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10.3.2005

Gesellschaft im Wandel

Bevölkerungswachstum, stetige Wohlstandsentwicklung, soziale und räumliche Mobilität, ein expandierender Bildungssektor und eine differenzierte Medienlandschaft kennzeichnen die französische Gesellschaft. Gleichzeitig hat sie ähnliche Probleme wie die Nachbarländer.

Franzosen sind bekannt für ihre Streikkultur. (© AP)


Einleitung

Wie die meisten europäischen Länder lag Frankreich nach der Befreiung 1944 am Boden. Die Probleme der Nachkriegszeit mussten von einer geschwächten, überalterten und in der Tradition verharrenden Gesellschaft bewältigt werden. Oft ist vom deutschen oder vom italienischen Wirtschaftswunder die Rede, vom französischen wird hingegen weniger gesprochen; im Rückblick auf die vergangenen 60 Jahre erscheinen Aufschwung und Wandel in der französischen Gesellschaft jedoch Aufsehen erregend.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die Erfolgsgeschichte begann mit einer Niederlage. Als die Deutschen im Frühjahr 1940 Frankreich überrannt hatten, kapitulierte Marschall Pétain am 17. Juni mit einer historischen Radioansprache: "Trop peu d'enfants, trop peu d'armes, trop peu d'alliés: voilà notre défaite" - "Zu wenig Kinder, zu wenig Waffen, zu wenig Verbündete: Wir sind besiegt." Da stand Frankreich am Tiefpunkt einer 150 Jahre währenden Talfahrt: Die noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts bevölkerungsstärkste Nation Europas war zum geburtenschwächs-ten Land der Erde abgesunken. [...]

Bevölkerungswachstum

Die Bevölkerung in Frankreich ist seit Ende des Zweiten Weltkrieges sehr schnell gewachsen, von 41,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern 1944 auf über 60 Millionen 2004. Zu diesem Bevölkerungswachstum tragen drei ineinandergreifende Faktoren bei:

Integrationspolitik

[...] Erst spät erkannten die Franzosen, dass trotz aller Bekenntnisse zur republikanischen Gleichheit und laizistischen Enthaltsamkeit des Staates in Religionsfragen die Katholiken, Protestanten und Juden zwar öffentliche Anerkennung genossen, die vier bis fünf Millionen Muslime aber ein Schattendasein fristeten. Es dauerte noch bis zum 13. Januar 2000, als Staatspräsident Chirac erstmals eine Delegation von Imamen und Rektoren im Elysée-Palast empfing. Seitdem setzt Frankreich alles daran, seine Muslime zu ebenbürtigen Ansprechpartnern in Glaubensfragen zu machen - und sich zuweilen stärker für sie zu engagieren, als es die verfassungsmäßige Trennung von Kirche und Staat eigentlich zulässt.


Einkommensverteilung und Wohlstandsentwicklung

Zwischen 1944 und 2004 ist Frankreich zu beträchtlichem Wohlstand gekommen. Nach den internationalen Statistiken handelt es sich um die viert- bis fünftgrößte Wirtschaftsmacht der Erde nach den Vereinigten Staaten, Japan und Deutschland und etwa gleichauf mit Großbritannien. Diese Stellung ist das Ergebnis des Wirtschaftswachstums, das Frankreich wie alle Industrieländer seit den 1950er Jahren erlebt hat.

Verteilung des individuellen Einkommens

Drei Jahrzehnte lang lagen die Wachstumsraten der französischen Wirtschaft beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) über fünf Prozent; dieses Wachstum hat sich im selben Maße verlangsamt wie in den anderen Industrieländern und seit den 1980er Jahren bei jährlichen Wachstumsraten zwischen zwei und drei Prozent eingependelt - mit Spitzen in den Jahren von 1987 bis 1990 und 1999 bis 2002, in denen das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes vier Prozent erreichte oder überstieg. Insgesamt hat sich das BIP in 60 Jahren versieben- bis verachtfacht. Diese Zunahme an Wohlstand und Reichtum ist einhergegangen mit Veränderungen bei der Verteilung und den Bedingungen für die Umverteilung. Generell ist der Zuwachs an Wohlstand von 1944 bis 1983 mehr der arbeitenden Bevölkerung als den Kapitaleignern zugute gekommen. Der Einkommenszuwachs bei Löhnen und Gehältern war größer als das Wachstum der Kapitalrenditen, was zu einer beträchtlichen Anhebung des durchschnittlichen Lebensstandards insbesondere bei Haushalten Lohnabhängiger geführt hat. Von 1983 an, als die Regierung die Erhöhung der Löhne vom Preisanstieg loskoppelte, kam es bis 1995 allerdings zu einer für Löhne und Gehälter ungünstigen Verteilung des geschaffenen Wohlstandes, und die Lohnquote sank von fast 73 Prozent im Jahr 1983 auf 64 Prozent 1990. Über den gesamten Zeitraum hinweg lässt sich jedoch eine Tendenz zur Verringerung sozialer Ungleichheiten bei den Einkommen feststellen.

1956 verfügten die zehn Prozent der Haushalte mit den geringsten Einkommen (das erste Einkommenszehntel) über den Gegenwert von 27 Prozent des mittleren Einkommens, 1999 hingegen über den Gegenwert von 55 Prozent des mittleren Einkommens. Am anderen Ende der sozialen Leiter verfügten die zehn Prozent der Haushalte mit den höchs-ten Einkommen (das neunte Einkommenszehntel) über den Gegenwert von fast 230 Prozent des mittleren Einkommens, während ihre Einkommen 1999 nur noch den Gegenwert von 183 Prozent des mittleren Einkommens darstellten. In vierzig Jahren hat sich das Gefälle zwischen dem durchschnittlichen Einkommen des untersten und dem des höchsten Einkommenszehntels vom achtfachen auf das dreifache verringert Die Einkommen sind also beträchtlich zusammengerückt, auch wenn sich ein erneutes Auseinanderlaufen der Einkommen gegen Ende der neunziger Jahre andeutet (Das Einkommen des neunten Zehntels betrug 1990 181 Prozent des Durchschnittseinkommens, 1999 wieder 183 Prozent). Diese Verringerung der Einkommens-ungleichheiten beruht vor allem auf einer gerechteren Steuerpolitik und einer zunehmenden Umverteilung durch den Sozialstaat. Der französische Sozialstaat ist einer der am weitesten entwickelten weltweit, vergleichbar mit dem Deutschlands; nach Schätzungen verhindert die Umverteilung durch die Sozialsysteme drei Viertel der Armut, die aus der ursprünglichen Verteilung des Einkommens resultieren würde.

Über die Einkommensverbesserungen hinaus waren die letzten 60 Jahre von bedeutenden Fortschritten beim allgemeinen Wohlstand gekennzeichnet. Diese Fortschritte haben die sozialen Ungleichheiten zwar nicht beseitigen können, aber dazu beigetragen, sie zu verlagern und auf anderen Gebieten neu hervorzubringen.

