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20.6.2014

Sachinformationen: Deutsches Nationalbewusstsein, „unsere“ Fußballnationalmannschaft und die WM 2014 in Brasilien

Die Identifikation der Deutschen mit ihrer Nation ist im Vergleich zu anderen Nationen seit Jahren eher gering. Empirische Befunde aus internationalen Untersuchungen belegen dies seit Jahren: Ganz unten auf der weltweiten Patriotismus-Skala befindet sich Deutschland, wobei sich die Menschen aus den neuen Bundesländern noch weniger stolz zeigten als die Westdeutschen.

Identifikation mit der Nation oder Partypatriotismus?

Zur Einordnung des Themas
Die Identifikation der Deutschen mit ihrer Nation ist im Vergleich zu anderen Nationen wie z.B. USA, Venezuela, Großbritannien, Österreich und Niederlanden seit Jahren eher gering. Empirische Befunde aus internationalen Untersuchungen belegen dies seit Jahren: „Ganz unten auf der weltweiten Patriotismus-Skala befindet sich Deutschland, wobei sich die Menschen aus den neuen Bundesländern noch weniger stolz zeigten als die Westdeutschen. Wenig Nationalgefühl empfinden außerdem Letten, Schweden, Slowaken, Polen, Taiwaner, Franzosen und Schweizer. Möglicherweise identifizierten sich insbesondere junge Europäer genauso stark mit ihrem Kontinent wie mit ihrem eigenen Land, erklären Smith und Kim den schwächeren Nationalstolz in Europa. Außerdem sei Patriotismus in Ländern wie Deutschland aufgrund der Vergangenheit negativ besetzt.“ (Pressemitteilung der Universität Chicago, Smith, Tom und Kim, Seokho, International Journal of Public Opinion Research, Bd. 18, 2006, S. 127 zit. nach Bild der Wissenschaft 1.3.2006, http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/1028222 Abruf vom 18.6.2014)

Historiker, Politologen und Sozialpsychologen haben immer wieder deutlich gemacht, dass Menschen nach einer positiven kollektiven Identität streben, mit der sie Sicherheit, Wohlbefinden, Wohlfahrt, kulturelle und soziale Gemeinsamkeiten in Verbindung bringen.

Deutschland - Ein Fahnenmeer (© picture-alliance/dpa)

Bisher bildeten die Nation, der Nationalstaat und auch regionale Einheiten wie Bundesländer (Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen) solche Bezugsgrößen. Es steht außer Frage, dass neuerdings auch sportliche Großveranstaltungen wie im Fußball auf Grund der hohen emotionalen Ansprache und der massenmedialen Kommunikation – zumindest für eine gewisse Dauer – diese Identifikationsfunktion in unterschiedlicher Weise übernehmen (vgl. Haberecht /Herrmann 2009), wobei die mediale Berichterstattung über die Spiele sich in der Selbst- und Fremdwahrnehmung doch lange Zeit noch weitgehend an bestehenden Stereotypen orientierte (vgl. Hoffmann 2009). Zugleich ist seit Mitte der 1990er Jahre bei den wichtigen Akteuren durchaus auch ein „Bewusstsein für die zunehmende Entgrenzung der Fußballwelt und die Etablierung eines globalen Beobachtungs- und Vergleichszusammenhangs, der sich sowohl auf Wettkämpfe als auch auf die Leistungen einzelner Spieler bezog“, erkennbar (Müller 2009, S. 264). Im Zusammenhang mit dem Fußballspiel und insbesondere in Bezug auf die Nationalmannschaft signalisieren viele Deutsche nun wieder eine gewisse Bereitschaft, ihre Verbundenheit mit der Nation kundzutun, „Farbe“ zu bekennen und „Flagge“ zu zeigen. Wie die stimmungsmäßig erfolgreiche WM 2006 und das damit verbundene „Sommermärchen“ in Deutschland dokumentieren, haben die Deutschen an diesem Partypatriotismus Gefallen gefunden. Fußball wurde zu einem Ankerpunkt für nationale Identifikation. (vgl. Mutz 2013, S. 521; vgl. M 02.25) Eine gewandelte Form der TV-Berichterstattung über den Fußball, die stärker auf Emotionen setzt, dürfte die Bereitschaft, die Identifikation mit den nationalen Symbolen auch zu zeigen, verstärkt haben. (vgl. Ismer 2011) Die öffentlichen Sympathieerklärungen waren überraschend stark und haben alle in positives Erstaunen versetzt, was auch international zu einem erheblichen Imagegewinn von Deutschland geführt hat (vgl. HWWI 2014 M 04.02.04). Dass der Patriotismus während der WM und EM anstieg, „weil beim Zuschauen kollektive Emotionen erlebt und nationale Symbole angeeignet werden“ (Mutz 2013, S 531), aber dann nur für drei Wochen anhielt, scheint geradezu typisch für das Lebensgefühl in der „flüchtigen Moderne“ zu sein: Feste, dauerhafte und unhinterfragte Bezugspunkte von Zugehörigkeit werden teilweise ersetzt durch episodenhafte, expressive und emotionale Formen von Vergemeinschaftung.

