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10.6.2020

Im Praxistest: Zeitgenössische Kunst in Iran – zwischen Kreativität, Kommerzialisierung und Kontrolle

"Die Aufgabe des Künstlers ist es, Zeuge seiner Zeit in der Geschichte zu sein." (Robert Rauschenberg, 1925-2008) Kunst ist ein Produkt ihrer Zeit. Sie nimmt – mal bewusst, mal unbewusst – Bezug auf relevante gesellschaftliche und politische Herausforderungen. Die Ebene der Politik einmal aus einer anderen Perspektive als im herkömmlichen Politikunterricht in den Blick zu nehmen – aus Sicht der Kunst(geschichte) – kann neue Wege der Reflektion eröffnen. Am Beispiel der Kunst im Iran soll dieser Versuch unternommen werden.

Konzeption des Materials

Ausgangspunkt des Unterrichtsvorhabens ist der Artikel "Zeitgenössische Kunst in Iran – zwischen Kreativität, Kommerzialisierung und Kontrolle" von der Kunsthistorikerin Hannah Jacobi. Jacobi nennt zentrale Orte, an denen Kunst der Bevölkerung des Irans zugänglich gemacht wird. Sie weist auf die Spannungsfelder von staatlicher und privater Förderung hin, bevor sie – nach einem Exkurs zum kulturellen im Film- und Literaturbetrieb – zentrale künstlerische Strömungen vor und nach der Revolution von 1979 kurz umreißt. Der Artikel dient zum einen als Einstieg in die inhaltliche Arbeit, da hier das Spannungsfeld, in dem sich der Kunstbetrieb im Iran befindet, angedeutet wird. Zum anderen fungiert er auch als "Fundgrube", da einige namhafte iranische Künstler*innen und weiterführende analoge und digitale Quellen genannt werden.

Einsatzmöglichkeiten im Unterricht

Der Einsatz des Materials bietet sich im Rahmen von Einheiten zum Thema "Iran" oder "Kunst und Kultur in reaktionären Regimen – exemplarisch Iran" sowohl in den Fächern Gesichte und Politik als auch fachübergreifende mit dem Fachbereich Kunst an. Optimal wären Vorkenntnisse über das politische System im Iran. Der Einsatz ist ab Jahrgang 10 sinnvoll.
  1. Einen funktionalen Einstieg ermöglicht ein kurzes Brainstorming zu dem Begriff "Iran", um das Vorwissen der Schüler*innen zu aktivieren. Vermutlich werden vorwiegend Begrifflichkeiten aus dem politischen Bereich fallen. Als Trichterimpuls könnte abgefragt werden, ob und wenn ja welche Kunstschaffenden aus dem Iran den Jugendlichen bekannt sind. Anschließend machen sich die Schüler*innen in Einzelarbeit in einem ersten Schritt mit der iranischen Kunst- und Kulturszene im Spannungsfeld staatlicher und privater Förderung vertraut. Sie nutzen dafür den Text Jacobis bis zu dem Abschnitt "Film und Literatur in und aus Iran" und formulieren Hypothesen, welche Konsequenzen das Spannungsfeld für iranische Künstler*innen haben könnte.
  2. Anschließend setzen sie sich in kooperativer Partnerarbeit mit der Kunst vor und nach der Revolution auseinander. Sie nutzen dabei die entsprechenden Abschnitte im Artikel Jacobis.
  3. In einem nächsten Schritt recherchieren sie in Gruppen (max. 5-6 Schüler*innen) zum Leben, Wirken und zu den Werken folgender Künstler*innen: Shahab Fotouhi, Iman Afsarian, Ghazaleh Hedayat, Bita Fayyazi. Der Fokus soll darauf liegen, deutlich zu machen, welchen Stellenwert die Kunst in der iranischen Gesellschaft besitzt, welche Auswirkungen staatliche Kontrolle hat oder haben kann, welche Konsequenzen die Künstler*innen daraus ziehen oder gezogen haben und ob sich davon Spuren in ihrem künstlerischen Schaffen finden.
  4. Die Schüler*innen stellen sich ihre Ergebnisse gegenseitig vor. Sie sammeln Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Umgang der jeweiligen Kunstschaffenden mit dem politischen System. Die in Schritt (I) formulierten Hypothesen werden überprüft.
  5. Im Transfer sollten die Schüler*innen überlegen, welchen Stellenwert Kunst in unserer Gesellschaft hat. Sie sollten gemeinsam reflektieren, ob und inwiefern Kunst in Deutschland politisch und/oder gesellschaftlich relevant ist oder sein kann, ob es Grenzen des Darstellbaren gibt und wo bzw. aus welchen Gründen Grenzen gezogen werden. Möglich ist hier auch ein geschichtlicher Exkurs z. B. in die Zeit des Nationalsozialismus oder die DDR. Es können Zitate – wie die eingangs zitierten Worte Rauschenbergs – von Künstler*innen als erste Impulse genutzt werden.

Anregungen

Die ausgewählten Künstler*innen wurden dem Artikel Jacobis entnommen. Es können natürlich auch andere, exemplarische Künstler*innen ausgewählt werden. Wichtig bei der Auswahl ist es jedoch, zu recherchieren, ob ausreichend Sekundärmaterial in deutscher oder englischer Sprache zur Verfügung steht. Es bietet sich auch an, einzelne Schüler*innen zu dem Themenkomplex "Film und Literatur in und aus Iran" Kurzvorträge halten zu lassen. Auch hier sollte der Fokus neben dem Vorstellen interessanter Biografien und faszinierender Werke auf dem Spannungsfeld von Kunst und (staatlicher) Kontrolle liegen.

Zugriff

Unter https://www.bpb.de/internationales/asien/iran/303149/zeitgenoessische-kunst-in-iran stehen alle Materialien kostenlos bereit.

Dr. Catharina Banneck

Dr. Catharina Banneck

Dr. Catharina Banneck, Berlin


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