Dossier

Türkei

Ministerpräsidenten der Türkei

İsmet İnönü (* 1884 † 1973), Militär- und Weggefährte Mustafa Kemal Atatürks, war von 1923 bis 1924 erster Ministerpräsident der Türkei. In den Jahren 1925 bis 1937 sowie von 1961 bis 1965 übte er dieses Amt erneut aus. Zwischenzeitich war der CHP-Politiker, nach Atatürks Tod im Jahr 1938, auch Staatspräsident der Türkei. Er begann eine Demokratisierung des Landes und versuchte einen Ausgleich zwischen Laizismus und Islam.Adnan Menderes (* 1899 † 1961, im Bild mit Bundeskanzler Konrad Adenauer 1958 in Bonn) war der erste frei gewählte Ministerpräsident der Türkei. Als Mitglied der damaligen Demokrat Parti (DP) regierte er von 1950 bis 1960. Seine Amtszeit wurde durch den Militärputsch im Jahr 1960 beendet. Menderes wurde verurteilt und hingerichtet: Der zweite Ministerpräsident der Türkei war ein Gegner des vorherrschenden Laizismus und forderte die Rückkehr zum islamisch geprägten Staat. Zudem ereignete sich während seiner Amtszeit das Istanbuler Pogrom an griechischen Christen. In der heutigen Türkei ist Adnan Menderes Ansehen wieder hergestellt. Bei konservativen Gesellschaftsschichten hat er sogar einen prominenten Status - ein Zustand, der stark von Regierungsseite aus befördert wurde. Nach ihm sind Straßen, eine Universität und der Flughafen von Izmir benannt.Süleyman Demirel (* 1924 † 2015) regierte als Ministerpräsident zunächst von 1965 bis zum Sturz durch das Militär 1971. Von 1975 bis Juni 1977 und von Juli bis Dezember 1977 sowie von 1979 bis zum erneuten Militärputsch 1980 war er wiederholt Chef verschiedener, stets fragiler Koalitionsregierungen. Als Politiker der 1981 aufgelösten, nationalkonservativen Adalet Partisi (AP), später als als Doğru Yol Partisi (DYP), neugegründet, betrieb er eine neoliberale Wirtschaftspolitik. Von 1991 bis 1993 war er letztmalig Ministerpräsident, daraufhin bis zum Jahr 2000 Staatspräsident.Der Journalist, Schriftsteller und Kemalist Bülent Ecevit (* 1925 † 2006) war insgesamt vier Mal Ministerpräsident der Türkei. Nachdem der CHP-Politiker 1974 erstmalig regierte, wechselte er sich in den späten 1970er-Jahren mehrfach mit Süleyman Demirel ab. Wie sein politischer Kontrahent hatte auch er unter den repressiven Konsequenzen des dritten Militärputschs durch General Kenan Evren im Jahr 1980 zu leiden. Später gründete er die Demokratische Linkspartei (DSP), mit der er zwischen 1999 und 2002 letztmalig als Ministerpräsident regierte.Mit dem Wahlsieger des Jahres 1983, Turgut Özal (* 1927 † 1993), endete eine dreijährige Militärherrschaft. Als Ministerpräsident versuchte sich der Politiker der Anavatan Partisi (ANAP, "Mutterlandspartei") an einer Übereinkunft mit den Armeniern und einer Aufarbeitung des Völkermords. Özal bemühte sich außerdem um eine Entschärfung des Kurdenkonflikts - eine Politik, die in der türkischen Öffentlichkeit heftig umstritten war. Aufgrund zahlreicher Widerstände blieben diese Bemühungen jedoch weitestgehend erfolglos. Später zum Staatspräsident ernannt, endete seine Amtszeit 1993 mit seinem plötzlichen Tode. Der dringende Verdacht, dass Özal vergiftet wurde, ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt.Die erste und bisher einzige Frau im Amt des türkischen Ministerpräsidenten: Tansu Çiller (* 1946) regierte von 1993 bis 1996. Die türkische "Iron Lady" und DYP-Politikerin brachte viele wirtschaftspolitische Reformen auf den Weg und sprach sich für einen EU-Beitritt der Türkei aus. Wiederholt musste sie sich allerdings auch mit Korruptionsvorwürfen auseinandersetzen. Später, nach dem Bruch ihrer Regierungskoalition im Jahr 1996, war sie bis 1997 Außenministerin unter Necmettin Erbakan.Necmettin Erbakan (* 1926 † 2011), von 1996 bis 1997 Ministerpräsident der Türkei, gilt als politischer Ziehvater Recep Tayyip Erdoğans. Dessen AKP ging im Jahre 2001 aus dem Reformflügel von Erbakans islamistischer "Wohlfahrtspartei" (Refah Partisi) hervor. Bereits 1970 gründete er die erste Parteiorganisation der extremistischen Millî-Görüş-Bewegung. Programmatisch tonangebend war für den überzeugten Konservativen ein nationalistisch gefärbter Islamismus. Diesen führte er regelmäßig gegen liberale Wertvorstellungen ins Feld. In seiner Ablehnung des Laizismus geriet er regelmäßig mit der kemalistischen Staatsdoktrin in Konflikt. Erbakan verlor sein Amt durch den "Sanften Putsch" im Jahr 1997, bzw. musste auf Druck der Militärs zurücktreten. Seine Partei wurde verboten.Auch Mesut