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24.9.2008

Städtische Wohnungen

Nur knapp die Hälfte (49%) aller städtischen Haushalte lebt in dauerhaften Gebäuden, d.h. die Wohngebäude auch in großen und sehr großen Städten bestehen zum großen Teil aus Lehm, Holz und Blech.

Städtische Wohnungen Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de (bpb)


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    Das rasche Wachstum der Städte in Asien, Afrika und Lateinamerika wäre ohne moderne Bau- und Wohnformen nicht möglich. Allerdings sind moderne und dauerhaft gebaute Häuser meist nur im Kernbereich der Städte zu finden, während in den peripheren und informellen Stadtgebieten traditionell, temporär oder improvisiert gebaut wird.

    Um einen weltweiten Überblick über den Zustand der Wohngebäude herzustellen, wird in der Regel zwischen "dauerhaft" (permanent, durable) und "nicht dauerhaft" (non permanent, non durable) unterschieden. Als "dauerhaft" gelten Gebäude aus Beton, gebrannten Ziegeln und fachmännisch verarbeitetem Holz, als "nicht dauerhaft" Gebäude aus Lehm oder Lehmziegeln sowie improvisierte Holz- und Blech-Hütten. Dabei unterscheidet die Statistik nicht zwischen bewährten traditionellen Bauweisen – z.B. traditionelle Lehmhäuser – die bei guter Pflege einige hundert Jahre alt werden können, und improvisierten Slum-Hütten aus Lehm, Holz oder Blech, die nur temporär bewohnt werden.

    Ebenso bieten "dauerhafte" Gebäude nicht immer eine bessere Wohnqualität als "nicht dauerhafte", wie viele Betonbauten in heißen Klimazonen zeigen, die ohne künstliche Klimatisierung oft nicht bewohnbar sind. Natürlich spielt das Klima bei der Verbreitung und Bewertung von "nicht dauerhaften" Wohnungen eine wichtige Rolle, weil es in warmen Klimazonen eher möglich ist, in einer improvisierten Hütte zu (über-)leben.

    Die Daten von UN-HABITAT beziehen sich auf ausgewählte Länder in Asien, Afrika und Lateinamerika. Danach lebt nur knapp die Hälfte (49%) aller städtischen Haushalte in dauerhaften Gebäuden, d.h. die Wohngebäude auch in großen und sehr großen Städten bestehen zum großen Teil aus Lehm, Holz und Blech. Dies stimmt mit der Verbreitung von Slums und informellen Siedlungen überein, in denen knapp die Hälfte (44%) der städtischen Bevölkerung in den Entwicklungs- und Schwellenländern lebt.

    Gleichzeitig gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. So leben etwa im Tschad fast alle städtischen Haushalte (95%) in "nicht dauerhaften" (Lehm-)Häusern, in Togo dagegen nur eine Minderheit (33%). In Bolivien leben fast drei Viertel (72%) der Stadtbewohner in "nicht dauerhaften" Gebäuden, in Brasilien dagegen nur eine kleine Minderheit (14%). Ähnlich sieht es Asien aus: In Indonesien bewohnt nur eine Minderheit (30%) "nicht dauerhafte" Gebäude, in Bangladesh die große Mehrheit (74%).

    Um ein differenziertes Bild zu gewinnen, hat UN-HABITAT in gleicher Weise einzelne Baukomponenten (Fußboden, Wände, Dach) bewertet. Dabei zeigt sich, dass die Wände am häufigsten aus einer "nicht dauerhaften" Konstruktion bestehen. Häufig gelten der Fußboden (Zement) und das Dach (Wellblech oder Eternitplatten) als "dauerhaft", die Lehm- oder Bretter-Wände aber als "nicht dauerhaft". Nur in sehr armen Ländern wie Bangladesh oder Bolivien kommen in den Städten auch viele "nicht dauerhafte" Dächer – etwa Strohdächer oder eine improvisierte Abdeckung – häufig vor.

    Definition

    Eine "dauerhafte" (durable) Wohnung definiert UN-Habitat als "..eine Wohnung, die an einem ungefährlichen Ort steht und die eine hinreichend geeignete und dauerhafte Baustruktur aufweist, um die Bewohner vor extremen klimatischen Bedingungen zu schützen, also vor Regen, Hitze, Kälte und Feuchtigkeit". Um einzelne Baukomponenten als "dauerhaft" oder "nicht dauerhaft" zu charakterisieren, werden – je nach Klimazone und kulturellem Kontext – in verschiedenen Ländern unterschiedliche Kriterien benutzt. Weil aber viele Gebäude Mischkonstruktionen sind oder durch weiteren Ausbau einen "semi-permanenten" Charakter bekommen, enthalten die Zahlen auch eine beträchtliche Unschärfe.

    Statistik

    Städtische Wohnungen
    Anteil der Haushalte, die in dauerhaft gebauten Wohnungen leben (%)

      Fußboden Wände Dach alle drei
    Tschad 15,3 5,3 52,9 4,7
    Togo 94,4 72,6 88,7 66,2
    Bolivien 83,8 52 41,5 27,7
    Brasilien 89,2 95,2 98,9 86,1
    Bangladesh 53,2 64,3 27,3 26,4
    Indonesien 83,7 72,6 93,9 69,8
    Gesamt 69,9 60,3 67,2 48,8


    Quelle
    UN-HABITAT: State of the World´s Cities 2006/7, p.61, table 2.1.1
    UN-HABITAT, Global Urban Observatory, 2005

    Links

    UN-HABITAT - The Right to Adequate Shelter in International Instruments

    UN Statistics Division - Indicators on housing

    Autor: Prof. Dr. Eckhart Ribbeck
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