zurück 
24.9.2013

Treibhauseffekt und Klimaschutz

Seit der Industrialisierung verstärkt sich der menschlich verursachte Treibhauseffekt, ausgelöst vor allem durch die Energie- und die Landwirtschaft. Angesichts weitreichender klimatischer Folgen wird auf internationalen Klimaschutzkonferenzen um eine Reduktion der CO2-Emissionen gerungen.

Einleitung



(© picture-alliance/ Gernot Gunga)

Die Einsicht in die Begrenztheit fossiler Energiequellen und in die Folgegefahren der Kernenergie haben das Interesse an einer nachhaltigen Versorgung durch erneuerbare Energien befördert. Verstärkt wird diese Einsicht vor dem Hintergrund des anthropogenen Treibhauseffekts. Der durch menschliche Aktivitäten verursachte Klimawandel verstärkt paradoxerweise einen Effekt, durch den das Leben auf der Erde erst möglich wurde. Die sogenannten Treibhausgase in der Erdatmosphäre vermindern die Wärmerückstrahlung von der Erdoberfläche in das Weltall und speichern die entsprechende Energie in der Erdatmosphäre. Ohne den natürlichen Treibhauseffekt, der überwiegend durch den in der Atmosphäre vorhandenen Wasserdampf (vor allem Wolken) und Kohlendioxid (aus organischen Kreisläufen) herbeigeführt wird, läge die bodennahe Durchschnittstemperatur der Erde nicht bei etwa 14°C über, sondern ungefähr bei 19°C unter Null (-19°C).
Neben diesen lebensnotwendigen natürlichen Treibhauseffekt tritt jedoch seit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert der menschlich verursachte (anthropogene) Treibhauseffekt.

Anthropogener Treibhauseffekt

Der menschlich verursachte (anthropogene) Treibhauseffekt, der seit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert auftritt, ist auf den rapiden Anstieg der Emissionen von Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Lachgas (N2O) und anderen synthetischen Gasen zurückzuführen, die sich in der Atmosphäre ansammeln. So ist die Konzentration von CO2 in der Erdatmosphäre seit dem vorindustriellen Zeitalter von 280 ppmv (parts per million in volume, Millionstel Volumenanteile) auf aktuell 393 angestiegen, bei Methan stieg die Konzentration von 700 ppbv (parts per billion in volume, Milliardstel Volumenanteile) auf 1874 ppbv, bei Lachgas von 270 auf 324 ppbv. Andere Treibhausgase wie Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), wasserstoffhaltige Fluorkohlenwasserstoffe (HFKW) oder perfluorierte Kohlenwasserstoffe (FKW) und Schwefelhexafluorid (SF6) kommen in der natürlichen Zusammensetzung der Erdatmosphäre nicht vor. Sie sind in ihren Konzentrationen während der vergangenen Jahre erheblich gestiegen.

Die aktuellen Konzentrationen der verschiedenen FCKW betragen bis zu 530 pptv (parts per trillion in volume, Billionstel Volumenanteile), bei besonders strahlungswirksamen HFKW-134a etwa 68 pptv sowie bei SF6 etwa sieben pptv. Eine besondere Brisanz ergibt sich bei den synthetischen Treibhausgasen FCKW, HFKW, FKW und SF6 , weil sie teilweise außerordentlich lange in der Atmosphäre verweilen (bei SF6 beispielsweise für 3200 Jahre) sowie eine sehr hohe Treibhauswirkung haben.

Weitgehend zweifelsfrei nachgewiesen ist inzwischen, dass diese Erhöhung der Treibhausgaskonzentrationen maßgeblich zu der im vergangenen Jahrhundert beobachteten Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur in Bodennähe von ca. 0,8 °C (±0,2 °C) beigetragen hat. Nun hat es natürliche Schwankungen bei den Durchschnittstemperaturen innerhalb sehr langer Perioden immer gegeben (Warm- und Kaltzeiten). Besorgnis erregend ist aber nicht nur die Größenordnung des Temperaturanstieges, sondern vor allem dessen Geschwindigkeit. Niemals in den vergangenen 1000 Jahren ist ein derartig schneller Temperaturanstieg verzeichnet worden. Gleichzeitig ist die Konzentration des wichtigsten Treibhausgases CO2 in den zurückliegenden 20 000 Jahren niemals so schnell angestiegen. Sie verzeichnet heute Werte, die in den vergangenen 100 000 Jahren nicht erreicht wurden.

