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13.1.2006

"Fremde" in den Medien

Die Medien prägen das gesellschaftliche Bild von Ausländern und "Fremden" durch die Art der Aufbereitung entscheidend. Ihnen kommt daher eine besondere Verantwortung zu.

Der Comedian Kaya Yanar spielt mit Vorurteilen, vor allem gegenüber der türkischen Bevölkerung. (© picture-alliance/AP)


Einleitung



Die durch Anwerbeabkommen in den 1950er und 1960er Jahren zugewanderten Ausländer sahen sich zwar mit Vorbehalten konfrontiert, doch hat ihre Anwesenheit in Deutschland keine öffentliche Debatte ausgelöst. Sie wurden als "Gastarbeiter" nach Deutschland geholt in einer Phase des Arbeitskräftemangels. Ihr Aufenthalt sollte zeitlich begrenzt sein, eine Integration war nicht vorgesehen.

Der Anstieg der Aufenthaltsdauer und der Familiennachzug, die zu einer dauerhaften Anwesenheit eines Bevölkerungsteils ausländischer Herkunft führten, sowie die schlechte wirtschaftliche Lage ließen seit den 1980er Jahren die Zuwanderung zum Dauerthema in der Öffentlichkeit werden.

Bestimmte Medien sind in der Auseinandersetzung um Asyl, Zuwanderung, Staatsbürgerschaftsrecht, "deutsche Leitkultur", "Kinderstatt-Inder"-Kampagnen und "Fremdarbeiter" eben nicht nur Spiegel der öffentlichen Meinung, sondern schüren als Meinungsmacher durch die Art der Vermittlung medialer Wirklichkeit rassistische Vorurteile.

Der kritische Umgang mit Medien erfordert Wissen um Mechanismen und Subjektivität der Berichterstattung: Kritische Konsumenten und Medien, gegebenenfalls auch Gerichte, können gegenüber solchen Erscheinungen als Regulativ fungieren. Sie fordern die Einhaltung des Pressekodex und die Gewährleistung des Medienauftrags in einer Demokratie. Medien erfüllen danach eine Der Pressekodex des deutschen Presserats in seiner letzten Fassung vom 2. März 2005 formuliert im Wesentlichen folgende publizistische Grundsätze zur Wahrung der journalistischen Berufsethik: Debatten über wichtige gesellschaftspolitische Fragen finden heute im Wesentlichen in den Medien statt, sie sind der Ort der politischen Kommunikation. Presse und Fernsehen bieten allerdings nicht nur ein Forum und fungieren als schlichte Beobachter und Berichterstatter, sondern sie beeinflussen den Diskurs auch. Ihre Einflussnahme geschieht je nach politischer, wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Anbindung oder mit Rücksicht auf die jeweilige Leserschaft. So argumentiert etwa die Boulevardpresse häufig populistisch und lässt - gepaart mit der vereinfachten Darstellung von Sachverhalten und der Reduzierung auf effekthascherisch verkürzte Kernaussagen - ein Bild entstehen, das allenfalls einem Ausschnitt der Realität entspricht und anstatt zu informieren, Emotionen weckt und Klischees bestärkt.

Obwohl sich in den letzten Jahren eine differenziertere Berichterstattung durchzusetzen beginnt, hat eine repräsentative Untersuchung der Universität Jena von 285 Nachrichtenmeldungen der vier großen Fernsehsender im Jahr 2003 ergeben, dass sich zwei Drittel der Beiträge über Ausländer mit den Themen Kriminalität und Terrorismus beschäftigen. Positive Veränderungen zeigten sich hingegen in Bezug auf die aktive Präsenz von Ausländern im Fernsehen. Gegenüber 1987, als Ausländer dort noch kaum selbst zu Wort kamen, waren 2003 16 Prozent der Zuwanderer mit eigenen Wortbeiträgen vertreten.