Yılmaz (* 1947, Anavatan Partisi (ANAP, "Mutterlandspartei")) war mehrfach Ministerpräsident der Türkei. Erstmalig von Juni bis Oktober 1991, dann erneute für nur einige Monate 1996 und schließlich nach dem von den Militärs erzwungenen Rücktritt Necmettin Erbakans von 1997 bis 1999. Zur Parlamentswahl 2007 trat Yilmaz als unabhängiger Kandidat an und wurde in die türkische Nationalversammlung gewählt, aus der er 2011 wieder ausschied. Der Volkswirt Yılmaz ist Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung, studierte in den 1970er-Jahren in Köln, war von 2003 bis 2004 an der Ruhr-Universität Bochum als Gastdozent tätig und spricht fließend deutsch.Der AKP-Politiker Abdullah Gül (* 1950) war von 2007 bis 2014 Staatspräsident der Türkei. Zuvor war er von November 2002 bis März 2003 Ministerpräsident einer Übergangsregierung. Ziel dieser Regierung war es, durch eine Gesetzesänderung die Wahl Recep Tayyip Erdoğans zum Ministerpräsidenten zu ermöglichen. Als dies gelang, wurde Gül unter Erdoğan Außenminister. In diesem Amt irritierte er nicht zuletzt mit einem Unterstützungsaufruf für die islamistische Bewegung Millî Görüş. Seit seiner Wahl zum Staatspräsidenten ging er in Fragen der Rechtsstaatlichkeit regelmäßig auf Distanz zu seinem Parteifreund Erdoğan. Das Verhältnis der beiden gilt heute als angespannt.Recep Tayyip Erdoğan (* 1954) war von 2003 bis 2014 Ministerpräsident der Türkei. Während Anhänger insbesondere den wirtschaftlichen Aufstieg des Landes unter der Regierung seiner islamischen AKP loben, sorgen sein autoritärer Regierungsstil und seine Gesellschaftspolitik regelmäßig für Kontroversen. In seine Amtszeit als Ministerpräsident und heute Staatspräsident fallen auch die drastische Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit. Kritiker und Oppositionelle werden von ihm bis heute kriminalisiert. Gestützt wird Erdoğan zwar vornehmlich von konservativen Wählern, er hat jedoch Anhänger in allen Bevölkerungsschichten: Sowohl die deutliche Verbesserung der Lebensqualität, der enorme Ausbau der Infrastruktur und die politische Entmachtung des Militärs sind untrennbar mit seiner Person verbunden. Seit seiner Wahl zum Staatspräsidenten im Jahr 2014 hat sich die Machtverteilung im politischen System der Türkei zusehends vom Amt des Ministerpräsidenten auf das Amt des Staatspräsidenten verlagert. Durch die Zustimmung einer knappen Mehrheit der Bevölkerung zum Verfassungsreferendum vom 16. April 2017 wird diese Machtverlagerung bis zum Jahr 2019 auch de jure vollzogen. Danach wird es das Amt des Ministerpräsidenten nicht mehr geben. Der Staatspräsident wird dann auch Regierungschef sein.Von 2014 bis 2016 war Ahmet Davutoğlu (* 1959) Ministerpräsident der Türkei. Davutoğlu ist Politikwissenschaftler und arbeitete als Professor an verschiedenen Universitäten. Nach dem Wahlsieg der AKP im Jahr 2002 wurde er zuerst außenpolitischer Berater Erdoğans, später Botschafter. 2009 machte Erdoğan ihn zum Außenminister: Bereits 2001 hatte Davutoğlu das Buch Stratejik Derinlik (Strategische Tiefe) veröffentlicht. Darin erklärte er eine neue außenpolitische Strategie für die Türkei. Das Ziel war, alle Konflikte mit den Nachbarländern beizulegen und regional wie global eine führende internationale Rolle einzunehmen: Anfänglich konnte Davutoğlu mit dieser Politik Erfolge erzielen, heute sind die Beziehungen zu beinahe allen Nachbarstaaten der Türkei sowie zu wichtigen politischen und Handelspartnern schwer beschädigt oder zumindest stark belastet.Binali Yıldırım (* 1955) wird wohl als letzter Ministerpräsident der Türkei in die Geschichte eingehen. Seit 2016 ist der AKP-Politiker Ministerpräsident und Regierungschef der Türkei. Mit dem Amt des Ministerpräsidenten übernahm er auch das des Parteivorsitzenden der AKP von seinem Vorgänger Ahmet Davutoğlu. Den Parteivorsitz hat Staatspräsident Erdoğan bereits im Mai 2017 wieder übernommen. Die Kompetenzen des Regierungschefs sollen bis 2019 auf das Amt des Staatspräsidenten übertragen werden. Yıldırım gilt als Anhänger Erdoğans und hat sich – anders als andere prominente AKP-Politiker – nie kritisch gegenüber Staatspräsident Erdoğan geäußert. Dementsprechend warb Binali Yıldırım auch uneingeschränkt für das Verfassungsreferendum im April 2017 – und damit für die Abschaffung seines eigenen Amtes. Yıldırım wird aktuell als schwacher Ministerpräsident eingeschätzt. Die Richtlinien der Politik des Landes werden von Staatspräsident Erdoğan bestimmt.