Im Bildungsbereich ist festzustellen, dass bei allen Wunschbildern von einer "laizistischen, republikanischen Schule mit Schulpflicht und ohne Schulgeld" die Demokratisierung des Bildungszuganges nur langsam fortgeschritten ist. Erst seit Mitte der 1970er Jahre ist das collège (die Schule für Kinder von elf bis 14 Jahren) zu einer "Gesamtschule" (eingliedriger Schultyp) geworden, wurde auf eine frühzeitige Ausrichtung der Kinder auf eine "höhere" oder eine berufliche Ausbildung verzichtet: Auf der Stufe des lycée (Gymnasium für Kinder von 15 bis 18 Jahren) sind die sozialen Unterschiede oder sogar Ungleichheiten hingegen stark geblieben, und sie zeigen sich sehr deutlich zwischen den klassischen (mathematisch-naturwissenschaftlichen und alt- oder neusprachlichen), den technischen und den berufspraktischen Ausbildungswegen, in denen sich die unterschiedliche Zukunft für Führungskräfte, Ingenieure oder Angestellter und Arbeiter jeweils deutlich abzeichnet.

Insgesamt bleiben die sozialen Ungleichheiten im Bildungsbereich bestehen: 80 Prozent der Kinder von Führungs- und Lehrkräften, aber nur 53 Prozent der Arbeiterkinder, die 1989 in die Sexta (die erste Gymnasialklasse in Frankreich) kamen, erreichten das Ende der 10. Klasse, ohne eine Klasse zu wiederholen. Und während 90 Prozent der Kinder von Führungskräften die gesamte Schulzeit bis zum Abitur durchlaufen, sind es nur 42 Prozent der Arbeiterkinder. Mit Beginn der 1980er Jahre ist mehr Kindern eine höhere Schulbildung ermöglicht worden, was sich an der Zahl der Abiturientinnen und Abiturienten zeigt. Dieser Fortschritt wurde allerdings von einer stärkeren Abkapselung der Grandes écoles (Elitehochschulen) gegenüber den gewöhnlichen Universitäten begleitet. Je mehr Studierende von den Universitäten aufgenommen wurden, um so strenger wurde die Auswahl der Grandes Ecoles. Die soziale Basis für den Eintritt in die Ecole Polytechnique, in die Ecole Nationale d'Administration (ENA) oder die Ecole Normale Supérieure (ENS) ist seit 1980 so schmal geworden, dass neuerdings das Institut d'études politiques de Paris (das französische Pendant zur London School of Economics) ein besonderes Aufnahmeverfahren für Schülerinnen und Schüler aus benachteiligten Schichten eingeführt hat.

Obwohl Frankreich zu den Industrieländern gehört, die einen hohen Anteil ihres Bruttoinlandsproduktes für Bildung ausgeben, bleiben die Leistungen der französischen Schülerinnen und Schüler (ausgenommen in Mathematik) mittelmäßig. 2001 waren neun Prozent der 25- bis 29-Jährigen ohne Schulabschluss arbeitslos (in Deutschland hingegen nur 5,7 Prozent). Das französische Schulsystem hat also Mühe, die Kinder, insbesondere die Arbeiterkinder, erfolgreich in das Berufsleben zu integrieren, was sich in einer hohen Jugendarbeitslosigkeit niederschlägt.

Im Gesundheitswesen steht Frankreich nach 60 Jahren laut einer Feststellung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahre 2000 an der Spitze bei der Behandlung von Krankheiten. Dieser Fortschritt beruht auf der 1946 gegründeten Sozialversicherung, die sich an das Bismarcksche Modell in Deutschland anlehnte. Die Ausgaben für die Gesundheit sind fast genauso hoch wie in Deutschland (insgesamt 9,7 Prozent, in Deutschland 10,3 Prozent des BIP), und sie steigen weiterhin kontinuierlich an, ungeachtet der verschiedenen Maßnahmen zu ihrer Begrenzung, die alljährlich im Parlament verabschiedet werden. Das System scheint sich nicht bändigen zu lassen, und das Defizit der Krankenversicherung hat allein 2004 über 14 Milliarden Euro erreicht.

Dieses sehr leistungsfähige und sehr teure Gesundheitswesen hat allerdings nicht alle Ungleichheiten bei der Versorgung beseitigen können. Da wären zuerst die geographischen Ungleichheiten: In der Region Poitou-Charente kommen 3,5 Krankenhausbetten auf 1 000 Personen, nebenan im Limousin sind es fünf; in der Picardie kommen 2,4 Ärzte auf 1000 Personen, in der Provence sind es 4,1. Es gibt aber auch soziale Ungleichheiten: Sie liegen weniger beim Zugang zur Behandlung als in der Vorsorge. Aufgrund der Schwächen in der Gesundheitspolitik sind die Risiken zwischen den sozialen Gruppen ungleich verteilt. So sterben beispielsweise zehnmal mehr Arbeiter an den Folgen des Alkoholismus als Führungskräfte und noch drei- bis viermal mehr nach Krebserkrankungen oder Schlaganfällen. Diese Risikofaktoren bleiben so hartnäckig bestehen, weil die Leute aufgrund mangelhafter Information und Aufklärung häufig zu spät zum Arzt gehen. Die Gesundheitspolitik nimmt diese Unzulänglichkeiten immer mehr wahr und entwickelt in großem Umfang Maßnahmen zur Vorbeugung, die die Ungleichheiten im Gesundheitswesen verringern sollen; aber auf diesem Gebiet bleibt noch viel zu tun.

Geschlechterverhältnis und soziale Schichtung

Die letzten sechzig Jahre sind von zwei grundlegenden Umwälzungen bestimmt, die hier nacheinander behandelt werden, obwohl sie sich überlagern. Die erste Umwälzung zeigt sich im Verhältnis der Geschlechter, die zweite in Veränderungen der sozialen Schichtung. Die erste bedeutet einen beispiellosen Wandel, die zweite ist hingegen weniger offensichtlich festzustellen. Im Rückblick zeigt sich heute, dass die Stellung der Frauen in der französischen Gesellschaft den tiefgreifendsten, dauerhaftesten und sichtbarsten Wandel erfahren hat. Und hier hatte Frankreich viel aufzuholen: Erst 1944 erhielten die Französinnen das allgemeine Wahlrecht, erst 1965 wurde die gesetzliche Gleichstellung von Frauen und Männern in Angriff genommen. So wurde die gesetzliche Vormundschaft des Ehemannes über die Ehefrau abgeschafft, eine gleichmäßige Verteilung der elterlichen Autorität verfügt, und es wurden gemischte Schulklassen eingeführt. Verschiedene Gesetze schufen die Grundlage zur Anerkennung des Rechtes der Frau auf sexuelle Selbstbestimmung, die Empfängnisverhütung wurde liberalisiert, die Abtreibung legalisiert, Vergewaltigung und Gewalt in der Ehe sowie sexuelle Belästigung wurden unter Strafe gestellt.

