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17.10.2019

Einleitung: Russlands (un-)heimlicher Aufstieg zum weltweit größten Getreideexporteur

Als Russland die USA hinter sich ließ und plötzlich zum weltweit größten Weizenexporteur aufstieg, machte sich das auch in Deutschland bemerkbar. Einleitend stellt sich daher die Frage: Was bedeutet dies für den internationalen Getreidehandel und die globale Ernährungssicherheit?

Russisches Getreide wird für den Export auf ein Schiff verladen. (© picture-alliance/dpa)


Den russischen Nahrungsmittelsanktionen gegenüber den westlichen Ländern wird noch immer viel Aufmerksamkeit gewidmet, obwohl fraglich ist, inwieweit eine Aufhebung der Sanktionen die EU-Agrarwirtschaft überhaupt noch tangieren würde (mit Ausnahme der EU-Milchwirtschaft, die durch den Export von Milchprodukten aus Deutschland geprägt ist).

Viele der politisch festgesetzten Selbstversorgungsziele Russlands wurden mit erheblichem Subventionsaufwand erreicht, wie beispielsweise bei Schweine- und Geflügelfleisch. Es ist eine Frage der Entwicklung gut funktionierender gekühlter Wertschöpfungsketten: Ist diese Entwicklung abgeschlossen, wird Russland als Exporteur von Schweine- und Geflügelfleisch auf den internationalen Märkten auftreten.

Die russischen Getreideexporte sind dagegen nicht im Zusammenhang mit den Nahrungsmittelsanktionen zu sehen. Denn Russland begann bereits zur Jahrtausendwende, Getreide, vor allem Weizen, auf die Weltmärkte zu exportieren. Plötzlich überstiegen Anfang 2015 die russischen Weizenexporte die der USA, und Russland avancierte bereits in 2017/18 zum weltweit größten Weizenexporteur. Davon war die Getreidewirtschaft der EU und insbesondere Deutschlands stark betroffen, und es sieht gegenwärtig nicht so aus, als würde sich das in nächster Zeit ändern.

Diese Ausgabe der Russland-Analysen beschäftigt sich mit der Frage nach den Auswirkungen von Russlands Aufstieg zum weltweit größten Weizenexporteur für den internationalen Getreidehandel und für die globale Ernährungssicherheit. Sie berichtet aus den Ergebnissen von am Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) durchgeführten Forschungsarbeiten.

Der erste Artikel liefert einen Überblick über die Charakteristika des russischen Getreidemarkts und wirft die Frage auf, inwieweit sich das bisher noch ungenutzte Weizenproduktionspotenzial mobilisieren lässt. Der zweite Artikel konzentriert sich auf die Besonderheiten des russischen Getreidehandels und die Bedeutung des steten Anstiegs der Weizenexporte Russlands für den globalen Weizenhandel.

Die Redaktion der Russland-Analysen in Zusammenarbeit mit dem IAMO, Halle (Saale)Gemeinsam herausgegeben werden die Russland-Analysen von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V., dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien, dem Leibniz- Institut für Ost- und Südosteuropaforschung und dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) gGmbH. Die bpb veröffentlicht sie als Lizenzausgabe.
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