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14.2.2017

Technik, Kritik, Methodik – Herausforderungen an Medienpädagogik heute

Kristin Narr am 03.03.2017

Medienpädagoginnen und Medienpädagogen konnten bislang vorwiegend klare Handlungsempfehlungen aussprechen. Angesichts von Big Data und der "Datafizierung" der Gesellschaft wird dies aber zu einer immer größeren Herausforderung. Medienpädagogin Kristin Narr gibt in ihrem Gastbeitrag einen Überblick über die neuen Aufgaben der Medienpädagogik.

Das 33. GMK-Forum Kommunikationskultur (bpb / bearbeitet / Lizenz: CC BY-SA 4.0)


"Es gab eine Zeit, in der Medienpädagoginnen und Medienpädagogen mit ungefährer Sicherheit Handlungsempfehlungen geben konnten, weil die Konsequenzen und somit die Risiken kalkulierbar waren – diese Zeit ist vorbei."[1] Keine Medienpädagogin und kein Medienpädagoge, so Matthias Andrasch, könne ernsthaft und mit gutem Gewissen mehr sagen, was in Bezug auf die Nutzung von heutigen oder zukünftigen Online-Diensten, Apps oder Geräten einmal zum Vorteil oder Nachteil für die Nutzenden werden könnte. Der Grund: die zunehmende Möglichkeit, vielfältige Daten aus verschiedenen Quellen zu erheben, auszuwerten und sie als komplexes Geflecht zueinander in Beziehung zu setzen. Diese Veränderung bezeichnet Andrasch als "Data Breakthrough". Durch das Erreichen des "Data Breakthrough" seien die Konsequenzen für unser Handeln nicht mehr kalkulierbar.

Wie soll die Medienpädagogik damit umgehen? Für Medienpädagoginnen und Medienpädagogen bringt es letztlich die Notwendigkeit und die Chance mit sich, die eigene Disziplin sowie Haltungen und Arbeitsweisen zu überprüfen und zu verändern.

Der folgende Überblick über Themen und Erscheinungen, mit denen sich die Medienbildung und Medienpädagogik intensiver auseinandersetzen sollte, ist vor dem Hintergrund der Diskussionen um "Big Data" und der sogenannten "Datafizierung" entstanden und stellt Bezüge zum letzten Forum Kommunikationskultur der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) her.[2]

Problembewusstsein, Verstehen und Kompetenzentwicklung

In der Medienpädagogik geht es schon immer – und heute mehr denn je – darum, den Gegenstand zu kennen (Problembewusstsein), seine Bedeutung zu verstehen, und darum, einen Umgang mit ihm zu finden (Kompetenzentwicklung).

Ein Problembewusstsein bei den Themen Datensammlung und Datenverarbeitung zu entwickeln, etwa in Bezug auf die Chat-Anwendung WhatsApp, ist nicht einfach. Aussagen wie "Ich habe doch nichts zu verbergen!" oder auch "Was macht das schon? Das hat nichts mit mir zu tun", sind keine Seltenheit. Es macht den Anschein, als gäben einige Menschen gern alles von sich preis und als sei es ihnen gleichgültig, was mit ihren Daten passiert. Die Schwierigkeit liegt darin, dass Vielen oft gar nicht klar ist, dass ein Problem überhaupt vorliegt, geschweige denn, welche Konsequenzen es hat. Fragt man sie nach ihren persönlichen Ansichten zu verschiedenen Themen, wird schnell deutlich, dass jeder und jede bestimmte Dinge für sich behalten möchte und dafür konkrete Anforderungen hat. "Wir verbergen selektiv und beanspruchen Konventionen, Transparenz und Kontrolle", so die Medienpädagogin Isabel Zorn, die damit beispielsweise unser Privatleben, Antipathien und Probleme meint.[3] Dieses Prinzip ist vergleichbar mit Inhalten, die wir lieber in einem Briefumschlag verschicken, anstatt sie öffentlich und für alle lesbar auf eine Postkarte zu schreiben.

In Analogie zum verschlossenen Brief, gibt es in der digitalen Welt Verschlüsselungssysteme, um die eigenen Inhalte online nicht für alle sicht- und nutzbar zu machen. Auch wenn solche Bilder bei der Vermittlung eines Problembewusstseins schnell an ihre Grenzen stoßen, so können sie anfangs verdeutlichen, dass es in analogen und digitalen Kontexten sehr ähnliche Umstände, Bedürfnisse und Probleme gibt.

