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12.5.2020

Im Praxistest: "Fake News" am Beispiel des Bundestagswahl-Projektes aus dem Jahre 2017 (Forschen mit GrafStat)

Fachdidaktische Vorüberlegungen

Der Terminus "Fake News" ist spätestens seit der Präsidentschaft Donald Trumps (wenn auch hier etwas anders konnotiert) zu einem mehr oder weniger geflügelten Wort, oder in diesem Fall geflügelten Ausdruck, geworden. Die Erzeugung der Meinungsbildung in der politischen Öffentlichkeit hat sich durch das massive Anwachsen der Reichweite und der Wirksamkeit sozialer Medien in den letzten Jahren verschoben. Die Reichweite von Kanälen wie Facebook, Twitter oder Instagram führt dazu, dass Nachrichten sehr viel schneller und umfassender verbreitet werden können. Dass dabei Nachrichten nicht allein zur Verbreitung seriöser Informationen erstellt werden, sondern auch um Interessen zum Beispiel unmittelbar im Wahlkampf oder auch generell zur Beeinflussung der politischen Meinungsbildung in der Gesellschaft zu verfolgen, liegt auf der Hand.

Fake News können dabei ihrer Art nach verschiedenartig gestaltet sein: Informationen können ein Thema bewusst überhöhen, es kann Propaganda im eigenen Interesse oder zum Schaden anderer betrieben werden, es kann bewusst Desinformation bei den Lesenden erzeugt werden. Letztere Variante zielt darauf ab, dass die Rezipienten aufgrund der in dieser Form verbreiteten, bewussten Falsch-Informationen, die aber den Anschein wissenschaftlicher Seriosität erwecken, Schwierigkeiten haben, zwischen Wahrheit und Unwahrheit zu unterscheiden. Somit wird hier versucht, gezielt die öffentliche Debatte zu einem Thema im eigenen Sinne zu beeinflussen.

Die Aufgabe der Schule liegt darin, Schülerinnen und Schülern Kompetenzen zu einem reflektierten und kritischen Umgang mit den Informationen generell und in den Medien vermittelten Inhalten im Speziellen zu vermitteln (die Ergebnisse der Shell-Jugendstudie aus dem Jahr 2019 unterstreicht diese Relevanz zum Beispiel durch die Ergebnisse zum Umgang mit populistischen Parolen). Auch in der aktuellen Situation der "Corona-Krise" zum Beispiel sind große Mengen an Analysen zu lesen, die unterschiedliche Aspekte dieser Pandemie beleuchten, das bisherige Agieren politischer Akteure bewerten, das weitere Vorgehen prognostizieren. Auch in diesem Kontext aber liegt den vermittelten Informationen teilweise eben nicht die Absicht einer seriösen Informationsvermittlung zugrunde, sondern teilweise politische, teilweise wirtschaftliche, mitunter auch weltanschauliche Beweggründe. Aufgabe der Schule ist es nun, die Schülerinnen und Schüler darin zu schulen, zwischen den verschiedenen Formen der Informationen zu unterscheiden, Quellen kritisch zu hinterfragen und als seriös oder auch nicht seriös einzuschätzen, um sich letztlich ein kritisches und reflektiertes Urteil zu einem Thema bilden und das eigene Handeln daran ausrichten zu können.

Aufbau des Materials

Das angebotene Material analysiert die Ausgangslage vor der Bundestagswahl im Jahr 2017. Die Konzeption des Materials ist insgesamt also auf das Thema Wahlen (vor allem im Erfahrungsbereich von Jugendlichen) ausgerichtet. Die ersten drei Bausteine Jugendpolitikbarometer, Wahl in der Krise? und Warum wählen? nehmen daher auch dieses Thema zum Gegenstand. Für die vorliegende Analyse von Interesse ist vor allem der vierte Baustein Meinungsbildung 4.0. Die Bausteine sind thematisch und inhaltlich miteinander verbunden und daher auch in der Umsetzung kombinierbar, können aber auch einzeln unterrichtet werden. Es wird empfohlen, das Material in der Sekundarstufe I im Fach Politik / SoWi auf allen Schulformen einzusetzen. Für alle Bausteine, also auch Baustein 4, sind tabellarische Verlaufspläne und didaktische Hinweise verfügbar (https://www.bpb.de/lernen/grafstat/grafstat-bundestagswahl-2017/251637/baustein-4-meinungsbildung-4-0 auch mit PDF zu einem möglichen tabellarischen Verlaufsplan), für einzelne Teilbausteine (im Baustein 4 sind das zehn) sind Materialien auch zum Download verfügbar, die fast alle mit expliziten Arbeitsaufträgen versehen sind (das Fließdiagramm 04.09. zum Erkennen von Fake News nicht). Weiterführende Links bieten zusätzliche Anknüpfungspunkte zu möglichen Vertiefungen einzelner Teilaspekte (zu einer kleinen Auswahl siehe weiter unten). Das Material ist also für den Schulunterricht konzipiert und soll im Unterricht einsetzbar sein. Die Dauer der Einheiten kann je nach Auswahl der Bausteine flexibel gestaltet werden, es empfiehlt sich aber, mindestens eine Doppelstunde einzuplanen, um einen fundierten Zugriff auf das Thema zu erreichen. Ausgehend von einer Erläuterung des Einflusses neuer Medien auf den Wahlerfolg, einer Begriffsbestimmung zu "Fake News" sollen die Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzt werden, anhand bestimmter Kriterien kritisch mit Nachrichten umzugehen und diese hinsichtlich ihres (wahren) Informationsgehaltes zu beurteilen.

