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26.7.2005

Glossar

Das Glossar informiert über wirtschaftsrelevante Begriffe. Angefangen bei "Brain Drain" über "Direktinvestitionen" und "Subsistenzwirtschaft" bis hin zu "WTO".

Brain Drain
Begriffspaar zur Beschreibung der Abwanderung hochqualifizierter Fachkräfte aus Entwicklungsländern in die Industrieländer zum Nachteil der Entwicklungsländer, da sie die Ausbildungskosten tragen, aber nicht vom Wissen und Können der Fachkräfte profitieren.

Direktinvestitionen
Wirtschaftliche Tätigkeit von Inländern im Ausland, die die Neugründung oder den Erwerb von Unternehmen im Ausland ebenso umfasst wie die Beteiligung an bereits bestehenden ausländischen Unternehmen.

GATT
General Agreement on Tariffs and Trade; Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen. Im Rahmen dieses internationalen Abkommens vereinbarten die Vertragsparteien seit 1948 in verschiedenen, über mehrere Jahre verteilten Verhandlungsrunden die schrittweise Senkung von Zöllen und Handelshemmnissen. Bis zu seinem Übergang in die neu gegründete WTO im Jahre 1995 war das GATT somit das zentrale Vertragswerk zur Aushandlung von Regeln für den Welthandel.

Globalisierung
Sammelbegriff für alle Prozesse im Zusammenhang mit den wachsenden weltweiten Verflechtungen zwischen Staaten, Gesellschaften und Volkswirtschaften, die vor allem durch Veränderungen in der Kommunikationstechnologie und im Transportwesen bedingt sind.

Good Governance
Gutes Regierungshandeln, das nach allgemeinem Verständnis charakterisiert wird durch eine Reihe von Kriterien wie zum Beispiel Wahrung der Menschenrechte, Beteiligung der Bevölkerung an politischen Entscheidungen, Rechtsstaatlichkeit, eine marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung sowie entwicklungsorientiertes und effizientes Staatshandeln. Im Rahmen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit wird die Vergabe von Entwicklungshilfe zunehmend an die Gewährleistung dieser Standards von Seiten der Empfängerländer geknüpft.

Grundbedürfnisstrategie
Entwicklungsstrategie, die darauf abzielt, die Grundbedürfnisse einer möglichst großen Zahl von Menschen zu befriedigen. Dies beinhaltet neben der Bereitstellung einer Mindestausstattung mit Gütern des privaten Gebrauchs wie Nahrung, Kleidung und Wohnraum auch die Sicherung grundlegender öffentlicher Dienstleistungen wie beispielsweise die Versorgung mit sauberem Trinkwasser.

HDI
Human Development Index. Index der menschlichen Entwicklung, der vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) anhand der drei Indikatoren Lebensdauer, Bildung und Lebensstandard für gegebene Staaten berechnet wird. Bei möglichen Indexwerten zwischen 0 und 1 werden die untersuchten Länder in drei Klassen eingeteilt: Länder mit einem high human development (HDI zwischen 0,8 und 1), Länder, die ein medium human development (HDI zwischen 0,5 und 0,8) verzeichnen und abschließend Länder mit einem low human development (HDI unter 0,5).

HIPC-Initiative
Highly Indebted Poor Countries-Initiative. Initiative für hochverschuldete Länder; die zurückgehend auf einen Beschluss der Weltbank und des IWF im Jahre 1996 das Ziel verfolgt, die Schuldenlast für die Gruppe der hochverschuldeten Länder auf ein "tragfähiges" Maß zu reduzieren. Eine Erweiterung und Konkretisierung der Initiative wurde 1999 auf dem Kölner Weltwirtschaftsgipfel beschlossen, wobei die konkreten Reformmaßnahmen (vor allem Armutsbekämpfung) in Absprache mit den internationalen Finanzinstitutionen von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren des betroffenen Landes erarbeitet werden.