Seit den 1990er Jahren beschäftigte sich die Gesetzgebung auch mit dem Kampf gegen die Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz und in der Politik. 1999 wurde ein Gesetz verabschiedet, mit dem das Prinzip der Quotengleichheit (ein Mann, eine Frau) auf den Wahllisten der politischen Parteien verwirklicht werden sollte - wobei sich die Praxis der Kandidatenaufstellung allerdings nur langsam ändert. Die augenblickliche Herausforderung liegt stärker in der Durchsetzung dieser Gesetze als in ihrer Erweiterung. Denn die Stellung der Frauen steht immer noch im starken Kontrast zu der der Männer.

Im Bildungsbereich erzielen die Mädchen bessere Noten und lernen schneller als die Jungen, ganz gleich auf welcher Bildungsstufe und in welcher Schule. Trotzdem finden diese schulischen Erfolge keinen durchgängigen Widerhall in der Arbeitswelt. Innerhalb von dreißig Jahren sind Frauen sehr stark auf den Arbeitsmarkt geströmt, die Beschäftigungsquote der Frauen (das heißt der Anteil der Frauen zwischen 25 und 49 Jahren, die einen Beruf ausüben) ist von weniger als 60 auf über 80 Prozent gestiegen.

Dieser weibliche Zustrom wurde jedoch von einem Wandel in der Art und in den Inhalten der Beschäftigung begleitet: Stark gewachsen ist vor allem der Dienstleistungsbereich, in dem mehrheitlich Frauen arbeiten, und es haben sich verschiedene Formen atypischer, ungesicherter Beschäftigungsverhältnisse entwickelt wie Teilzeitarbeit, Zeitarbeit und zeitlich begrenzte Arbeitsverträge, in denen viel mehr Frauen als Männer tätig sind. Die Gehälter von Frauen liegen im übrigen bei derselben Art von Beschäftigung durchschnittlich zwölf Prozent unter denen der Männer. Obwohl es heute in den Berufsgruppen der Ärzte-, der Richter- und Anwaltschaft sowie im Journalismus unter den jüngeren Beschäftigten mehr Frauen als Männer gibt, stoßen sie in mancherlei Berufen und vor allem bei lukrativen Führungspositionen nach wie vor auf unsichtbare Barrieren: Männer kommen in ihrer Karriere, was die Gehälter und ihre Verantwortungsbereiche betrifft, noch immer schneller voran.

Aber der Prozess, dass immer mehr Frauen Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen, ist mittlerweile unumkehrbar: Eine der markantesten Eigenschaften der Französinnen besteht heute darin, dass sie die Verbindung zwischen Familien- und Berufsleben nicht mehr in einem Nacheinander (Unterbrechung des Arbeitslebens mit der Geburt des ersten Kindes) sehen, sondern in einem Nebeneinander. Trotzdem hat sich bei der Aufteilung der Arbeit im Haushalt kaum etwas geändert, insbesondere wird die Zeit für die Kindererziehung und für die Hausaufgabenbetreuung trotz des schönen Bildes von den "neuen Vätern" größtenteils von den Müttern aufgebracht. In den ehelichen Beziehungen bleiben Frauen weiterhin vielfach Opfer männlicher Gewalt.

Parallel zum Wandel im Geschlechterverhältnis hat die französische Gesellschaft dieselbe Entwicklung genommen wie die europäischen Nachbarländer. Für gewöhnlich werden diese Entwicklungen in vier Grundtendenzen zusammengefasst: Diese Entwicklung des sozialen Aufstiegs in der französischen Gesellschaft erfährt derzeit eine Verlangsamung: Die Ausweitung der "mittleren" Berufe hängt vom Ausbau des Staates und besonders des Sozialstaates ab, der in der augenblicklichen Phase eher auf dem Rückzug ist und weniger Karrierechancen bietet. Bei den Führungskräften scheint es ebenfalls zu einer Verlangsamung der Entwicklung gekommen zu sein. Daher wird der soziale Aufstieg von Kindern aus den unteren Schichten wahrscheinlich auf neue Hindernisse stoßen, was etliche Beobachter zur der Aussage führt, "der soziale Fahrstuhl nach oben" sei defekt.

Die soziale Mobilität von einer Generation zur nächsten hat sich verlangsamt. Dazu kommt in jüngerer Zeit das Bewusstsein, dass es erhebliche Diskriminierungen bei der Vergabe von Arbeitsplätzen gibt. So leiden Jugendliche arabischer Herkunft unter einer überdurchschnittlich hohen Arbeitslosigkeit, teils wegen ihrer geringen Qualifikationen, aber auch wegen der Einstellungspraxis mancher Arbeitgeber, die "echte Franzosen" bevorzugen.

Entwicklung der sozialen Schichten

Diese Hindernisse bei der sozialen Eingliederung nähren Frustrationen bei einem Teil der Jugendlichen aus einfachen Schichten, die sich diskriminiert fühlen, vor allem wenn sie arabischer oder afrikanischer Herkunft sind. Die Frustrationen verweisen auch auf die Konzentration sozialer Problemlagen in den Vorstadtsiedlungen, in denen überwiegend Immigranten wohnen, und die wiederholten Gewaltausbrüche in diesen Vierteln. Sie können schließlich auch die Hinwendung zahlreicher Menschen ausländischer Herkunft oder Abstammung zur Religion des Islam erklären, die darin eine Möglichkeit sehen, ihre Identität gegenüber einer Gesellschaft zu behaupten, als deren Opfer sie sich fühlen.

Die Kategorie des "einfachen Volkes" ist noch lange nicht verschwunden. Auch wenn einige Autoren seit dreißig Jahren "das Ende der Arbeiterschaft" diagnostizieren, ist sie mit ungefähr 7,4 Millionen Menschen immer noch sehr zahlreich vorhanden. Fast 30 Prozent aller Berufstätigen zählen nach wie vor zu ihr. Insgesamt bildeten Arbeiter und einfache Angestellte, trotz Zunahme der neuen Mittelschicht und dem Bestreben, in die höheren Schichten aufzusteigen, während des gesamten Betrachtungszeitraumes unverändert 60 Prozent aller Berufstätigen. In den vierzig Jahren, in denen die neuen sozialen Mittel- und Oberschichten hervorgetreten sind, blieben die unteren Schichten erhalten. Durch die Ausweitung des Dienstleistungssektors setzen sich letztere heute anders zusammen (die Zahl der einfachen Angestellten hat zugenommen), insgesamt aber sind sie gleich groß geblieben.

SMIC - Arbeiten mit Billiglohn

Eine vornehmere Geschäftslage ist in Paris kaum zu finden. Wenn kurz vor Mitternacht die Schickeria anrückt, um in der Lebensmittelabteilung des Monoprix an den Champs Elysées für das Sektfrühstück einzukaufen, hat Michel Blamchard, 33, alle Hände voll zu tun. Seit zehn Jahren füllt er die Regale des Supermarktes, der wegen seines späten Ladenschlusses in ganz Paris beliebt ist.
Schließlich muss auf eine Entwicklung hingewiesen werden, die im Laufe des Betrachtungszeitraumes immer bedeutender geworden ist: Die Arbeitslosigkeit nimmt anscheinend unaufhaltsam zu. Das Institut national de la statistique et des études économiques, INSEE, bezifferte 2000 die Arbeitslosigkeit auf etwa 13 Prozent der berufstätigen oder arbeitswilligen Bevölkerung, wenngleich die offizielle Arbeitslosenzahl mit ungefähr neun Prozent etwas niedriger ist. Letztere zählt nur die offiziell registrierten Arbeitslosen, die Arbeitslosengeld oder -hilfe beziehen, während sich die INSEE auf die Bekundungen aller nicht Arbeitenden stützt.