Projektionen für die zukünftige Entwicklung der Treibhausgasemissionen und Modellrechnungen für die daraus resultierenden Klimaeffekte zeigen, dass die weltweite bodennahe Durchschnittstemperatur gegen Ende des 21. Jahrhunderts im Vergleich zum vorindustriellen Niveau um zwischen 1,3 und 6,2 °C ansteigen könnte. Die Bandbreite der Temperaturprognosen ist dabei nicht nur auf wissenschaftliche Unsicherheiten zurückzuführen, sondern berücksichtigt vor allem verschiedene Emissionsverläufe. Auf Basis der aktuellen – rechtlich unverbindlichen – klimapolitischen Verpflichtungen einer Vielzahl von Staaten ergeben sich Emissionsverläufe, die für das Jahr 2100 – im Vergleich zu den vorindustriellen Niveaus – zu einer Temperaturerhöhung von etwa 3,3 °C (bei einer unsicherheitsbedingten Bandbreite von etwa 2,7 bis 4,2 °C) führen dürften. Die Folgen einer solch großen und schnellen Temperaturerhöhung können gravierend sein.

Felix Christian Matthes


Folgen für Ökosysteme und Gesellschaften



Die globale Erwärmung kann zu verschiedenen Effekten führen, die wiederum erheblichen Einfluss auf Ökosysteme und menschliche Gesellschaften haben können. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die durch den Treibhauseffekt bedingten Temperaturerhöhungen nicht gleichmäßig vollziehen. Vor allem über den Landmassen der Kontinente werden die Temperaturen deutlicher steigen als über den Ozeanen. Als sehr wahrscheinlich gilt heute, dass folgende Veränderungen eintreten werden: Noch nicht abschließend nachgewiesen ist die durch den Klimawandel bedingte Zunahme anderer extremer Wetterereignisse wie Hurricans oder Taifune; die Wahrscheinlichkeit solcher Effekte ist jedoch keineswegs vernachlässigbar. Langfristig können darüber hinaus auch gravierende Störungen globaler Zyklen entstehen, wie zum Beispiel der irreversible Abriss des Golfstroms im Atlantik, dessen Wärmetransport das vergleichsweise warme Klima Europas sichert.

Klima – ein komplexes Kräftespiel

Und nun das: Die Erwärmung der Erde, melden Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature Geoscience", pausiert, obwohl der weltweite Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) von Jahr zu Jahr immer neue Rekorde aufstellt. Von 1991 bis 2000, so die jüngste Studie, stieg die durchschnittliche Erdtemperatur um 0,24 Grad, von 2001 bis 2010 jedoch nur um 0,03 Grad. Diese letzte Dekade (2001-2010) war, so die Welt-Meteorologie-Organisation (WMO), die wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen (1850).
Solche Veränderungen haben Folgen. So werden in Regionen, deren Wasserhaushalt ohnehin schon stark beansprucht wird, die Probleme der Wasserversorgung zunehmen. Vor neuen Herausforderungen werden aber auch Regionen stehen, deren Wasserversorgung in erheblichem Maße von Gletschern gespeist wird. Die erhöhte Niederschlagsintensität auf der einen Seite und die Gefahr von höheren Extremtemperaturen und Trockenheiten auf der anderen Seite können die Nahrungsmittelversorgung in vielen Regionen gefährden. Sowohl der Anstieg des Meeresspiegels als auch die Niederschlagsintensitäten werden mit hoher Wahrscheinlichkeit die Überflutungsgefahr für einige Regionen der Erde verstärken, wobei besonders – aber keineswegs nur – die oft dicht besiedelten Küstenregionen betroffen sind. Die Verschiebung von Klima- und Vegetationszonen wird Gesundheitsprobleme – etwa durch Malaria, Dengue-Fieber oder Hitzestress – vergrößern.