Die Medien sind also als Mittler zwischen Bevölkerung und Politik Teil des gesellschaftlichen Diskurses, den sie beeinflussen. Ihnen obliegt auf diese Weise eine nicht zu unterschätzende Verantwortung bei der Eskalation bzw. Deeskalation von fremdenfeindlichem Verhalten. Je selbstverständlicher Menschen mit migrantischem Hintergrund Teil der Medienlandschaft sind, desto eher wird Vorurteilen entgegengewirkt.

Gewalt und Medienverantwortung



Im Zusammenhang mit der Asylrechtsdebatte und der Abschaffung des Grundrechts auf Asyl (Änderung des Artikels 16 GG) in den 1990er Jahren sind die Medien erstmals massiv kritisiert und für die Eskalation der Gewalt mitverantwortlich gemacht worden. Das Fernsehen zeigte die immer gleichen Bilder: Schlangen von Asylbewerbern vor überfüllten Ämtern, denen Bilder marschierender und randalierender Neonazis gegenüberstanden. Konkurrenzkampf um die dramatischsten Bilder und provokantesten Äußerungen aus der rechtsextremen Szene machten die gewaltbereiten Jugendlichen zu Negativhelden in der Medienberichterstattung über die Angriffe auf Asylbewerberheime und Ausländer. Inzwischen ist die auf solche Effekte ausgerichtete Berichterstattung zurückgegangen, und man versucht, ein differenzierteres Bild zu zeichnen. Allerdings hat auch das Interesse an der Gewalt von Neonazis nachgelassen. Dies wiederum lässt den Eindruck entstehen, rechtsextremistische Übergriffe auf "Fremde" seien seltener geworden. Die Zahlen des Verfassungsschutzes über rechtsextremistische Gewalttaten belegen für die Jahre 2001 bis 2004 zwar einen Rückgang fremdenfeindlicher Übergriffe, das Niveau der Straftaten mit Körperverletzung liegt aber immer noch hoch. Im ersten Halbjahr 2005 stieg die Zahl der rechtsextremistischen Straftaten sogar stark an, ohne dass die Medien dies angemessen berücksichtigt hätten. Medienaufmerksamkeit und das tatsächliche Ausmaß der Probleme stehen also nicht immer im Zusammenhang.

Die Thematisierung der Migration ließ oft auch den sorgsamen Umgang mit Begrifflichkeiten vermissen. So wurde der mit negativen Assoziationen behaftete Terminus "Asylant" in den 1980er Jahren in diffamierender Absicht von den Gegnern der deutschen Asylrechtspraxis systematisch verbreitet. Einen Beitrag zur Differenzierung leisten dagegen Formulierungen wie Asylbewerber, Bürgerkriegsflüchtling, Arbeitsmigrant. Es sind nicht die einzelnen Artikel oder Fernsehberichte, die die Konsumenten im Gedächtnis behalten, sondern die immer wiederkehrenden Bilder, die sich wiederholenden Klischees und Wortspiele, die sich festsetzen und das Bewusstsein prägen. Die eigene Gesellschaft erscheint als geordnetes Lebensgefüge, jene der Migranten wird unter Verwendung alter Stereotype als chaotisch beschrieben.

Deutsche Jugendliche glauben laut der Shell-Studie von 2002, in Deutschland lebten zu viele Ausländer. Prägend für solche Einstellungen dürften in hohem Maße die Medien und vor allem das Fernsehen sein. Eine Studie, die von der "Unabhängigen Landesanstalt für Rundfunk und neue Medien" in Auftrag gegeben wurde, sollte den Einfluss des Fernsehens auf das Ausländerbild von Kindern und Jugendlichen ermitteln. Die Daten wurden im Frühjahr 2002 erhoben. Ausländer - häufiger Männer als Frauen - sind in daily talks, in Gerichtsshows, in daily soaps und in Magazinen, die die Sehgewohnheiten der Jugendlichen prägen, überall vertreten. Sie spiegeln aber nicht die Lebensumstände der Zuwanderer in Deutschland wider.

In den daily talks überwiegen zumeist türkischstämmige Machos, die beim Publikum negative Gefühle provozieren, in Gerichtsshows sind Ausländer Opfer und Zeugen, aber vor allem Täter. Die Darsteller sind so gewählt, dass sie meist mit Aussehen, Kleidung und dargestelltem Lebensalltag die gängigen Klischees bedienen. In den Beiträgen der Boulevardmagazine (wie "Explosiv", RTL; "Hallo Deutschland", ZDF; "K1 - Das Magazin", Kabel 1) über Kriminalität und Verbrechen (Vergewaltigung, Drogenkriminalität, Raubüberfälle, Kindesentführung) ist jeder dritte Täter ein Ausländer. Türken und Osteuropäer sind am häufigsten vertreten. Dies entspricht keineswegs den Daten der Kriminalstatistik, in der nur jeder fünfte Tatverdächtige ausländischer Herkunft ist. In den Soap-Serien sind Ausländer oder Menschen nichtdeutscher Herkunft durchaus präsent, allerdings überwiegend EU-Ausländer aus "guter Gesellschaft". So wird einem multikulturellen Anspruch zwar entsprochen, aber die Lebenswelten der größten Migrantengruppen bleiben ausgespart.

Gefahren und Chancen im Internet

Wer im Internet surft, findet zum Thema Ausländer eine unüberschaubare Vielfalt von Informationen und Anbietern. Das Internet ist durch seine Offenheit für Datenaustausch und Kommunikation über Ländergrenzen hinweg eigentlich als internationales Medium angelegt und verhindert eine Begrenzung auf nationale Verhältnisse.

Mediale Beispiele



Die auflagenstärkste Zeitung in Deutschland - "Bild" - gehört zu jenen Printmedien, die nicht selten mit den Ängsten der Bevölkerung spielen und die öffentliche Meinung mit populistischen Mitteln beeinflussen. Im Frühjahr 2004 wurde die "Bild"-Redaktion in Bremen öffentlich vom Deutschen Presserat gerügt, weil sie gegen das Diskriminierungsverbot im Pressekodex verstoßen hatte. Die Zeitung hatte für eine Serie über angeblich kriminelle Libanesen mit Schlagzeilen wie "Hier wohnt Bremens schlimmste Asyl-Familie" und "Die Asylabzocker" gearbeitet.

Nach der Ermordung des Münchner Schickeria-Mitglieds Rudolph Moshammer titelte "Bild" im Januar 2005: "Der perverse Mosi-Mörder: Er ist Asylant - Sie guckten Pornofilme - Er verlangte 2000 Euro für Sex". Die Zeitung stellte damit indirekt die Herkunft des Täters in einen Zusammenhang mit spezifischen Zuschreibungen (Mörder, Callboy, Perverser). Das Auge des Lesers fiel unmittelbar auf das Bild des Mörders, das mit der Bildunterschrift versehen war: "Er ist Asylant aus dem Irak." Einmal mehr wurde der Eindruck erzeugt, die Tat hätte etwas mit der Herkunft des Täters zu tun gehabt.

Am 18. November 2004 hatte "Bild" Bundesminister Trittins Äußerung über die Möglichkeit, Muslimen einen Feiertag zuzugestehen, ohne dass ihnen Benachteiligungen am Arbeitsplatz entstehen, zur Schlagzeile gemacht und mit einer großen Montage versehen, die eine unüberschaubare Menge betender Muslime vor dem Reichstag zeigt. Die Zeitung griff offenbar diffuse Ängste in der Bevölkerung vor einer Islamisierung der Gesellschaft auf und erweckte mit der Montage den Eindruck, als ob die Muslime den öffentlichen Raum durch ihre Religion prägen (Gebet vor dem Nationalsymbol Reichstag) und Deutschland in einen Gottesstaat verwandeln wollten. Wenige Tage später (24. November 2004) kam "Bild" noch einmal auf das Thema zurück. Unter dem Titel "Herr Trittin, wollen Sie etwa Moslem werden?" wurde eine Bildcollage präsentiert, die Trittin mit Turban und mit einer Sprechblase in arabischer Sprache zeigte. Dadurch schürte die Zeitung erneut Ängste vor einer Islamisierung von Politikund Gesellschaft.

Auch der "Spiegel", jenes Nachrichtenmagazin, das für gründliche Recherche bekannt ist und politische Prozesse und Entscheidungen durchsichtiger zu machen sucht, begibt sich bisweilen auf eine populistische Ebene.

Der "Spiegel" polarisiert mit Titelseiten wie dem Bild eines überfüllten Bootes und der Titelzeile "Der Ansturm der Migranten - Europa macht dicht" (25/2002) oder dem Foto einer jungen Frau mit Kopftuch, die die gesamte Titelseite einnimmt und mit der Überschrift "Das Prinzip Kopftuch - Muslime in Deutschland" suggeriert, Muslime in Deutschland seien überwiegend tief religiös und vor allem Frauen seien diesem Kodex unterworfen (30/2003). Die "Frau mit dem Kopftuch" findet sich in den Medien immer wieder als Symbol für Menschen mit migrantischem Hintergrund.

Schlagwort "Ausländerkriminalität"



Untersuchungen haben ergeben, dass die Zahl der fremdenfeindlichen Straftaten immer dann anstieg, wenn das Thema "Asylmissbrauch" im Zentrum des öffentlichen Interesses stand. Die Medien haben darauf nicht nur reagiert, sondern als Mittler zwischen Politik und Bevölkerung, aber vor allem als Gestalter des Diskurses agiert und damit das Massenbewusstsein beeinflusst.

Nach der Grundgesetzänderung des Asylrechts 1993 verlor das Thema Zuwanderung zeitweise an Bedeutung und wurde durch die Problematisierung einer organisierten Kriminalität mit Schlagworten wie "Russen-Mafia" abgelöst. Die "Asylantenflut" wurde durch Kriminalitätszuschreibungen und den vermeintlichen Missbrauch des Sozialstaates ersetzt. Politiker und Presse entwarfen Bedrohungsszenarien, in deren Mittelpunkt die "Ausländerkriminalität" stand. Berichte über ausländische Syndikate und Drogenkartelle, Schutzgelderpressung, Schieberbanden und Mädchenhandel beeinflussen noch immer das Bild der Ausländer in Deutschland. Dies zeigte sich erneut im Zusammenhang mit der Visa-Affäre 2004/2005, als die Presse mit der umstrittenen liberalen Visa-Vergabe an Ukrainer den Eindruck erweckte, ukrainische Kriminelle und Schwarzarbeiter würden massenweise das Land überfluten und die Zwangsprostitution hätte dramatisch zugenommen. Statistiken zeigen, dass Schwarzarbeit mehrheitlich von Inländern geleistet wird und die eine Million Ukrainer, die in den Jahren 1998 bis 2004 Deutschland besuchten, weder in der Kriminalstatistik noch bei der Prostitution relevant in Erscheinung traten.

Eine im Jahr 2003 durchgeführte Untersuchung des WDR-Fernsehprogramms macht deutlich, dass es gegenüber den 1990er Jahren durchaus positive Veränderungen gibt. In den letzten Jahren haben Beiträge zugenommen, in denen Personen mit migrantischem Hintergrund ohne einen direkten Zusammenhang mit einem Migrationsthema präsent sind, also eine Normalität des Zusammenlebens verschiedener Ethnien widerspiegeln. Positive bzw. sachlich neutrale Darstellungen überwiegen, wobei auch ein kritisches Problembewusstsein seinen Platz hat.

Die Folgen des 11. September 2001



Nach den Terroranschlägen in New York und Washington im September 2001 wurden der islamistische Terror schnell auf "den Islam" reduziert und Muslime, die in Deutschland leben, mit den Anschlägen in Verbindung gebracht. Der Spiegel stilisierte die Anschläge zum "Krieg der Welten" (15. Oktober 2001), also zum Krieg der islamischen gegen die westliche Welt. Das Spiegel-Dossier vom 1. Juli 2003 "Islam: Allahs blutiges Land" entwarf in ähnlicher Weise ein Feindbild von "dem Islam". Zwar sind die Warnungen vor einer Bedrohung durch eine kleine Gruppe militanter islamistischer Terroristen nachvollziehbar - eine Gleichsetzung von Islam und Terror entspricht jedoch nicht der Realität. Es ist zu befürchten, dass solche Pauschalisierungen das Verhältnis zu Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland mit migrantischem muslimischem Hintergrund belasten werden.

Fernsehen



Das Fernsehen prägt gerade bei der jüngeren Generation mehr noch als die Printmedien Meinungen, (Vor-)Urteile und Klischees. Deshalb gehört es zu den wichtigsten Instrumenten, um interkulturelle Phänomene zu vermitteln. Filme über andere Kulturen können den Blickwinkel und das Wissen erweitern. Fernsehserien wie "Tatort" und "Lindenstraße" versuchen, die Themen "Ausländer in Deutschland" und "Rechtsextremismus" in Form von Milieustudien zu präsentieren, auch Talkshows behandeln immer wieder entsprechende Fragestellungen.

Es gibt durchaus Sympathieträger, deren Rollen nicht auf ihren migrantischen Hintergrund reduziert werden, sondern "Normalität" spiegeln: Dies ist zum Beispiel der Fall bei Miroslav Nemec (kroatischer Abstammung) als Tatortkommissar Ivo Batic (ARD) oder bei Erdogan Atalay (türkischer Herkunft) als Autobahnpolizist Semir Gerkhan in "Alarm für Cobra 11" (RTL). Als Nemec 1991 zum Tatortkommissar avancierte, war dies ein Rollenwechsel, denn in seinen vorherigen Rollen in den Krimreihen "Derrick" und "Der Fahnder" hatte er häufig den Bösen zu verkörpern. Kriminalserien haben in den letzten Jahren auch dazu beigetragen, das Rollenbild der Frauen ausländischer Herkunft auf dem Bildschirm zu verändern. Als Kommissarinnen, Schutzpolizistinnen und Fahnderinnen vertreten sie deutsche Ordnungsprinzipien.

Michael Bommes vom Rat für Migration hält es für wichtig, dass Migrantinnen und Migranten als "Durchschnittsbestandteile" des Fernsehens - vom Schauspieler bis zum Nachrichtensprecher - präsent sind. Der Medienpädagoge Bernd Schorb fordert mehr "fremde" Gesichter im deutschen Fernsehen, und zwar nicht nur "als plakative Ausländer, sondern als normale Mitbürger". In dieser Hinsicht sind die Privatsender bereits einen Schritt weiter als ARD und ZDF. Ausländer sind als Moderatoren, Autoren oder Reporter stärker integriert. Die Türkin Gülcan Karahanei moderiert beim Musiksender Viva. Die Sendungen "Was guckst du?!" auf SAT 1 mit Kaja Yanar und Erkan (PRO 7 "headnut.tv") mit deutsch-türkischem Hintergrund kommen bei Jugendlichen gut an. Allerdings bleibt es fraglich, inwiefern sie das Ausländerbild tatsächlich beeinflussen, weil sie in erster Linie als Stars wahrgenommen werden.

Medieninitiativen



Die Ereignisse zu Beginn der 1990er Jahre und die massive Kritik an der medialen Vermarktung führten zu einem Umdenken in den TV- und Zeitungsredaktionen. Im August 2000 entstand auf Initiative der Zeitung "Die Woche" das Internetportal "Netz gegen Rechts". 21 namhafte deutschsprachige Print- und Bildmedien hatten sich zusammengeschlossen, um Beiträge zum Thema Rechtsextremismus zu bündeln. Nachdem die "Woche" ihr Erscheinen im März 2002 eingestellt hatte, fand sich jedoch kein Nachfolger, um das Projekt weiter zu betreiben. Die seit März 2003 wieder online verfügbare Seite www.NetzGegenRechtsextremismus.de präsentiert sich jetzt als Informationsplattform, bietet allerdings keine interaktiven Möglichkeiten mehr.

Die Illustrierte "Stern" engagiert sich weiterhin im Internet mit der Seite "Mut gegen rechte Gewalt", an der sich auch eine ganze Reihe von Prominenten beteiligen. Mitglieder der nordrhein-westfälischen Sektion des Deutschen Journalistenverbandes riefen 2005 die Aktion "Journalisten gegen Rassismus" ins Leben, die auf Bundesebene ausgedehnt werden soll. "Wir wollen den Journalisten ins Gedächtnis rufen, wie schnell man durch leichtfertiges Nutzen von diffamierenden Begriffen, durch unbegründete Distanziertheit und Misstrauen gegenüber fremden Kulturen ein falsches Bild vermitteln kann. Journalisten haben eine besondere Verantwortung gegenüber ihren Lesern, Hörern und Zuschauern, die gerade bei solch sensiblen Themen nicht unter Unwissenheit oder Gedankenlosigkeit leiden darf", so der Bundesvorsitzende des Journalistenverbandes, Michael Konken.

Initiativen wie "Mehr Farbe in den Medien" wollen die Präsenz von Personen mit migrantischem Hintergrund in der Medienproduktion stärken. Der WDR hat im Mai 2003 den Italiener Gualtiero Zambonini und Leiter des multikulturellen Radioprogramms "Funkhaus Europa" zum "Beauftragten für Integration und kulturelle Vielfalt" ernannt. Zambonini hat in den letzten Jahren intensiv für die journalistische Ausbildung junger Leute mit Migrationshintergrund geworben.

Vor allem Jugendliche mit migrantischem Hintergrund können sich weder mit Sendungen aus dem Heimatland ihrer Eltern und Großeltern noch mit den deutschen Programmen identifizieren. Daher wird es künftig darauf ankommen, dieser Klientel gerecht zu werden und sie als wachsende Zielgruppe in den Medien ernst zu nehmen. Sender und Produktionsfirmen müssen den Anteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit migrantischem Hintergrund erhöhen - und zwar nicht nur hinter den Kulissen, sondern vor allem bei den Moderatoren, Nachrichtensprechern und Journalisten. Das wird zu einer "Normalisierung" im Verhältnis von Mehrheitsbevölkerung und Menschen ausländischer Herkunft und damit zum Abbau von Vorurteilen beitragen.

Interkulturelle Programme

Seit September 2003 sendet der Westdeutsche Rundfunk samstags das interkulturelle Fernsehmagazin "Cosmo TV" (als Nachfolger von "Babylon" und "Vetro"), das junge Leute mit migrantischem Hintergrund der zweiten und dritten Generation ebenso ansprechen soll wie deutsche Jugendliche. Beiträge und Talkrunden werden von jungen Journalisten mit unterschiedlichem migrantischen Hintergrund redaktionell betreut und moderiert. Die Sendung beschäftigt sich mit aktuellen Themen wie Kopftuchstreit, Irakkrieg, Antidiskriminierungsgesetz, "Gefahr Islam" und Wahlen zum Integrationsbeirat. Die Sendung "Radiomultikulti" des Rundfunks Berlin Brandenburg (RBB) versteht sich ebenso als Bindeglied zwischen deutschen Hörerinnen und Hörern und jenen migrantischer Herkunft.

Juliane Wetzel

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