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11.11.2020

Baustein 3: Schöne neue Welt?! Digitalisierung auf dem Prüfstand

Welche Auswirkungen hat Digitalisierung auf die gegenwärtige und zukünftige Lebenswirklichkeit? Dieser Frage gehen die Schülerinnen und Schüler im dritten Projektbaustein nach, diskutieren Vor- und Nachteile von Digitalisierung und erörtern Kriterien für die Beurteilung einzelner Aspekte.

Lernziele

Die Schülerinnen und Schüler …

Verlauf

Anknüpfend an das Vorwissen der Schülerinnen und Schüler entwerfen diese SciFi-Szenarios einer zukünftigen durchdigitalisierten Welt, die sie anschließend mit dem „status quo“ der technischen Entwicklung abgleichen und zudem für eine Pro-Contra-Gegenüberstellung positiv oder negativ bewerten. In der abschließenden Reflexion diskutieren die Schülerinnen und Schüler, anhand welcher Kriterien die Aspekte positiv oder negativ bewertet wurden und machen sich so ihren Urteilsbildungsprozess bewusst (Konzept der Urteilsbildung).

Einstieg

SciFi-Szenario: Die Schülerinnen und Schüler entwickeln in Gruppenarbeit ein phantasievolles Zukunfts-Szenario zur Weiterentwicklung von Digitalisierung und neuen Technologien und entwerfen eine Vision einer durchdigitalisierten Welt. Welche Einsatzmöglichkeiten und Nutzungsbereiche von Big Data und KI wird es in Zukunft geben? Wie wird unser digitalisierter Alltag in der Zukunft aussehen?

Die Umsetzung und Präsentation des Szenarios können dabei digital oder analog auf unterschiedliche Weise kreativ erfolgen. Denkbar sind beispielsweise kurze szenische Darstellungen als Theater- oder Hörspielszene, eine Bildcollage mithilfe von Bildbearbeitungsprogrammen oder eine Präsentation, kleine Comics, Animations- oder Trick-Filme oder auch (Video-)Podcasts, z. B. in Form eines Interviews mit einem Staatschef einer Zukunftsgesellschaft oder Nachrichtensendungen aus einer utopischen oder dystopischen Zukunft etc. sind denkbar. Beispielhaft zeigen M 03.01 Utopie und M 03.02 Dystopie auf, wie ein solches SciFi-Szenario in der Präsentation aussehen könnte. In den Infomaterialien Info 03.01 und Info 03.02 stehen die Trankskripte der Podcasts zur Verfügung.

Alternativer Einstieg:
Lehrkräften, denen wenig Zeit zur Verfügung steht, bieten die beiden Beispielszenarien (M 03.01 Utopie und M 03.02 Dystopie) in Form von Audio-Podcasts im Nachrichtenformat den Einstieg ins Thema dieses Bausteins eine Alternative zu der u. U. recht zeitintensiven Erstellung der Szenarien durch die Schülerinnen und Schüler. Es wurde sowohl ein positives als auch ein eher negatives Beispiel-Szenario erstellt, was die spätere Erarbeitung der Pro-Contra-Argumente bzw. eine Einordnung und positive oder negative Bewertung sowie auch die Diskussion über die Beurteilungskriterien erleichtern kann.

Für den Einstieg mit den selbst erstellten Szenarien können die Schülerinnen und Schüler zur Unterstützung bei der Planung ihres SciFi-Szenarios sinnvollerweise eine (digitale) Mindmap (s. Info 03.03) verwenden.

Dimensionen und Themenfelder, in denen Digitalisierungsperspektiven wie die Nutzung von Big Data und der Einsatz von KI denkbar ist, können in einer Mindmap mithilfe von Stichworten aufgezeigt werden (s. Beispiel in Info 03.03). Dies ermöglicht den Schülerinnen und Schülern bei der Planung des Szenarios, gemeinsam kreative Ideen zu entwickeln und diese schon gleich thematisch strukturiert festzuhalten.


