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11.1.2018

Mit Offenheit aus dem Teufelskreis

Redaktion | Theresa Samuelis am 11.01.2018

Was haben zivilgesellschaftliche Initiativen davon, ihre Projektidee zu teilen? Und inwiefern kann offene Software Projektarbeit bereichern? Eine Rückschau auf den Bildungssalon "Sharing is caring“.

Warum lohnen sich offene Strukturen für zivilgesellschaftliche Projekte? (mohamed_hassan / pixabay / bearbeitet / CC0 )


Hinweis: Der Beitrag entstand im Nachgang des Bildungssalons "Sharing is caring", der am 8. Dezember 2017 in den Redaktionsräumen von werkstatt.bpb.de stattfand. Henrik Flor vom Programm openTransfer der Stiftung Bürgermut sprach über Projekttransfer, Andi Weiland von SOZIALHELDEN e. V. über die Nutzung von Open Source in der Praxis. Im Anschluss folgte eine offene Diskussion.

Erfolgreiche zivilgesellschaftliche Projekte fordern Engagement und Wissen, Zeit, Geld – bisweilen auch Idealismus –, vor allem aber eine gute Idee. Diese guten Ideen fallen bekanntlich nicht vom Himmel, sondern erfordern ihrerseits Engagement und Wissen, Zeit, Geld – manchmal vielleicht auch Idealismus – aber hatten wir das nicht schon einmal?

Eine Möglichkeit diesem Teufelskreis zu begegnen ist Offenheit.

Beim Bildungssalon "Sharing is caring" sprachen die beiden Inputgebenden Henrik Flor und Andi Weiland über Projekttransfer und die Nutzung von Open Source in der Zivilgesellschaft. Im Nachgang haben wir ausgehend von ihren Impulsvorträgen acht Gründe zusammengetragen, warum sich offene Strukturen für zivilgesellschaftliche Projekte lohnen:


Warum lohnen sich offene Strukturen für zivilgesellschaftliche Projekte?

  1. Offene Software ist günstiger: Keine teuren Investitionen, keine Abhängigkeit – offene Software mag auf den ersten Blick vielleicht nicht so intuitiv erscheinen wie das vergleichbare Markenprodukt, dafür zahlen Vereine oder kleine Initiativen aber bedeutend weniger oder gar kein Geld für die Nutzung. Trotzdem gibt es natürlich kostenlose Anwendungen, die sich in Daten bezahlen lassen – dies sollte man im Hinterkopf behalten.

  2. Transfer macht Projekte sichtbar: Das Programm openTransfer der Stiftung Bürgermut etwa fördert den Transfer von Wissen und Erfahrungen, die zum Beispiel ein Projekt in einer bestimmten Stadt oder Region gemacht hat, hin zu Projekten in anderen Städten. Sichtbar wird dabei nicht nur der Name oder die Person, die hinter dem Projekt steht – das kann natürlich auch passieren –, vor allem werden Wirkung und Effekt des Projektes verstärkt.

  3. Open Source heißt Nachhaltigkeit: Die offenen Daten, die in einem oder durch ein Projekt bereitgestellt und gesammelt werden, bleiben durch die Verwendung von offenen Standards auch nach Beendigung des Projektes bestehen.

  4. Offenheit heißt Netzwerk: Bei der Arbeit mit offener Software nennt man es Crowd oder Community, beim Projekttransfer sind es die Partnerinnen und Partner. Wie man es dreht und wendet – durch Offenheit steigen die Möglichkeiten der Vernetzung und Projekte kommen mit Gleichgesinnten und Unterstützerinnen und Unterstützern in Kontakt.

  5. Öffnen bedeutet Fehler vermeiden: Die Fehler, die in der ersten Runde des Projekts passiert sind, werden kein zweites Mal geschehen. Das Teilen solcher Erfahrungen spart wiederum anderen in der Projektentwicklung wertvolle Ressourcen.

  6. Optimieren statt neu erfinden: Wenn das Rad einmal rollt, muss es nicht neu erfunden werden. Vielleicht sieht aber jemand ein Rad, baut daraus einen Wagen – und schafft damit eine neue, optimierte Version einer Idee.

  7. Open Source – Open Mind: Die besten Ideen kommen einem nicht im stillen Kämmerlein, sondern im Team. Kollaboration und Community-Arbeit fördern also Kreativität und bereichern somit die Projektideen.

  8. Teilen macht glücklich: Haben Sie schon einmal eine gute Idee gehabt umgesetzt und sie hat gut funktioniert? Das war bestimmt ein gutes Gefühl. Haben Sie diese Idee anschließend auch einmal mit einer anderen Person geteilt und die Wirkung ein weiteres Mal beobachten können? Nein? Dann wird es Zeit.


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Über unsere Inputgeber

Henrik Flor ist Diplom-Politologe. Nach einem Verlagsvolontariat betreute er für eine Kommunikations-Agentur verschiedene Kunden aus der Buchbranche. Parallel befasste er sich als Autor mit Themen an der Schnittstelle von Internet und Politik und gründete den Verein Netzdemokraten mit. Als Leiter Redaktion & Konzeption bei der Stiftung Bürgermut baute er das digitale Engagement-Magazin Enter auf und war von Anfang an bei der Entwicklung und Umsetzung von opentransfer.de dabei.

Andi Weiland studierte Politikwissenschaft und Kommunikation in Münster und Klausenburg (Rumänien). Über zehn Jahre arbeitete er für verschiedene Vereine und Nichtregierungsorganisationen an Projekten und in der Öffentlichkeitsarbeit. Seit 2011 ist er Pressesprecher bei den Sozialhelden e.V. und arbeitet dort auch an verschiedenen Projekten mit, etwa Leidmedien.de und Gesellschaftsbilder.de. Neben seiner Arbeit für die Sozialhelden arbeitet er als freier Fotograf.
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1 Kommentare anderer Nutzer

Karl-Heinz Aschenbach | 19.01.2018 um 18:09
Linux ist zu wenig verbreitet

Die Vorteile von Open Source sind mir bekannt. Ich nutze Linux schon seit der Zeit, als SuSE noch in Nürnberg saß und freute mich besonders über die ausführlichen deutschen Dokumentationen. Leider ist die Verbreitung von Linux in meiner Heimatstadt Gotha gleich Null und auch die Schulen müssten erst einmal Grundlagen einer Linux-Missionierung erfahren. Ich bin kein Lehrer und möchte nicht von Windows-Wilden wegen Uberzeugungsversuchen skalpiert werden.


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