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18.5.2006

Presseschau vom 18.05.2006

Heute berichtet die Presseschau über eine mögliche Kooperation zwischen der Telekom und der Deutschen Fußball-Liga. Darüber hinaus wird die Entlassung Rudi Assauers als Manager von Schalke 04 kommentiert. Und: Neue Einblicke in den Fußball-Skandal, der ganz Italien erschüttert.

Heute berichtet die Presseschau über eine mögliche Kooperation zwischen der Telekom und der Deutschen Fußball-Liga. Darüber hinaus wird die Entlassung Rudi Assauers als Manager von Schalke 04 kommentiert. Und: Neue Einblicke in den Fußball-Skandal, der ganz Italien erschüttert.

Ascheplatz

Kein Totengräber

Viele Zeitungen erkennen in dem jüngst bekannt gewordenen Engagement Franz Beckenbauers für die Telekom ein weiteres Zeichen dafür, dass Telekom und Premiere ab der nächsten Saison gemeinsam Live-Fußball senden würden – was deutlich dem Willen und dem Interesse der DFL widerspräche. Doch die Stuttgarter Zeitung will erfahren haben, dass die Telekom erst in drei Jahren zuschlagen wolle und Premiere nun doch in die Röhre schauen werde:
"Nach StZ-Informationen steht eine Einigung zwischen der DFL und der Telekom bevor. Demnach soll das Unternehmen aus Bonn von 2009 an alle Rechte an der Bundesliga bekommen – unter der Voraussetzung, dass die Telekom nun die ins Auge gefasste Zusammenarbeit mit Premiere verwirft. Das verlautet aus gut unterrichteten Kreisen, und daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Telekom jetzt Franz Beckenbauer als Fußballkommentator verpflichtet hat. Dieser Coup sei ein Fingerzeig dafür, wohin die Reise gehe, erzählen sich zwar die Leute bei Premiere, die in den nächsten Tagen mit einer Entscheidung über die Zusammenarbeit mit der Telekom rechnen. Die Verhandlungen seien sehr weit fortgeschritten, sagt ein Insider. Aber ob unter dem Strich dann auch das Ergebnis steht, das sich Premiere wünscht, ist mehr als ungewiss. (...) Die Telekom wollte allem Anschein nach nicht der Totengräber des Fußballs sein. Deshalb saßen die Anwälte der DFL und der Telekom schon seit Monaten an einem Tisch. Jetzt präsentiert die Telekom zwar Beckenbauer – aber offenbar nicht aus dem von Premiere erhofften Grund."

Berliner Zeitung: Premiere legt Widerspruch gegen Bundesliga-Lizenz von Arena ein
Mehr in berlinonline.de ...

Tageszeitung: Mit Telekom-Neuzugang Beckenbauer bekommt die Auseinandersetzung mit der DFL eine neue Schärfe
Mehr in taz.de ...

Süddeutsche Zeitung: Seltsame Verkaufsmethoden – es gibt noch jede Menge Karten für die begehrten Partien, auch für die der DFB-Elf; aber nicht für jeden
Mehr in sueddeutsche.de ...

Berliner Zeitung: Die zwölf Städte, in denen die Spiele der WM ausgetragen werden, haben rund 1,2 Milliarden Euro für die Vorbereitungen ausgegeben
Mehr in berlinonline.de ...

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Studie besagt, daß die WM der Konjunktur keinen Schub leihe
Mehr in faz.net ...

Die Welt: Die Handy-WM – Mobilfunk-Betreiber zeigen Live-Spiele, Fußball-Shows und alle Tore per MMS
Mehr in welt.de ...

Bundesliga

Der letzte Prolet der Bundesliga geht

Friedhard Teuffel (Tagesspiegel) kommentiert das Ausscheiden Rudi Assauers als Abschied eines Helden von gestern:
"Die Sehnsucht der Fans nach einem Typen wie ihm ist immer geringer geworden und die nach Events und vielleicht auch nach Spießigkeit immer größer. Anfangs hat Assauer da noch mitgemacht. Er stieg auf Skier und lief mit beim Biathlon durch die Arena AufSchalke. Doch nachdem ihm andere wichtige Leute im Verein einen Teil seiner Macht genommen hatten, wirkte Assauer nur noch wie ein alternder Cowboy, der langsam in den Sonnenuntergang reitet. Assauer schien längst überfordert im Umgang mit 120 Millionen Euro Verbindlichkeiten. Er passte nicht mehr in eine Zeit, die vor allem das wirtschaftliche Prinzip der Nachhaltigkeit forderte und nicht mehr die Einstellung, koste es, was es wolle. (...) Der letzte Prolet der Bundesliga geht."