Das tatsächliche Verstehen der konkreten Anwendungen und die Fähigkeit, sie in einem gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang einzubetten, bringt neue Herausforderungen mit sich. Medien- und Informationstechnologien gehen laut Harald Gapski vom Grimme-Institut in "Siebenmeilenstiefeln und mit exponentiellen Schritten" voran, während "Medienbildung versucht, reflexiv Schritt zu halten".[4] Es besteht kaum die Möglichkeit, die komplexen technologischen Entwicklungen vollends zu durchdringen und die Entwicklungen vollziehen sich so rasant, dass für das Verstehen oftmals kaum Zeit bleibt.

Es ist also erforderlich, den Blickwinkel zu verändern und zu erweitern. Im ganzheitlichen Verständnis von Medienkompetenz sind deswegen auch gesellschaftliche Aspekte einzuschließen. Aufbauend auf grundlegenden und bestehenden Konzepten der Medienkompetenz, geht es um ein Verständnis darüber, was Digitalisierung bedeutet, wie Software funktioniert und welche gesellschaftliche Tragweite damit einhergeht.
Im Rahmen des GMK-Forums wurden diesbezüglich konkrete Aspekte und Erwartungen benannt, die Medienpädagogik heute leisten muss: Mit Blick auf Heranwachsende spielt außerdem der Bezug zur eigenen Lebenswelt eine besondere Rolle. Das setzt voraus, dass Medienpädagogen und Medienpädagoginnen sich mit den Bezügen, Räumen und Kulturen der Jugendlichen und junge Menschen auseinandersetzen und sie verstehen. Jugendnetzkulturen prägen die Werte und Normen von Jugendlich stark, sagt Angelika Beranek von der Hochschule München.[6] Eine Auseinandersetzung damit, wie diese Strukturen durch Algorithmen beeinflusst werden, ist somit für die Medienpädagogik dringend erforderlich – seien es die Schönheitsideale, Filterfunktionen, Werte von YouTube-Stars, vermeintliche "Top-Meldungen" oder auch "relevante Kommentare", die Plattformen den Nutzerinnen und Nutzern auf Grundlage von Algorithmen zusammenstellen, ohne dass ihnen dies bewusst ist.[7]

Medienkritik, Medienethik und kreative Angebote in den Blick nehmen

Die genannten, erweiterten Kompetenzbereiche, der Lebensweltbezug und die gesellschaftliche Dimension, greifen im Grunde das Verständnis der "handlungsorientierten Medienpädagogik" auf: Medien kritisch durchdenken, ethisch und sozial beurteilen und selbstbestimmt in das eigene Leben integrieren.[8]

Vor dem Hintergrund der Digitalisierung und Big Data geht es immer mehr um eine zu schärfende Medienkritik und einen kritisch-reflexiven Umgang mit Technologien. Wie strukturieren Algorithmen und Datenbanken unsere Wahrnehmung der Welt und voneinander? Welche Wertvorstellungen und Vorurteile fließen in die Gestaltung digitaler Kommunikationsumgebungen (Suchmaschinen, Content-Plattformen, soziale Netzwerke usw.) ein und was sind mögliche Folgen? Und wie können wir mit dem "Partizipationsparadox"[9] umgehen – der Tatsache also, dass wir diese Online-Umgebungen zur alltäglichen Teilhabe gebrauchen, als Nutzende aber oft kaum Spielräume, geschweige denn Mitspracherechte haben, wenn es um deren Gestaltung geht? Die Fragen machen deutlich, dass mehr Medienkritik und Medienethik in den Mittelpunkt medienpädagogischer Arbeit gestellt werden müssen.