Darüber hinaus werden viele Ökosysteme der Erde (von arktischen Lebensräumen bis zu australischen Unterwasser-Riffs) durch den globalen Klimawandel absehbar unwiederbringlich geschädigt.
Die Fähigkeiten der verschiedenen Gesellschaften, zumindest einige Effekte des Klimawandels abzuschwächen oder auszugleichen, sind höchst unterschiedlich. So ist die Verletzlichkeit vieler Entwicklungsländer mit Blick auf die Folgen des Klimawandels deutlich höher als die der hoch entwickelten Industriestaaten. Erstere leiden unter ungünstigeren klimatischen Vorbedingungen, Kapitalmangel, schlechterer Infrastruktur und Defiziten in der Bildung. Die Industriestaaten verantworten damit bisher, das heißt vor allem aus der historischen Perspektive, den größten Teil des anthropogenen Klimawandels. Dessen Folgen entstehen jedoch vor allem für die Entwicklungs- und Schwellenländer. Diese regionale Asymmetrie zwischen Verursachern und Betroffenen führt zu erheblichen Herausforderungen für die Klimapolitik.
Mit Blick auf die Handlungsnotwendigkeiten kommt dem "Zwei-Grad-Ansatz" eine besondere Bedeutung zu. Demnach soll die Erhöhung der globalen Mitteltemperatur bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf maximal zwei Grad Celsius im Vergleich zu dem Temperaturniveau in der vorindustriellen Zeit begrenzt werden. Als zusätzliche Bedingung wird in einigen Analysen gefordert, neben dieser langfristigen Begrenzung die Geschwindigkeit des Temperaturanstiegs auf maximal 0,2°C pro Dekade (alle 10 Jahre) zu reduzieren. Dafür müssten die weltweiten Treibhausgasemissionen bis Mitte des Jahrhunderts um mindestens 50 Prozent zurückgeführt und danach massiv weiter reduziert werden.

Verursachende Bereiche



Aktuell liegen die weltweiten Treibhausgasemissionen – gemessen in Kohlendioxid-Äquivalenten – bei über 50 Milliarden Tonnen pro Jahr. Etwa 77 Prozent des gesamten Emissionsvolumens entfallen dabei auf Kohlendioxid und davon über drei Viertel auf die CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger. Die verbleibenden CO2-Emissionen stammen vor allem aus Änderungen der Landnutzung (Entwaldung in einigen Regionen der Erde) sowie aus bestimmten Industrieprozessen wie der Herstellung von Zement und Kalk.
Auf den Methan-Ausstoß entfallen etwa 16 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen. Er wird vor allem durch die Landwirtschaft (Tierhaltung, Reisanbau) sowie die Abfall- und Energiewirtschaft verursacht. Etwa sieben Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen bestehen aus Lachgas, das ganz überwiegend ebenfalls durch die Landwirtschaft (Bodenbewirtschaftung) verursacht wird. Die synthetischen Treibhausgase (HFKW, FKW, FCKW, SF6) spielen mit einem Anteil von etwa zwei Prozent im Vergleich zu den anderen Treibhausgasen noch keine wesentliche Rolle, doch auch sie werden durch den starken Anstieg der Emissionen in der jüngsten Vergangenheit zum Problem – insbesondere wegen ihrer teilweise extrem langen Lebenszeit.
Diese kurze Analyse zeigt bereits, dass Maßnahmen zur Verminderung des Treibhauseffekts besonders zwei Wirtschaftsbereiche berühren: die Energiewirtschaft und die Landwirtschaft – und damit also die Sicherheit der Energieversorgung und der Ernährung.

Anteilsstrukturen

Eine vertiefte Analyse der Verursacherstrukturen unterstreicht diese These. Etwa 43 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger waren im Jahr 2010 der Kohlenutzung zuzurechnen, knapp 36 Prozent dem Verbrauch von Erdöl und etwa 20 Prozent dem Erdgaseinsatz. Eine besondere Rolle spielt die Stromerzeugung mit weltweit etwa 41 Prozent der energiebedingten CO2-Emissionen. Den zweitgrößten Verursacherbereich bildet der Verkehrssektor mit einem Beitrag von etwa 22 Prozent, davon entfallen fast drei Viertel auf den Straßenverkehr. Der Emissionsbeitrag der anderen Industriezweige liegt mit ungefähr 20 Prozent in einer ähnlichen Größenordnung. Die privaten Haushalte und der Dienstleistungssektor zeichnen weltweit für etwa elf Prozent der energiebedingten CO2-Emissionen verantwortlich.
Auch wenn die Treibhausgasemissionen in allen Sektoren gesenkt werden müssen, verdeutlichen die Zahlen, dass ohne eine Änderung der Technologie- und Brennstoffbasis für die Stromerzeugung und den Verkehrssektor selbst massive Emissionsminderungen in den anderen Bereichen, wie zum Beispiel in Industrie und Haushalten oder in der Land- und Abfallwirtschaft, das Klimaproblem nicht lösen können.