Auch wenn die Arbeitslosen keine stabile soziale Kategorie bilden, so sind bestimmte soziale Gruppen doch mehr als andere von Arbeitslosigkeit betroffen: Während 15 Prozent der Arbeiter und einfachen Angestellten arbeitslos sind, haben bei den mittleren Angestellten nur sechs Prozent, bei den Führungskräften lediglich fünf Prozent keine Beschäftigung. Und obwohl die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit bei fünf bis sechs Monaten liegt, gibt es eine große Gruppe von Langzeit-Arbeitslosen, die auf über eine Million geschätzt wird; sie befinden sich quasi dauerhaft in einer Situation der Beschäftigungslosigkeit, was von einigen Soziologen rundheraus als Ausschluss aus der Gesellschaft (soziale Exklusion) gewertet wird.

Wie es momentan aussieht, gehören die großen klassischen sozialen Konflikte der 1960er und 1970er Jahre der Vergangenheit an; der letzte Generalstreik fand 1995 als Protest gegen die Reform der Sozialversicherung statt. Statt dessen haben wir in den letzten Jahren eine Vielzahl von themenbezogenen Protestbewegungen erlebt, die sich nicht am klassischen Sozialkonflikt orientieren, sondern an geschlechterspezifischen Fragen (feministische Bewegungen), an der sexuellen Einstellung (Behauptung der homosexuellen/lesbischen Bewegungen als politische Akteure) oder an der Religion (wachsende Präsenz des Islam im öffentlichen Leben). Aber trotz dieser Vielfalt, die die sozialen Lagen und die politischen Einstellungen heute kennzeichnet, bleiben die tradierten Unterscheidungen zwischen sozialen Gruppen doch weiterhin prägend für die Verhaltensweisen, für die Lebenssituation und für die politischen Meinungen der Menschen.

Räumliche Entwicklung

Durch die zunehmende Mobilität der Bevölkerung haben sich Land und Städte in Frankreich beträchtlich gewandelt. Die räumliche Entwicklung ist von vier wesentlichen Veränderungen geprägt worden:

Für sozialen Zusammenhalt

Wer hier wohnt, ist ganz unten. Nur wer nirgendwo sonst unterkommt, zieht in die grauen, bis zu 20 Etagen hohen Betonblöcke, an deren Fenstern Wäsche trocknet. Hier, in der Trabantenstadt La Duchère, lungern in den Hauseingängen Jugendliche zumeist arabischer Herkunft herum. Der Großteil von ihnen hat keinen Job -
So zeichnen sich auf der Landkarte der französischen Gesellschaft zugleich die Fortschritte wie die Probleme ab: Der ländliche Raum eröffnet für einen bedeutenden Teil der Bevölkerung zusätzliche Möglichkeiten der Auswahl des Wohnortes (dies mehr in den südlichen Regionen als in den nördlichen, mehr an den Stadträndern mit Einfamilienhäusern als in den großen Wohnhäusern der Innenstädte); zugleich wird der vorhandene Platz für einige enger und bleibt auf einen engen Horizont beschränkt, dem des Lebens in den Cités, wo der Alltag schwierig zu bewältigen ist und sich kaum Chancen zum Wegzug eröffnen.

Im Unterschied zu anderen europäischen Ländern, vielleicht mit Ausnahme von Spanien, ist Frankreich ein "leeres" Land mit einer geringen Bevölkerungsdichte von 110 Menschen pro Quadratkilometer; es bildet daher ein bevorzugtes Ziel für die Zuzügler aus Nachbarländern, denen es in ihrer Heimat zu eng wird. Das von den Bauern aufgegebene Land wird in vielen Gegenden von Ausländern besiedelt, in der Bretagne und im Périgord von Engländern, in der Gascogne von Niederländern, im Zentralmassiv und im Rhône-Tal von Deutschen. Vielleicht mehr noch als durch den wissenschaftlichen und kulturellen Austausch wird Frankreich auf dem Umweg über seine ländlichen Räume wahrhaft europäisch. Und das ist sicher das beste Schicksal, das man einem Land wünschen kann, das seit 40 Jahren ohne Unterlass seine starke Neigung zur europäischen Integration verkündet.

Reformen und Defizite des Bildungssystems

Werner Zettelmeier

Ähnlich wie die (alte) Bundesrepublik hat auch Frankreich in den letzten 40 Jahren eine starke Expansion seines Bildungssystems erlebt. Hierzu haben nicht nur steigende Geburtenzahlen, sondern auch ein durchgehend dezidierter politischer Wille zur Öffnung der Sekundar- und Hochschulen bzw. zur Umstrukturierung des Bildungssystems beigetragen. In mancher Hinsicht ist diese Expansion wesentlich schneller bzw. weiter vorangeschritten, als dies in der alten Bundesrepublik Deutschland der Fall ist. So waren im französischen Hochschulwesen schon zu Beginn der 1990er Jahre mehr als zwei Millionen Studierende eingeschrieben, während diese Schwelle für das vereinte Deutschland erst zum Wintersemester 2003/04 überschritten wurde. Von den 627 520 Teilnehmenden des Abiturjahrganges 2003 haben 80,1 Prozent ihre Prüfung erfolgreich bestanden, womit 62,9 Prozent dieses Altersjahrganges Abiturienten sind. Das sind wesentlich mehr als in Deutschland, wo die Bildungspolitik einen Abiturientenanteil von 40 Prozent erst noch anstrebt. Schon seit Mitte der 1980er Jahre ist ein explizites Ziel der französischen Bildungspolitik, 80 Prozent eines Altersjahrganges zum Abitur zu führen. Zweifellos muss dabei immer wieder beachtet werden, dass sich hinter der gleichen bzw. ähnlich klingenden Begrifflichkeit immer noch sehr verschiedene soziale Wirklichkeiten verbergen. So kann das deutsche Abitur nicht mit dem französischen baccalauréat gleichgesetzt werden, und auch der französische Hochschulsektor ist wesentlich umfassender und institutionell differenzierter, als dies das deutsche Verständnis von Universität erahnen lässt.

Die Tragweite der französischen Entwicklung wird allerdings aus dem Vergleich aktueller Strukturdaten mit denen der 1950er Jahre deutlich. So betrug der Abiturientenanteil zu Beginn der 1950er Jahre lediglich sechs Prozent, die Zahl der Studierenden belief sich auf knapp 200000, und der Haushalt des Erziehungsministeriums betrug 1952 lediglich 7,5 Prozent des Staatshaushaltes, während er 2003 mit einem Anteil von 23 Prozent den größten Einzelhaushalt darstellt, aus dem insgesamt circa 1,3 Millionen Beschäftigte in Lehre und Verwaltung bezahlt werden. Das französische Erziehungsministerium ist damit die größte Behörde Frankreichs, ja sogar aller EU-Staaten.