Türkische Staatspräsidenten

Mustafa Kemal Atatürk (* 1881 † 1938) gilt als Begründer der modernen Türkei. Zunächst Führungsfigur im türkischen Befreiungskrieg, schaffte er schließlich das Sultanat ab. Im Jahr 1923 wurde die Republik Türkei ausgerufen, und Atatürk wurde ihr erster Staatspräsident. Bis heute wird der "Vater der Türken" im Land verehrt, jede Herabsetzung juristisch geahndet: ein Straftatbestand ähnlich dem der Beleidigung des Türkentums, der auch schon genutzt wurde, um Bürgerrechtler und kritische Journalisten sowie Schriftsteller zu kriminalisieren. Eine unvoreingenommene wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Wirken Atatürks ist in der Türkei bis heute nur begrenzt möglich.İsmet İnönü (* 1884 † 1973), Militär- und Weggefährte Mustafa Kemal Atatürks, war von 1923 bis 1924 erster Ministerpräsident der Türkei. In den Jahren 1925 bis 1937 sowie von 1961 bis 1965 übte er dieses Amt erneut aus. Zwischenzeitich war der CHP-Politiker, nach Atatürks Tod im Jahr 1938, auch Staatspräsident der Türkei. Er begann eine Demokratisierung des Landes und versuchte einen Ausgleich zwischen Laizismus und Islam.Celâl Bayar (* 1883 † 1986) war von 1950 bis zum ersten Militärputsch 1960 dritter Staatspräsident der Republik Türkei. Nachdem sein Vorgänger İsmet İnönü im Jahr 1945 das Ende des türkischen Einparteiensystems proklamierte, traten Bayar sowie der spätere Ministerpräsident Adnan Menderes aus der kemalistischen CHP (Republikanischen Volkspartei) aus und gründeten 1946 die Demokrat Parti (DP). Bei der Wahl 1950 gewann diese schließlich die Parlamentsmehrheit. Unter seine Präsidentschaft fiel auch das anti-griechische Pogrom von Istanbul. Nach dem Militärputsch wurde Bayar zum Tode verurteilt, anders als sein Parteifreund Menderes jedoch nicht hingerichtet, und 1966 schließlich begnadigt.Mit Cemal Gürsel (* 1895 † 1966) folgte 1960 auf den noch demokratisch gewählten Celâl Bayar schließlich einer der Putschisten ins höchste Staatsamt. Im putschenden "Komitee der nationalen Einheit" bekleidete er zuvor eine Führungsposition. Zwischenzeitlich war Gürsel sowohl Ministerpräsident als auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Indessen gab er eine neue Verfassung in Auftrag, unter der er als Staatspräsident vereidigt wurde. General Gürsel galt als liberal und politisch links orientiert, 1966 trat er aus gesundheitlichen Gründen zurück. Nach seinem Tod veränderte sich die politische Ausrichtung des Militärs, das nun zunehmend autoritärer agierte.Cevdet Sunay (* 1899 † 1982) wurde 1966 von der Nationalversammlung zum fünften Staatspräsidenten der Türkei gewählt. Sein Vorgänger Cemal Gürsel war wegen gesundheitlicher Probleme zurückgetreten. Seine Wahl galt als Konzession der regierenden konservativen Gerechtigkeitspartei (AP) an das Militär, welches sechs Jahre zuvor geputscht hatte: Ministerpräsident Süleyman Demirel wollte so erneute Spannungen mit der Armee vermeiden. Cevdet Sunay blieb bis zum regulären Ende seiner Amtszeit im Jahr 1973 - einer Periode, die von Studentenunruhen, steigender Terrorismusgefahr und dem zweiten Militärputsch im Jahr 1971 geprägt war - Staatspräsident der Türkei.Admiral Fahri Korutürk (* 1903 † 1987) fand 1973 als Kompromisskandidat den Weg in das Staatspräsidentenamt. Der Favorit der Militärführung und Chef des Generalstabs General Faruk Gürler war zuvor am Widerstand der großen Parteien im Parlament gescheitert. Korutürk agierte streng überparteilich und machte seinen Einfluss gerade auch in Zeiten der rivalisierenden und sich zeitweise abwechselnden Ministerpräsidenten Bülent Ecevit und Süleyman Demirel geltend. Seine Amtszeit endete 1980. Als kein Nachfolger gefunden werden konnte, schloss sich der dritte Militärputsch unter General Kenan Evren an.Nach dem Sturz der Regierung durch das Militär im Jahr 1980 wurde Generalstabschef Kenan Evren (* 1917 † 2015) durch die Armee als Staatspräsident eingesetzt. Evren verhängte das Kriegsrecht und setzte eine Militärregierung ein. Schwerwiegende Menschen- und Bürgerrechtsverletzungen waren die Folge. Die neue, vom Militär vorgelegte Verfassung wurde am 7. November 1982 per Volksabstimmung