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10.5.2006

Presseschau vom 10.05.2006

Heute mit Stimmen zum designierten englischen Nationaltrainer Steven McClaren, dem Schiedsrichterskandal in Italien, einer Bildstrecke über Franz Beckenbauer, sowie Pfiffen gegen Funktionären und dem Unterschied zwischen echten und unechten Bier in den WM-Stadien.

Heute mit Stimmen zum designierten englischen Nationaltrainer Steven McClaren, dem Schiedsrichterskandal in Italien, einer Bildstrecke über Franz Beckenbauer, sowie Pfiffen gegen Funktionären und dem Unterschied zwischen echten und unechten Bier in den WM-Stadien.

WM 2006

Logik?

Peter Heß (Frankfurter Allgemeine Zeitung) reißt die Augen auf, als er von Englands WM-Kader erfährt und landet ein paar Seitenhiebe gegen Jürgen Klinsmann:
"Was haben wir in Deutschland doch für ein Glück mit unserem Bundestrainer! Das müssen spätestens seit Montag selbst diejenigen zugeben, die Klinsmann nicht als mutigen Innovator des deutschen Fußballs schätzen, sondern für einen in kalifornischer Sonne gebräunten Scharlatan halten. Amerikanische Fitnessgurus, die in Gummitwist vernarrt sind? Na klar doch! Einen aufgeplusterten Betreuerstab, für den ein zweiter Mannschaftsbus geordert werden muß? Selbstverständlich! Den besten Dortmunder Verteidiger, Christian Wörns, aussortieren und dafür dem Dortmunder Bankdrücker Christoph Metzelder vertrauen? Aber sicher! All das erscheint als Ausbund an Logik im Vergleich zum WM-Aufgebot, das sich Sven-Göran Eriksson ausgedacht hat. Nicht nur, daß er Wayne Rooney nominierte, dessen Fußbruch kaum vor dem Viertelfinale auskuriert sein dürfte, vielleicht aber auch erst nach dem Finale. Nein, er verzichtete auch noch freiwillig auf den besten englischen Torschützen der Premier League, auf Darren Bent. Dafür holte Eriksson Theo Walcott ins Team. Das große Sturmtalent von Arsenal ist 17 Jahre alt und verfügt über die Erfahrung von null Erstligaspielen und zwei Einsätzen in der Reservemannschaft. (...) In England fallen die Reaktionen verhältnismäßig flau aus."

nachgetreten.com:Ein schönes Klinsmann-Comic von Christoph Härringer
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Kulturimperialismus

Der Bierdurst der Stadionbesucher – ein Politikum, im Detail reglementiert. Immerhin ist nun alkoholhaltiges Bier zugelassen, wenn auch erst mal nur in den Gruppenspielen. Und nur ein Liter pro Kopf. Wolfgang Hettfleisch (Frankfurter Rundschau) haut nachdenklich auf die Theke:
"Es nennt sich 'Bud', kommt aus den USA und wird aus Reispampe zubereitet – igitt! Weil der durchschnittliche US-Amerikaner sich ums deutsche Reinheitsgebot nicht schert, schüttet er das zweifelhafte Gebräu begeistert hinunter. Gleiches wird von den Besuchern der WM-Spiele am Bier-Standort Deutschland erwartet. Die einen sagen, das sei Kulturimperialismus, die anderen, es sei die Fifa – was ja auf dasselbe rausläuft. (...) Jedenfalls dürfen sich auch Engländer, die diesbezüglich gelegentlich Sorge bekundeten, beim Spielbesuch einen einschenken. Das Risiko gilt als beherrschbar, was am Kleingedruckten im Schluckkontrakt liegen könnte: Die maximale Abgabemenge pro Schlund beträgt einen Liter. Wie will man das bloß prüfen? Mit Atemtests? Schoppen-Stempel im Pass? Und wer, bitte schön, verklickert das einer Horde durstiger Engländer?"
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Frankfurter Allgemeine Zeitung: Fußballfans dürfen in bei der WM "echtes" Bier trinken; harte Strafen für "Flitzer"
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Der Tagesspiegel: Wie die WM-Planer alle Plätze besetzen wollen
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Die Welt: DFB kritisiert die Schiedsrichterwahl der Fifa
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Frankfurter Allgemeine Zeitung: Portrait und Fotostrecke Franz Beckenbauer
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Neue Zürcher Zeitung: Portrait des brasilianischen Torhüters Dida
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faz.net: Video – WM und Prostitution
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International

Ihm hilft auch der richtige Pass nicht viel

Raphael Honigstein (Frankfurter Rundschau) malt Middlesbroughs Coach Steven McClaren, Erikssons Nachfolger und immerhin Engländer, grau in grau:
"Nein, ein Jubelsturm fegt nicht wirklich durchs Land. Da hilft auch der richtige Pass nicht viel. Er ist ein Mann, über den kaum jemand ein schlechtes Wort verliert, und kaum jemand ein richtig gutes. Obwohl er 1999 als Assistent von Alex Ferguson mit Manchester United die Champions League gewann, hielt sich Ferguson mit Lobpreisungen auffällig zurück. Und Derby-County-Trainer Jim Smith, der McClaren im Jahre 1995 als seine rechte Hand zu Derby County holte, hat ihn als 'Trainer mit dem meisten Glück' bezeichnet. Trotz des sensationellen Einzugs ins Uefa-Pokal-Finale weint man ihm in Middlesbrough kaum eine Träne nach. McClaren hat den kleinen, vom schwerreichen Transportunternehmer Steve Gibson unterfütterten Verein im Nordosten vor fünf Spielzeiten auf dem 14. Platz übernommen, auf dem 14. Platz gibt er ihn wieder ab. Spieler für 80 Millionen Euro hat er ins Riverside Stadion geholt; ihre Qualität stand selten im Verhältnis zu den Kosten. Wer wissen wollte, warum es in der finanzstärksten Liga der Welt nicht mehr Spitzenvereine gibt, musste nur nach Middlesbrough schauen. Fast wäre McClaren diese Saison gefeuert worden, nach einem 0:7 (gegen Arsenal) und einem 0:4 (gegen Aston Villa) im Januar; ein erboster Boro-Fan bewarf ihn mit den Fetzen seiner zerrissenen Jahreskarte. Neben den schwachen Resultaten erzürnte die Anhänger seine beispiellose Defensivtaktik; kein englischer Trainer stellt vorsichtiger auf. Im Viertel- und Halbfinale des Uefa-Cups lag man gegen den FC Basel und Steaua Bukarest zu Hause zwei Mal mit vier Toren Rückstand hinten, bevor brachialer Kick-and-Rush die späte Rettung brachte. McClaren bekam wenig Anerkennung dafür. Die Spieler berichteten, der australische Stürmer Mark Viduka hätte in der Kabine eine flammende Rede gehalten."
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Zweite Wahl

Ulrich Friese (Frankfurter Allgemeine Zeitung) bemängelt die Trainerfindung des englischen Verbands als Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner:
"Was jetzt wie ein geschmeidiger, langfristig vorbereiteter Wechsel im Trainerstab aussieht, ist in Wahrheit nur die Kompromißlösung nach personalpolitischem Hick-Hack in der Chefetage der FA. Während McClaren lediglich bei Londons Buchmachern zu Höchstkursen gehandelt wurde, galt er verbandsintern bis zuletzt als 'zweite Wahl'. Statt dessen favorisierten die Mitglieder der Findungskommission internationale Größen wie Guus Hiddink und Luiz Felipe Scolari oder brachten beizeiten nationale Stars ins Spiel. Die Personalauslese der FA mißriet jedoch gründlich. Abgeschreckt durch starre, bürokratische Prozeduren beim Fußballverband oder durch aufdringliche Vertreter der Londoner Boulevardblätter sagten erst Hiddink, dann Scolari und jüngst auch Arsene Wenger ab. Bei den übrigen Kandidaten der FA scheiterte der Vertragsabschluß an finanziellen Konditionen oder es fehlte an der nötigen Stimmenmehrheit im fünfköpfigen Auswahlgremium. Übrig blieb schließlich McClaren, der mit einem frischem Vierjahresvertrag und einem Gehalt von drei Millionen Pfund pro Jahr zunächst als preiswerte Neuverpflichtung erscheint. Doch die Skepsis in Englands Fußballwelt überwiegt. (...) Die ganze Situation um McClaren erinnert stark an die Fußball-Verhältnisse in Deutschland, als Berti Vogts zum Nationaltrainer aufstieg. Auch ihm werden Kenntnisse nicht abgesprochen, aber der große Wurf nicht zugetraut."
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Relaunch

Roland Zorn (Frankfurter Allgemeine Zeitung) beschreibt den holprigen Weg Javier Saviolas:
"Nachfolger von Diego Armando Maradona – dieses gefährliche Etikett ist in den vergangenen Jahren eine Reihe von argentinischen Talenten nicht losgeworden. Was nämlich wie ein großes Versprechen klang, entpuppte sich immer als ein schnell geplatzter großer Luftballon. In Wirklichkeit hat es nicht einen wirklichen Erben des zickigen Superstars aus Buenos Aires gegeben. Javier Saviola schien in seinen ganz jungen Jahren mit einem Talent gesegnet, das Ruhm und Reichtum verhieß. Reich ist der inzwischen 24 Jahre alte Stürmer mit seiner filigranen Kunst und seiner Klasse am Ball geworden, doch dem weltweiten Ruhm jagt er noch immer hinterher. Immerhin: Saviola, wie Maradona aus Buenos Aires kommend, steht erstmals in einem europäischen Endspiel. Es ist aber 'nur' das kleine Uefa-Cup-Finale gegen den englischen Provinzklub FC Middlesbrough, in dem Saviola glänzen kann. Eine Woche danach wird Saviola vielleicht neidvoll ins Stade de France schauen. Dort trifft der FC Arsenal zum großen Finale der Champions League auf Europas Übermannschaft, den FC Barcelona. Der Weltklub aus Katalonien hat auch Saviola bis 2007 unter Vertrag, benötigt dessen Dienste aber wohl nicht mehr."
Die Neue Zürcher Zeitung datet up: "Der FC Sevilla hielt in der europäischen Top-Liga mit den Tenören mit, und Saviola erlebte einen Relaunch der in Spanien nicht programmgemäss verlaufenen Karriere."
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Neue Zürcher Zeitung: FC Sevilla runderneuert mit noch mehr Drive
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Süddeutsche Zeitung: Interview: Mirko Slomka über Mängel im Schalker Spiel und Änderungen zur kommenden Saison
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Reicher Onkel

Austria Wiens Meisterblüte – die Frucht ihres Gärtners Frank Stronach. Auch die Saat der Versöhnung? Werner Pietsch (Neue Zürcher Zeitung) beschreibt die Austria zwischen Freude und Resignation, Melancholie und Zuversicht:
"Eine Mischung aus unbändiger Freude, gepaart mit Wehmut und etwas Ironie, hat die Meisterfeier von Austria Wien begleitet. Die Sekt-Laune konnte nicht darüber trösten, dass der Titelgewinn mit der Vertreibung des Wiener Traditionsklubs aus dem Fussball-Paradies zusammenfiel. Der Austria-Mäzen Stronach, der in den letzten acht Jahren knapp 200 Millionen Franken in die Austria investierte, hatte im November 2005 überraschend den Rückzug angekündigt. Den Versuch einer klubinternen Revolte gegen den 'Big Spender' bestrafte er mit sofortigem Liebesentzug. Ab Sommer 2007 soll es vom austro-kanadischen Industriellen kein Geld mehr für die Wiener Veilchen geben. Vor wenigen Wochen waren wieder Hoffnungen im Wiener Traditionsklub gekeimt. Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl, selbst bekennender Austrianer, konnte Stronach für den Bau eines neuen multifunktionalen Stadions im Süden von Wien gewinnen. Inzwischen erhielten hartnäckige Gerüchte wieder Nahrung, wonach sich Stronach von der Frohbotschaft des Meistertitels wieder umstimmen lasse. An Geld und hochtrabenden (Champions-League-)Plänen schien es im FK Austria in der Vergangenheit nie gemangelt zu haben. Doch der reiche Onkel Frank aus Übersee liess Fussball-Fachkräfte von zweifelhafter Kompetenz und Loyalität in Wien zu lange schalten und walten. Für Spieler, Trainer und vor allem für Spielervermittler wurde der Klub am Wiener Verteilerkreis bald zu einer der lukrativsten Adressen in Europa. Überraschende Besuche Stronachs in Wien waren regelmässig ein untrügliches Zeichen für einen abrupten Regimewechsel. Ein enormer Verschleiss an Spielern, Sportdirektoren und Trainern in immer kürzeren Abständen, aber ohne nennenswerte sportliche Erfolge war das Ergebnis."
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Süddeutsche Zeitung: Kann man einen Fußballklub einfach zum Familienunternehmen erklären und wie einen Waschmittel-Hersteller führen? Wie das gehen könnte, demonstriert derzeit der US-Milliardär Malcolm Glazer in Manchester
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Neue Zürcher Zeitung: Highbury-Ära ist Vergangenheit – letztes Spiel der Gunners im zu klein gewordenen Stadion
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Süddeutsche Zeitung: Wehmütig verabschiedet Real Madrid den scheuen Zinedine Zidane
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Frankfurter Allgemeine Zeitung: Fußball in Iran – Frauen müssen nun doch draußen bleiben
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Neue Zürcher Zeitung: Endlich wieder guter Fussball – Bayer Leverkusens Erfolg verdeckt klubinterne Probleme
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Ascheplatz

System stürzt von oben ein

Folgen des Moggi-Skandals – Paul Kreiner (Tagesspiegel) kommentiert den Rücktritt des italienischen Verbandspräsidenten Franco Carraro vor dem Hintergrund der Wahlniederlage Silvio Berlusconis:
"Es ist, als bräche mit der Regierung von Minister- und Milan-Präsident Berlusconi auch der italienische Profifußball zusammen. Und manche sagen, das komme nicht von ungefähr. Hat nicht die Regierung ihre schützende Hand über die beiden Spitzenligen gehalten, als sich Vereine dort mit gefälschten Bürgschaften den Klassenerhalt sicherten? Hat sie nicht, in trautem Einvernehmen mit dem von Carraro geführten Fußballverband, Gesetze und Spielpläne geändert, um die Halblegalitäten der Vereine zu legitimieren und sich das Wohlwollen der Tifosi zu erkaufen? Und hat Berlusconis TV-Konzern Mediaset nicht die immer gleichen Spitzenvereine auf Kosten der kleineren mit aberwitzigen Zuwendungen für die TV-Rechte korrumpiert? Jetzt, da Berlusconi aus dem Amt gewählt ist, stürzt dieses System ein. Und zwar von oben."
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Neue Zürcher Zeitung: Götterdämmerung im Calcio – Italiens Verbandsboss Carraro demissioniert wegen des Moggi-Skandals
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Berliner Zeitung: Franco Carraro, der Präsident des italienischen Fußballverbandes, ist zurückgetreten
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Ball und Buchstabe

Bekehrt

Matthias Drobinski (Süddeutsche Zeitung) schildert Behausung und Bevaterung des transzendental Obdachlosen Fußball:
"Vorbei sind die Zeiten, als sich die Kirchen und der Fußball fremd und oft auch feindlich gegenüberstanden. Karl Barth, der große und strenge Theologe, zählte Fußball zu den 'herrenlos gewordenen Erdgeistern'; Pfarrer predigten gegen die familienzerstörende Unsitte des Spielbetriebs am Sonntag, und als Deutschland 1954 Weltmeister wurde, da schwiegen die Kirchenvertreter in damals seltener ökumenischer Eintracht. Der Schriftsteller und Pfarrerssohn Christian Friedrich Delius hat beschrieben, wie er an jenem Julisonntag als kleiner Junge mit roten Ohren vor dem Radioapparat im Amtszimmer seines Vaters saß und Herbert Zimmermanns Reportage lauschte, und wie für ihn der drohende Kreuzesgott seine Macht verlor, als Zimmermann nach einer Parade des Torhüters Turek ausrief: 'Toni, du bist ein Fußballgott!' Das war damals die Front: Hier der Fußball-, dort der Christengott. Heute sind Kirchenchefs wie der hessen-nassauische Kirchenpräsident Peter Steinacker oder der rheinische Präses Nikolaus Schneider stolz darauf, einmal selber engagiert gekickt zu haben; Karl Lehmann, der Mainzer Kardinal und Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, trägt öffentlich den Mainz-05-Fanschal. Pfarrerauswahlen kämpfen um den Titel des deutschen Meisters; in Berlin spielten am Wochenende Pfarrer und Imame gegeneinander – und alles zusammen gegen Ausländerfeindlichkeit. Profifußballer, die öffentlich zu ihrem christlichen Glauben stehen, gelten mittlerweile als die besten Missionare für die Sache Jesu, selbst wenn sie manchmal nicht viel mehr zu erzählen wissen, als dass ihre Grätsche viel besser geworden ist, seit sie sich bekehrt haben. Selbst Papst Benedikt XVI., persönlich solchen Leibesübungen eher fern stehend, wird nun fleißig mit einem Satz zitiert, den er 1978 als Erzbischof von München, zur WM in Argentinien sagte: Ein Fußballspiel sei 'eine Art versuchte Heimkehr ins Paradies, das Heraustreten aus dem versklavten Ernst des Alltags in den freien Ernst dessen, was nicht sein muss - und gerade darum schön ist'. (...) Zahlreiche Theologen haben inzwischen in noch zahlreicheren Abhandlungen christliche Riten und Fan-Kulturen verglichen, Stadion- und Messgesänge, Heiligenverehrung und Fankult. Die eifrigsten unter ihnen vergessen manchmal die Unterschiede zwischen echter und gespielter Religion. Andere bemerken mit leisem Neid die unglaubliche Popularität der Sportart, der kein Skandal verringern kann. Doch auch die knochigsten Kirchenleute haben inzwischen eingesehen: Am Fußball kommt niemand vorbei. Entsprechend engagieren sich die Kirchen wie noch nie bei einer Weltmeisterschaft."

Mittellärm

Die Übergabe der Meisterschale – Drecksarbeit für Funktionäre und Steilpaß für die Gag-Autoren der Süddeutschen. Eine virtuelle Pegelmessung des Pfeifometers von Christian Zaschke (Süddeutsche Zeitung):
"Er wird von über 60.000 Menschen ausgepfiffen, ohne dass er etwas Schlimmes getan hat. Im Gegenteil: Die Pfiffe werden einsetzen bei der feierlichen Verkündung, dass nun der Präsident der DFL, Werner Hackmann, die Meisterschale an den FC Bayern München übergibt. Wenn Funktionäre Dinge übergeben, dann wird gepfiffen, das ist so Brauch. Innerhalb des Brauchs haben die Fans durchaus Gespür. Wenn DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder sich anschickt, was auch immer zu übergeben, erreicht der Lärmpegel größte Höhen. Beim ehemaligen DFB-Präsidenten Egidius Braun war das Pfeifen stets so leise, dass man es kaum hörte. Hackmann erreicht einen soliden Mittellärm. Kurz gab es die Überlegung, dass Jürgen Klinsmann die Meisterschale an den Kapitän des FC Bayern übergibt: an Oliver Kahn, den er zur Nummer zwei gemacht hat. In München. Das Pfeifkonzert wäre so laut gewesen, als hätte Gerhard Mayer-Vorfelder entschieden, die Schale nicht zu übergeben, sondern zu behalten. Die Überlegung wurde schnell verworfen."

Deshalb

Plausibel und einleuchtend! Wer ist schuld an Wayne Rooneys und Michael Owens Fußbrüchen? Ralf Sotschek (tageszeitung) erweitert englische Erklärungs-, Verklärungs- und Verschwörungstheorien:
"Football365 weiß, wer schuld ist: Margaret Thatcher. Während ihrer Amtszeit als Premierministerin hat sie die kostenlose Milchration in britischen Schulen abgeschafft, und seitdem haben die Kinder spröde Knochen. Man könnte natürlich auch Zar Nikolaus II. die Schuld geben: Er ließ 1905 das Feuer auf demonstrierende Bauern eröffnen, was schließlich zur Revolution und zur Gründung der Sowjetunion führte. Deren Rüstungswettlauf mit den USA ruinierte die sowjetische Wirtschaft, weshalb Boris Jelzin Staatseigentum privatisieren musste. Das wiederum machte einige Leute steinreich, darunter Roman Abramowitsch, der sich den FC Chelsea kaufte. Weil dieser Club nun so stark ist, konnte Manchester United dem angeschlagenen Rooney keine Ruhepause gönnen. Deshalb brach er sich im Spiel gegen Chelsea den Fuß. Und deshalb wird England nicht Weltmeister."
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Frankfurter Allgemeine Zeitung: Arena-TV vor seiner ersten Bundesliga-Saison – näher am Spiel
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freistösse des tages

Das Land debattiert die Militärdiktatur, die WM 1978 und die Rolle des Trainers César Luis Menotti.
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In Hildesheim steht Deutschlands Torfabrik Nummer eins: 20, 30 "Buden" machen Helmuth Löhr und seine 50 Mitarbeiter bei der Firma Sportgeräte 2000 pro Tag.
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Das Bildblog überführt die Bild-Zeitung bei falscher Berichterstattung über die deutschen Irak-Geisel, die nach ihrer Freilassung angeblich nach den Bundesligaergebnissen gefragt hätten.
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