Auch Klaus Hoeltzenbein (Süddeutsche Zeitung) weint Assauer keine Träne nach: "Assauer hat dem Klub sportlich zu der Größe verholfen, die er heute wieder hat. In seinem Erbe als Manager stehen aber auch rund 120 Millionen Euro an Verbindlichkeiten. Über deren Tilgung entwickelte sich wohl jenes Zerwürfnis, in dem Assauer dem Focus Interna verraten haben soll, wofür der Aufsichtsrat ihn nun entließ. Nach Reiner Calmund in Leverkusen verlässt ein weiterer Grande die Liga – beide hatten ihre Heldenzeiten, im Alltagsgeschäft aber doch erkennbar die Kontrolle über zu vieles verloren."
Mehr in tagesspiegel.de ... und sueddeutsche.de ...

Bedrohliche finanzielle Kernzahlen

Richard Leipold (Frankfurter Allgemeine Zeitung) hingegen hält auch den ausbleibenden sportlichen Erfolg für eine Ursache für Assauers Machtverlust:
Der Niedergang des Volkstribunen Rudi Assauer zeigt, daß immer noch ein dramatischer Zusammenhang zwischen sportlichem Erfolg und Einzelschicksalen besteht, wie viel Geld auch immer im Spiel sein mag. Er gehörte zu den einflußreichsten Führungskräften in der Geschichte des Revierklubs. Nicht einmal die Nähe zum zweitwichtigsten Sponsor des Klubs bewahrte die Ikone Assauer vor dem Fall. Hätte der Manager sportlich in den Jahren der großen Geldverbrennung öfter Erfolg gehabt, wäre es ihm trotz möglicher gesundheitlicher Schwierigkeiten vermutlich leicht gefallen, seine internen Gegner in Schach zu halten. Aber zu viele Trainer und zu viele Spieler haben nicht das gehalten, was er sich von ihnen versprochen hat. So blieb am Ende der Uefa-Pokalgewinn 1997 der größte Erfolg des Managers Assauer, der seit vielen Jahren davon träumte, seine Karriere als deutscher Meister zu krönen. Assauer ist gelernter Schweißer und gelernter Bankkaufmann. Eine seltene Kombination im Ruhrgebiet. Am Ende seiner Schalker Tage sprach auch dieser ungewöhnliche Teil seiner Ausbildungsbiographie gegen ihn. Die finanziellen Kernzahlen sind bedrohlich für den Klub, und Assauer hat schon lange nicht mehr die Kraft, zusammenzuschweißen, was gebrochen ist und – den Tränen mancher Fans zum Trotz –nicht mehr zusammengehört."
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Die Welt: In den Abstieg saniert – vor vier Jahren trat René Charles Jäggi an, den 1. FC Kaiserslautern zu retten, nun hinterläßt er einen Zweitligisten mit ungewisser Zukunft
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International

Calcio parlato

Birgit Schönau (Süddeutsche Zeitung) gewährt einen Einblick in Italiens Fußballwelt zu Zeiten des Herrschers Moggi:
"Dass die Wahrheit nicht auf dem Platz liegt, ist in Italien auch schon vor der Affäre Moggi eine Volksweisheit gewesen. Neben dem 'calcio giocato', dem gespielten Fußball, pflegen die Italiener die Disziplin des 'calcio parlato', des gesprochenen Fußballs. In unzähligen Fernseh-Fußballshows, in denen sich nicht mehr ganz junge Männer in Anzug und Krawatte vor blutjungen Signorinas, die zu Dekorationszwecken so leicht bekleidet wie stumm die Studios schmücken, über Stunden wegen Taktik und Abseitsfalle anbrüllen, war Moggi entweder viel beschworener Beelzebub oder gern gesehener, hofierter Gast. Vergangenes Jahr starb der Fußballtrainer Francesco Scoglio vor lauter Aufregung über seinen Gesprächspartner in einer solchen Fußballshow, seither gilt er als erster Märtyrer des calcio parlato. Moggi pflegte die wenigen kritischen Fragen stets mit einem schiefen Lächeln an sich abprallen zu lassen. Hinter den Kulissen entschied er dann über journalistische Karrieren – nur ihm genehme Reporter durften über Juventus berichten. Die Ermittlungen der Staatsanwälte ergaben auch, dass sich mancher 'moviolista' bei Moggi vor der Sendung Anweisungen abholte. Der moviolista ist der Mann an der Zeitlupe. In Italien gibt es die Zeitlupe für Schiedsrichterentscheidungen sogar im Radio, und moviolista ist ein bürgerlicher Beruf. Naja – fast. (...) Bezeichnend sind die abgehörten Telefonate des Florentiner Klubpatrons Della Valle. Der Lederwarenindustrielle und enge Freund des Fiat-Chefs Luca di Montezemolo hatte den Klub nach dessen Pleite 2002 übernommen und sofort Moggi und Galliani in der Liga den Krieg erklärt. Der Juve-General wies daraufhin seine Schiedsrichter an, den AC Florenz mal ein wenig verlieren zu lassen. Nach sieben Niederlagen kroch Della Valle zu Kreuze und flehte um Hilfe gegen den Abstieg – die Moggi großzügig gewährte. 'Gewisse Fehler', bedankte sich Della Valle nach dem Klassenerhalt in letzter Minute artig am Telefon, 'werden wir ganz gewiss nicht wieder machen.'"