angenommen. Evren wurde damit gleichzeitig bis 1989 im Amt bestätigt. Bestrebungen, ihn für die begangenen Verbrechen juristisch zur Rechenschaft zu ziehen, waren bis zum Verfassungsreferendum im Jahr 2010 nicht möglich. Im Juni 2014 wurde Evren zu lebenslanger Haft verurteilt, die er wegen seines Alters jedoch nicht mehr antreten musste.Mit dem Wahlsieger des Jahres 1983, Turgut Özal (* 1927 † 1993), endete eine dreijährige Militärherrschaft. Als Ministerpräsident versuchte sich der Politiker der Anavatan Partisi (ANAP, "Mutterlandspartei") an einer Übereinkunft mit den Armeniern und einer Aufarbeitung des Völkermords. Özal bemühte sich außerdem um eine Entschärfung des Kurdenkonflikts - eine Politik, die in der türkischen Öffentlichkeit heftig umstritten war. Aufgrund zahlreicher Widerstände blieben diese Bemühungen jedoch weitestgehend erfolglos. Später zum Staatspräsident ernannt, endete seine Amtszeit 1993 mit seinem plötzlichen Tode. Der dringende Verdacht, dass Özal vergiftet wurde, ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt.Süleyman Demirel (* 1924 † 2015) regierte als Ministerpräsident zunächst von 1965 bis zum Sturz durch das Militär 1971. Von 1975 bis Juni 1977 und von Juli bis Dezember 1977 sowie von 1979 bis zum erneuten Militärputsch 1980 war er wiederholt Chef verschiedener, stets fragiler Koalitionsregierungen. Als Politiker der 1981 aufgelösten, nationalkonservativen Adalet Partisi (AP), später als als Doğru Yol Partisi (DYP), neugegründet, betrieb er eine neoliberale Wirtschaftspolitik. Von 1991 bis 1993 war er letztmalig Ministerpräsident, daraufhin bis zum Jahr 2000 Staatspräsident.Mit Ahmet Necdet Sezer (* 1941) kam zum ersten Mal in der türkischen Geschichte kein Militär oder Parlamentarier in das Amt des Staatspräsidenten. Im Jahr 2000 gewählt, war der promovierte Jurist zuvor unter anderem als Richter am Kassationsgericht sowie am Verfassungsgericht tätig. An letzteres wurde er 1988 durch Kenan Evren berufen. Sezer war ein starker Befürworter des Laizismus in der Türkei, weshalb es wiederholt zu Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und der seit 2002 regierenden AKP kam bis Sezer 2007 aus dem Amt ausschied.Der AKP-Politiker Abdullah Gül (* 1950) war von 2007 bis 2014 Staatspräsident der Türkei. Zuvor war er von November 2002 bis März 2003 Ministerpräsident einer Übergangsregierung. Ziel dieser Regierung war es, durch eine Gesetzesänderung die Wahl Recep Tayyip Erdoğans zum Ministerpräsidenten zu ermöglichen. Als dies gelang, wurde Gül unter Erdoğan Außenminister. In diesem Amt irritierte er nicht zuletzt mit einem Unterstützungsaufruf für die islamistische Bewegung Millî Görüş. Seit seiner Wahl zum Staatspräsidenten ging er in Fragen der Rechtsstaatlichkeit regelmäßig auf Distanz zu seinem Parteifreund Erdoğan. Das Verhältnis der beiden gilt heute als angespannt.Recep Tayyip Erdoğan (* 1954) war von 2003 bis 2014 Ministerpräsident der Türkei. Während Anhänger insbesondere den wirtschaftlichen Aufstieg des Landes unter der Regierung seiner islamischen AKP loben, sorgen sein autoritärer Regierungsstil und seine Gesellschaftspolitik regelmäßig für Kontroversen. In seine Amtszeit als Ministerpräsident und heute Staatspräsident fallen auch die drastische Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit. Kritiker und Oppositionelle werden von ihm bis heute kriminalisiert. Gestützt wird Erdoğan zwar vornehmlich von konservativen Wählern, er hat jedoch Anhänger in allen Bevölkerungsschichten: Sowohl die deutliche Verbesserung der Lebensqualität, der enorme Ausbau der Infrastruktur und die politische Entmachtung des Militärs sind untrennbar mit seiner Person verbunden. Seit seiner Wahl zum Staatspräsidenten im Jahr 2014 hat sich die Machtverteilung im politischen System der Türkei zusehends vom Amt des Ministerpräsidenten auf das Amt des Staatspräsidenten verlagert. Durch die Zustimmung einer knappen Mehrheit der Bevölkerung zum Verfassungsreferendum vom 16. April 2017 wird diese Machtverlagerung bis zum Jahr 2019 auch de jure vollzogen. Danach wird es das Amt des Ministerpräsidenten nicht mehr geben. Der Staatspräsident wird dann auch Regierungschef sein.