Wieviel CO2 verursacht jeder Deutsche jährlich?




Bemerkenswert ist auch, wer im weltweiten Vergleich wie viel zu den Treibhausgasemissionen, beiträgt. Die Industriestaaten verursachen derzeit knapp 40 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen, und ihr Anteil an den energiebedingten Kohlendioxid-Emissionen liegt bei etwa 50 Prozent. Die wesentlich von der Landwirtschaft verursachten Methan-Emissionen entfallen dagegen zu knapp drei Vierteln auf die Entwicklungsländer, die Industriestaaten verantworten hier nur etwas mehr als ein Viertel.
Nachdem über viele Jahre die europäischen, nordamerikanischen und pazifischen OECD-Staaten sowie Russland den weltweit größten Verursacherblock gebildet haben, stammt inzwischen der größere Teil der weltweiten Treibhausgas-emissionen im Ganzen wie auch der CO2-Emissionen im Speziellen aus den stark wachsenden Volkswirtschaften der Entwicklungs- und Schwellenländer vor allem in Asien und Südamerika. So stehen der EU mit energiebedingten CO2-Emissionen von ca. 3,98 Mrd. t CO2 und den USA mit etwa 5,79 Mrd. t CO2 sowie Russland (1,7 Mrd. t CO2) und Japan (1,4 Mrd. t CO2) inzwischen Staaten wie China (9,3 Mrd. t CO2) oder Indien (1,8 Mrd. t CO2) gegenüber (alle Daten für 2012). In einigen Ballungsräumen der Entwicklungs- und Schwellenländer werden inzwischen Pro-Kopf-Emissionen wie in einigen Industriestaaten erreicht.

Auch wenn die OECD-Staaten den weitaus größten Teil der historischen Verantwortung für den Klimawandel tragen und die Pro-Kopf-Emissionen der meisten Entwicklungs- und Schwellenländer oft noch auf vergleichsweise niedrigem Niveau liegen – zur notwendigen Trendumkehr bei den Treibhausgasemissionen werden daher spätestens mittelfristig auch die Nicht-OECD-Staaten deutlich beitragen müssen.
In den vergangenen Jahren wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, um Optionen zur Treibhausgas-Vermeidung zu entwickeln und kostengünstiger zu gestalten. So sind in puncto Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Industrieprozesse, CO2-Abtrennung oder Materialeffizienz erhebliche Fortschritte erzielt worden. Wenn die Treibhausgasemissionen innerhalb eines engen Zeitrahmens und in einem beträchtlichen Ausmaß gesenkt werden sollen, um die Auswirkungen des globalen Klimawandels in seinen verschiedenen Dimensionen in noch tolerierbaren Grenzen zu halten, muss das Innovationstempo für technologische, wirtschaftliche und soziale Ansätze und Lösungen allerdings erheblich gesteigert werden.

Internationale Klimaschutzkonferenzen



Im Vergleich zu anderen globalen Politikfeldern hat sich die internationale Klimapolitik rasant entwickelt. Den Anlass für die erste internationale Klimakonferenz bildete eine Reihe von Klimaanomalien (vor allem starke Dürre- und Trockenperioden), die während der 1970er-Jahre in unterschiedlichen Regionen der Welt aufgetreten waren. Vom 19. bis 23. Februar 1979 wurden unter Schirmherrschaft der World Meteorological Organization (WMO) die Konsequenzen vorliegender Modellrechnungen erstmals eingehend diskutiert und eine langfristig merkbare Klimaänderung durch den Anstieg der CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre prognostiziert. Ihre Schlüsselrolle für die Entwicklung des Politikfeldes Klimaschutz erlangte die Konferenz durch einen breit angelegten Aufruf, der Entwicklung des Klimas größere Beachtung zu schenken. Die folgenden Jahre standen im Zeichen umfassender internationaler Forschungsprogramme, die die Wahrscheinlichkeit von Klimaänderungen durch Treibhausgase erhärteten.
Die Tagungen 1987 in Villach, Österreich und in Bellagio, Italien sowie der im gleichen Jahr vorgelegte Brundtlandbericht markierten den Übergang von der naturwissenschaftlichen Bestandsaufnahme des Treibhauseffektes zur politischen Diskussion über Maßnahmen zu seiner Eindämmung.