Im Public Viewing erleben die Menschen diese neue Form der kollektiven Euphorie, sie findet hier ihren sichtbaren und wirksamen Ausdruck. Auch jetzt zu Beginn der WM 2014 warten schon wieder viele Menschen auf willkommene Anlässe, um ihre (Fußball-)Begeisterung öffentlich zeigen und mit anderen teilen zu können.

Public Viewing, Hafenarena Münster 21.6.2014 (© W. Sander)

„Keine andere Großveranstaltung auf der Welt verfügt über eine solche Anziehungskraft bei ihrer Zielgruppe. Insgesamt wurden für die 64 Spiele des Turniers fast drei Millionen Eintrittskarten verkauft. Das WM-Spektakel ist wie gemacht für die Nutznießer des globalen Wirtschaftsbooms, ihre ausgeprägte Konsumbereitschaft und den Trend zum Eventtourismus. Das gilt für die aufstrebenden Mittelschicht in den Schwellenländern, aber auch den tourismusorientierten Fußballanhänger aus Europas.“ (M. Ashelm 2014) Neben den 1,5 Millionen Ticketbestellungen aus Brasilien werden 230.000 aus den USA, 62.000 Karten aus Argentinien und 60.000 Karten aus Deutschland registriert. Die identitätsstiftende Funktion dieser sportlichen Großereignisse wird durch die preisgünstige Partizipationsform des Public Viewing deutlich verstärkt. Diese mediale Plattform und Bühne wird anlässlich der WM 2014 mittlerweile in fast allen größeren deutschen Städten angeboten. Nirgendwo sonst zeigt man sich so häufig mit nationalen Symbolen wie bei Spielen der deutschen Fußballnationalmannschaft: Schwarz-Rot-Gold findet sich in der Gesichtsbemalung, im Nagelschmuck, im patriotischen Kopfschmuck, bei den bunten Trikots und Kopfbedeckungen, in den Fähnchen am Auto nebst zahlreichem Zubehör, in den Bundesflagge auf dem Balkon und in den Wandbehängen. Auch bei der WM 2014 hält dieser Trend an, auch wenn die WM im fernen Brasilien stattfindet und wegen der Zeitverschiebung viele Spiele erst übertragen werden, wenn in Europa schon Nacht ist. Damit trotz der Lärmschutzbestimmungen auch bei der WM 2014 wieder gemeinschaftlich gejubelt (und getrauert) werden kann, hat das Bundeskabinett im April diesen Jahres für die Zeit der WM vorsorglich eine Verordnung beschlossen, die den Betrieb von öffentlichen TV-Darbietungen im Freien (unter Beachtung bestimmter Auflagen) „ausnahmsweise“ erlaubt. (vgl. M 02.23)

Alle großen Städte haben zur WM 2014 schon Fan-Meilen eingerichtet. So wird es in Berlin wieder Deutschlands größte Fan-Meile zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor mit geschätzten 100.000 Menschen geben. In der Alten Försterei, dem Stadion von Zweitligist Union Berlin, durften die Fans vor der WM ihre Couch hinstellen, um die Spiele in ihrem „Wohnzimmer“ verfolgen zu können. 750 Sofas wurden aufgestellt, 3.000 Fans kamen. Der Eindruck hatte etwas Kurioses: „Ein Fußballstadion in ein Wohnzimmer verwandeln, das ist schließlich nichts anderes als Public Viewing in seiner konsequentesten Form. Raus aus den einsamen Muffbuden mit Couchtisch und Glotze! Feiern auf der Straße! Das war doch vor acht Jahren ein Heidenspaß, das war ein soziales Erweckungserlebnis. Deutschland kann nicht nur kleinbürgerliches Einigeln im Privaten. Deutschland kann auch spontan und öffentlich, Deutschland kann Party. Das war die herrliche WM-Erfahrung von 2006, als das Sommermärchen aus den Wolken kam und ein Land sich selbst entdeckte, das den verschlabberten Kindernamen Schland trug.“ (U. März 2014)

Public Viewing, Hafenarena Münster am 21.6.2014: M. Goetze köpft das erste Tor im Spiel gegen Ghana

In Hamburg fand das Spektakel beim ersten Spiel der deutschen Mannschaft 2014 auf dem Heiligengeistfeld im Schatten des Millerntor-Stadions am Ende der Reeperbahn statt, 40.000 Fans kamen. In Frankfurt a.M. fand das Public Viewing auf der Galopprennbahn statt, mit 1.000 Fans hatte man gerechnet, 4.000 kamen. Das Ergebnis: Würstchen und Bier reichten nicht bis zur ersten Halbzeit. In Essen kam es nach dem Public Viewing zu einem Streit zwischen Fans, der von der Polizei beigelegt werden musste. (vgl. SZ vom 18.6.2014). In Münster verfolgten mehrere Tausend begeisterte Fans den Sieg der deutschen Mannschaft gegen Portugal und einige Tage später das Unentschieden gegen Kamerun auf zwei Großleinwänden in der MZ-Hafenarena.

