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9.3.2011

Planspiel-Entwicklung

Eine methodische Möglichkeit Kommunalpolitik zu vermitteln, ist die Entwicklung eines Planspiels. Im Folgenden wird Ihnen aufgezeigt, wie Sie anhand eines aktuellen kommunalen Themas selbst ein Planspiel erstellen.

In einer Talkshow können die Beteiligten spielerisch eine Vorauswertung des Planspeils oder des Kommunalcafés vornehmen. (© Thomas S. Regnet / RED IDEA )

Wenn Sie zusammen mit Ihren Schülern ein Planspiel schreiben wollen, ist es wichtig, dass Sie ein gut dokumentiertes Thema auswählen, bei dem verschiedenen Quellen wie Gemeinde- und Stadtratsbeschlüsse und Medienberichte vorhanden sind, mit denen Ihre Schüler arbeiten können.

Themenfindung

Ein Thema ist für die Entwicklung eines Planspiels geeignet, wenn es

Vorbereitung

Inhaltliche Vorbereitung

Vor der Erstellung eines Planspiel ist es hilfreich, sich die Lernziele und Kompetenzen, die mit dem zu erstellenden Planspiel erreicht werden sollen, bewusst zu machen. Die inhaltliche Vorbereitung ist bei der Planspiel-Entwicklung anspruchsvoller als bei der Planspiel-Anpassung. Damit Sie nichts vergessen, sind die wichtigsten Punkte hier zusammengefasst: Bei einer Planspielentwicklung gemeinsam mit den Teilnehmenden ist es notwendig, dass sich auch die Teilnehmenden intensiv mit der Thematik auseinandersetzen. Dabei sind unter anderem folgende Fragen hilfreich: Weitergehende Informationen finden Sie bei den Hinweisen zur PDF-Icon Leitung und Moderation von Planspielen.

Zur Erstellung eines Planspiel und der Hintergrundinformationen kommen verschiedenen Quellen in Frage. Sie können dabei auf Zeitungsberichte, kurze Fachaufsätze, (Land-, Stadt-) Karten, Schaubilder, Statistische Auswertungen, Auszüge aus Gesetzestexten, Vorschriften, Bürgerbriefe, Stellungnahmen, Gutachten etc. zurückgreifen.

Die Materialien sollten: Organisatorische Vorbereitung

Räumlichkeiten Zur Durchführung eines Planspiel ist mindestens ein großer Raum notwendig. Die Bestuhlung sollte entsprechend realitätsnah gestaltet werden. Weitere kleinere Räume sollten für die Arbeit in den Spielgruppen vorhanden sein, damit sich die Akteure zu strategischen Gesprächen zurückziehen können. Wenn nur ein Raum zur Verfügung steht, ist es sinnvoll, die einzelnen Gruppen mittels Tischanordnung und ggf. Stellwänden voneinander anzugrenzen.

Die Räume können mit Tür- und Tischschildern, einer Stellwand für wichtige (Presse-)Mitteilungen und anderen Materialien (z.B. Tischglocke) versehen werden.

Ein kommunalpolitisches Planspiel gewinnt an nachhaltigem Erfahrungswert, wenn es an einem Ort außerhalb der Schule durchgeführt wird. Eine Durchführung im kommunalen Rathaus ist für die Teilnehmenden ein besonderes Erlebnis, welches die Dynamiken und das Identifizieren mit den Rollen des Planspiels nochmals vertiefen kann.

Spielmaterialien

Vor Spielbeginn sollten die notwendigen Materialien vorhanden und technische Ressourcen nutzbar sein. Hier finden Sie eine Checkliste, die Ihnen dabei helfen kann, Ihr Planspiel vorzubereiten. Darüber hinaus ist weitere Infrastruktur vor Ort - wie Fotokopierer und PC – hilfreich, aber nicht unerlässlich.

Ablaufplan erstellen

Der zeitliche und inhaltliche Rahmen des Planspieles sollte als Ablaufplan für alle Teilnehmenden sichtbar auf einem Flip-Chart oder der Tafel fixiert werden.

Akteure und Rollen

Jeder der Teilnehmenden übernimmt für die Dauer des Planspiels die Rolle eines Akteures. In der Regel werden in kommunalpolitischen Planspielen die politischen Akteure und Gremien (Stadt- oder Gemeindevertretung und Bürgermeister/in) und die Arbeit der Medien durch ein Presseteam simuliert. Welche weiteren Rollenprofile erstellt werden, hängt bei der Planspiel-Entwicklung vom gewählten Thema und den kommunalen Akteuren ab.

Rollenprofile verfassen

Das Rollenprofil verdeutlicht den Teilnehmenden ihre Position im Planspiel. Es sollte: Ein Beispielrollenprofil finden Sie im Materialblatt zur Erstellung des Rollenprofils.
Mögliche Rollen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): Informieren Sie sich bei Ihrer Gemeinde, wie die jeweiligen Interessengruppen in Ihrem Ort heißen!

Wenn die Teilnehmenden die Rollenprofile selbst erarbeiten und diese erarbeitete Rolle dann im Planspiel selbst spielen, entfällt das Einlesen in die Rolle. Um mit den anderen Mitgliedern ihrer Gruppe eine Strategie besprechen zu können, benötigen die Teilnehmenden jedoch das Szenario und ggf. weitere Hintergrundinformationen. Spielen diese nicht die von ihnen erstellte Rolle oder wurden die Rollen durch die Lehrkraft erstellt, muss eine Einteilung in die Gruppen und das Einlesen in die Rollen erfolgen.

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Info

Einteilung der Gruppen

Für die Rollenzuweisung gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine der Möglichkeiten ist das Losverfahren. Durch dieses wird verhindert, dass sich argumentationsstarke Teilnehmende zusammenschließen und sich die Vorlieben der Teilnehmenden ungleich auf einzelne Gruppen verteilen. Sollten die Leistungsunterschiede bei den Teilnehmenden sehr differieren, können Sie die Rollen auch zuweisen, um mit Sicherheit gleich starke Gruppen zu erreichen.

Einlesen in die Rollen und Strategiefindung

Nach der Einführungsphase lesen sich die Teilnehmenden in ihr Rollenprofil und die Hintergrundinformationen ein. Je nach Anlage des Planspiels erarbeiten die Teilnehmenden in ihrer Gruppe eine gemeinsame Position zur Zielerreichung. Sie überlegen hierfür eine Strategie, Handlungsalternativen und Lösungsmöglichkeiten.

Szenario erstellen

Das Szenario ist die Ausgangslage des Planspiels, sozusagen die Hintergrundgeschichte zur Einführung in die Problemlage. Diese kann fiktiv oder einer realen politischen Begebenheit entnommen sein. Auf Basis des Szenarios finden sich die Teilnehmenden in das Thema, die Situation und die Rahmenbedingungen ein.

Ein Szenario sollte: Ein Materialblatt zur Szenario-Erstellung finden Sie hier.

Verhandlungsphase

Die verschiedenen Akteure führen je nach Szenario entweder Gespräche in oder zwischen Interessensgruppen bzw. Gremien oder gleich alle gemeinsam in Form einer Versammlung. In den Gesprächen findet der Versuch statt, Lösungen für die vorgegebene Problemsituation zu finden, indem nach Kompromissen gesucht wird, die für alle Beteiligten akzeptabel sind.

Es können Gespräche geführt und Koalitionen gebildet sowie Anfragen, Flugblätter, Pressemitteilungen erstellt werden. Die Gespräche können bei Bedarf durch ausgewählte PDF-Icon Ereigniskarten angekurbelt bzw. in eine neue Richtung gelenkt werden. Diese werden durch die Spielleitung erstellt und bei Bedarf ins Geschehen eingebracht.

Danach bilanziert jede Gruppe für sich die bisherigen Gespräche, vor allem im Hinblick auf die Frage, welche Position die jeweilige Gruppe in der anschließenden Versammlung innehat. Bisher erzielte Verhandlungsergebnisse und Problemlösungsvorschläge werden schriftlich festgehalten und zu einer Stellungnahme ausgebaut. Zweck dieser kurzen Stellungnahmen ist es, die Gruppe zu Beginn der Versammlung vorzustellen.

Durchführung der Versammlung

Ziel der Versammlung ist es, sich in einer gemeinsamen Diskussion mit allen vorhandenen Akteuren auf eine gemeinsame Lösung bzw. auf einen Kompromiss zu einigen, mit dem möglichst alle Gruppen einverstanden sind. Hier finden Sie Hinweise zum Ablauf der PDF-Icon Versammlung.

Für die Verhandlungen und Beschlussfassung sollte ausreichend Zeit eingeplant werden.

Beschlussfassung

Beschlüsse und Ergebnisse, aus denen hervorgeht, auf welche Lösung sich die Verhandlungsteilnehmer geeinigt haben, sollten für die Dokumentation schriftlich fixiert werden. Die getroffenen Beschlüsse und erzielten Ergebnisse sind ein wichtiges Element für die nachfolgende Auswertung.

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Erweiterungsoption

Pressekonferenz

Die Pressegruppe des Planspiels lädt Vertreter aus den verschiedenen Gruppen zu einer Pressekonferenz und/oder Talkshow ein. So kann vor der eigentlichen Auswertung eine spielerische Reflexion vorgenommen werden, in der die Einschätzungen einzelner Interessensgruppen oder Ergebnisse von Verhandlungsphasen besprochen werden. Die Pressekonferenz ersetzt nicht die ausführliche Auswertung durch die Spielleitung.


Auswertung

Bevor die Auswertung beginnen kann, verlassen die Teilnehmenden ihre Rollen.

Bei der Planspiel-Entwicklung sollten im Rahmen der Auswertung die erstellten Spielunterlagen besprochen, Schwierigkeiten und Ungereimtheiten aufgedeckt und Verbesserungsmöglichkeiten festgehalten werden.

Die Auswertung dient der Reflexion, Bewertung und Kritik des Spielverlaufs sowie der Evaluation der Spielunterlagen und sollte mit 45 bis 60 Minuten veranschlagt werden. Sie bezieht sich zum einen auf den Verlauf der Verhandlungen, zum anderen auf die inhaltliche Ebene des Spiels. In ihr werden sowohl der Spielverlauf beleuchtet als auch die Spielerfahrungen und Ergebnisse mit der realen Situation verglichen sowie die Lernziele analysiert.

Im Zuge der Auswertung sollte auf jeden Fall ein Bezug vom Planspiel zur politischen Realität hergestellt werden. Die Teilnehmenden haben die Problematik von Entscheidungsprozessen kennengelernt, die Wirkung von Verfahrensregeln und die schwierige Suche nach Kompromissen erlebt. Sie haben selbst Macht im Planspiel ausgeübt und bemerkt, dass manche Interessen sich durchsetzen konnten und manche nicht. Diese Erfahrungen sollten nun in einen realen Kontext gestellt werden, um einen Transfer der Lernerfahrungen zu ermöglichen. Es ist auch wichtig, den Bezug der gemachten Erfahrungen zur Alltagswelt der Jugendlichen herzustellen.

Mögliche Leitfragen für die Auswertung sind: Weitere Methoden zur Auswertung finden Sie PDF-Icon hier.

Dokumentation

Nach der ersten Durchführung des selbst entwickelten Planspiels sollte die Spielleitung nochmals alle Spielunterlagen unter Berücksichtigung des Feedbacks der Teilnehmenden auf Fehler und Unstimmigkeiten überprüfen. Waren die Rollenprofile nachvollziehbar, das Szenario gut spielbar, die Hintergrundmaterialien ausreichend und gut recherchiert sowie der Ablauf- und Zeitplan in Ordnung? Ist alles stimmig, sollte das Planspiel als Anleitung zum Nachspielen sorgfältig aufgehoben werden, so dass es bei nächster Gelegenheit ohne viel Aufwand wiederholt werden kann.

Für die Teilnehmenden ist ein Bericht in der Schülerzeitung, eine Wandzeitung oder eine Foto-CD eine schöne Erinnerung. Dies könnte beispielsweise die Pressegruppe gestalten.
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