Die Klimakonferenz von Toronto (27. bis 30. Juni 1988) formulierte auf internationaler Ebene – und in der Diskussion zwischen Wissenschaft und Politik – erstmals konkrete klimapolitische Zielvorgaben ("Toronto-Ziel"): Die Konferenz empfahl bis zum Jahr 2050 eine Reduktion von CO2 und anderen Klimagasen um mehr als 50 Prozent. In einem ersten Schritt sollten dabei zwischen 1988 und 2005 der Energiewirkungsgrad um zehn Prozent gesteigert und die Klimagasemissionen global um 20 Prozent vermindert werden.
Im November 1988 wurde von der WMO und dem Umweltschutzprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) eingesetzt. Es stellt wissenschaftliche Erkenntnisse über Klimaänderungen zusammen und bewertet sie. Ferner soll das IPCC realistische und international akzeptierte Strategien zur Bewältigung des zusätzlichen Treibhauseffekts formulieren. Die Arbeit des IPCC ist auf Konsens angelegt, viele Wissenschaftler sind eingebunden. Wenn auch die Arbeitsweise und auch die Ergebnisse des IPCC an einzelnen Stellen immer wieder kritisiert wurden, hat sich das IPCC zu einem der einflussreichsten Expertengremien weltweit entwickelt.

Klimarahmenkonvention und Kyoto-Protokoll

Es folgten eine Reihe von Konferenzen; die bedeutendste fand schließlich im Jahr 1992 auf Einladung der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro statt. Das Ziel der dort beschlossenen Klimarahmenkonvention besteht darin, "die Stabilisierung der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre auf einem Niveau zu erreichen, auf dem eine gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems verhindert wird". Der notwendige Zeitrahmen für diese Stabilisierung wurde in der Konvention so bestimmt, "dass sich die Ökosysteme auf natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen können, die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird und die wirtschaftliche Entwicklung auf nachhaltige Weise fortgeführt werden kann". Im April 1995 folgte die erste Vertragsstaaten-Konferenz der Klimarahmenkonvention in Berlin. Hier wurde die "Ad Hoc Gruppe zum Berliner Mandat" beauftragt, bis zur dritten Vertragsstaaten-Konferenz im japanischen Kyoto einen Vorschlag für verbindliche Zeit- und Zielvorgaben zur Reduktion der Treibhausgasemissionen zu erarbeiten. Nach harten Verhandlungen wurde 1997 dort das sogenannte Kyoto-Protokoll verabschiedet, das am 16. Februar 2005 in Kraft trat.

Das Kyoto-Protokoll

Das völkerrechtlich verbindliche Kyoto-Protokoll schreibt den OECD-Staaten sowie den ehemals sozialistischen Industriestaaten unter anderem eine Reduktion der Emission von insgesamt sechs Treibhausgasen (CO2 , CH4 , N2O, FKW, HFKW, SF6) vor. Ihr Ausstoß sollte von 2008 bis 2012 um circa fünf Prozent verringert werden. Die einzelnen Staaten verpflichteten sich auf unterschiedliche Emissionsmengen (Kanada, Japan, Ungarn und Polen -6 Prozent, USA -7 Prozent, Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten sowie Tschechien -8 Prozent, Russland, Ukraine und Neuseeland ±0 Prozent, Norwegen +1 Prozent sowie Australien +8 Prozent). Um das Gesamtziel möglichst schnell und kostengünstig zu erreichen, sollten flexible Lösungen erlaubt sein. Industrieländer können sich für die Durchführung von Klimaschutzprojekten in Entwicklungsländern oder auch in anderen Industrieländern die dort vermiedenen Emissionen gutschreiben lassen. Zu den "flexiblen Mechanismen" gehört auch der Emissionshandel.