Neue Methoden und Herangehensweisen ausprobieren

Auf der Ebene der Praxis finden sich aktuell vielerlei Angebote, die vor allem auf kreative Weise an aktuellen medienpädagogischen Fragen arbeiten und dabei auch die Herausforderungen um Digitalisierung und Big Data in den Blick nehmen. Auffällig ist, dass in der medienpädagogischen Arbeit, beispielsweise in der Fertigung eines Produkts, medienkritische Fragestellungen und gesamtgesellschaftliche Elemente einen besonderen Stellenwert einnehmen. Beispielhaft sind hierfür zu nennen: Alle diese Projekte bieten umfangreiche Materialien und Beschreibungen zum Nachmachen an.[10]

Die Medienpädagogik als Vermittlerin verstehen

Die Medienpädagogik ist eine offene Disziplin, für die interdisziplinäre Zugänge und Bezüge sehr wichtig sind. Dazu gehören auch technische Fragestellungen, ganz besonders im Diskurs über die Herausforderungen der "Datafizierung".[11] Aber auch die Vernetzung und Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen, etwa mit der Informatik zur Stärkung der medienpädagogischen und der informatischen Grundbildung, zählen dazu.[12]

Die Medienpädagogik sollte viel deutlicher in Erscheinung treten. Sie hat das Potenzial, eine Vermittlungsposition zwischen der Dateninfrastruktur, den Menschen und der damit verbundenen Gestaltung der Gesellschaft einzunehmen. Sie bringt dafür die notwendige kritische Haltung mit, da sie die Sammlung und Verarbeitung von Daten nicht verharmlost und immer wieder deutlich macht, dass diese Daten unmittelbar mit unserer Person in Verbindung stehen.[13] Als Vermittlerin wäre sie als gesellschaftliche Stellschraube in der Lage, die Transparenz und Offenheit von den Anwendungen einzufordern, für alle zu übersetzen, andere zu befähigen, mitzugestalten sowie alte und neue Konzepte (weiter) zu entwickeln und umzusetzen.

Von Medienpädagoginnen und Medienpädagogen würde diese Vermittlungsrolle ein neues Selbstverständnis verlangen. So wären sie nicht die vermeintlich allwissenden Personen, die sagen, was richtig oder falsch ist, die wissen, was zu tun ist und klare Handlungsempfehlungen aussprechen können. Das können und sollen sie gar nicht (mehr) leisten. Vielmehr wären sie hinterfragende, kritische Vermittlerinnen und Vermittler, die sich sichtbar einmischen und andere aktivieren, die Gesellschaft zu verändern.

Was denken die Teilnehmenden des GMK-Forums über Medienbildung heute? Hier geht es zur Video-Umfrage.
Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-sa/4.0
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.