Importsubstitution
Durch verstärkte Industrialisierung und Auffächerung der Produktionspalette soll die Herstellung bislang importierter Produkte im Inland ermöglicht werden mit dem Ziel, finanzielle Einsparungen und eine größere Unabhängigkeit vom Außenhandel zu erreichen. Allerdings birgt diese Strategie das Risiko einer Abschottung gegenüber dem Weltmarkt.

Informeller Sektor (auch "Schattenwirtschaft" oder "Parallelökonomie")
wichtiger Teilbereich der Wirtschaft vieler Entwicklungsländer, der durch arbeitsintensive Produktion sowie schlecht bezahlte und gering qualifizierte Arbeit gekennzeichnet ist und vor allem im Dienstleistungs- und Handelsbereich weit verbreitet ist (zum Beispiel: Schuhputzer, Straßenverkäufer).

NWWO
Neue Weltwirtschaftsordnung. Bezeichnung für eine von den Entwicklungsländern insbesondere in den 1970er Jahren geforderte Veränderung des internationalen Wirtschaftssystems. Auf der Grundlage eines umfassenden Forderungskatalogs verfolgten sie das Ziel, ihre benachteiligte Stellung in der Weltwirtschaft abzubauen.

Strukturanpassung
Bezeichnet ein Bündel wirtschaftspolitischer Maßnahmen, zu deren Umsetzung Entwicklungsländer verpflichtet sind, wollen sie von Krediten der Weltbank und des IWF bzw. von der Entschuldungsinitiative HIPC profitieren. Durch weit reichende wirtschaftspolitische Vorgaben (Konditionalitäten) der Deregulierung und Privatisierung soll kurzfristig das Ziel erreicht werden, die Kreditwürdigkeit der betroffenen Staaten wiederherzustellen sowie mittel- bis langfristig die Wachstumschancen der jeweiligen Wirtschaften zu fördern. Unter anderem aufgrund der hohen sozialen Kosten, die oftmals die Umsetzung der Strukturanpassungsprogramme begleiten und insbesondere die armen Bevölkerungsschichten benachteiligen, sind die Maßnahmen der Strukturanpassung heftig umstritten.

Subsistenzwirtschaft
Landwirtschaftliche Produktion, die überwiegend oder ausschließlich dem direkten Eigenverbrauch und nicht der Belieferung von Märkten dient.

Terms of Trade
Austauschverhältnis der Import- und Exportpreise eines Landes. Mit unterschiedlichen Konzepten und Berechnungen der Terms of Trade wird versucht, die Wohlfahrtsgewinne bzw. -verluste durch Außenhandel zu erfassen.

UNCTAD
United Nations Conference on Trade and Development; Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung. Als ständiges Organ der Vereinten Nationen werden im Rahmen der in Abstand von jeweils vier Jahren stattfindenden Konferenzen Fragen des Welthandels diskutiert. Die Konferenz verfolgt das Ziel, eine bessere Integration der Entwicklungsländer in den weltweiten Wirtschaftsprozess zu erreichen. Die Entwicklungsländer nutzten die auf ihr Drängen hin ins Leben gerufene Konferenz als Plattform, um in den 1970er Jahren ihre Forderungen nach einer Neuen Weltwirtschaftsordnung (NWWO) zu verwirklichen. Internet: http://www.unctad.org

WTO
World Trade Organization; Welthandelsorganisation. Als "Erweiterung" des GATT verfolgt die WTO das grundsätzliche Ziel, durch den Abbau von Handelshemmnissen einen möglichst freien weltweiten Handel zu ermöglichen. Zu diesem Zweck verhandeln die Mitgliedsstaaten der WTO über zentrale handelspolitische Fragen und können im Falle von Streitfragen im Bereich der Handelspolitik das Schlichtungsverfahren der Organisation in Anspruch nehmen. Internet: http://www.wto.org

Die Definitionen wurden der Publikation Entwicklung und Entwicklungspolitik entnommen.
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