Istanbul, Europäische Kulturhauptstadt 2010

Wie nur wenige Städte, schöpft Istanbul, hier 2012, aus seiner ereignisreichen Geschichte: Als Byzantion, einst von Kaiser Konstantin gegründet, wurde die Stadt als Konstantinopel im Jahr 1453 von den Osmanen erobert. Ein Ereignis, das sich auf das gesamte christliche Europa auswirken sollte.Reich an Gegensätzen ist die Millionenstadt bis heute: Armut und Reichtum prallen ebenso aufeinander wie Tradition und Moderne. Das Istanbul der Gegenwart ist vor allem auch Kulturmetropole: 2010 feierte sich die Stadt dafür, als europäische Kulturhauptstadt.Als Kulturhauptstadt glänzte Istanbul mit seinem geschichtsträchtigen Erbe: die illuminierte Hagia Sophia während der Eröffnungsfeierlichkeiten.Feuerwerk während der Eröffnungsfeierlichkeiten zur Europäischen Kulturhaupstadt: links im Bild die Sultan-Ahmed-Moschee, rechts die Hagia Sophia.Eine von vielen Perfomances zum Auftakt des Kulturhauptstadtjahrs: hunderte von kulturellen Events fügten sich 2010 zu einem bunten Kaleidoskop der Stadt zusammen.In der Eröffnungsfeier spiegelte sich auch das kulturelle Erbe der Türkei: Traditionell gekleidete Musiker spielen osmanische Marschmusik.Doch auch die zeitgenössische kulturelle Szene, welche in den verwinkelten Gassen der geschichtsträchtigen Stadt am Bosporus einen reichhaltigen Nährboden hat, fand 2010 ihr Publikum.Das Logo der Kulturhauptstadt Istanbul 2010.Besonders die historische Bausubstanz konnte 2010 von Istanbuls Status als Kulturhauptstadt profitieren: viele Fördermittel flossen in Restaurationsmaßnahmen.Im Zuge der Vorbereitung auf das Jahr als Kulturhauptstadt Europas ergab sich auch eine Rückbesinnung auf historische Authentizität: So wurden beispielsweise in der Hagia Sophia die vier Engelsgesichter in den Pendentifs wieder sichtbar gemacht. Nach der Eroberung durch die Osmanen 1453 war die damals größte christliche Kirche der Welt zur Moschee geworden und die aufwendigen Wandmalereien waren übermalt und durch islamische Symbole ersetzt worden.In unmittelbarer Nachbarschaft zur Hagia Sophia befindet sich die Sultan-Ahmed-Moschee: Ihr Namensgeber gab sie zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Auftrag. Wegen ihrer blauen Kuppeln wird sie auch "Blaue Moschee" genannt. Sie ist bis heute eine der größten und bedeutendsten der mehr als 2.000 Istanbuler Moscheen.Die Istanbuler Chora-Kirche geht auf einen im 5. Jahrhundert erbauten Klosterkomplex zurück. In ihrer heutigen Form existiert die Kirche seit dem frühen 14. Jahrhundert und gehört neben der vergleichsweise riesigen Hagia Sophia zu den eindrucksvollsten christlichen Bauten der Stadt.Ihre aufwändigen Mosaiken und Fresken im Stil der palaiologischen Renaissance gehören zu den bedeutendsten noch erhaltenen Sakralzyklen.Die Süleymaniye-Moschee ist eines der größten Gotteshäuser in Istanbul. Dieser Anspruch findet sich bereits im Namen ihres Auftraggebers - Sultan Süleyman "der Prächtige" betraute den großen Architekten Sinan, welcher sie als sein "Gesellenwerk" verstand. Sie gilt als Paradebeispiel osmanischer Archtitektur. Zwischen 1550 und 1557 errichtet, beherbergt ihr Baukomplex u.a. auch ein Krankenhaus und eine Universität.Angler im Dezember 2010 auf der Galatabrücke: Im Hintergrund wird großflächig die "Kulturhauptstadt Istanbul" beworben.Nicht nur in Museen und Hochglanzprospekten, sondern auch im Alltäglichen eröffnet sich die Kulturhauptstadt des Jahres 2010: Noch heute leben viele kleine Händler der Istanbuler Altstadt von dem Geschäft mit traditionellen Waren.Das 1584 von dem berühmten Architekten Sinan errichtete Çemberlitaş Hamamı gehört zu den ältesten und meistbesuchten Badehäusern der Stadt - heute zieht es vor allem Touristen an. Das war nicht immer so: Schwimmbäder, wie man sie in Europa kennt, waren dem Osmanischen Reich fremd - das Hamam war als öffentliche Badeanstalt nicht nur zur Erholung, sondern vor allem auch zur Reinigung gedacht.Westlich der Hagia Sophia findet sich der "Versunkene Palast": Im 6. Jahrhundert von Kaiser Konstantin als Wasserspeicher für den Konstantinopler Palast in Auftrag gegeben fasziniert die Cisterna Basilica bis heute.Das Flair der unterirdischen Zisterne inspirierte auch Filmememacher: James Bond und Jacki Chan kämpften sich hier bereits durch die spätantike Szenerie. Berühmt sind auch die beiden umgedrehten Medusahäuper, die als Sockel für zwei der Stützsäulen dienen: Woher sie stammen und warum genau sie verbaut wurden ist nicht bekannt. Wahrscheinlich hatten sie einfach die richtige Größe, um die Höhe der Säulen auszugleichen.Auch aus Zeiten des Byzantinischen Reiches stammt der Obelisk in Istanbul: Theodosius I. (reg. 379-395) ließ ihn aus Ägypten einschiffen und setzte ihn in die Mitte des Hippodroms. Der ursprünglich während der Regierungszeit Thutmosis III. um 1490 v. Chr. geschaffene Obelisk soll damals mehr als 32 Meter gemessen haben. Beim Wiederaufrichten im Konstantinopler Hippdrom brach aber die Spitze ab, seitdem ist er nur noch 19,59 Meter hoch.Mit einer Länge von etwa zwanzig Kilometern umschließt die Theodosianische Mauer heute die Istanbuler Altstadt. Nachdem sich die Stadt über sie hinweg ausgebreitet hatte, wurde sie lange Zeit als Steinbruch genutzt. Mittlerweile wird das historische Bauwerk, einst im fünften Jahrhundert nach Christus errichtet, restauriert.Die Konstantinssäule, einst Gründungsmonument des antiken Konstantinopels, überdauerte viele Umbrüche. Diese Aufnahme aus dem Jahr 2010 zeigt ihre heutige Größe: sie ist nur noch in Teilen erhalten.Die 1973 eröffnete Bosporus-Brücke verbindet nicht nur die beiden durch den Bosporus getrennten Teile Istanbuls, sondern auch Europa und Asien miteinander. Sinnbildlich steht sie für Istanbul und die gesamte Türkei als die vielzitierte "Brücke zwischen den Kulturen". Im Vordergrund ist die Ortaköy-Moschee zu sehen.Viele berühmte Persönlichkeiten besuchten das Istanbuler Galatasaray-Gymnasium. Auch in dieser Bildungseinrichtung zeigt sich der Einfluss europäischer Kultur in der Stadt am Bosporus. Das Gymnasium - 1481 ursprünglich als Eliteschule gegründet - wurde 1866 nach französischem Vorbild eröffnet.Historische Kulisse: Die Rumeli Hisarı ist eine 1452 erbaute Festungsanlage. Von hier aus begannen die Osmanen die Belagerung Konstantinopels, die nach einem Jahr zur Einnahme der Stadt führte.Der Istanbuler Topkapı-Sarayi ("Kanonentor-Palast"): Von hier aus regierten die Sultane jahrhundertelang das Osmanische Reich. Mit dem Bau begann Mehmet II. direkt nach der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453. Der Palast liegt an der Spitze des Goldenen Horns, direkt neben der Hagia Sophia. Heute ist der Topkapı-Palast ein Museum.Der Dolmabahçe-Palast stammt aus dem 17. Jahrhundert. Mitte des 19. Jahrhundert gab Sultan Abdülmecid I. (reg. 1839-1861) den Umbau in Auftrag, 1856 siedelte der gesamte osmanische Hof vom mittelalterlichen Topkapı-Sarayi in den neuen und modernen Dolmabahçe-Palast. Um sich an europäischen Standards messen lassen zu können, investierte Abdülmecid ein Viertel des jährlichen Steueraufkommens in den Bau. Zu dieser Zeit war das Osmanische Reich wirtschaftlich ohnehin schon schwer angeschlagen.Nach Abschaffung des Sultanats 1922 diente der Dolmabahçe-Palast Staatsgründer Kemal Atatürk als Istanbuler Residenz, 1938 starb er in dem Gebäude. Heute dient die Anlage vornehmlich repräsentativen Anlässen, beispielsweise Staatsbanketten. Teile der Anlage sind als Museum zugänglich.Hier nahmen die Proteste des Jahres 2013 ihren Anfang: Der Gezi-Park Im Herzen Istanbuls am Taksim-Platz.