Strukturreformen

Die heutige Organisation des Bildungswesens ist als Folge mehrerer umfassender Strukturreformen entstanden. 1959 wurde die allgemeine Schulpflicht um zwei Jahre verlängert, sie gilt nunmehr für alle Schülerinnen und Schüler im Alter von sechs bis 16 Jahren. Bemerkenswert ist allerdings, dass praktisch schon alle Kinder ab dem dritten Lebensjahr einen Platz in einer ganztägigen, in der Regel öffentlichen und damit kostenlosen Vorschule (école maternelle) finden.

Diese wird stärker als in (West)Deutschland von allen beteiligten Akteuren als eine normale Etappe in der Schulbiographie angesehen und lässt sich deshalb schon von der Begrifflichkeit her nur bedingt mit dem deutschen Kindergartensystem vergleichen. Sogar über ein Drittel der zweijährigen Kinder nehmen am Vorschulunterricht teil. Wird noch das flächendeckende Angebot an Krippenplätzen für circa 20 Prozent aller Kleinkinder hinzugezählt, auch wenn diese nicht zum Bildungssystem im engeren Sinne gehören, so gilt Frankreich im internationalen Maßstab zu Recht als Vorbild im Bereich der vorschulischen Erziehung.

Nach einer fünfjährigen Grundschule (école élémentaire) besuchen alle Schülerinnen und Schüler das 1975 als einheitliche Gesamtschule geschaffene collège, das vier Jahrgänge umfasst. Mit dieser Reform war in den 1970er und 1980er Jahren die Hoffnung auf Verwirklichung von mehr Chancengleichheit für breite Bevölkerungsschichten verbunden, die im zuvor bestehenden differenzierten Schulsystem aufgrund der Segregationsmechanismen nur bedingt möglich war. Insbesondere der Zugang zum lycée (Gymnasium) war de facto einer Elite von Schülern aus sozial begünstigten Schichten vorbehalten.

Das lycée im heutigen Verständnis schließt sich als eine auf die Sekundarstufe II beschränkte Schulform an. Hier findet nun eine institutionelle Differenzierung statt, die in der heute existierenden Form 1992 geschaffen wurde. Demnach führt ein Weg in drei Jahren zum allgemeinbildenden Abitur (baccalauréat général), ein weiterer Weg in ebenfalls drei Jahren zum Techniker-Abitur (baccalauréat technologique), und als dritter Weg ist seit 1987 an einem berufsbildenden Gymnasium (lycée professionnel) die Vorbereitung eines berufsbildenden Abiturs (baccalauréat professionnel) in vier Jahren möglich.

Das französische Schulsystem

Jede dieser Abiturformen teilt sich wiederum in mehrere Untergruppen auf, die sich nach der disziplinspezifischen Schwerpunktsetzung unterscheiden. So lassen sich beim allgemeinbildenden Abitur, das 2003 mit circa 268000 Absolventen die größte Gruppe darstellte, drei Typen unterscheiden, nämlich ein mathematisch-naturwissenschaftlich, ein literarisch-neusprachlich und ein sozialwissenschaftlich ausgerichtetes Abitur. Eine noch stärkere Auffächerung ist beim Techniker-Abitur, das 2003 von 142000 Schülerinnen und Schülern erfolgreich absolviert wurde, und beim Berufsabitur (91000 Abiturienten im Jahre 2003) festzustellen.

Bemühungen um Chancengleichheit

Die Wahl des Bildungsweges nach Abschluss der Pflichtschulzeit ist nur bedingt frei, denn die Leistungen im collège, und damit wiederum die sozialen und kulturellen Bedingungen, die den Schulerfolg ermöglichen, sind entscheidend für das Ausmaß an Wahlfreiheit, über das die Schüler verfügen. In der Tat stehen nicht nur die drei Grundtypen des Abiturs in einer ausgeprägten hierarchischen Beziehung zueinander und konkurrieren um die aus dem collège abgehenden Jahrgangsbesten, sondern auch innerhalb jeder Untergruppe gibt es, insbesondere beim allgemeinbildenden Abitur, Rangunterschiede, die gesellschaftliche Wertvorstellungen, soziale Ungleichheiten und kulturelle Traditionen, wie sie sich in der französischen Gesellschaft vorfinden lassen, auf subtile Art widerspiegeln. Die Wahl des Abiturs, das aufgrund seiner Scharnierstellung im Bildungssystem zu einer Sozialisationsinstanz für die Mehrheit der französischen Jugendlichen geworden ist, entscheidet in viel stärkerem Maße als in Deutschland über den weiteren Bildungsverlauf bzw. die berufliche und soziale Position der künftigen Erwerbstätigen.

Alle Abiturtypen eröffnen grundsätzlich den Weg zum Hochschulstudium, die tatsächliche Wahlfreiheit, der Studienerfolg und die berufliche Eingliederung hängen jedoch sehr stark von dem bereits in der Sekundarschule eingeschlagenen Weg ab. Charakteristisch für das französische Hochschulwesen ist seine duale Struktur, nach der sich ein kleiner Sektor mit Eingangsselektion und ein großer zulassungsfreier Sektor unterscheiden lassen. Beide Sektoren konkurrieren unter sehr unterschiedlichen materiellen Bedingungen um die Abiturienten. Zum selektiven Sektor gehören als französische Besonderheit die Grandes Ecoles, für deren Zulassung sich eine kleine Gruppe von leistungsstarken Abiturienten in zweijährigen, äußerst arbeitsintensiven und ein breites Fächerspektrum abdeckenden Vorbereitungsklassen (classes préparatoires) qualifizieren kann. Im Jahre 2003 befanden sich 72000 Schülerinnen und Schüler in diesen Klassen, die an einige besonders angesehene Gymnasien angegliedert sind. 8,9 Prozent der Absolventen eines allgemeinbildenden bzw. technischen Abiturs wurden 2003 in eine Vorbereitungsklasse aufgenommen.

Die besten Chancen haben hierbei die Absolventen des Abiturs mit mathematisch-naturwissenschaftlicher Schwerpunktsetzung, Absolventen eines Berufsabiturs haben kaum Aussichten auf Zulassung. Die derzeit etwa 230000 Studierenden der Grandes Ecoles werden in einem in der Regel dreijährigen Studium zu Ingenieuren, Spitzenmanagern der Wirtschaft und hohen Verwaltungsbeamten ausgebildet. Bei diesen Elitehochschulen lassen sich private und öffentliche Einrichtungen unterscheiden, eine Reihe der angesehensten öffentlichen Institutionen, wie zum Beispiel die Ecole Polytechnique oder die Ecole Nationale d'Administration (ENA) unterstehen nicht dem Erziehungsministerium und verfügen im Vergleich zu den öffentlichen Universitäten über erhebliche Budgetmittel. Zum selektiven Sektor gehören ebenfalls die berufsqualifizierenden zweijährigen Kurzstudiengänge an den Instituts universitaires de technologie (IUT) mit circa 115000 Studierenden im Studienjahr 2002/03 sowie die an einige ausgewählte Gymnasien angegliederten STS-Klassen (Sections de techniciens supérieurs), die von 245000 Studierenden im gleichen Studienjahr belegt wurden.

