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17.9.2008

Entwicklung und Verstädterung

Je höher der HDI, umso höher ist tendenziell auch der Verstädterungsgrad in dem betreffenden Land.

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    Der Human Development Index (HDI) ist eine Kennziffer für den allgemeinen Entwicklungsstand eines Landes, wobei dieser nach Lebenserwartung, Ausbildung und Kaufkraft der Bevölkerung bewertet wird. Der Verstädterungsgrad (%) zeigt an, welcher Anteil der Bevölkerung in Städten lebt.

    Zweifellos gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Entwicklungsstand eines Landes und der Verstädterung, weil die modernen Volkswirtschaften extrem von urbanen Dienstleistungen - also von Städten - abhängig sind. Vergleicht man den von UNDP jährlich veröffentlichten Human Development Index (HDI) mit dem Verstädterungsgrad einzelner Länder, dann bestätigt sich trotz einer gewissen Streubreite: Je höher der HDI, umso höher ist tendenziell auch der Verstädterungsgrad in dem betreffenden Land.

    Allerdings gibt es zahlreiche Ausnahmen, so haben einige reiche Länder einen hohen HDI, aber einen relativ niedrigen Verstädterungsgrad wie z.B. Irland (HDI 0,96 / Verstädterung 61 %). Umgekehrt weisen die lateinamerikanischen Länder oft einen gleich hohen oder höheren Verstädterungsgrad auf wie die OECD-Länder, dies aber bei einem deutlich niedrigeren "Index menschlicher Entwicklung", wie z.B. Venezuela (0,79 / 93%). In Afrika findet man sehr arme Länder mit einem niedrigen HDI, aber einer relativ hohen Verstädterung, wie z.B. Nigeria (0,47 / 48%).

    Ob die globale Verstädterung auch in Zukunft der historischen Regel "hoher Entwicklungsstand = hoher Verstädterungsgrad" folgt, ist daher fraglich. Offensichtlich wird die rasche Verstädterung in Afrika und in anderen armen Regionen nicht von einer ebenso raschen Verbesserung von Lebenserwartung, Ausbildung und Einkommen begleitet. Damit nimmt die Verstädterung in armen Regionen einen anderen Charakter an: Statt Fortschritt und Entwicklung zeigt sich eine massive "Verstädterung der Armut" bzw. eine Transformation der ländlichen in städtische Armut. Der UN-HABITAT Report "The Challenge of Slums" stellt eindringlich klar, dass es eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben sein wird, diese "Verstädterung der Armut" einzudämmen, um eine zukunftsfähige "menschliche Entwicklung" zu ermöglichen.

    Definition

    Der "Human Development Index" (HDI) oder "Index menschlicher Entwicklung" bewertet Lebenserwartung, Ausbildung und Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Landes. Der höchste erreichbare Wert ist 1,0. Von 177 Ländern haben 70 einen hohen HDI (>0,8), 84 einen mittleren HDI (0,5 bis 0,8) und 22 einen niedrigen HDI (<0,5).

    Verstädterungsgrad: Anteil (%) der in Städten lebenden Bevölkerung eines Landes. Die UN-Daten zur globalen Verstädterung stützen sich auf die offiziellen Zahlen der einzelnen Länder, die "Stadt" und "Land" teilweise sehr unterschiedlich definieren, deshalb gibt es bei internationalen Vergleichen der Verstädterung eine beträchtliche Unschärfe.

    Statistik

    Entwicklung und Verstädterung
    Human Development Index (HDI) und Verstädterungsgrad, 2005

    HDI-Ranking   Verstädterung (%)
       
    hoher HDI  
    1. Island 0,97 92,5
    2. Norwegen 0,97 77,4
    3. Australien 0,96 88,2
    4. Kanada 0,96 80,1
    5. Irland 0,96 60,5
       
    mittlerer HDI  
    71. Dominika 0,8 72,9
    72. St. Lucia 0,8 27,6
    73. Kasachstan 0,79 57,3
    74. Venezuela 0,79 93,4
    75. Kolumbien 0,79 72,7
       
    niedriger HDI  
    156. Senegal 0,5 41,6
    157. Eritrea 0,48 19,4
    158. Nigeria 0,47 48,2
    159. Tansania 0,47 24,2
    160. Guinea 0,46 33


    Quelle
    United Nations: Human Development Report, 2007/8, Demographic trends
    hdrstats.undp.org/

    Autor: Prof. Dr. Eckhart Ribbeck
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