Identifikation durch Reden oder Der Hunger kommt beim Essen

Das Mitdenken und Mitleiden mit den Höhen und Tiefen der deutschen Mannschaft beschäftigt von Anfang an die Fans, denen es darum geht, die Gewinnaussichten der eigenen Mannschaft abschätzen zu können. So war schon das erste Spiel der deutschen Mannschaft in der Vorrunde gegen Portugal (16.Juni 2014) von strategischer Bedeutung. Denn hier wird dem Fan deutlich, in welcher Form sich die „eigene“ Mannschaft befindet, wie sie den Leistungsdruck unter den brasilianischen Bedingungen bewältigt und ob sie sich in diesem Wettbewerb eine günstige Ausgangsposition verschaffen kann. Legt sie z.B. einen guten Start hin und gewinnt das Spiel, schweißt das die Mannschaft zusammen. Vor allem sind ihre Aussichten dann gut, Gruppensieger zu werden und gegen den Zweiten der Gruppe H (z.B. Russland oder Algerien) zu spielen, was zwar auch keine einfachen Gegner sind, aber die Chance für den Einstieg in das Viertelfinale erhöhen könnte. Wird sie hingegen mit einem Unentschieden oder gar mit einer Niederlage das erste Match beenden, wird das die Moral des Trainers und der Mannschaft belasten und die Spieler müssen einen enormen Kampfeswillen in den Spielen gegen Ghana und die USA entwickeln, um die Gruppenphase noch als 2. (wenn es gut geht auch als 1.) zu überstehen. Denn es gilt – eine Runde weitergedacht, ein frühes Spiel gegen die enorm starke belgische Mannschaft (die mit zu den Geheimfavoriten gehört) zu vermeiden, die Sieger der Gruppe H werden könnte. Das Schöne bei der WM ist: Jeder Fan kann sich „seinen“ Plan über die Gewinnaussichten der eigenen Mannschaft machen (mitfiebern und evtl. in Tippgemeinschaften Wetten abschließen), was gewisse Kenntnisse über die Stärken und Schwächen der Mannschaften sowie Spieler voraussetzt. Aber auch Anfänger schneiden bei Tippgemeinschaften häufig gut ab. Das kognitive und emotionale Engagement der Fans wird sich von Spiel zu Spiel enorm steigern, so kann man beim Fachsimpeln mit den Kollegen locker mithalten - auch wenn sich die Wirklichkeit dann doch völlig anders entwickeln sollte, was wiederum erklärungsbedürftig ist. Auch wenn ein Unternehmer wie der Schraubenhersteller R. Würth ernsthaft beklagt, dass in Zeiten der Fußball-WM die Produktivität am Arbeitsplatz nachlasse, ist dies wiederum Gesprächsanlass und löst auch im Internet eine heftige Debatte aus: „Wenn Deutschland Weltmeister wird, sind das 3% Wirtschaftswachstum.“ „Skandal. Dabei ist Produktivität schließlich alles, wofür sich ein Mensch interessieren sollte. Schämt euch, Freizeitgestalter.“ (vgl. SZ vom 18.6.2014 und sz.de/schraubenkoenig)