Nationale Gewissensprüfung

Peter Hartmann (Neue Zürcher Zeitung) erwartet von der Auswertung der Abhörprotokolle weitere Brisanz:
"Wie hält ein Mensch das aus, selbst wenn er Ohren hat wie Weltraumantennen und Italiener es leidenschaftlicher tun als alle anderen: 416 Mal am Tag hing der korrupte Juventus-Generaldirektor Luciano Moggi durchschnittlich an seinen sechs Mobiltelefonen, davon zwei slowenischen, die er abhörsicher wähnte. Die seitenlangen Wiedergaben seiner pausenlosen Gespräche in den Zeitungen sind der Stoff, der Italien derzeit zum Staunen, zur Erkenntnis des schon immer Vermuteten und zum Lachen bringt und ihn selber zum Weinen – nach dem stundenlangen Verhör der neapolitanischen Staatsanwälte, als ihm klar wurde, dass er das Spiel verloren hatte, brach der Skrupellose in Tränen aus. (Zuflucht zur Taktik des Mitleiderregens, eine emotionale Schwalbe?) Die Ermittler hatten ihn acht Monate abgehört, von November 2004 bis Juni 2005, zehn Carabinieri lauschten in Schichten, insgesamt haben sie hunderttausend Gespräche auf Band von den Manipulationen, die Italien in den grössten Fussballskandal stürzten und in eine nationale Gewissensprüfung, die erst angefangen hat."
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Neue Zürcher Zeitung: Bericht Barcelona–Arsenal (2:1)
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Berliner Zeitung: Bericht Barcelona–Arsenal (2:1)
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Ball und Buchstabe

Alle sind erschrocken

Claus Christian Mahlzahn (Spiegel Online) stimmt dem ehemaligen Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye bedauernd zu, der Ausländer vor bestimmten Gebieten im Osten Deutschlands warnte (was er inzwischen zurückgenommen hat):
"Heye hatte recht. In vielen Landstrichen Ostdeutschlands, bei weitem nicht nur Brandenburgs, herrscht für Ausländer – präziser gesagt: für Menschen mit dunkler oder dunklerer Hautfarbe – Ausnahmezustand. Das größte Problem ist der ganz gewöhnliche Rassismus, der Ausländern in der Ex-DDR entgegenschlägt. Spätestens seit den Pogromen von Hoyerswerda (1991) und Rostock Lichtenhagen (1992) aber ist klar, dass diese mitunter regelrecht terroristische Gewalt gegen Nicht-Deutsche (oder die man dafür hält) nicht nur vom rechtsradikalen gesellschaftlichen Rand stammt. Der braune Mist stinkt im Osten oft in der gesellschaftlichen Mitte. Das macht die Sache so gefährlich. Es ist eben auch kein Zufall, dass die NPD in Sachsen der Sprung ins Parlament gelang – dort sind die Rechtsextremen heute fast so stark wie die Sozialdemokraten. (...) Über die Ursachen dieses spezifisch ostdeutschen Problems wird seit langem heiß diskutiert. Die einen machen die DDR, die anderen vor allem postsozialistische Probleme für das Debakel verantwortlich. Tatsächlich war die DDR nicht der antifaschistische Staat, für den sie sich ausgab. Nach innen war der autoritäre Sozialismus das Gegenteil einer multikulturellen Gesellschaft. Die Grundlagen für die ostdeutsche Xenophobie haben Ulbricht, der schon gegen Jeans und Rock'n'Roll polemisierte, sowie Erich Honecker und Erich Mielke gelegt. Doch es reicht nicht, den rassistischen Mob im Osten immer nur mit historischen Verweisen auf eine untergegangene Diktatur zu erklären. Seit der Wende sind sechzehn Jahre ins Land gegangen, manche Skinheads und Neo-Nazis, die Schwarze verprügeln oder vietnamesische Imbissbuden anzünden, sind jünger als das neue Deutschland. Das bedeutet auch: sechzehn Jahre wurde in der Bundesrepublik viel zu wenig getan, um des Problems Herr zu werden.(...) Wir haben uns alle daran gewöhnt. Nun hat es mal jemand laut verkündet. Und alle sind erschrocken – auch der, der es aussprach."
Mehr in spiegel.de ...