Schule der Elite

Sie sind die Kaste, die den Staat beherrscht. Würde man, nur so als Denkmodell, die Absolventen der französischen Ecole Nationale d'Administration (ENA) dem Staatsdienst vorenthalten, wäre die Republik führungslos. Die Enarquen, wie sie halb bewundernd genannt werden, sitzen da, wo die Macht ist. Jacques Chirac, der Präsident, lässt sich von Enarquen beraten und ist selber einer. Sein Vorgänger, Valéry Giscard d'Estaing, hat seine Karriere mit einem ENA-Abschluss begonnen, die Mehrzahl der Premierminister der Fünften Republik, egal von welcher Partei, zählten dazu. Der Nicht-Enarque Jean-Pierre Raffarin, fast ein Autodidakt, wurde von Chirac berufen, weil der Präsident ausnahmsweise einen volksnahen Regierungschef haben wollte. Staatskarrieren beginnen für gewöhnlich an der ENA in Paris.
Die circa 90 französischen Universitäten bilden den zulassungsfreien Sektor mit etwa 1,5 Millionen eingeschriebenen Studierenden. Sie sind zuständig für die Massenbildung, denn sie haben in den 1980er und in der ersten Hälfte der 1990er Jahre eine starke Erhöhung der Einschreibzahlen erlebt. Der Staat, aber im Zuge der Dezentralisierungsbestrebungen seit Beginn der 1980er Jahre zunehmend auch die Gebietskörperschaften wie Regionen, Départements und Kommunen, die traditionell keine Kompetenzen im Bildungsbereich hatten, haben seinerzeit erhebliche zusätzliche Mittel für ein umfangreiches Neu- und Ausbauprogramm bereitgestellt.

Dennoch ist die finanzielle Ausstattung der Universitäten im Vergleich zu den Institutionen des selektiven Sektors wesentlich ungünstiger. Die durchschnittlichen Aufwendungen der öffentlichen Hand im Jahre 2002 pro Universitätsstudenten lagen bei 6800 Euro, für einen Schüler einer Vorbereitungsklasse dagegen bei 13200 Euro, für den Ingenieurstudenten einer Grande Ecole bei 11910 Euro und für einen Studenten eines IUT bei immerhin noch 9100 Euro.

Auch im internationalen Vergleich liegen die französischen Universitäten unterhalb des für die OECD-Länder ermittelten Durchschnittswertes, der bei circa 9210 US-Dollar liegt. Diese Ungleichbehandlung führt zu sehr unterschiedlichen Studienbedingungen, Studienerfolgsaussichten und damit auch Perspektiven für die berufliche Eingliederung, bei denen die Institutionen des selektiven Sektors durchweg besser abschneiden. Dies hat Auswirkungen auf die unterschiedliche soziale Wertschätzung, die den einzelnen Institutionen entgegengebracht wird, und schreibt allen Bemühungen um mehr Chancengleichheit zum Trotz soziale Ungleichheiten beim Zugang zu den Angeboten des Hochschulsektors fort.

Stiefkind" Berufsbildung

Die Verwirklichung von Chancengleichheit ist eine Herausforderung, der sich das französische Bildungssystem auf allen Stufen stellen muss. Dies gilt zum Beispiel für die nach wie vor feststellbare Ungleichbehandlung von Allgemeinbildung und beruflicher Bildung.

Kennzeichnend für das französische Bildungssystem ist die weitgehende Integration der beruflichen Bildung in das Schulsystem. Etwa 40 Prozent der aus dem collège abgehenden Schülerinnen und Schüler - das heißt jährlich circa 350000 - beginnen eine Berufsausbildung, die große Mehrheit davon - circa 250000 - in vollschulischer Form in einem beruflichen Gymnasium, ein kleinerer Teil in Form einer Lehre, die in etwa dem deutschen dualen System vergleichbar ist.

In immer noch (zu) vielen Fällen beruht dies jedoch nicht auf freier Entscheidung der Jugendlichen, sondern sie werden aufgrund unzureichender schulischer Leistungen im collège in den berufsbildenen Zweig "orientiert". Für die Betroffenen und in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit hat sich somit der Eindruck verfestigt, dass die berufsbildenden Zweige den Schulversagern vorbehalten sind. In der Tat kommt ein Großteil der circa 90000 Jugendlichen, die pro Jahr das Schulsystem ohne jeglichen Abschluss verlassen, aus den beruflichen Gymnasien. So genießen nur die allgemeinbildenden weiterführenden Bildungswege breite gesellschaftliche Anerkennung. Wegen der rein schulischen Ausbildung wurden zudem lange Zeit die vom berufsbildenden Gymnasium verliehenen klassischen Abschlüsse - Certificat d'aptitude professionnelle/CAP oder Brevet d'études professionnelles/BEP (dem deutschen Facharbeiterbrief in etwa vergleichbar) - , die auf der französischen Qualifikationsstufenskala unterhalb des Abiturs angesiedelt sind, auch von der Wirtschaft wenig geschätzt. So erklärt sich der Versuch, mit der Schaffung eines berufsbildenden Abschlusses auf Abiturniveau mit allgemeiner Hochschulzugangsberechtigung diesen Zweig aufzuwerten und ihn dem allgemeinbildenden gleichzustellen.

Auch die betriebliche Lehre genoss lange Zeit kaum gesellschaftliche Wertschätzung, da sie bis in die 1980er Jahre den wirtschaftlich wenig prosperierenden Sektoren wie Handwerk und Kleinhandel vorbehalten war und zudem nur die untersten berufsbildenden Diplome in diesem Rahmen erworben werden konnten. Erst die Ausdehnung der Lehre auf alle Qualifikationsstufen, einschließlich der Hochschuldiplome, ab Mitte der 1980er Jahre und eine großzügige finanzielle Förderung der Ausbildungsbetriebe haben die Attraktivität der betrieblichen Lehre steigern können, so dass sie sich mittlerweile auch in Universitäten und sogar Grandes Ecoles mit der Einführung von dualen Studiengängen großer Beliebtheit erfreut. 80 Prozent der 2001 insgesamt circa 350000 Auszubildenden streben aber nach wie vor einen Abschluss der untersten Qualifikationsstufe (CAP, BEP) an.

Identitätskrise

Im Grunde genommen verweisen die aktuellen Prob-leme des französischen Bildungssystems auf eine tiefe Identitätskrise. Ob es sich um Schulversagen, die Gewalt an Schulen oder die fortbestehende Chancenungleichheit handelt, ob der Wandel der Lehrerrolle von Wissen Vermittlenden hin zu zunehmend auch erzieherisch Tätigen Thema ist oder ob es um die nach wie vor sensible Frage des Verhältnisses von privaten und öffentlichen Schulen und mehr noch die aktuelle Infragestellung des strikten Laizismus durch Kopftuch tragende muslimische Schülerinnen geht: Die frühere, quasi-sakrale Verklärung der republikanischen Schule auch als Schule für die Republik greift nicht mehr.