Die internationale Orientierung

In den Bereichen Wirtschaft und Politik ist die internationale Orientierung in Deutschland sehr ausgeprägt und beruht auf soliden handfesten Interessen. In der Mitte von Europa gelegen und mit den meisten Außengrenzen steht es Deutschland gut an, eine Vermittlerrolle zu spielen und angesichts der deutschen Vergangenheit auf irgendwelche Führungs- oder Machtansprüche zu verzichten. So nimmt die Kanzlerin Angela Merkel nach der Europawahl in der (Neu-)Ausrichtung der Europapolitik und bei der Suche nach einem Kommissionspräsidenten eine wichtige vermittelnde Rolle ein. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier fährt mit seinem polnischen Kollegen Radoslaw Sikorski nach Sankt Petersburg und spricht dort mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow über die Ukrainekrise. Auch wirtschaftlich ist Deutschland innerhalb der EU eine wichtige und tragende Kraft der europäischen Integration und als stark exportorientierte Wirtschaft Motor des wirtschaftlichen Aufschwungs, auch wenn die Austeritätspolitik der Kanzlerin vor allem bei den Südländern mittlerweile auf erheblichen Widerstand stößt. Eine Rückbesinnung auf die „nationale Wirtschaft“ und eine Verteidigung „nationaler“ Unternehmen gegen feindliche Übernahmen („Heuschrecken“) war in Deutschland nur vorrübergehend und partiell zu erkennen. Ökonomischer Patriotismus wird in Kommentaren führender deutscher Wirtschaftszeitungen seit langem scharf kritisiert und widerspricht bis heute der herrschenden Meinung: „Wenn einem Politiker gar nichts mehr einfällt, fällt ihm das Vaterland ein. Der Appell an den Patriotismus ist daher zu allen Zeiten ein Zeichen der Hilflosigkeit gewesen. Wer gute sachliche Argumente hat, braucht die Vaterlandsliebe nicht zu bemühen. Unsere Politiker haben offenbar keine guten Argumente, denn ihre Patriotismus-Appelle häufen sich. In Deutschland ist das umso erstaunlicher als Patriotismus seit den Nazis hier aus dem politischen Diskurs verbannt war. Die Not muss schon groß sein, wenn er jetzt wieder salonfähig wird.“ (Stefan Baron, Chefredakteur der Wirtschaftswoche v. 13.3.2006, S. 5.) Die internationale Orientierung in Europa ist nicht fraglos gegeben, sondern auch Gegenbewegungen ausgesetzt. Der europäische Kontinent ist zur Zeit krisenhafen Entwicklungen ausgesetzt und sortiert sich neu (s. Europawahl und Personaldiskussion um den neuen Ratsvorsitzenden). In Frankreich setzt die Politk neuerdings wieder auf Wirtschaftspatriotismus, wie Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg in einem Interview mit der SZ deutlich macht (vgl. SZ Nr. 147 30.6.2014 S. 20.). Die Europawahl hat einen wachsenden Rechtspopulismus in Frankreich und Ungarn erkennen lassen. In der Ukraine verschärft die nationalistische Rückbesinnung die Krise. Anlässlich der Gedenkfeier zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges hat der Bundespräsident Joachim Gauck mahnende Worte vor einer Überbewertung nationalistischer Ideen ("Blut und Abstammung") gefunden (vgl. http://www.sueddeutsche.de/politik/gauck-und-der-erste-weltkrieg-die-ueberbewertung-von-blut-und-abstammung-1.2020042 Abruf vom 27.6.2014). (Zum "Nationalismus" und "Patriotismus" vgl. M 02.21 und M 02.22.)

Offenheit für andere Länder

In der deutschen Bevölkerung, insbesondere bei den fußballbegeisterten Jugendlichen, ist auch im Jahre 2014 eine besondere Offenheit für andere Fußballnationalmannschaften, Länder und Nationen im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft auszumachen. Gerade in Schulklassen, in denen mehrere Nationalitäten vertreten sind, dürfte der Austausch von Informationen über die Spieler aber auch die Einschätzungen der Stärken und Schwächen sowie Siegeschancen der favorisierten Mannschaft besonders rege sein. Die anwachsende Berichterstattung in den Medien (TV und Print) über das sportliche Großereignis in Brasilien trägt diesem Interesse in der Bevölkerung Rechnung und verstärkt zugleich die Aufmerksamkeit auf dieses Thema. Die ersten Gegner der Nationalmannschaft in der Gruppenphase (Portugal, USA, Ghana) genießen dabei neben den Favoriten (Spanien, Brasilien, Italien und Geheimfavorit Belgien) besondere Beachtung auch in der Berichterstattung. Die 41 von ARD und ZDF live übertragenen Vorrundenspiele hatten im Schnitt 9,5 Millionen Zuschauer in Deutschland (Marktanteil 45,6%). Das Spiel Deutschland gegen USA, das 1:0 endete, wurde im ZDF übertragen und erzielte mit 27,3 Millionen Zuschauer einen ersten Höchstwert. (Zum Vergleich: Den bisherigen Rekord von 31,1 Millionen Zuschauern hält das verlorene deutsche WM-Halbfinale 2010 gegen Spanien, vgl. M 04.03.03).

