30 Jahre Deutsche Einheit Mehr erfahren
zurück 
12.5.2006

Presseschau vom 12.05.2006

Heute mit Stimmen zum Uefa-Cup-Finale, das der FC Sevilla haushoch gewonnen hat. Außerdem wird der Korruptionsskandal im italienischen Fußball kommentiert, dabei steht vor allem die Zukunft von Juventus Turin im Mittelpunkt.

Heute mit Stimmen zum Uefa-Cup-Finale, das der FC Sevilla haushoch gewonnen hat. Außerdem wird der Korruptionsskandal im italienischen Fußball kommentiert. Vor allem die Zukunft von Juventus Turin steht im Mittelpunkt.

Uefa-Cup

Europas Entwicklungslabor

Stefan Hermanns (Tagesspiegel) hält den Uefa-Cup für unterschätzt:
"Der Uefa-Cup ist in den vergangenen Jahren immer mehr zu einer Art Entwicklungslabor für technisch und taktisch anspruchsvollen Fußball geworden. Völlig zu Unrecht gilt der Wettbewerb weiterhin als Abfallprodukt der Champions League, in Wirklichkeit ist er die perfekte Vorbereitung auf die Champions League. (...) Der kleinere der beiden Europapokalwettbewerbe ist von der Uefa vorsätzlich dem Verfall preisgegeben worden, er leidet – als Folge der allgemeinen Geldgier – an einem verkopften Modus, unter idiotischen Anstoßzeiten und dem daraus folgenden Desinteresse der Fans. Doch punktuell kann der Uefa-Cup immer noch seinen alten Zauber entfalten."
Mehr in tagesspiegel.de ...

Ein mögliches Markenzeichen im europäischen Fußball

FC Sevilla–FC Middlesbrough 4:0 – Roland Zorn (Frankfurter Allgemeine Zeitung) sah im Finale zwei Welten aufeinanderprallen:
"Der FC Sevilla schwang sich heraus aus der internationalen Anonymität. Wenn er mit seinem technisch hochklassigen Tempofußball über die Flügel so weitermacht, kann auch er zu einem Markenzeichen im europäischen Fußball werden. Der FC Middlesbrough ist sogar schon 130 Jahre alt – und so altertümlich agierte er auch in der ersten Halbzeit. Erst danach nahmen die Engländer die Chance, wenigstens einmal dem sonst rund um diesen Klub üblichen Mittelmaß zu entfliehen, offensiv an. Dabei wollten die Spieler ihrem Coach McClaren, der nach der WM englischer Nationaltrainer wird, das allerschönste Abschiedsgeschenk nach fünf gemeinsamen Jahren machen. Daraus wurde nichts. 'Das darf nicht das Ende sein', lautete das Vermächtnis des rotwangigen, rotblonden McClaren, 'das ist erst der Anfang, eine Plattform, von der aus die Spieler noch mehr erreichen können. Sie müssen nur daran glauben.' Doch das mit dem Glauben ist so eine Sache. Zumindest in der Unterabteilung Aberglauben. Als nämlich Middlesbrough seinen bisher einzigen Erfolg in der Vereinsgeschichte feierte, steckten sich Spieler und Trainer zur Feier des Tages eine rote Rose ins Knopfloch. Als sie auch in Eindhoven im Namen der Rose auftraten, wirkte der Zierat welk."

Zwingend logisch und doch verwunderlich

Raphael Honigstein (Süddeutsche Zeitung) prophezeit Sevilla eine gute Zukunft:
"Ein derart einseitiges Endspiel hat man selten gesehen. Sevilla führte die Engländer mit immens variablem, technisch hochwertigem Kombinationsfußball von Anfang bis Ende nach allen Regeln der Kunst vor. Der Ball rollte vorne intuitiv, also vollkommen unberechenbar. Ein Chaos-System, nahe am Ideal. Wahrscheinlich spielt die Truppe in der nächsten Saison da, wo sie hingehört – in der Champions League. Zwingend logisch war der Triumph, aber doch verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Sevilla jedes Jahr seine besten Spieler abgibt."
Auch Michael Jahn (Berliner Zeitung) sah Sevilla als das dominante Team:
"Selten hat eine Mannschaft in einem Europacup-Endspiel die andere so dominiert wie Sevilla die ausgelaugt und ideenlos wirkenden Profis aus Middlesbrough."
Mehr in berlinonline.de ...

International

Wo bleibt der Überraschungseffekt?

Birgit Schönau (Süddeutsche Zeitung) betrachtet die Moggi-Affäre mit Hohn:
"In Italien reden sie vom größten Skandal der Geschichte. 1400 Seiten Ermittlungsakten, 52 Verdächtige, Staatsanwälte, die jetzt im Dienst tun dürfen, was vermutlich einmal ihr privates Lieblingsvergnügen war: Fußball gucken. Alle Spiele der Saison 2004/05. In Zeitlupe, vor und zurück. Und kommentieren, ob da wohl alles rechtens war, vor allem bei jenem Schiedsrichter, der angeblich in Juve-Bettwäsche schläft. Im Ausland holen sie derweil ihre bewährten Sprachhülsen aus der Schublade: Chaos, Erdbeben, Mafia. Italienische Verhältnisse! Dreckiger Fußball, so kurz vor der WM mit dem Spucker Totti! Ja, haben die denn keine Stiftung Warentest? Doch es fehlt, mit Verlaub, der Überraschungseffekt. Neu sind ja nicht Moggis Machenschaften, die Gängelung der Schiedsrichter und die Kontrolle des Transfermarkts über die Spieleragentur GEA seines Sohnes Alessandro. Neu ist, dass jetzt offen darüber geredet wird: dass Staatsanwälte ermitteln; dass Rücktritte eingereicht werden."

Gefahr für die Halbgötter in Weiß

Oliver Meiler (Berliner Zeitung) betrachtet Juventus' kritische Lage:
"Die Lage wird zusehends ungemütlich für Juventus Turin. Am Donnerstag trat der komplette Aufsichtsrat des italienischen Rekordmeisters zurück. Juve ist einer von neun Vereinen, gegen die in Neapel im Zusammenhang mit dem aufgeflogenen Schiedsrichterskandal ermittelt wird. Die anderen sind Lazio Rom, Fiorentina, Udinese, Siena und Messina (alle Serie A) sowie Arezzo, Crotone und Avellino (Serie B) (...). Die Gazzetta dello Sport schreibt, einer dieser Vereine sei Juventus Turin. Die mächtige Juve, der Klub mit den elf Millionen Tifosi im Land, der einmal mehr kurz vor dem Gewinn der Meisterschaft steht, dem 29. insgesamt, diese Halbgötter des Leders, dieser Vorzeigeverein soll also riskieren, in die zweite, ja vielleicht gar in die dritte Liga zwangsrelegiert zu werden." Mehr in berlinonline.de ...

Spiegel Online: Juve nur durch Schiebung zum Titel?
Mehr in spiegel.de ...

Spiegel Online: deutsch-englische Demo
Mehr in spiegel.de ...

freistoss des tages

Mehr in zeit.de ...

Die Fußball-Presseschau zur Fußball WM 2006 wird in Zusammenarbeit mit indirekter-freistoss.de erstellt. Dort können Sie auch einen E-Mail-Newsletter abonnieren und sich die Presseschau täglich in Ihr Postfach kommen lassen.
Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln