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27.4.2021

Historisches Lernen digital

Redaktion | Theresa Kühnert am 27.04.2021

Gedenkstätten, Museen und Universitätsprojekte stellen sich vermehrt digital auf. Und sie ergänzen ihre Angebote zusehends mit digital verfügbarem pädagogischem Material. Drei Beispiele aktueller historisch-politischer Bildungsangebote im Netz.

Auch Museen schwenken in der Corona-Pandemie auf digitale Alternativen um. (© Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf/ Werft 6)


Das virtuelle Migrationsmuseum - DOMiD

Das Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland (DoMiD) in Köln verfügt über eine große Sammlung von Zeugnissen der Migrationsgeschichte in Deutschland und setzt sich seit über 30 Jahren für den Bau eines zentralen Migrationsmuseums ein. Auch wenn es diesen zentralen Ort bisher nicht gibt – ein Virtuelles Migrationsmuseum existiert bereits.

Mit Hilfe einer Anwendung, die mit Desktop-Computer, einer eigenen Virtual-Reality-Brille oder dem Smartphone oder Tablet (iOS und Android) genutzt werden kann, bewegen sich die Besucherinnen und Besucher durch eine virtuelle Stadt. An neun Gebäuden werden neun Themenschwerpunkte erzählt – an einer Schule beispielsweise das Thema Migration und Bildung, an einem Bahnhof Fragen der Mobilität. Außerdem können sich die Nutzerinnen und Nutzer in drei unterschiedlichen Zeitebenen bewegen: vom Kriegsende 1945 bis zum Anwerbestopp 1973, von 1973 bis zum Mauerfall 1989 sowie von 1989 bis heute.

Neben dem Virtuellen Migrationsmuseum bietet das DoMiD auch kostenlose Unterrichtsmaterialien zum Download an, die in vergangenen Projekten erstellt wurden – beispielsweise die Materialien zu DOMiD macht SCHULE, einem Projekt des DoMiD gemeinsam mit einer Gesamtschule aus Leverkusen rund um lokale Migrationsgeschichte oder das Angebot für Lehrkräfte "Mit Objekten lernen – Rassismus begreifen", das sich für Schülerinnen und Schüler von der Mittelstufe über die Berufsschule bis hin zum Gymnasium eignet. Die Materialien stehen laut Aussage des DoMiD unter Creative-Commons-Lizenz.

 Kind trägt eine Virtual Reality Brille. Im Hintergrund ist eine Leinwand und ein Aufsteller mit einer orangenen Aufschrift "Virtuelles Migrationsmuseum" zu sehen. Screenshot von der DOMiD-Website: Es ist ein Lageplan mit verschiedenen Räumen zu sehen. Unter anderem: "School", "Dormitory" und "Town Hall". Screenshot vonn der Website von DOMiD: Rechts im Bild ist eine Animation eines Mannes mit Mikrophon. Das Haarstyling und die Mikrofon-Form lassen darauf schließen, dass die Aufnahme aus den 50er Jahren stammen soll.

Links im Bild ist eine Kachel mit dem Text: "The Pontic Greek singer Stelios Kazantzidis was one of the most beloved singers among Greeks in Germany. He sang about homesickness and longing for the homeland left behind; the attitude to life experienced by the Greek workers in Germany found expression in music." zu sehen. Screenshot vonn der Website von DOMiD: Man blickt auf ein Bahngleis, in der Mitte des Bildes ist auf einem blauen Schild in weißer Schrift zu lesen: Hauptbahnhof. Auf dem linken Gleis steht ein roter Zug, am Anfang beider Gleise ist jeweils eine pinke Werbetafel zu sehen. Davor stehen jeweils Ticketautomaten. Das Dach des Bahnhofs ist verglast. Screenshot der Webiste der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf. Der Museumsrundgang als 360° Grad online-Rundgang. Es sind Tafeln und Bilder zu sehen, allerdings ist die Schrift zu klein, um etwas zu erkennen. Es sind Kreise auf dem Boden, durch die man sich in dem 360° Grad-Rundgang online bewegen kann. Dunkelhaariges Mädchen sitzt vor Computer. Es sind Ausschnitte der Website des virtuellen Museumsrundgangs von der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf eingeblendet. Screenshot der virtuellen Ausstellung "Bedrohte Ordnungen": Es sind zwei Zeilen a vier Fotos zu sehen: verschiedene historische Situationen wurden illustriert: unter anderem zwei Nonnen, die miteinander sprechen und Flugzeuge, die über ein Feld fliegen. Darüber sind Regler mit den Begriffen "Dringlichkeit", "Zusammenhalt", "Zwang", "Wandel". Screenshot der Materialien zur virtuellen Ausstellung. Verschiedene Aufgabenstellungen für Schülerinnen und Schüler zur virtuellen Ausstellung. Screenshot der virtuellen Ausstellung. Erklärfolie zum Thema Krisenmanagemet bei Tschernobyl 1986. Auf der rechten Seite sind Foto vom Unglück. Links im Bild ist ein Erklärtext. Die Folie ist insgesamt rötlich eingefärbt. Screenshot von den Materialien zur virtuellen Ausstellung. Links und Rechts im Bild sind jeweils Texte. Links ist der Aufgabentext zum Thema Gorbatschows Umgang mit einer Katastrophe und rechts ein historischer Text. Aufgabe ist es bestimmte Passagen im rechten Text zu unterstreichen.


Bedrohte Ordnungen

Die digitale Ausstellung "Bedrohte Ordnungen" geht auf den gleichnamigen Forschungsbereich der Universität Tübingen zurück. Ausgangspunkt der dortigen Forschung ist die Frage, wie Menschen und Gesellschaften mit Krisen, Katastrophen und anderen Extremsituationen umgehen. Der untersuchte Zeithorizont erstreckt sich von der Antike bis heute. Ziel des Ansatzes ist es, die Fähigkeit zum historischen Denken zu stärken, wie im gleichnamigen Podcast von Bernd-Stefan Grewe, Professor am Fachbereich Geschichtswissenschaft an der Universität Tübingen, erklärt wird.

Auf Grundlage dieses Ansatzes wurde die Plattform Offene-Geschichte.de aufgebaut. Aktuell stehen Module zu den Themen "Der Erste Kreuzzug" (Klasse 7/8), "Die Pest" (Klasse 7/8), "Die Belagerung von Wien" (Klasse 7/8), "Kriegsende 1945" (Klasse 9/10) und die "Katastrophe von Tschernobyl" (Klasse 9/10) zur Verfügung.

Alle Module sind für etwa 90 Minuten, also eine Doppelstunde, konzipiert. Zahlreiche weitere Module sind in Planung. Es ist an jeder Stelle möglich, die Aufgaben sowie die eingetragenen Arbeitsergebnisse im PDF-Format herunterzuladen. Auch eine Anleitung steht zum Download bereit. Die Lernplattform ist optimiert für Google Chrome. Bei dem aktuellen Angebot handelt es sich um eine Beta-Version. Die vollständige Plattform inklusiver aller Funktionalitäten wird 2023 online gehen und als OER-Plattform unter der Lizenz CC-BY-SA 4.0 veröffentlicht.

Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

Die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf hat gemeinsam mit dem Schulverwaltungsamt, dem Kulturdezernat der Stadt Düsseldorf und dem Medienunternehmen "Werft 6" ein Pilotprojekt digitaler Lehrvermittlung für Schulen entwickelt: Es startet nun mit einem online abrufbaren Bildungsangebot auf Grundlage eines virtuellen Museumsrundganges in der Mahn- und Gedenkstätte.

Der Lernort folgt einem biografischen Bildungsansatz. Und auch im digitalen Workshop lernen Teilnehmende die Geschichte der Zeit des Nationalsozialismus über Biografien von Düsseldorfer Kindern und Jugendlichen kennen. Die Lehrinhalte sind kostenlos zum Download bereitgestellt und richten sich an Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 8. Die Rechte am Material liegen bei der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf.

Im Virtuellen Rundgang können sich die Schülerinnen und Schüler selbstständig durch die Museumsräume navigieren. Anhand von Symbolen können sie Aufgaben und Impulse zu Lebensgeschichten von Jugendlichen aus der NS-Zeit, Informationen, Fotos und Videos zur selbstständigen Bearbeitung der Aufgaben und zusätzliche Informationen zu Räumen und Objekten entdecken. Für Lehrende steht eine tabellarische Übersicht über Stationen, Lehrinhalte, Medien und Quellen zur Verfügung. Außerdem wurden zu jeder der aufbereiteten Biografien Lebenslauf, Fotos, Audios, Videos, Hintergrundinformationen sowie dazugehörige Arbeitsblätter zusammengestellt.
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