Die Deutschen dürften in der Mehrheit den Kopf frei haben, um sich auf die Fußballweltmeisterschaft zu freuen und die Stärken und Schwächen ihrer Nationalmannschaft zu konzentrieren, aber auch um die Stärken und Schwächen anderer Nationalmannschaften, deren Nationen, kulturelle, soziale und wirtschaftliche Situation kennen zu lernen. (vgl. M 02 und M 03) Das gilt besonders für das Gastgeberland Brasilien. Das Interesse an gutem Fußball, interessanten und spannenden Wettkämpfen mit deutscher Beteiligung dürfte insgesamt im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Wenn daher die deutsche Nationalmannschaft sich in den ersten Spielen gut behauptet und im Viertelfinale gegen bessere Mannschaften „kämpfend untergehen sollte“, was nicht zu erwarten ist, dürfte das für die fußballbegeisterte Seele der Deutschen kein so großes Problem darstellen, denn im fairen Wettkampf hätten „wir“ dann verloren und die besseren Mannschaften hätten gewonnen. (Aber insgeheim hoffen alle, dass Deutschland das Endspiel z.B. gegen Brasilien oder Belgien bestreitet.) Ein Problem wäre allerdings dann entstanden, wenn die deutsche Mannschaft schon in der Vorrunde aufgrund einer schlechten Mannschaftsleistung, durch geringen Einsatz einzelner Fußballstars und in Folge eines „schwer durschaubaren und rätselhaften“ (P. Selldorf in der SZ vom 11.6.2104) Teamchef Joachim Löw nicht einmal in der Lage gewesen wäre, die Einstiegsbarriere für den internationalen Wettbewerb zu bestehen. Dies hätte zu einem erheblichen Prestigeverlust des deutschen Fußballs und zu einer Verärgerung eines Großteils der Fußballnation Deutschland und der Sponsoren geführt. Mit einer solchen frühen „Niederlage“ würde sich nicht das von allen herbeigesehnte Bewusstsein des Aufschwungs sondern der „Niedergeschlagenheit“ verstärken, da „wir“ ja nicht in der Lage sind, in einem international wichtigen sportlichen Wettbewerb in der Spitzengruppe mitzuspielen. Eine Umkehrung des Hochgefühls von 1954 wäre die Folge. Die WM 2014 ginge im Gegensatz zum "Wunder von Bern" als die "Misere von Brasilien" in die Sportgeschichte ein. Aber das sind alles Horrorvisionen (die in den Nächten vor dem ersten Spiel hochkommen), die sich aber nicht erfüllt haben. Es ist in keinem Fall zu erwarten, dass durch eine solche sportliche Niederlage die stabile internationale Orientierung der deutschen Bevölkerung in politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Bereichen einen Einbruch erleiden wird. Daran zeigt sich, dass die Identifikation mit der Fußballnationalmannschaft eine eigenständige Größe ist. Eine wohltuende Entkopplung des deutschen Nationalgefühls von symbolträchtigen aber letztlich doch punktuellen Ereignissen ist hier feststellbar.

Ein Porträt der Nationalmannschaft oder Wie machen wir uns ein Bild von den Titel-Chancen?

Um die Chancen und Risiken der deutschen Mannschaft einschätzen zu können, ist es wichtig, die Ausgangslage nüchtern zu analysieren und dabei wichtige Einflussgrößen zu berücksichtigen, soweit das beim Fußballspiel möglich ist, bei dem – wie es heißt – 45% durch den Zufall bestimmt ist. Welche „strategischen“ Vorstellungen werden in den einschlägigen Publikationen über die WM vermittelt, damit die Fußballinteressierten Gesprächsstoff haben und sich austauschen können? Um welche Themen geht es? Welche Probleme gibt es und wie sollen sie gelöst werden? Unabhängig davon, dass erfahrenen Regisseure um Löw und Bierhoff genau darauf achten werden, dass die „wahren“ Probleme der deutschen Mannschaft nur wohldosiert nach außen gelangen und es in den Pressekonferenzen vielfach darum geht, den Journalisten fast belanglose Informationen gut verpackt anzubieten, die diese dann als „Neuigkeiten aus erster Hand“ unters Volk zu bringen, so dass die Fans wiederum Gesprächsstoff haben. So wird über das zwanglose Reden eine dauerhafte Identifikation mit der Mannschaft und dem Trainer gefördert. Wer will, kann dann mitreden – vorher, beim Spiel und nachher. Dafür werden ein Tag vor dem ersten Spiel der deutschen Mannschaft einfache Rede-Rezepte (gleichsam für Einsteiger) in der Bild am Sonntag (BamS) an die Hand gegeben: „Mit welchen Sprüchen kann ich bei Deutschland – Portugal punkten, obwohl ich keine Ahnung davon habe? - Keine Angst vor Ronaldo: Der hat noch nie gegen Deutschland getroffen! - Hoffen wir mal, dass Neuers rechte Schulter hält… - Der wichtigste Mann bei Portugal ist gar nicht Ronaldo – Regisseur Moutinho. - Philipp Lahm ist ein Phänomen: Spielt seine dritte WM – und jedes Mal auf einer anderen Position. - Jogi muss unbedingt Klose bringen, denn der trifft seit 2002 immer im ersten Turnierspiel der Deutschen.“ (BamS vom 15.6.2014)