Der Bericht zu den wirtschaftlichen Aspekten des Klimawandels, 2006 erstellt durch den früheren Weltbank-Ökonomen Sir Nicholas Stern im Auftrag der britischen Regierung, und der vierte Sachstandsbericht des IPCC von 2007 erhärteten nochmals die wissenschaftlichen Belege für den vom Menschen verursachten Klimawandel. Seine Folgen wurden in den Berichten als immer gravierender bewertet, gleichzeitig erwiesen sich die erwarteten Kosten für entsprechende Gegenstrategien als überschaubar. Daraufhin erhielt Klimaschutz weltweit einen neuen Stellenwert auf der politischen Agenda. So stellte die Gruppe der G8-Staaten auf ihrem Treffen in Heiligendamm (Deutschland) im Juni 2007 den Klimaschutz als zentrale globale Aufgabe heraus, und der IPCC sowie der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore erhielten für ihren Einsatz zum Klimaschutz den Friedensnobelpreis. Auf der 13. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention im indonesischen Nusa Dua auf Bali zielten die Verhandlungen auf eine Anschlusslösung für das Kyoto-Protokoll sowie auf neue und umfassender angelegte Verpflichtungen.

Unter 2°C: Wir haben die Wahl




Die mit großen Erwartungen verbundene 15. Vertragsstaatenkonferenz 2009 im dänischen Kopenhagen scheiterte am Ziel, völkerrechtlich verbindliche Weichenstellungen für internationale Vertragswerke zum Klimaschutz vorzunehmen. Hervorzuheben ist jedoch, dass sich in Kopenhagen bzw. danach erstmals eine Reihe von Entwicklungs- und Schwellenländern ausdrücklich zu Treibhausgasminderungen verpflichtete.
Auch die nachfolgenden Klimakonferenzen in Cancún (Mexiko, 2010), Durban (Südafrika, 2011) und Doha (Katar, 2012) versuchten vergeblich, völkerrechtlich verbindliche Regelungen zur Minderung der Treibhausgasemissionen voranzubringen. In Doha konnte lediglich eine zweite Verpflichtungsperiode für das Kyoto-Protokoll (bis 2020) beschlossen werden. Für diese haben sich insgesamt 35 Staaten, das heißt alle derzeitigen EU-Staaten sowie Australien, Island, Norwegen, die Schweiz, Belarus, Kasachstan und die Ukraine (die drei letztgenannten Staaten allerdings nur unter Vorbehalt), völkerrechtlich verbindlichen Emissionsbegrenzungen unterworfen. Japan, Neuseeland und Russland traten der zweiten Verpflichtungsperiode nicht mehr bei, die anderen Länder mit hohem Ausstoß an Treibhausgas (Großemittenten) übernahmen weiterhin keine völkerrechtlich verbindlichen Verpflichtungen. Ziel der Verhandlungen ist nunmehr die Verabschiedung eines Vertrages auf der 21. Vertragsstaatenkonferenz im Jahr 2015, die in Paris stattfinden soll. Dieser Vertrag soll dann im Jahr 2020 in Kraft treten, wenn die zweite Phase des Kyoto-Protokolls endet.

Auch wenn sich die internationalen Verhandlungen zu völkerrechtlich verbindlichen Emissionsgrenzen weiterhin sehr schwierig gestalten und unter den Großemittenten nur die EU zu verbindlichen Verpflichtungen bereit ist, haben sich im Nachgang zu den freiwilligen Verpflichtungen der Klimakonferenz in Kopenhagen international vielfältige, teilweise sehr ehrgeizige nationale Klimapolitiken und Ziele entwickelt (z. B. in einzelnen Bundesstaaten der USA, in Mexiko, Südkorea, China und Südafrika), die erstmals auch von wichtigen Schwellenländern verfolgt werden.

Rolle der EU

Neben ihren einzelnen Mitgliedstaaten ist auch die Europäische Union (EU) als Ganzes der Klimarahmenkonvention und dem Kyoto-Protokoll beigetreten.


So funktioniert der europäische Emissionshandel:

Die EU setzt eine Obergrenze für den CO2-Ausstoß fest, die jährlich reduziert wird (2,04 Mrd. Tonnen im Jahr 2013).

Felix Christian Matthes

Felix Christian Matthes

Dr. Felix Chr. Matthes ist Forschungs-Koordinator für Energie- und Klimapolitik im Öko-Institut, Berlin. Forschungsschwerpunkte: nationale und internationale Energie- und Klimaschutzpolitik.
Kontakt: f.matthes@oeko.de


Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln