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10.8.2011

Podium mit Livestream und Twitterwall

Publikum über das Netz einbinden

Dieses Beispiel beschreibt traditionelle Abendveranstaltungen, bei denen einzelne oder mehrere Vortragende oder Diskutanten im Zentrum stehen. Eine Twitterwall und eine Video-Übertragung erweitern die Zielgruppe und fördern den Dialog mit dem Publikum.

Dieses Beispiel soll stellvertretend für traditionelle Abendveranstaltungen stehen, die i.d.R. auf 90 bis 120 Minuten angelegt sind und einen Vortragenden oder mehrere Diskutanten ins Zentrum stellen. Im Folgenden ist von einem Referenten die Rede, aber alle Überlegungen lassen sich genau so auf mehrere Referenten / Diskutanten auf einem Podium anwenden.

Grobkonzeption / Methodik
Der klassische Vortrag: Ein Referent trägt vor, mit oder ohne Beamer-Unterstützung. Nach 50 Minuten wird das Publikum von einem Moderator eingeladen, Fragen und Kommentare einzubringen, auf die der Referent jeweils mehr oder weniger ausführlich antwortet. Nach 90 Minuten ist die Veranstaltung beendet. Vereinzelt ist es in der Diskussionsphase auch möglich, dass sich Teilnehmende in ihren Beiträge auf die Beiträge von anderen Teilnehmenden beziehen.

Im vorliegenden Fall wird das Veranstaltungsformat ergänzt: Die Bühne / der Referent wird per Video als Livestream via Internet gesendet. Außerdem gibt es eine Twitterwall: An die seitliche Wand des Raums werden alle Tweets gebeamt, die zur Veranstaltung getwittert werden.

Dadurch entsteht nicht nur eine größere Reichweite mit Rückkanal. Zusätzlich gibt es auch eine Ebene, auf der die Teilnehmenden sich untereinander austauschen können bzw. beobachten können, was andere zum Vortrag denken.

In der Fragen-und-Antwort-Phase kann der Referent auch auf Beiträge der Twitterwall eingehen. Als Variation kann der Referent die Twitterwall auch ignorieren und der Moderator oder ein gesonderter "Twitter-Korrespondent" wählt Beiträge aus, die er in die Diskussion vor Ort einbringt.

Zielgruppe und Zielsetzung
Das grundsätzliche Format ändert sich in diesem Fall durch den Web 2.0 Einsatz nicht. Dadurch können Teilnehmende vor Ort die Veranstaltung auch "auf tradionelle Art und Weise" wahrnehmen, wenn sie das bevorzugen. In diesem Sinne wird die Zielgruppe nur erweitert durch Menschen, die nicht vor Ort dabei sein können oder wollen. Außerdem wird das erweiterte Publikum ermuntert, eigene Erfahrungen, Meinungen und Fragen in den virtuellen Raum einzubringen, wo dann häufig Diskussionen untereinander entstehen, die nicht an den Referenten gebunden sind.

Nicht zu vernachlässigen ist auch eine unbestimmte Zielgruppe, die das Video als Aufzeichnung noch Tage, Monate oder gar Jahre nach der Veranstaltung finden kann.5

Erfahrungen
Zu diesem Format sind schon einige Erfahrungen vorhanden. So wird eine Twitterwall zum Beispiel häufig nicht via Twitter, sondern über einen Chat organisiert. Ein weiteres, inzwischen häufig übliches Verfahren ist es, dass die Twitterwall / der Chat zwar die gesamte Zeitdauer über virtuell stattfindet, dass die Projektektion in den Vortragsraum aber erst zur Frage-und-Antwort-Phase eingeschaltet wird.

Für die Durchführung vor Ort empfiehlt es sich auch, gleich zu Beginn auf Livestream und Aufzeichnung hinzuweisen. Es ist möglich, dass diese Tatsache Teilnehmende vor Ort zusätzlich motiviert oder abschreckt, Fragen zu stellen. Dafür hilft es, wenn deutlich gemacht wird, dass fragende Teilnehmende nicht im Bild übertragen werden.

Eine weitere, häufig beobachtete Erfahrung: Der Rückkanal für Fragen aus dem Internet wird gut angeommen. Wichtiger für die Online-Teilnehmenden ist aber, dass der Austausch untereinander stattfinden kann, während vor Ort ja in der Regel nur das vergleichsweise triviale, sternförmige Kommunikationsmuster "Teilnehmer fragt und kommentiert, Experte antwortet" vorherrscht.

Noch offen ist die Frage, wie stark Teilnehmende vor Ort wegbleiben, wenn sie wissen, dass eine Veranstaltung auch online, live oder als Aufzeichnung, zu sehen ist.

Auch zu beachten ist, dass viele Referenten ihre Folien mit urheberrechtlich problematischem Material versehen, was bei der Dokumentation online eine neue Dimension erhält.

Jöran Muuß-Merholz

Jöran Muuß-Merholz Zur Person:

Jöran Muuß-Merholz

Jöran ist Diplom-Pädagoge und freiberuflich in verschiedenen Bildungsbereichen aktiv. Am liebsten mag er Schnittmengen aus 1. Bildung / Lernen, 2. Medien / Kommunikation und 3. Management / Organisation. Er arbeitet an pb21.de mit und ist Betreiber der Agentur Jöran und Konsorten.


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