Beispiel Mindmap mit Themenfeldern



Zu beachten ist dabei, dass die gewählten Dimensionen durchaus Überschneidungsbereiche haben. Es ist sinnvoll, Dimensionen, die thematisch sehr eng beieinanderliegen, auch in der Mindmap nebeneinander zu platzieren, um gemeinsame Aspekte und Überschneidungen sichtbar zu machen. Neben einer kollaborativen und kreativen Arbeit unterstützt die Mindmap - insbesondere durch eine Vorstrukturierung - ein zielgerichtetes, mehrdimensionales sowie strukturiertes Vorgehen bei der Arbeit am Zukunfts-Szenario.

Je nach Interesse und zur Verfügung stehender Zeit können die Schülerinnen und Schüler bei der Erstellung des Szenarios selbstverständlich auch Schwerpunkte auf einzelne Dimensionen legen, sie sollten aber möglichst schon alle genannten Dimensionen ansatzweise beim Brainstorming mitberücksichtigen, um eine breitere Basis für die spätere Erarbeitungsphase zu schaffen.

Bei der anschließenden Präsentation der einzelnen Szenarien durch die Arbeitsgruppen haben die zuschauenden Gruppen den Auftrag, stichwortartig neue Aspekte bei den einzelnen Dimensionen in ihrer Mindmap zu ergänzen. In der Besprechung der Szenarien soll zudem analysiert werden, welche Aspekte positiv, welche negativ dargestellt bzw. wahrgenommen werden. Die Schülerinnen und Schüler ergänzen, z. B. mit Icons oder mit [+] und [-] zu diesen Aspekten der Mindmap eine positive oder negative ggf. auch neutrale Bewertung. Diese Bewertungen helfen in der späteren Pro-Contra-Diskussion die Aspekte einzuordnen.

Erarbeitung

Anknüpfend an die Zukunftsszenarien geht es darum, den Status quo zu eruieren und mit den Szenarien abzugleichen. Im Unterrichtsgespräch wird – im Rückgriff auf die Ideen aus den vorgestellten Szenarien - diskutiert, welche der futuristischen Aspekte der Szenarien es eventuell schon in der Realität gibt.

Zeitstrahl
Die Schülerinnen und Schüler sollen dies anschließend mithilfe einer Internetrecherche zum Status quo erarbeiten und Beispiele für Digitalisierung und Einsatz von KI in unserem Alltag in den genannten Dimensionen raussuchen. Zur Einstimmung können zunächst der Zeitstrahl eingesetzt und/oder das Quiz M 03.03 gespielt werden, bei dem es zu entscheiden gilt, welche der futuristisch anmutenden, geschilderten Begebenheiten im Quiz es real schon gibt oder nicht (Wahr-/Falsch-Quiz).

Der Arbeitsauftrag für die Schülerinnen und Schüler besteht dann darin, in Anknüpfung an ihre Ideen aus den Szenarien und darüber hinaus existierende Beispiele sowie Möglichkeiten der Digitalisierung (Einsatzmöglichkeiten für Big Data und KI) für die genannten Dimensionen zu recherchieren und gleichzeitig zu überlegen, wie diese zu bewerten sind.

Aufgrund der Fülle an Informationen im Internet bietet sich eine arbeitsteilige Erarbeitung in Kleingruppen an, um den Umfang der Aufgabe sinnvoll einzugrenzen. Die Arbeitsgruppen bearbeiten dabei jeweils nur eine Dimension und tragen die Ergebnisse später – z.B. in einer kollborativen Pinnwand (z.B. als Padlet[1]) - zusammen. Alternativ ist auch denkbar, je nach Interesse der Klasse oder Schwerpunkt der Schule nur eine ausgewählte Dimension gemeinsam zu bearbeiten (z.B. Wirtschaftsgymnasium --> Dimension Wirtschaft).
Zeitsparend und zielführend kann es sein, die Internetrecherche zusätzlich durch Leitaussagen etwas zu lenken. Die Materialien M 03.04 bis M 03.10 enthalten Aussagen zu ausgewählten Aspekten der Dimension und grenzen damit die Recherche sinnvoll ein.