Anregungen für den Unterricht

Das Thema "Fake News" ist aufgrund seiner Aktualität, Relevanz und mitunter auch aktuellen politischen Bedeutung wichtig und daher mit Sicherheit auch für die Schülerinnen und Schüler motivierend. Die Anbindung des Themas an die Bedeutung sozialer Medien bietet wohl den meisten Schülerinnen und Schülern einen guten Zugang (so zum Beispiel im Einstieg mittels der Karikatur in Material M04.4). Das Material eignet sich grundsätzlich für den Einsatz im Unterricht der Sekundarstufe I, um einen Überblick zum Thema "Fake News" zu vermitteln. Gerade im Bereich der eigenen Anwendung und der Hinführung zu einem eigenen politisch fundierten Urteil könnte man das Material aber noch ergänzen.

Das Material kann in der dargebotenen Form grundsätzlich verwendet werden, hierfür bieten sich zwei Herangehensweisen an: Bei einer Kontextualisierung mit dem Thema Wahlen könnten alle Teilbausteine des Bausteins 4 mit in die Planung integriert werden. Wenn der Schwerpunkt allein auf die Relevanz von "Fake News" gelegt werden soll, sollten nur die Teilbausteine 04.04 – 04-09 verwendet werden.

Je nach Kompetenzstand der Lerngruppe ist es an einzelnen Punkten mit Sicherheit möglich, das dargebotene Material unverändert zu verwenden, an anderen Punkten kann das Angebot auch durchaus erweitert werden (eine Übersicht zum Thema "Fake News" auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung: https://www.bpb.de/gesellschaft/medien-und-sport/fake-news/).

Bei der Begriffserläuterung zu Fake News in M 04.6 könnte das vorhandene Material gerade bei leistungsstärkeren Gruppen oder in den höheren Jahrgängen mit weiterem Material ergänzt werden (https://www.bpb.de/gesellschaft/digitales/digitale-desinformation/290780/presseschau-zur-europawahl-2019-digitale-desinformation-und-fake-news), um unterschiedliche Perspektiven anhand von Beispielen aufzeigen zu können. Der Einfluss von den neuen Medien könnte anhand dieses Materials noch einmal vertieft und kritisch hinterfragt werden: https://www.bpb.de/dialog/netzdebatte/245095/fake-news-der-lackmustest-fuer-die-politische-oeffentlichkeit.

Der Vergleich zwischen "Fake News" und "Filterbubble" (M 04.6 und M 04.7) ist auch hinsichtlich der hier vorgeschlagenen konkreten Umsetzung im Unterricht sinnvoll. Die Sicherung mittels der Visualisierung auf einem Fahndungsplakat zu den beiden Themenbereichen ist eine tragfähige Möglichkeit. Hier könnte man auch andere an diese Variante angelehnte Formen in Betracht ziehen wie die Erstellung eines Plakats. Zur Vertiefung könnte man die beiden Bereiche "Fake News" und "Filterbubble" auch noch anschließend miteinander in Bezug setzen, um ein konzises Gesamtbild zu erhalten. Die Übersicht zum Thema "Fake News erkennen" in M 04.9 schließt sich sachlogisch sinnvoll an, erfordert von den Schülerinnen und Schülern aber im Prinzip noch keine Urteilsbildung.

Für die Verwendung der Einheit ergänzungswürdig wäre aus meiner Sicht (zumindest für Gymnasien und leistungsstarke Lerngruppen anderer Schulformen), die im Material erarbeiteten Kriterien auch auf einen konkreten, bestenfalls aktuellen Fall anzuwenden. Hier würden sich aktuelle politische Reden als Bezugspunkt anbieten, wie zum Beispiel Stellungnahmen zum Regierungshandeln im Umgang mit Covid-19. An einem solchen Beispiel könnten die Schülerinnen und Schüler die Kriterien, die sie vorher erarbeitet haben, selbst anwenden und überprüfen. Daran könnten sich möglicherweise weitergehende Arbeitsaufträge wie das Verfassen einer Richtigstellung auf Grundlage eigener Recherchen etc. anschließen. Mit diesem Zusatz wäre das Material als Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit dem Thema dann meines Erachtens auch für einen Kurs in der Oberstufe geeignet.

Eine Vertiefung zur Anbindung des Themas "Fake News" an das sehr aktuelle Corona-Themas wäre auch mit dem folgenden Podcast möglich: https://www.bpb.de/gesellschaft/medien-und-sport/306942/corona-und-verschwoerungstheorien.

Zugriff

Die wichtigsten Links zum Material der Bundeszentrale für politische Bildung sind in die Analyse eingefügt.

Sven Greinke

Sven Greinke

Sven Greinke, Politiklehrer aus Berlin


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