Historische Stätten der Türkei

Eine Metropole der Antike: Noch heute vergegenwärtigen die Ruinen von Ephesos einstige Imposanz. Für Jahrtausende war die Stadt ein urbaner Fixstern verschiedener Zivilisationen.Bereits in der Frühgeschichte war das Siedlungsgebiet nahe der türkischen Westküste bewohnt. Schon um 5000 v. Chr. lebten hier Menschen. Später wurde die Stadt ein wichtiges Zentrum der hethitischen und mykenischen Kulturen.Nach dem Altertum kamen die Hochkulturen des antiken Europa. Ephesos (lateinisch Ephesus) hat auch eine facettenreiche griechische und römische Geschichte. Die seit dem 19. Jahrhundert erforschten Ruinen geben davon reiches archäologisches Zeugnis ab. Je nach Schätzung könnten in Ephesos 33.000 bis 250.000 Menschen gelebt haben.Der Artemis-Tempel ist eines der sieben antiken Weltwunder. Heute zeugt er von Ephesos griechischer Zeit. Seine Säulen sind architektonische Überreste jener ersten großen, europäischen Zivilisation.Reste europäischer Kulturgeschichte: Auch die Celsus-Bibliothek gehörte zu Ephesos und wurde ebenfalls im zweiten Jahrhundert errichtet. Die Bibliothek gehört zu den bekanntesten antiken Monumenten der Türkei.Die Ruine der antiken Basilika von Aspendos: Auch hier sind noch heute Reste vergangener Kulturen zu sehen: Knapp 50 Kilometer östlich von Antalya liegt die Stadt an der türkischen Mittelmeerküste. Im zweiten und dritten Jahrhundert hatte sie ihre Blütephase und war ein wichtiges Handelszentrum.Das römische Amphitheater des einst stolzen Ortes ist eines der besterhaltenen der Antike. Noch heute finden in Aspendos Open-Air-Events statt, im Jahre 2005 beispielsweise eine Ausgabe von "Wetten, dass...?"Entlang der türkischen Küste findet sich eine Vielzahl archäologischer Fundstätten: Zwischen den heute beliebten Reisezielen Antalya und Alanya liegen etwa die Ruinen der römischen Stadt Side. Reste des dortigen Apollo-Tempels sind heute wieder freigelegt.Auch in Perge finden sich noch Zeugnisse vergangener Epochen: hier das hellenistische Stadttor aus dem dritten Jahrhundert v. Chr.Ebenso offenbaren auch die Ruinen der Städte Xanthos (4. Jhd. v. Chr.) ...... und Pergamon - hier das im zweiten Jahrhundert errichtete Trajaneum - das antike Erbe der heutigen Türkei.Die antike Hafenstadt Knidos liegt auf der Datça-Halbinsel in der türkischen Provinz Muğla. Knidos erlebte bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. eine Blütephase. Die Buchten gehen zurück auf die antiken Häfen der Stadt.Am Ägäischen Meer, an den Dardanellen, liegen die Ruinen des antiken Trojas: Ihre Berühmtheit verdankt die Stadt Homers Erzählungen über den Trojanischen Krieg in der Ilias. 1873 wurde Troja durch den deutschen Forscher Heinrich Schliemann entdeckt.Doch auch im Landesinneren finden sich archäologische Zeugnisse der Vergangenheit, wie in Kültepe die Ruinen des antiken Palastes. Die Geschichte der Stadt als wichtiger Handelsort beginnt bereits 2000 v. Chr.Alaca Höyük in der heutigen Provinz Çorum, das erst 1836 entdeckt wurde, war bereits im sechsten Jahrtausend vor Christus besiedelt: Im Bild das antike Sphinxportal der Stadt aus dem 14. Jahrhundert v. Chr.Hattuša, im Bild das Löwentor, war einst die Hauptstadt des biblischen Hethiter-Reiches - einer Zivilisation, deren Geschiche bis ins zweite Jahrtausend vor Christus zurückreicht. Ihre Existenz war bis ins 19. Jahrhundert hinein fast vergessen.Sardes, in der Nähe des heutigen Izmir, war die Hauptstadt des antiken Königreichs Lydien. Später wurde die Stadt Sitz eines römischen Gerichtsbezirks in der Provinz Asia. Das Gymnasion, eine Art Sport- und Trainigshalle, aus dem 3. Jahrhundert, hat die Zeiten überdauert.Die Pfeiler in der Mitte des Tigris erinnern an die 1116 erbaute Brücke von Hasankeyf. Auch die Geschichte dieser Stadt in der Provinz Batman an der türkisch-irakischen Grenze geht bis ins 3. Jahrhundert zurück. In den vergangenen Jahren rückte Hasankeyf immer wieder in den medialen Fokus, da die türkische Regierung plant, die antike Festungsstadt im Zuge des Baus des Ilısu-Staudamm zu fluten.Nicht nur römisches und griechisches Erbe, auch Christentum und Islam finden auf türkischem Boden zusammen: die Hagia Sophia, die Basilika der "Heiligen Weisheit" zeugt davon. Im 6. Jahrhundert als christliche Kirche errichtet, wurde sie nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 zur Moschee. Seit 1935 ist sie ein Museum. Teile der türkischen Bevölkerung fordern jedoch, die Hagia Sophia wieder als Moschee zu nutzen.Vulkanische Aktivitäten und Erosion haben die Landschaft Kappadokiens vor etwa 30 Millionen Jahren geformt. Das Gebiet in Zentralanatolien ist aber nicht nur für Geologen interessant, sondern auch für Archäologen.Die ältesten Spuren der Besiedlung Kappadokiens stammen aus dem siebten Jahrtausend v. Chr. Irgendwann begannen die Menschen, sich den weichen Tuffstein zunutze zu machen und ganze Wohnungen in den Fels zu schlagen. Seine wichtigste Phase wird Kappadokien in den ersten Jahrhunderten n. Chr. gehabt haben, denn das Gebiet war eines der wichtigsten Zentren des frühen Christentums. Um sich vor Verfolgung zu schützen nutzen Christen die Höhlen Kappadokiens als Schutz. Aus dieser Zeit stammen ganze Städte, die in den Fels geschlagen wurden, bis zu 10 Stockwerke in die Tiefe reichen und eigene Belüftungssysteme besaßen. Allein 3000 unterirdische Kirchen haben Archäologen schon im Fels gefunden. Seit 1985 gehört Kappadokien zum Weltkulturerbe der UNESCO.Der Istanbuler Topkapı-Sarayi ("Kanonentor-Palast"): Von hier aus regierten die Sultane jahrhundertelang das Osmanische Reich. Mit dem Bau begann Mehmet II. direkt nach der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453. Der Palast liegt an der Spitze des Goldenen Horns, direkt neben der Hagia Sophia. Heute ist der Topkapı-Palast ein Museum.Die im frühosmanischen Bursa-Stil errichtete Grüne Moschee gehört zu den berühmtesten Gotteshäusern der Türkei. Gebaut wurde sie zwischen 1412 und 1419 in der heutigen Millionenstadt Bursa.Anders als bei der Hagia Sophia und der Sultan-Ahmet-Moschee in Istanbul ist es nicht ihre bauliche Größe, sondern der aufwendige Fliesenschmuck im Inneren, der von der Kunstfertigkeit ihrer Erbauer zeugt.Nicht nur in Istanbul, sondern auch in Edirne verewigte sich Sinan. Die dortige Selimiye-Moschee war ihm "sein Meisterwerk". In der Tat gilt der Sakralbau als Höhepunkt der osmanischen Architektur: 71 Meter erheben sich ihre Minarette über den Boden. Weltberühmt ist auch ihre Marmorkanzel.Armenische Kirche auf der Insel Akdamar im See VanDer Ishak-Paşa-Palast in der Provinz Ağrı wurde zwischen 1685 und 1784 für den osmanischen Emir von Doğubeyazıt erbaut. Die Festungsanlage vereint seldschukische, armenische und osmanische Baustile.Die Architektur der Anlage, die im russisch-osmanischen Krieg 1828/1829 stark beschädigt wurde, folgt der traditionellen Dreiteilung osmanischer Paläste und ist stark an den Aufbau des Istanbuler Topkapı-Palasts angelehnt. Seit 1992 wurde die Anlage umfassend restauriert.