Etwas differenziert und vielleicht auch widersprüchlicher (dissonanter) ambivalenter wird das Bild von den bevorstehenden Wettkämpfen und den Strategien (Taktiken) der Trainer, wenn man dem ausführlichen Sportteil der SZ und anderer überregionaler Tageszeitungen (besonders während der WM-Zeit) folgt. Die Auftragslage ist aus der Sicht der Trainer klar und einfach: Jeder Trainer steht vor der schwierigen Aufgabe, seine 23 Spitzenfußballer (größtenteils Millionäre) regelmäßig „an die Arbeit“ (das Training) zu bekommen, 11 Individualisten auszuwählen und zu einer gut eingespielten Mannschaft zu formen, für jedes Spiel immer wieder hoch zu motivieren sowie die 12 Reservisten auf der Bank bei Laune und in Hochform zu halten, damit sie aus dem Stand heraus einsatzfähig sind. In der Realisation dieser Aufgabe zeigt sich der besondere Stil des jeweiligen Trainers: Scolari: der väterliche Herbergsvater; van Gaal: der disziplinierte Trainer, der den Spielern des FC Bayern München den Systemfußball eingetrichterte, gilt als „diktatorischer Verkleinerer des Zufalls“ (Horeni); Klinsmann: der Motivator und Fitnesstrainer; Hitzfeld: der exakte und strenge Lehrer. Wilmots: der Schleifer, zu Schalker Zeiten auch liebevoll „Willi, das Kampfschwein“ genannt. Sampaoli: der ehrgeizige Kämpfer, der das Letzte aus seinen Spielern herausholt; del Bosque: der altersweise und strenge Herbergsvater; Capello (Trainer der russischen Mannschaft): gilt als härtester Coach der Branche. „Noch jedes Team, das im anvertraut wurde, hat er in eine stramm parierende Kadettengruppe verwandelt.“ (SZ vom 17.6.2014); Löw: der akribische, stilbewusste Coach und gute Taktiker. Der deutsche Trainer J. Löw legt besonderen Wert auf die Mitarbeit von Führungspersönlichkeiten innerhalb der Mannschaft. Diese zentrale Rolle spielt neben dem Kapitän Lahm S. Khedira, wie Löw im Spiegelgespräch über seine Trainingsmethoden betont: „Sami hat Qualitäten als Leader. Deshalb ist er für diese WM gesetzt… Fitness ist wahnsinnig wichtig in Brasilien, aber auch Charisma, Erfahrung und Selbstbewusstsein sind Attribute, die bei einem internationalen Großereignis zählen.“ (DER SPIEGEL 24/2014 S. 105)

Für das Nachdenken und die Gespräche über eine Nationalmannschaft (und ihre Erfolgsaussichten) können neben der Rolle des Trainers recht schnell eine Fülle von Analysegesichtspunkte relevant werden. Fünfzehn seien am Beispiel des deutschen Teams im Folgenden skizziert. (Sie lassen sich problemlos auf die anderen Mannschaften der WM übertragen). Fast alle haben etwas mit Personen zu tun, nur wenige mit Organisation, Rahmenbedingungen oder Programm. Daran zeigt sich im Vergleich zu anderen sozialen Systemen wie wichtig das soziale Klima, die Kommunikation, die Motivation und die Frustrationstoleranz innerhalb einer Nationalmannschaft sind.

1. Der Trainer und das Trainerteam:
Seit acht Jahren ist Joachim Löw (54) verantwortlicher Bundestrainer, im internationalen Vergleich ein Beispiel hoher Stabilität und von strategischer Bedeutung für die deutsche Mannschaft, da so natürliche Autorität in der Mannschaft wachsen konnte und nach außen die Kommunikation mit den Medien routiniert praktiziert wird. Vertrauensleute im Trainerteam: Co-Trainer Hans-Dieter Flick, Torwarttrainer Andreas Köpcke und Team-Manager Oliver Bierhoff sowie die US-amerikanischen Fitness-Trainer S. Forsythe (41) und M. Verstegen (45). WM Bilanz: sieben Spiele, fünf Siege, zwei Unentschieden. Große Stärken: Taktikfuchs und guter Kommunikator. In der WM 2010 in Südafrika hatte er allerdings im Halbfinale gegen Spanien den falschen Plan. Auch sein Matchplan im EM-Halbfinale 2012 gegen Italien erwies sich als Fehler. Diese seine langjährigen Erfahrungen im Hinterkopf dürfte er die einzelnen Stationen auf dem Weg zum Halbfinale mit seinen Leuten auch für die WM in Brasilien schon einmal durchgegangen sein und viele Unwägbarkeiten entdeckt haben. Er werde in Brasilien „nun endlich auf den Höhepunkt seiner Amtszeit“ zugehen, aber was das Ziel angeht, bleibt Löw bescheiden: „Mir ist wichtig, dass wir gut spielen, dass wir bei allem Ehrgeiz nicht den Spaß am Spielen verlieren, und dass wir den Leuten zu Hause gute Gründe liefern mitzufeiern,“ so seine Worte vor der Abreise nach Brasilien. Der Titelgewinn sei seiner Auffassung nach eh eher Glücksache. Ein entschlossener Wille zum Sieg der WM ist also bei ihm nicht sehr ausgeprägt, stattdessen eher ein realistischer Blick für das Machbare. Bei einigen Leuten am Rande des Nationalteams wird schon von einer gewissen Abschiedsstimmung gesprochen (so P. Selldorf in der SZ vom 11.6.2014). Löw habe in den acht Jahren zwar viel erreicht, aber er gehöre nicht zu den Trainerpersönlichkeiten, die ihr Trainingswerk verteidigten. So heißt es in gut informierten Kreisen der SZ: „Joachim Löw verliert nicht die Fassung, wenn ihn etwas nervt. Hin und wieder klingt Unverständnis und ein Hauch von Verächtlichkeit durch wie neulich, als er bemerkte, er könne nichts damit anfangen, wenn von ihm und seiner Mannschaft der Titelgewinn in Brasilien erwartet werde.“ (ebd.) In Konkurrenz zu den Trainern der Bundesligamannschaften stellt Löw heute eine unbestrittene Integrationsfigur dar, die in der Lage ist, aus den verschiedenen Spielerpersönlichkeiten der Spitzenvereine eine nationale Fußballmannschaft zu formen. Der von seinem Vorgänger Klinsmann (2004 bis 2006) eingeleitete und vom ihm als Co-Trainer mitgetragene Wandel in den Management- und Trainingsmethoden brachte wichtige Modernisierungseffekte, war aber auch mit erheblichen Akzeptanz- und Durchsetzungsproblemen im DFB verbunden. Von den Ergebnissen konnte der Trainer Löw voll profitieren. Klinsmann hat den Anstoß für den Systemfußball in der deutschen Mannschaft gegeben, Löw hat ihn mit Beharrlichkeit und Augenmaß perfektioniert.