Fußnoten

1.
Andrasch, Matthias (2016): Der Data Breakthrough – Du und die Medienpädagogik in der digitalen Krise? Abrufbar unter: https://matthias-andrasch.de/2016/der-data-breakthrough-du-und-die-medienpaedagogik-in-der-digitalen-krise-entwurf/ (Zugriff: 16.01.2017).
2.
Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (2016): Berichte und Materialien vom 33. GMK-Forum Kommunikationskultur "Software takes Command", 18. bis 20. November 2016 in Cottbus. Abrufbar unter: http://www.gmk-net.de/fileadmin/pdf/gmk-forum2016_berichte_materialien.pdf (Zugriff: 16.01.2017).
3.
Zorn, Isabel (2016): Wieviel App-Lenkung verträgt die Medienpädagogik? Zum Verhältnis von Medienbildung und Technik in der digitalisierten Gesellschaft. Präsentation zum Impuls beim Forum Kommunikationskultur 2016. Abrufbar unter: http://www.gmk-net.de/fileadmin/pdf/Praesentationen/forum2016_zorn.pdf (Zugriff: 16.01.2017).
4.
Gapski, Harald (2016): 1.0, 2.0, 3.0 und 4.0 – und was zählt die Medienbildung? Präsentation zum Impuls beim Forum Kommunikationskultur 2016. Abrufbar unter: http://www.gmk-net.de/fileadmin/pdf/Praesentationen/forum2016_gapski.pdf (Zugriff: 16.01.2017).
5.
Schön, Sandra/Ebner, Martin/Narr, Kristin (Hrsg.) (2016): Making-Aktivitäten mit Kindern und Jugendlichen. Handbuch zum kreativen digitalen Gestalten. Abrufbar unter: http://www.bimsev.de/n/userfiles/downloads/making_handbuch_online_final.pdf (Zugriff: 16.01.2017).
6.
Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (2016): Berichte und Materialien vom 33. GMK-Forum Kommunikationskultur "Software takes Command", 18. bis 20. November 2016 in Cottbus. Workshop "Jugendnetzkulturen zwischen Wertediskurs und Algorithmen" der GMK-Fachgruppen Netzpolitik und Jugendmedienschutz. Abrufbar unter: http://www.gmk-net.de/fileadmin/pdf/gmk-forum2016_berichte_materialien.pdf, S. 22-23 (Zugriff: 16.01.2017).
7.
ebd.
8.
Schorb, Bernd (2009): Handlungsorientierte Medienpädagogik. In: Schorb, Bernd/ Anfang, Günther/ Demmler, Kathrin (Hrsg.): Grundbegriffe Medienpädagogik Praxis. München: kopaed, S. 101-106.
9.
Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (2016): Berichte und Materialien vom 33. GMK-Forum Kommunikationskultur "Software takes Command", 18. bis 20. November 2016 in Cottbus. Workshop "Shape it – or be shaped: Von der Notwendigkeit digitale Umgebungen geschlechtergerechter mitzugestalten" der GMK-Fachgruppe Gender. Abrufbar unter: http://www.gmk-net.de/fileadmin/pdf/gmk-forum2016_berichte_materialien.pdf, S. 23-24 (Zugriff: 16.01.2017).
10.
Diese offenen Formen der Aufbereitungen für andere sind im Übrigen eine positive Folge einer sich ändernden Arbeits- und Projektkultur innerhalb der Medienpädagogik.
11.
Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (2016): Berichte und Materialien vom 33. GMK-Forum Kommunikationskultur "Software takes Command", 18. bis 20. November 2016 in Cottbus. Panel: Datafizierung der Gesellschaft – Herausforderung für Medienpädagogik und Medienbildung. Abrufbar unter: http://www.gmk-net.de/fileadmin/pdf/gmk-forum2016_berichte_materialien.pdf, S. 9/11 (Zugriff: 16.01.2017).
12.
Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (2016): Berichte und Materialien vom 33. GMK-Forum Kommunikationskultur "Software takes Command", 18. bis 20. November 2016 in Cottbus. Workshop "Schulterschluss zwischen Informatik und Medienbildung in der Schule" der GMK-Fachgruppe Schule. Abrufbar unter: http://www.gmk-net.de/fileadmin/pdf/gmk-forum2016_berichte_materialien.pdf, S. 16-17 (Zugriff: 16.01.2017).
13.
Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (2016): Berichte und Materialien vom 33. GMK-Forum Kommunikationskultur "Software takes Command", 18. bis 20. November 2016 in Cottbus. Panel: Datafizierung der Gesellschaft – Herausforderung für Medienpädagogik und Medienbildung. Abrufbar unter: http://www.gmk-net.de/fileadmin/pdf/gmk-forum2016_berichte_materialien.pdf, S. 11 (Zugriff: 16.01.2017).

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2 Kommentare anderer Nutzer

Jochen Dudeck | 28.03.2017 um 12:11
Transferproblem

Danke. Es ist leider sehr selten, dass man in der medienpädagogischen Szene mal nachdenkliche Worte liest. Da gibt es jenseits der angesprochenen Risiken noch ein anderes Problem, das in der Debatte m.E. unterbelichtet ist. Als Leiter der Stadtbücherei moderiere ich hier in Nordenham eine AG Medienpädagogik des Präventionsrates, in der Schulsozialarbeiterinnen, Lehrkräfte etc sitzen. Wir bemühen uns ohne große Ressourcen seit vielen Jahren die Menschen zu erreichen. Es wird immer mühsamer. Die Schulen sind mit ihrem Alltag schon restlos überfordert alle Sekundarschulen haben Handyverbote - von wegen BYOD, Zusätzliches wird abgewehrt, außer wenn es akut "brennt". Auch die Eltern wollen nicht ständig "belehrt" und "aufgeklärt" werden. Das Interesse an diesem Thema nimmt seit Jahren ab. Die Leute haben einfach keine Lust, ständig HINzuSCHAUENen... Klicksafe, "Gut aufwachsen.." etc wirken von uns aus gesehen wie Alibieinrichtungen. Wer soll das alles lesen, die schönen Projekte & Ideen umsetzen, wer als "Praktiker" den medienwissenschaftlichen Diskursen folgen UND daraus VOR ORT die Konsequenzen ziehen? Natürlich haben wir hier in der Fläche Strukturprobleme, die in HH oder K nicht vorhanden sein mögen, trotzdem sollte das nicht als "Gejammer" missverstanden werden. Ich sehe das als echtes Transferproblem. Was bleibt ist die Adaptionsgeschwindigkeit bei Innovationen, mit der man vor Ort kaum Schritt halten kann. Ich denke nur an die zukünftige Ortungsmöglichkeit bei WhatsApp die Helikoptereltern wird's freuen. Hier werden Dinge in die Welt gesetzt, deren soziale Folgen niemand ernstlich voraussehen kann.


