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14.4.2020

Im Praxistest: Coronavirus - Themenseite auf fluter.de

Informationen zum Coronavirus für Jugendliche (© picture-alliance, PhotoAlto)


"Corona einfach erklärt für Jugendliche“

Jeden Tag werden wir nahezu überrollt mit neuen Informationen über das Corona-Virus und über die Entwicklungen des Ausnahmezustands, in dem sich Deutschland und die Welt gegenwärtig befinden. Da ist es insbesondere für Jugendliche schwer den Überblick zu behalten. Die Seite fluter.de bietet für diese Zielgruppe eine Themenseite an, die speziell die gesellschaftlichen Veränderungen in den Fokus nimmt, die diese schwierige Lage mit sich bringt.

Auf der Themenseite werden verschiedene Artikel zusammengeführt, die in Zeiten von Homeschooling einen Impuls für eine Onlinerecherche und anschließender Onlinedebatte liefern können. Zudem verknüpfen die Artikel Inhalte des Politikunterrichts, die auch ohne Corona eine gesellschaftliche Relevanz haben, wie beispielsweise die Rolle des Staates, das Social tracking, Obdachlosigkeit oder häusliche Gewalt und Geschlechterverhältnisse.

Konzeption des Materials

Die Startseite der Themenseite gibt einen Überblick über die Artikel. Da es sich um ein Onlineangebot handelt, können weitere Beiträge hinzugefügt werden, abhängig von der tagesaktuellen Entwicklung.

Allen Artikeln ist gemeinsam, dass sie eine Lesedauer von ca. 10 Minuten angeben. Sie zeichnen sich durch eine leicht verständliche Sprache aus. Dies ermöglicht sowohl den Einsatz eines Artikels innerhalb einer Unterrichtsstunde als auch im Homeschooling. Aufgrund der Verknüpfung verschiedener gesellschaftsrelevanter Themen mit der aktuellen Situation, eignet sich diese Themenseite für Lernende ab der Jahrgangsstufe 9 sowie für die Sekundarstufe II.

Jeder Artikel beinhaltet ausklappbare Slides, die hilfreiche Erklärungen liefern. Außerdem gibt es Weiterleitungen zu ergänzenden Internetseiten oder Originalquellen. Die einzelnen Beiträge variieren in ihrer Textform, sie sind als Interview, Reportage, Kommentar oder als FAQ-Artikel gestaltet.

Einsatzmöglichkeiten im Unterricht und Anregungen

Unabhängig davon, ob eine Unterrichtsreihe zum Thema "gesellschaftliche Entwicklungen im Kontext von Corona“ in der Schule oder im Homeschooling durchgeführt werden soll, ist es zunächst notwendig alle Lernenden auf den gleichen Wissensstand zu bringen und zu erläutern, was das Coronavirus ist. Dazu bietet sich der Artikel "Das Coronavirus – erklärt in einfacher Sprache“ von der bpb Themenseite "Coronavirus“ an. [1] Findet der Einstieg in die Reihe in der Schule statt, so können die Lernenden ihr Vorwissen auch in Form eines Unterrichtsgesprächs zusammentragen. Nachdem die Lernenden darüber informiert sind, was das Coronavirus ist, könnten sie in Form einer Mindmap sammeln, wie die Corona-Pandemie ihr persönliches Leben und das gesamtgesellschaftliche Leben beeinflusst.

Anschließend bietet es sich an den Artikel "Was der Staat gegen das Coronavirus tun darf“ zu bearbeiten.[2] In diesem Beitrag wird zusammengefasst, welche politische Rolle die Bundesregierung und die Bundesländer im Falle einer Pandemie spielen und wie die Regierungen in Rechte der Bürgerinnen und Bürger eingreifen dürfen. Zudem beleuchtet der Beitrag die Begriffe Ausgangssperre, Lebensmittelversorgung und Ausnahmezustand. In einem weiterführenden Rechercheauftrag könnten sich die Lernenden darüber informieren, wie die Regierungen in anderen Ländern agieren und das Leben ihrer Bürgerinnen und Bürger beeinflussen.

Im Anschluss an die Frage, was der Staat gegen Corona tun darf, kann aufgeworfen werden, ob es in Deutschland erlaubt sein sollte die Bewegungen von Corona-Patienten mittels GPS-Daten oder einer App nachzuverfolgen. Um diese Frage mit den Lernenden zu thematisieren, könnte zunächst nur die erste Frage und Antwort aus dem Interview "Es bricht eine andere Zeit der Datennutzung an“ gelesen werden.[3] Daraufhin geben die Lernenden ein Spontanurteil ab und positionieren sich. Eine wichtige Rolle bei den Spontanurteilen der Lernenden werden die Begriffe Sicherheit und Freiheit spielen. Diese beiden Begriffe können zunächst von den Lernenden definiert werden. Dann werden die dritte und vierte Frage des Interviews sowie die Antworten gelesen. Die Lernenden arbeiten die Position des Medienwissenschaftlers Felix Stadler heraus. Diese wird in einem Unterrichtsgespräch zusammengefasst und die Schüler und Schülerinnen vergleichen seine Position mit ihren eigenen Spontanurteilen. In einem nächsten Schritt wird der fünfte Abschnitt des Interviews gelesen und die Lernenden fassen zusammmen, welche Voraussetzungen laut Felix Stadler erfüllt werden müssen, um persönliche Daten für die Bekämpfung von Covid-19 zu nutzen. In dem Artikel ist außerdem eine Online-Befragung integriert. An dieser Befragung können die Lernenden teilnehmen und angeben, ob sie ihre Bewegungsdaten für die Bekämpfung von Corona freigeben würden, was im Anschluss an die Abstimmung diskutiert werden könnte oder im Homeschooling von zuhause aus passieren könnte. Der letzte Abschnitt des Interviews befasst sich mit Zusammenarbeit zwischen großen Internetkonzernen wie Google und Facebook und der US-Regierung. Dieser Abschnitt ist für Lernende nicht ohne weiteres zu verstehen. Der Abschnitt könnte jedoch gemeinsam gelesen und erklärt werden. Nach der Bearbeitung des Interviews könnten die Lernenden recherchieren an welchen verschiedenen Möglichkeiten des Trackings zurzeit gearbeitet wird, beispielsweise per Bluetooth, und welche Vor- und Nachteile es jeweils zu berücksichtigen gibt.

In der Reportage "Kontaktlos leben- Was bedeutet die Corona-Krise für obdachlose Menschen?“ wird keine kontrovese Frage aufgeworfen.[4] Dieser Artikel schildert wie sich das Leben von obdachlosen Menschen durch Corona verändert hat und kann die Lernenden für deren Probleme sensibilisieren und aufmerksam machen für deren Bedürfnisse. Nach dem Lesen können die Lernenden Vorschläge sammeln, wie man obdachlose Menschen in dieser Sitatuation unterstützen kann.

Der Artikel "Schminken nicht vergessen!“ stellt dar, welche Tipps die Regierung Malysias ihren Bürgerinnen gibt, um den Frieden im Haushalt während der Ausgangssperre zu wahren. Dieser Beitrag kann eingesetzt werden, um mit den Lernenden die sozialen Probleme zu diskutieren, die eine Ausgangssperre mit sich bringt und macht deutlich wie wichtig es ist an einer globalen Geschlechtergerechtigkeit zu arbeiten. Im Anschluss an die Besprechung des Artikels formulieren die Lernenden eigene Tipps wie man seinen Alltag, unabhängig von seinem Geschlecht während einer Ausgangssperre gestalten kann und Konflikte im Haushalt vermeidet.

Fazit

Das Material eignet sich für den Einsatz in der politischen Bildung – auch wenn es nicht direkt als Unterrichtsmaterial konzipiert wurde. Es beleuchtet Aspekte der Cororakrise aus verschiedenen und ungewöhnlichen Blickwinkeln und ermöglicht die Diskussion über Themen, die auch ohne Corona eine gesellschaftliche Relevanz haben.

Zugriff

https://www.fluter.de/corona

Fußnoten

1.
Hilpert,Wolfram, u.a.: Das Coronavirus - erklärt in einfacher Sprache. Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), 01.04.20, online unter: https://www.bpb.de/politik/innenpolitik/307397/erklaert-in-einfacher-sprache [abgerufen am 07.04.20].
2.
Lauter, Julia: Was der Staat gegen das Coronavirus tun darf. Gibt es eine Ausgangssperre? Werden Lebensmittel rationiert? Und wie weit dürfen Grundrechte eingeschränkt werden? Das Wichtigste im FAQ. Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), 19.03.20, online unter: https://www.fluter.de/was-darf-staat-gegen-coronavirus-tun [abgerufen am 07.04.20].
3.
Lauter, Julia: „Es bricht eine andere Zeit der Datennutzung an“. Die Corona-Krise durch Big Data überwinden: zu schön, um wahr zu sein? Medienwissenschaftler Felix Stalder schätzt die Risiken und Nebenwirkungen ein. Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), 31.03.20, online unter: https://www.fluter.de/corona-big-data-suedkorea-vorbild-fuer-deutschland [abgerufen am 07.04.20].
4.
Esswein, Ann: Kontaktlos leben. Was bedeutet die Corona-Krise für obdachlose Menschen? Ein Tag mit Ceil, 22, die seit fast fünf Jahren auf der Straße lebt. Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), 03.04.20, online unter: https://www.fluter.de/was-die-corona-krise-fuer-obdachlose-bedeutet [abgerufen am 07.04.20].
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