Mustafa Kemal Atatürk

Atatürk-Denkmal in CayirovaDemonstrant in Ankara mit Porträt von Mustafa Kemal Atatürk.Die Wachsfigur von Atatürk am 15.09.2013 im Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds in London.Das Atatürk-Kulturzentrum am Istanbuler Taksim-Platz: Der 1969 erbaute Komplex mit Oper war bis zu den Gezi-Protesten 2013 regelmäßig mit dem Bild des Staatsgründers geschmückt. Im Zuge des Umbaus des Taksim-Platzes soll das Gebäude abgerissen werden.Eine Fahne zeigt den Republikgründer Mustafa Kemal (Atatürk) am 15.06.2013 im Gezi-Park, Istanbul.Atatürk-Denkmal in Dalyan an der türkischen Mittelmeerküste.Porträtaufnahme von Kemal Atatürk -  10.11.1938.Atatürk- Denkmal in IstanbulBücher zur Geschichte der Türkei stehen in der Auslage einer Buchhandlung in Istanbul.Atatürk-Mausoleum in AnkaraLuftaufnahme des Staudamms am Euphrat in der Provinz Sanliurfa, aufgenommen im Juli 1992.Rede Präsident Atatürks auf einer Festveranstaltung in Ankara am 29. Oktober 1933 zum 10. Jahrestag der Ausrufung der Republik.

Originalaufnahmen des Trauerzugs zur Beisetzung Atatürks

Blick von Istanbuler Dach auf Trauerzug in Pera.Frauen am Fenster während des Trauerkondukts für Atatürk.Trauerzug in Istanbul auf der Galata-Brücke.Mittig auf der Brücke ist der Katafalk mit dem Sarg und der türkischen Flagge zu sehen.Trauerzug Atatürk Hauptstraße AnkaraTrauerzug AnkaraDer Sarg von Mustafa Kemal Atatürk während des offiziellen Trauerkondukts.