Michael Reinsch (Frankfurter Allgemeine Zeitung) notiert die Ansicht des ehemaligen Fußballprofis Anthony Baffoe zu Heyes Sorge:
"Baffoe unterstützt die Warnung vor rassistischen Übergriffen in den neuen Ländern, mit denen Heye in Brandenburg helle Empörung ausgelöst hat. (...) Der aus einer ghanaischen Familie stammende Baffoe hatte Heye längst vorgegriffen. 'Ich rate afrikanischen und türkischen Spielern davon ab, in Ostdeutschland zu spielen', sagte er vor wenigen Tagen bei der Veranstaltung 'Football for all'. Selbst wenn sie auf dem Fußballplatz nicht beleidigt würden, so sei doch die Lebensqualität der Spieler durch den alltäglichen Rassismus erheblich eingeschränkt. (...) Baffoe gerät in Rage, wenn er vom WM-Slogan 'Die Welt zu Gast bei Freunden' zu dessen Gegenteil kommt, Rassismus. Fußballspieler bekämen ihn vor allem in den unteren Ligen und vor allem im Osten zu spüren. Seine Empörung – gipfelnd in dem Ruf 'Wo sind die Strafen?' - gilt auch dem wiederholten Hitlergruß des Roma-Spielers Paolo di Canio in der Serie A und den rassistischen Ausfällen des spanischen Nationaltrainers Luis Aragones gegenüber Thierry Henry; sie wurden mit eher nicht bemerkenswerten Geldstrafen sanktioniert."

Deutsche Elf

Schlimmster Fall

Christof Kneer (Süddeutsche Zeitung) zählt die Sorgenfalten Jürgen Klinsmanns wegen der Verletzung Philipp Lahms:
"Es ist keine gute Nachricht, dass sich jetzt schon vor dem ersten Trainingstag das Risikopotenzial von Klinsmanns Konzept gezeigt hat. Seine Strategie ist es ja, die Mannschaft in Sardinien und Genf in einen Tunnel zu führen, um ihr dort im Schnellgang hohe Dosen Taktik, Kondition und Teamspirit zu verabreichen. Weltmeister in zehn Tagen, ein kühner Plan, und jetzt ist schon bei der Einfahrt in den Tunnel der erste Unfall passiert. Gerade das Abwehrspiel hat Joachim Löw einstudieren wollen, und jetzt fällt ihm die einzige gesetzte Größe aus." Michael Horeni (Frankfurter Allgemeine Zeitung) fühlt Klinsmanns Puls: "Als Klinsmann nach der Ankunft mit seinen Helfern im wunderbaren Mannschaftshotel an der sardischen Küste zusammensaß, kochte in ihnen die Wut hoch. Alles war genauso gekommen, wie sie es sich schon lange für den schlimmsten Fall ausgemalt hatten, vielleicht sogar noch etwas schlimmer. Denn dieses für sie vollkommen überflüssige Spielchen in Mannheim gegen den Fünftligaklub aus Luckenwalde hatte ihnen überhaupt nicht ins Konzept gepaßt. Es war am ersten Tag der Weltmeisterschaftsvorbereitung eine offiziell klaglos hingenommen ungeliebte Pflichtübung, um Nähe zur Fußballbasis zu demonstrieren."

Mehr in faz.net ...

Frankfurter Rundschau: Geheimwaffe oder Irrläufer – was kann David Odonkor?
Mehr in fr-online.de...

Süddeutsche Zeitung: Interview mit Jens Lehmann über sein Image in Deutschland
Mehr in sueddeutsche.de...

freistösse des tages

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