Ursachen hierfür sind nicht nur Individualisierungstendenzen in der französischen Gesellschaft sowie eine sozial und kulturell heterogener werdende Schüler- und Studentenschaft. Die Entwicklung wurde auch befördert durch die Stärkung der administrativen und pädagogischen Autonomie der Verantwortlichen in Schulen und Hochschulen vor Ort auf Kosten der früheren, zentralstaatlich verfügten Einheitlichkeit, die ehedem als vermeintlich alleinige Garantin für soziale Gleichheit und inhaltliche Qualität galt. Veränderungen resultierten weiterhin aus der notwendig gewordenen Einbindung neuer außerschulischer bzw. außeruniversitärer Partner wie Unternehmen, Medien, Justiz, Polizei, zivilgesellschaftliche Gruppierungen und Gebietskörperschaften in den Bildungsprozess. Nicht zuletzt ist auch wegen der mächtiger gewordenen Konkurrenz außerschulischer Sozialisationsinstanzen, zum Beispiel durch die neuen Informations- und Kommunikations-Technologien, der Glaube an das Bildungssystem als ein allen Kindern und Jugendlichen einheitlich vorzugebendes Modell für Integration und Sozialisation verloren gegangen.

Der Wandel der französischen Bildungsinstitutionen hin zu lokal bzw. regional profilierten und verwurzelten, horizontal vernetzten, nach außen, auch international offenen und in ihren internen Ordnungsprinzipien sich an demokratischen Wertvorstellungen orientierenden Einrichtungen ist eine Aufgabe, die nicht mit einer noch so groß angelegten Reform auf einen Schlag und für alle Zeit zu bewältigen ist. In dem Maße, wie alle Akteure bereit sind, diese als eine ständige Herausforderung zu begreifen und anzunehmen, wird das Bildungssystem wieder als eine Institution empfunden werden, die einen realen Beitrag zur Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit leisten kann.

Medienangebot und Medienpolitik

Isabelle Bourgeois

Die französische Rundfunklandschaft hat sich seit ihrer Liberalisierung Mitte der 1980er Jahre zu einem hochkonzentrierten Markt entwickelt, auf dem heute private mit staatlichen Konzernen konkurrieren. Zuvor hatte der Staat, das heißt die Regierung, das Veranstaltungsmonopol, das für Unterhaltung, Kultur und Information gleichermaßen galt. Anders als in Deutschland (Art. 5 GG) garantiert die französische Verfassung nur das Individualrecht der freien Meinungsäußerung, nicht die Pressefreiheit als solche. 1982 wurde das staatliche Rundfunkmonopol aufgehoben und eine Aufsichtsbehörde errichtet, um die Abnabelung des Rundfunks vom Staat zu überwachen. Sie nennt sich heute Conseil Supérieur de l'Audiovisuel (Hoher Rundfunkrat, CSA), erteilt die Lizenzen an die privaten Anbieter und erstellt Programmauflagen zur Gewährleistung eines inhaltlichen Grundstandards. Die Regierung begnügt sich heute mit Wettbewerbskontrolle.

Medienstruktur

Die Top 5 des Hörfunks

Die Struktur des Medienangebots weicht erheblich von der deutschen ab. Das Hörfunkangebot ist mit über 1800 überwiegend kommerziellen Sendern stark ausdifferenziert. Die "Formatradios" sind auf die Erwartungen bestimmter Zielgruppen zugeschnitten, oder sie bedienen als Spartenprogramm eine bestimmte inhaltliche Nachfrage wie beispielsweise France Info, Radio Classique oder das Wirtschaftsradio BFM. Der Jugendsender NRJ, dessen Kürzel ursprünglich für Nouvelle Radio des Jeunes stand, ist heute wegen des Gleichklangs der französischen Abkürzung mit dem Wort énergie zur Marke geworden. Die "Formatradios" bilden ein Komplementärangebot zu den drei führenden Vollprogrammen, die auch heute noch über Langwelle, also flächendeckend senden, obwohl sie ebenfalls über UKW zu empfangen sind: RTL, Europe 1 (privat) und France Inter (staatlich). Das Radio ist ein nationales Medium. Allein die drei oben genannten Sender vereinen auf sich ein Drittel der Hörerschaft, absoluter Quotenreiter ist - seit Kriegsende - RTL.

Beim Fernsehen müssen sich 70 Prozent der Haushalte mit sechs Programmen begnügen: den vier Vollprogrammen TF1 und M6 (privat), France 2 und France 3 (staatlich) sowie dem staatlichen Bildungsprogramm France 5, das sich einen Kanal mit dem deutsch-französischen Kultursender ARTE teilt. Hinzu kommt das private Pay-TV-Programm Canal+. Absoluter Marktführer mit etwa 32 Prozent Zuschaueranteil und einem Werbemarktanteil von knapp 50 Prozent ist das 1987 privatisierte Erste Programm TF1.

Die TV-Quoten 2003

Kabel und Satellit sorgen zwar für ein reichhaltiges Ergänzungsangebot - besonders die digitalen "Satellitenbouquets" CanalSatellite und TPS -, aber die etwa 130 zusätzlichen Programme erreichen zusammen nur 5,5 Millionen Haushalte, weil sie ausschließlich im Abonnement zu beziehen sind. Das Dutzend Regional- oder Lokalsender fristet ein Schattendasein, die Werbeeinnahmen reichen kaum aus.

Die wichtigsten französischen Printmedien

Frankreich ist kein Zeitungsleserland: Die Zeitungsdichte liegt bei 150 Exemplaren je 1000 Einwohnerinnen und Einwohner, das ist nur halb so viel wie in Deutschland. Entsprechend der zentralen politischen Struktur wird das halbe Dutzend führender Zeitungen wie Le Monde und Le Figaro national genannt, weil sie aus Paris über das nationale und internationale Geschehen berichten und im ganzen Land verbreitet werden. Die Regionalpresse wie Ouest-France, Le Progrès bedient ausschließlich die Leserschaft außerhalb der französischen Hauptstadt und konzentriert sich auf Lokal- und Regionalnachrichten. Beide Kategorien haben 2002 Konkurrenz erhalten - der Markt für Gratiszeitungen wie beispielsweise Metro, 20 Minutes boomt. Diese Produkte, die sich nur über Werbung finanzieren, bieten den Leserinnen und Lesern das, was sie in den klassischen Zeitungen vermissen: knappe Nachrichtenmeldungen. Es sind seriöse Informationsblätter, keine Boulevardzeitungen - die in Frankreich keine Rolle spielen. News und Buntes bieten stattdessen die Nachrichtenmagazine, darunter das den Vorbildern Times und Spiegel nachempfundene L'Express.

Die Presseverlage sind nicht sehr finanzstark. Die Regionalzeitungen befinden sich zumeist noch in Familienbesitz. Die nationalen Zeitungen haben im Lauf der Zeit ihr Kapital geöffnet bzw. planen den Börsengang, um ihre Entwicklung zu Verlagsgruppen zu finanzieren. An Rundfunkmedien ist die Presse nur marginal beteiligt. Und die Nummer zwei auf dem Zeitschriftenmarkt, Prisma Presse, die französische Filiale von Gruner + Jahr (Bertelsmann) beschränkt sich auf das Segment der Publikumszeitschriften: Programmis, Produkte wie "Geo" oder "Capital" sind auch in Frankreich ein boomendes Geschäft.

Medienkonzentration

Der französische Medienmarkt ist hoch konzentriert - eine Entwicklung, die vom Staat gefördert wird: Medienpolitik ist auch Industriepolitik. Sechs Konzerne teilen sich den Markt mit den staatlichen Anstalten France Télévisions (nur Fernsehen) und Radio France (Hörfunk).

Die Grenzen dieser Politik veranschaulicht das Beispiel des Mischkonzerns Vivendi Universal (VU). Ursprünglich war er allein in den Branchen Versorgung und Transport tätig. Ab Mitte der 1990er Jahre fuhr der neue Vorsitzende, Jean-Marie Messier, einen dezidierten Diversifizierungs-Kurs. Er stieg in neue Sparten ein (Telekommunikation zusammen mit Vodafone) und kaufte Unternehmen auf, darunter das Herzstück seiner Medienbeteiligungen: die Canal-Plus-Gruppe mit Canal+ und der Satellitenplattform CanalSatellite. Die Gruppe ist ebenfalls Frankreichs führender Filmproduzent. Aber mit dem forcierten Wachstum im In- und Ausland übernahm sich der Konzern und musste 2002 Insolvenz anmelden. Vom kurzzeitigen "Global Player" bleiben heute allein die TV- und Filmbeteiligungen übrig.

Die anderen Konzerne folgen einer solideren Strategie, aber auch sie docken die jungen Medienbeteiligungen an ihr industrielles Kerngeschäft an. Die Banken sind nur geringfügig an Unternehmen beteiligt, die Presseverlage sind zu schwach, und eine allzu breite Kapitalstreuung auf den Börsenmärkten würde die Transparenz der Besitzverhältnisse verringern. Da bleibt für die Medien allein Industriekapital.

Die Bouygues SA, einer der weltweit führenden Baukonzerne, der außerdem eins der drei französischen Mobilfunknetze betreibt, ist federführender Gesellschafter der TF1-Gruppe mit TF1 sowie diversen Kabelprogrammen wie dem News-Kanal LCI. Hinzu kommen eine Beteiligung an der Satellitenplattform TPS sowie die Film- und AV-Produktion (Krimiserie Navarro).

Der Rüstungskonzern Lagardère Group ist Frankreichs führender Verlags- und Radiokonzern. Unter dem Dach der Filiale Hachette sind Druckereien, Buchverlage (Wörterbuch Larousse) und Zeitschriften (Paris Match, Elle) sowie das Pressevertriebsmonopol Nouvelles Messageries de la Presse Parisienne (NMPP) vereint. Seit der Privatisierung der Radiogruppe Europe 1 im Jahr 1986 gehört dem Rüstungskonzern ein Drittel des Radiomarktes. Die noch geringen Fernsehbeteiligungen sollen im Rahmen der Einführung von digitalem terrestrischem Fernsehen ab 2005 ausgebaut werden. Dafür ist der Rückzug aus dem Rüstungsgeschäft geplant.

Suez, in der Energie- und Wasserversorgung tätig, zieht sich seinerseits aus den Medien zurück, um sich aufs Kerngeschäft zu konzentrieren. Seine Beteiligung an M6 galt als strategisch, denn M6 gehört heute zu 48,39 Prozent dem europäischen Medienkonzern RTL Group, der ebenfalls Hauptaktionär der Radiogruppe RTL ist. Nun war RTL Group Ende des Jahrhunderts aus der Fusion CLT/Bertelsmann entstanden, und Suez kam die Rolle zu, ein Gegengewicht zu den Deutsch-Luxemburgern zubilden. Der politisch diffizile Verkauf seiner M6-Beteiligung Anfang 2004 (RTL Group durfte einen Teil davon übernehmen, musste im Gegenzug aber seinen Stimmrechtsanteil auf 34 Prozent beschränken) hat gezeigt, dass die Konzentrationsregelung dringend gelockert werden muss. Bisher darf ein Gesellschafter höchstens 49 Prozent des Kapitals an einem Rundfunkanbieter halten, was das Wachstum der Branche behindert.

Untypisch ist die NRJ Group. Sie entstand 1981 als kleiner Jugendsender und gehört mittlerweile zu den Großen auf dem Radiomarkt mit einer Reihe von Musik- und Jugendsendern sowie Beteiligungen in Deutschland (Energy). Ihr Gründer Jean-Paul Baudecroux ist bis heute federführender Gesellschafter geblieben und plant den Einstieg ins digitale terrestrische Fernsehgeschäft.

Die Rechtsform einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt ist in Frankreich unbekannt: France Télévision und Radio France gehören dem Staat - genauer: der Regierung -, die sie über eine Steuer (Fernsehgebühr) auch finanziert. Über die Verteilung der Gelder entscheidet jährlich das Parlament. Als das staatliche Rundfunkmonopol 1982 aufgehoben wurde, bestand nur die Möglichkeit, Privatunternehmen als Konkurrenz zuzulassen, denn eine gesamtgesellschaftliche Kontrolle, wie sie in Deutschland existiert, war und ist in Frankreich nicht vorstellbar. Liberalisierung bedeutet daher zwangsläufig Entlassen aus dem Staatsmonopol und Privatisieren. Dass Qualität der Berichterstattung sehr wohl mit reiner Werbefinanzierung vereinbar ist - das verdeutlicht Radio RTL seit 70 Jahren.

Insgesamt ist der Werbemarkt in Frankreich nur halb so groß wie in Deutschland. 2003 betrugen die Werbeeinnahmen der Medien circa neun Milliarden Euro. Davon gingen etwa 36 Prozent an Tageszeitungen und Zeitschriften, 33 Prozent ans Fernsehen und sieben Prozent an den Hörfunk - doppelt so viel wie in Deutschland.

Als dringend reformbedürftig erweist sich die Konzentrationsregelung. Weil sie pro Rundfunkanbieter mindestens drei Anteilseigner verlangt (Konsortialmodell) und somit den Markteintritt neuer Akteure behindert, kann der Medienmarkt nicht mehr wachsen. Doch mit der Einführung von digitalem terrestrischem Rundfunk und dem Ausbau der Telefon- und Kabelnetze zu "Medienautobahnen" mit Internet- und Rundfunkdiensten dürfte auch die Begründung für die Zulassungsbegrenzung entfallen: die Frequenzknappheit. Diese Entwicklung betrifft alle europäischen Medienmärkte.

Philippe Estèbe, übersetzt von Holger Fock

Zur Person

Philippe Estèbe, übersetzt von Holger Fock

Dr., arbeitet als Dozent an der Universität Toulouse II. Außerdem ist er als Senior Consultant im Beratungsbüro Acadie in Paris tätig. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Stadt- und Raumordnungspolitik.

Kontakt: estebe@univ-tlse2.fr


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