"Schluss mit Lustig - Aktuelle Satire aus der Türkei"

Das Amt des Ministerpräsidenten Binali Yıldırım wird mit der Einführung des Präsidialsystems 2019 wegrationalisiert werden: Erdoğan als Kapitän, Yıldırım als Schiffbrüchiger. Sefer Selvi, LeMan, 2017Kein Tabu in der Türkei: Erdoğan mit Hitlerbärtchen. Sefer Selvi, LeMan, 2015.Die Darstellungen als Tier wird hingegen als herabwürdigend empfunden. Der Zeichner Musa Kart wurde schon 2005 für die Darstellung Erdoğans als Katze zunächst zu einer Geldstrafe verurteilt, gewann aber später den Prozess vor dem Berufungsgericht. Musa Kart, Cumhuriyet 2004.Die Zeichnung macht sich über das Niveau der Religiosität Erdoğans lustig. Der Begriff "Alem" ist im philosophischen Diskurs der Kosmos, die Welt. "Alem" ist aber auch ganz simpel das Wort für Zoo. Penguen, 2006.Lois-Philippe, Herzog von Orléans und erster "Bürgerkönig" von Frankreich, als Birne. Eine respektlose Anspielung auf die schwindende politische Bedeutung der Monarchie. Charles Philipon, La Caricature, 1831.Anspielungen auf das wuchtige Riechorgan Abdülhamid II. galten als Majestätsbeleidigung. In dem Moment als die Nase neben den Begriffen Freiheit, Unabhängigkeit und Brüderlichkeit auf dem Index der Zensur landete, verwandelte sie sich angesichts dieser Düfte des Neuen zum Symbol für den Mief der Vergangenheit. Anonym. Die Nase. ZS Davul,1909."Eine, wenn sie nicht konfisziert wird, politische Zeitschrift". Die Zeitschrift Markopaşa wurde in der jungen Republik zum Sprachrohr der außerparlamentarischen Opposition. Mitherausgeber Sabahattin Ali wurde 1948 Opfer eines Mordanschlages. Markopaşa, 1940-er Jahre.Figuren wie der edle osmanische Superheld Abdülcanbaz von Turhan Selçuk kritisierten die Degeneration der Ideale der Republik. Turhan Selçuk, 1950er-Jahre."Sie hat verbotene Bücher gefressen". Die im August 1972 erstmals erscheinende Cartoon-Zeitschrift "Gırgır" erreicht auf Anhieb eine Auflage in Rekordhöhe. Gırgır, 1970er-Jahre.Anders als der auf eine gebildete Schicht zugeschnittene feinsinnige Salonwitz, wurde "der dusselige Avni" zu einem der erfolgreichsten Comicstrips der Zeitschrift."Der mürrische Bekir”, ein Spät-Achtundsechziger, der desillusioniert von der politischen Wirklichkeit am liebsten mit seinen Haustieren in einem Sessel in seinem bescheidenen Zuhause hockt und denkt."Das böse Mädchen" von Ramize Erer: Ein Charakteristikum der Figur ist, dass sie gegenläufig der gesellschaftlichen Konventionen stets breitbeinig sitzt.Penguen von 2015: "Herzlich Willkommen im Palast", "So schlicht? Können wir nicht noch ein paar Journalisten schlachten?". Stein des Anstoßes bei dieser Zeichnung war jedoch nicht die überdeutliche Anspielung auf die dramatische Situation des Pressefreiheit, sondern die Geste der Figur, die als ein Zeichen für Homosexualität verstanden wurde.Der Arm des Zeichners versinkt in seinem Pult wie in einem unheilvollen See gefährlicher Phantasien, die sein Verderben sein können. Bahadır Baruter produzierte nach seiner Verurteilung eine ganze Reihe düsterer zeichnerischer Kommentare über die Unfreiheit von Cartoonisten und anderer Intellektuellen im Land. Bahadır Baruter, 2016.Zentrale Figuren genießen in der Türkei eine so große Popularität, dass die Zeichner sich einer großen Wirkung sicher sein können: Bekir wird von Anti-Terror-Spezialeinheiten zuhause festgenommen. Die Darstellung reflektiert die Tatsache, dass Oppositionelle oft am frühen Morgen ganz unvermittelt aus ihren Wohnungen geholt und verhaftet werden. Tuncay Akgün, Bezgin Bekir, LeMan, 2017.Der Karikaturist Musa Kart wurde zusammen mit anderen Kollegen von der oppositionellen Tageszeitung Cumhuriyet im Oktober 2016 zur Fahndung ausgeschrieben und stellte sich. Den Journalisten von Cumhuriyet wird pauschal vorgeworfen, Propaganda für Terrororganisationen wie die PKK und die Gülen-Bewegung betrieben zu haben. Cem Dinlenmiş: Musa Kart, Penguen, 2017.Die überlegenen Haremsdamen machen sich darin unaufhörlich über den kleinen Sultan lustig: Die Serie "Harem" kolportiert die Tendenz der türkischen Regierung, die osmanische Vergangenheit zu verklären. Tuncay Akgün, Kemal Aratan, Harem, 2016.Der im Juli 2017 verstorbene legendäre türkische Graphik Novel-Künstler Galip Tekin stellt in einer seiner letzten Geschichten die Satire feinsinnig in den Mittelpunkt: Der türkische Präsident wird selbst zum verkannten genialen Geschichtenerzähler stilisiert. Moschee auf dem Mond, Uykusuz, 2017.Ersin Karabulut beschäftigt sich in Uykusuz häufig mit dem Thema des gesellschaftlichen Konformismus: In der Geschichte "Das zweite Gesicht" mutiert ein Missstand zu einer allgemein anerkannten Tugend und wird schließlich zu einer gesellschaftlichen Norm. Ersin Karabulut, Uykususz, 2016."Schluss mit Lustig - Aktuelle Satire aus der Türkei" ist 2017 im Avant Verlag erschienen.

Der Topkapı-Palast damals und heute
Interaktiver Foto-Slider

Eindrücke einer Stadt: Konstantinopel und Istanbul im Vergleich

Konstantinopel war einst die größte und reichste Stadt Europas. Eine Serie von Farbpostkarten aus den letzten Jahren des Osmanischen Reichs (1299-1922) gibt einen Eindruck, wie das Leben auf den Straßen dort war. Der interaktive Slider setzt diese...

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