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5.12.2019

Dokumentation: Exposé des Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki vor dem Sejm am 19. November 2019

Der Ministerpräsident Mateusz Morawiecki sprach am 19. November vor dem Sejm über die Remigration von polnischen Migranten aus dem Ausland und plädiert für eine "Strategie der großen Rückkehr". Diese Dokumentation gibt Auszüge aus seiner Rede wieder.

Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki spricht vor dem Sejm am 19. November 2019. (© picture alliance / PAP)


[Auszüge]

[…]

Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds zogen in den Jahren 1990 bis 2016 fast 20 Millionen Menschen aus Ostmitteleuropa in die reichen, europäischen, westlichen Länder. Dieser Trend beschleunigte sich nach dem Beitritt unserer Länder zur Union. Nach Meinung des Fonds bewirkte dieser Wechsel, dass den Ländern Ostmitteleuropas, darunter Polen, Einnahmen verloren gingen. Unser pro-Kopf-Einkommen ist mindestens fünf Prozent niedriger infolge dieser Migration. Das ist ein großer Tribut, den Polen den reichen Ländern des Westens gezahlt hat. Ein solcher Tribut der Armen an die Reichen ist nicht normal. Ein Staat mit hohen Standards muss dies beenden. (Beifall) Aber das Jahr 2018 war das erste Jahr, in dem die Anzahl der Landsleute in der Emigration deutlich zurückging. Nach Polen kehrten zirka 100.000 Menschen zurück. (Beifall)

(Stimme aus dem Saal: Bravo!)

Die Polen packen endlich ihre Koffer aus, anstatt sie zu packen.

Hohes Haus! Ich möchte, dass in der kommenden Regierungsperiode eine große Demographiestrategie entwickelt wird und in Kraft tritt. Wir können in 20 Jahren eine deutlich größere Nation sein.

(Abgeordneter Jan Rutnicki: Genau.)

Die Demographiestrategie und die Strategie der großen Rückkehr, der Rückkehr der Polen ins Vaterland. Aller Polen. Der dramatisch geprüften in früheren Generationen, derjenigen aus dem Osten und derjenigen aus dem Westen. Sie bereichern Polen.

[…]

Zum Schluss einige Sätze über den Stolz auf die Zugehörigkeit zur nationalen Gemeinschaft und auf die polnische Kultur. Generationen von Polen wurden im Geiste des "Leuchtturmwärters" [poln. Latarnik, d. Übers.] von [Henryk, d. Übers.] Sienkiewicz erzogen, der Novelle über das bittere Los des Emigranten und die Liebe zum Vaterland. Der ständige Blutverlust, Migrationswellen, eine nach der anderen, das ist Polens Drama. Heutzutage kehren die Polen wieder ins Vaterland zurück. Heute endlich kann Polen für Generationen von Emigranten Zukunft und Hoffnung sein, ein Ort der Rückkehr. (Beifall)

(Abgeordneter Dominik Tarczyński: Stolz.)

Und wie sieht man Polen heute von außen? Wir könnten das jeden der 20 Millionen Touristen fragen, die Polen dieses Jahr besuchen. Das ist ein Rekord, der bezeugt, welche Anziehungskraft unser Vaterland hat. Sie nehmen das wahr, was wir allzu oft vergessen. Polen ist ein schönes, interessantes, kulturell reiches Land. Ein Land, auf das wir stolz sein können. Wir wollen auch unsere Landsleute aus der ganzen Welt anziehen. Mit diesem Ziel entstehen Sommerschulen für die Kinder und Jugendlichen der Auslandspolen, damit die kommenden Generationen der Polen, die im Ausland geboren wurden, auf die Frage, wo Polen liege, nicht nur die Stelle auf der Landkarte zeigen können, sondern damit Polen auch in ihren Herzen liegt und in ihren Plänen. (Beifall)

(Abgeordneter Dominik Tarczyński: Bravo.)

[…]

Übersetzung aus dem Polnischen: Silke Plate

Quelle: Sejm Rzeczypospolitej Polskiej Kadencja IX [Sejm der Republik Polen IX. Wahlperiode]: Sprawozdanie Stenograficzne z 1. posiedzenia Sejmu Rzeczypospolitej Polskiej w dniu 19 listopada 2019 r. (trzeci dzień obrad). Przedstawienie przez prezesa Rady Ministrów programu działania Rady Ministrów z wnioskiem o udzielenie jej wotum zaufania [Stenografisches Protokoll der 1. Sitzung des Sejm der Republik Polen am 19. November 2019 (Dritter Sitzungstag). Vorstellung des Tätigkeitsprogramms des Ministerrates durch den Präses des Ministerrates mit dem Antrag auf Erteilung des Vertrauensvotums]. Warszawa 2019. http://orka2.sejm.gov.pl/StenoInter9.nsf/0/65E0AEB97E76894EC12584B800149932/%24File/01_c_ksiazka.pdf (abgerufen am 28.11.2019).Gemeinsam herausgegeben werden die Polen-Analysen von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V., dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien, dem Leibniz- Institut für Ost- und Südosteuropaforschung und dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) gGmbH. Die bpb veröffentlicht sie als Lizenzausgabe.
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