Antworten
Kristin Narr | 06.04.2017 um 22:03
"Re: Transferproblem"

Vielen Dank für den Kommentar und dass Sie diese Punkte ansprechen. Ich kenne einige der Herausforderungen, die Sie beschreiben, ebenfalls gut. Es ist sehr mühsam und ja, im Kern ist es vermutlich ein Problem des Transfers.
Ich möchte noch einmal hervorheben, was ich im Beitrag versucht habe, deutlich zu machen: Aus meiner Sicht ist es nicht damit getan, dass wir auf die Dinge reagieren und daraus unsere Angebote schnüren. Immer nur Feuer löschen oder „was mache ich, wenn…“, ist auf Dauer keine alleinige Lösung, denke ich.
Junge Menschen verdienen mehr Möglichkeiten, diese Gesellschaft mitzugestalten. Und dafür müssen wir alle einsetzen. Das mag nach Worthülsen oder Luftschlössern klingen. Im Grunde geht es um die Befähigung des Einzelnen, Antworten auf Fragen zu finden, die wir heute nicht kennen. Daran schließen sich andere und neue Formen des Lernens und der Zusammenarbeit sowie eine Offenheit gegenüber Unbekanntem.
Verkrustete, diffuse Bildungssysteme arbeiten zusammen mit Verboten und Ängsten einem da nicht gerade zu. Das macht es nicht leichter. Leider.

"Jochen Dudeck schrieb:
Danke. Es ist leider sehr selten, dass man in der
medienpädagogischen Szene mal nachdenkliche Worte liest. Da
gibt es jenseits der angesprochenen Risiken noch ein anderes
Problem, das in der Debatte m.E. unterbelichtet ist. Als
Leiter der Stadtbücherei moderiere ich hier in Nordenham
eine AG Medienpädagogik des Präventionsrates, in der
Schulsozialarbeiterinnen, Lehrkräfte etc sitzen. Wir
bemühen uns ohne große Ressourcen seit vielen Jahren die
Menschen zu erreichen. Es wird immer mühsamer. Die Schulen
sind mit ihrem Alltag schon restlos überfordert alle
Sekundarschulen haben Handyverbote - von wegen BYOD,
Zusätzliches wird abgewehrt, außer wenn es akut "brennt".
Auch die Eltern wollen nicht ständig "belehrt" und
"aufgeklärt" werden. Das Interesse an diesem Thema nimmt
seit Jahren ab. Die Leute haben einfach keine Lust, ständig
HINzuSCHAUENen... Klicksafe, "Gut aufwachsen.." etc wirken
von uns aus gesehen wie Alibieinrichtungen. Wer soll das
alles lesen, die schönen Projekte & Ideen umsetzen, wer als
"Praktiker" den medienwissenschaftlichen Diskursen folgen
UND daraus VOR ORT die Konsequenzen ziehen? Natürlich haben
wir hier in der Fläche Strukturprobleme, die in HH oder K
nicht vorhanden sein mögen, trotzdem sollte das nicht als
"Gejammer" missverstanden werden. Ich sehe das als echtes
Transferproblem. Was bleibt ist die Adaptionsgeschwindigkeit
bei Innovationen, mit der man vor Ort kaum Schritt halten
kann. Ich denke nur an die zukünftige Ortungsmöglichkeit
bei WhatsApp die Helikoptereltern wirds freuen. Hier werden
Dinge in die Welt gesetzt, deren soziale Folgen niemand
ernstlich voraussehen kann.
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