2. Die Strategie
Eine wichtige Frage vor dem Spiel der deutschen Mannschaft ist eher taktischer Natur, sie lautet: Wie kann man (mit dem vorhandenen Personal) den Angriff stark machen? Oder anders: „Kann Löw ohne Sturm Weltmeister werden?“ fragt daher C. Kneer in der SZ vom 6.6.2014. M. Klose ist der einzige Stürmer unter den 23 Auserwählten, mit 36 Jahren auch nicht mehr der Jüngste, hoffentlich auch im brasilianischen Klima fit genug. Daher lautet die Kurzdiagnose: Gute Abwehr, starkes Mittelfeld, aber schwacher Sturm. Tore schießen können zwar auch Thomas Müller, Mario Götze und Mesut Özil. Aber sind sie abschlussstark und torgefährlich genug, um beim Gegner Eindruck zu machen und die Abwehr zu überwinden? Zum WM-Erfolg habe bisher ein andere Mannschaftsdynamik geführt: „Wenn die DFB-Elf Weltmeister wurde, konnte sie sich immer auf ihre Stürmer verlassen. Die exzellenten Torhüter, Respekt einflößenden Verteidiger und außergewöhnlichen Mittelfeldspieler wussten immer, dass sich ihre Arbeit lohnt, weil vorne einer steht, der aus ihrer Arbeit Tore macht. Wenn Deutschland erfolgreich war, hatte das Spiel stets eine Zuspitzung.“ (P. Selldorf SZ 9.5. 2014) Um das Bollwerk der gegnerischen Abwehr (die Viererkette) zu überwinden, setzt Löw in Brasilien offensichtlich darauf, dass „man kleine, flexible, wendige Spieler hat, mit besonderen technischen Fähigkeiten, gutem Orientierungsvermögen auf dem Platz, gutem Reaktionsvermögen. Bei Mario Götze, Marco Reus, André Schürrle, Mesut Özil sind diese Fähigkeiten nun stärker ausgeprägt als bei 1,90-Meter-Hünen.“ (DER SPIEGEL 24/2014 S. 105) Andere Nationen führen bei dieser WM weiterhin die Stärke ihrer Stürmerpersönlichkeiten ins Feld wie Fred und Hulk (Brasilien), Costa, Torres und Negredo (Spanien), Cassano, Immobile (Italien) Benzema, Giroud (Frankreich), van Persie, Huntelaar (Holland), Suárez, Cavani (Uruguay), Messi, S. Aguero, Higuain, Lavezzi, Palacio (Argentinien) und Ronaldo und Nani (Portugal). Wie es aussieht wird die deutsche Mannschaft das erste Spiel gegen Portugal mit Lahm als zentraler Sechs und ohne klassischen Stürmer (also ohne Klose) beginnen und in der Offensive mit Müller, Özil und Götze (Podolski) spielen. Die „Experten“ werden ausführlich diskutieren, ob das gut gehen kann. Wenn nicht, wird sich (wieder) ein mittleres Gewitter über den Trainer entladen. Wenn das erste Spiel gelingt, werden der Trainer und die Mannschaft (fast schon als Matchwinner) gefeiert. Generell gilt für die WM in Brasilien, speziell für das Spiel gegen Portugal, was der Taktik-Experte der deutschen Mannschaft, der Schweizer Urs Siegenthaler zu bedenken gibt: Es sei in dieser WM unter den brasilianischen Bedingungen nicht zu erwarten, dass „hier der große Fußball im Sinne von Ballbesitzzeiten und Ballstafetten gespielt wird. Powerfußball hält man bei den Bedingungen nicht durch – es sei denn, man wurde auf Jamaika oder Haiti geboren.“ Auf die Frage, welche Faktoren spielentscheidend seien, antwortet er: „Es wird keine System-Frage. Es spielt sich viel über die geistige Bereitschaft ab. Der Spieler muss nicht immer laufen – aber im Kopf muss er immer sprinten. Wer eine Sekunde schläft, hat verloren. Man muss dran sein. Dran, dran, dran. Die Fähigkeit zur exakten Wahrnehmung ist der Schlüssel… Ich gebe Ihnen ein Beispiel aus dem Tennis: Roger Federer hat mir gesagt, dass er schon bei der Ausholbewegung erkennt, wohin sein Gegenüber den Ball schlagen wird. So etwas lässt sich auch beim Fußball lesen: Wohin blickt ein Gegner, was signalisieren seine Augen, seine Körperhaltung? Zweikämpfe gewinnt man heute nicht mehr über den Kampf, sondern über die Schlauheit zu ahnen, was kommen wird.“ (BamS vom 15.6.2014 Sport S. 7)