Dimensionen für die Bearbeitung in der Gruppenarbeit mit ausgewählten Pro-/Contra-Aspekten:
Eine detailliertere Aufstellung zu den Pro-/Contra-Beispielen finden Lehrkräfte in den Infomaterialien (Info 03.04 bis Info 03.10), welche beispielhaft aufzeigen, welche Argumente die Schülerinnen und Schüler auf diese Weise erarbeiten können. Ausgewählte Links bieten den Lehrkräften zudem die Möglichkeit, sich zu den genannten Argumenten genauer zu informieren.

Präsentation und Ergebnissicherung

Die Ergebnisse der Erarbeitung werden anschließend gruppenweise in der Klasse präsentiert. Hierzu eignet sich ein Padlet [s. Fußnote1], an dem alle kollaborativ arbeiten können. Die Schülerinnen und Schüler tragen hier ihre Ergebnisse nach Dimensionen sortiert in der entsprechenden Spalte ein.

Screenshot Padlet mit Beispielen nach Dimensionen sortiert



Zudem besteht im Padlet die Möglichkeiten, die Beiträge in einem nächsten Schritt positiv (Daumen-hoch-Symbol) oder negativ (Daumen-runter-Symbol) zu bewerten.

Die Bewertung wird anschließend gemeinsam im Plenum diskutiert.

Bei der Diskussion der positiven und negativen Bewertungen geht es in diesem Fall nicht um ein finales Urteil oder eine finale Beurteilung, sondern letztlich um den Urteilsbildungsprozess. So soll bzw. kann in einem nächsten Schritt auf einer Metaebene untersucht werden, wie es zu den einzelnen Bewertungen kommt und auf Basis welcher Kriterien diese erfolgt sind.

Vertiefung und Reflexion

Um diesen transparent zu machen, eignet sich eine Gegenüberstellung von positv und negativ bewerteten Aspekten in der Vertiefungs- und Reflexionsphase, um die zugrundeliegenden Bewertungskriterien herauszuarbeiten. Die Schülerinnen und Schüler analysieren die Ergebnisse im Hinblick auf ihre Bewertung und arbeiten bestimmende Faktoren für die Einteilung in gut/schlecht bzw. Pro/Contra heraus:

Bei der gemeinsamen Diskussion in der Klasse soll den Schülerinnen und Schüler deutlich werden, wie – wenn auch überwiegend unbewusst - Urteilsbildungsprozesse allgemein ablaufen. (Regeln der Urteilsbildung)

Medien und Methoden:

Eine tabellarische Übersicht der Planung des Bausteins steht als PDF-Icon PDF-Datei zur Verfügung.
Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-ND 3.0 DE - Namensnennung-Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.

Fußnoten

1.
Padlet ist eine Plattform eines amerikanischen Anbieters, verspricht EU-Bürgerinnen und Bürgern aber Datenschutz auf Grundlage der DSGVO (s. Datenschutzerklärung von Padlet)

Andrea Szukala, Sabine Kühmichel, Cornelius Knab

Zur Person

Andrea Szukala

ist Politikwissenschaftlerin und Inhaberin der Professur für Fachdidaktik der Sozialwissenschaften am Institut für Soziologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. andrea.szukala@uni-muenster.de


Sabine Kühmichel

Team Forschen mit GrafStat
jetzt Team "Forschendes Lernen" am Lehrstuhl für Didaktik der Sozialwissenschaften am Institut für Politikwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

IT-Trainerin und Referentin für Software-Schulungen
- u.a. zum Thema Evaluation mit der Befragungssoftware GrafStat im schulischen und außerschulischen Bereich
(Bildungsversion und Kommerzielle Version)


Cornelius Knab

Bachelor im Major / Minor: Kommunikationswissenschaft / Politikwissenschaft
Master im Fach Politikwissenschaft

Wissenschaflticher Mitarbeiter an der Fachhochschule Münster
im Projekt "game based learning in nursing - spielerisch lernen in authentischen, digitalen Pflegesimulationen"

Team Forschen mit GrafStat


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