ist die Szene, die das Torwartduell auf eine fühlbare Art und Weise neu belebt hat. Es ist ein banaler Satz, dass in einem Turnier immer etwas passieren kann, aber zu diesem banalen Satz gibt es jetzt ein anschauliches Bild. Es ist das Bild, wie Lehmann herausstürzt, foult, rot sieht. Es ist ein Bild, das zeigt, wie sehr das Torwartspiel des Jens Lehmann auf Kante genäht ist. Lehmann ist der modernere, aber auch riskanter spielende Torwart, und so ist dies auch ein Bild, das Kahns heimliche Hoffnungen beflügelt."
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Frankfurter Allgemeine Zeitung: Jens Lehmann, der ruhige Abwehrberater
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Interview (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) mit Jens Nowotny
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SZ-Interview mit Oliver Neuville über seine Rückennummer 10
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Frankfurter Allgemeine Zeitung: Das Fitness-Training Mark Verstegens
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Berliner Zeitung: Im Fitnessraum von Genf sollen Klinsmanns Spieler ihre Wettbewerbsnachteile ausgleichen
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Frankfurter Rundschau: Akribisch wie nie zuvor bereitet sich die deutsche Nationalelf neun Tage lang in Genf auf das WM-Turnier vor
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Der Tagesspiegel: Klinsmann analysiert mit Hilfe von Wärmebildern und Weitwinkelkameras
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Frankfurter Allgemeine Zeitung: Sport-Wissenschaft in der Nationalelf – der moderne Fußballprofi ist gläsern
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Frankfurter Allgemeine Zeitung: U21-EM – kaum beachtet, aber hoch geschätzt
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International

Patriotischer Cordon sanitaire
v Peter Hartmann (Neue Zürcher Zeitung) erörtert die Quarantäne-Politik des kommissarischen Fußballpräsidenten Italiens Rossi:
"Das Domino-Spiel der fallenden Funktionäre scheint vorderhand gestoppt. Der 75-jährige Professore Guido Rossi hat mit erstaunlichem Rückgrat den Forderungen nach einer Entlassung des umstrittenen Nationalcoachs Marcello Lippi widerstanden. Rossi will nicht als jakobinischer Aufräumer auftreten, sondern hat auch das Überleben des Calcio in den Zeiten der Cholera im Auge. Doch der Starrkopf Lippi bleibt ein unkalkulierbares Risiko. Er gehörte als äusserst erfolgreicher Trainer von Juventus acht Jahre lang zum 'System Moggi', und dass er nichts gewusst hat von all den unsagbaren Machenschaften, deren Aufdeckung seit nun bald drei Wochen schockwellenartig in Form von Telefon-Abhörprotokollen über Italien hereinbricht, ist schlicht nicht glaubhaft. Ausserdem ist er belastet durch seinen Sohn Davide, der in der von Moggi junior geleiteten Makler-Agentur Gea World arbeitete und Spieler mit dem Argument köderte, sein Vater werde sie protegieren. Gegen die mafiose Gea ermittelt die Staatsanwaltschaft in Rom wegen des Verdachts auf eine kriminelle Vereinigung und wegen Erpressung. In diesem Skandal zeichnet sich jetzt ein patriotischer Cordon sanitaire um die Nationalmannschaft ab. Die Squadra Azzurra muss als Hoffnungsträger geschützt werden. Sie kann mit einem überzeugenden Turnier in Deutschland den moribunden italienischen Fussball wiederbeleben und die alten Leidenschaften wecken. Doch damit verbindet sich auch der unausrottbare Catenaccio des Aussitzens, des Leugnens und des Im-Sande-verlaufen-Lassens."
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Kleinmut
Der englische Schriftsteller Tim Parks ("Eine Saison mit Verona") klagt im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über die Feigheit der italienischen Schiedsrichter:
"Wirklich aufschlußreich an diesem Skandal ist nicht das Verhalten von Luciano Moggi, der mehr oder weniger festlegte, wer welches Spiel mit welchem Ergebnis pfeifen würde. Es wird immer irgendeinen Boss geben, der seinen Willen rücksichtslos durchsetzt. Nein, bemerkenswert ist, daß sich kein einziger Schiedsrichter zu Wort gemeldet hat. Diese Männer, die so gern ihre entschiedene Autorität herauskehren, waren nicht bereit, auch nur ein Wort über den Druck zu verlieren, dem sie ausgesetzt sind. Seit Jahren. Alle wußten Bescheid, auch Collina. Collina war sich gewiß im klaren darüber, daß er dank seines Renommees eine Freiheit genoß, die seine Kollegen nicht hatten. Er war das Feigenblatt des Systems. Doch die Vorstellung, seine herausragende Stellung zu nutzen, um eine grundlegende Erneuerung herbeizuführen, war ihm offenbar fremd. Das Traurige daran ist natürlich, daß sich dieser Kleinmut nicht auf den Fußball beschränkt, sondern in jedem Bereich des öffentlichen Lebens in Italien anzutreffen ist. Immer wieder kommt es zu Situationen, in denen jeder ahnt oder vielleicht sogar weiß, daß die offizielle Version der Ereignisse lediglich Rhetorik ist, daß gegen die Regeln verstoßen wurde. Niemand macht den Mund auf, denn niemand glaubt, etwas bewirken zu können. Jeder befürchtet vielmehr, in irgendeiner Form bestraft zu werden. Diese Haltung ist typisch für die italienischen Skandale."

Die Zeit: Trainer José Pekerman gab den Argentiniern den Glauben an den Fußball zurück
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Neue Zürcher Zeitung: Wo Cricket regiert und Fußball die Nummer 2 ist – die "Soca Warriors" von Trinidad und Tobago sind der größte Außenseiter der WM
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Süddeutsche Zeitung: Beleidigen, foul spielen, spucken – beim Fußball benehmen sich Spieler und Zuschauer schlechter als bei anderen Sportarten; Wissenschaftler plädieren dafür, den Sport nicht mehr in der Schule anzubieten
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sueddeutsche.de: WM-Besucher müssen in München am meisten Geld ausgeben. Das hat ein unabhängiges Portal für Preisvergleiche herausgefunden; billig dagegen ist es vor allem in Leipzig und Nürnberg
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die tageszeitung: Die Pay-TV-Anbieter Arena und Premiere streiten weiter um die Übertragung der Bundesliga
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freistösse des tages

Heute mit der Faszination des Fußballs und der schnellen Autofahrt ... Mehr in tagesspiegel.de ...

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