3. Die Mannschaft
Bei den vorbereitenden Spielen, zuletzt gegen Kamerun und Armenien, zeigte sich, dass es dem Teamchef recht gut gelungen ist, aus den einzelnen Bundesligamannschaften eine gelungene Mischung aus bewährten Stammspielern und neuen Nachwuchsstars zusammenzustellen und aus ihnen eine gut zusammenspielende Mannschaft zu formen. Die Verletzung von M. Reus (25) wird zwar die Offensive erheblich schwächen, aber auch für junge Nachwuchsspieler wie Schürrle (22) Chancen bieten. Einen guten Mannschaftsgeist erkennt man auch immer daran, dass am Rande des Spielfeldes sogar jene in Jubel ausbrechen, die nicht spielen dürfen, obwohl sie mit ihrem Einsatz gerechnet hatten. (Der gesamte WM-Kader unter M 03.09) Der Besuch der Kanzlerin in der deutschen Mannschafts-Kabine nach dem 4:0 Sieg gegen Portugal wurde von den Spielern als große Ehre empfunden, wie man dem Jubel-Gruppenfoto mit der Kanzlerin entnehmen kann, was sicherlich der Motivation dienen wird. Medial wurde dieser Fototermin dann auch gleich genutzt, wobei der Zusammenhang zwischen Sport und Politik hier besonders deutlich wird: „Wir sind Deutschland“ titelte die Bildzeitung am 17.6.2014 mit der Bildunterschrift: „Die Mutter der Nation und ihre Jungs. Unsere Nationalspieler nehmen Bundeskanzlerin Merkel beim Gruppenfoto in der Deutschland-Kabine in die Mitte.“ Auch in der SZ erscheint das Bild auf der ersten Seite mit dem bezeichnenden Satz: „Das Mannschaftsfoto mit Kanzlerin ist der vorläufige Höhepunkt in Merkels Fußball-Ikonographie.“ (SZ vom 18.6.2014)

Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Kabine der deutschen Nationalmannschaft nach dem Spiel gegen Portugal am 16.6.2014 (© Bundesregierung/Bergmann)




4. Der Mannschaftsführer
Philipp Lahm (30) nahm bereits an 13 WM-Spielen teil, spielt auf seiner Position (rechter Verteidiger) oder wie beim FC Bayern im defensiven Mittelfeld (Sechserposition) fast fehlerfrei. Seine Erfahrung und seine Sicherheit übertragen sich auf die gesamte Mannschaft. Die vorzeitigen Vertragsverlängerungen beim FC Bayern sind als deutliche Zeichen der Unterstützung zu sehen und stärken – so C. Kneer - die Position der beiden Spitzenspieler im WM-Kader: „Lahm und Müller bleiben die Namen, auf die der FC Bayern – neben Manuel Neuer – seine Zukunft baut. Müller hat sich im Gespräch mit den Verantwortlichen rückversichert, dass Trainer Guardiola ihn schätzt, obwohl er kein kunstvoller Passspieler ist, sondern ein anarchischer Instinktspieler, der seine Läufe nach dem Versuch-und-Irrtum-Prinzip setzt. Lahm dagegen irrt selten, er trifft selten Entscheidungen, die er später bereut. Er ist vor ein paar Jahren bei Bayern geblieben, obwohl der FC Barcelona heftig um ihn warb, und jetzt ist Bayern so groß, dass der Trainer aus Barcelona freiwillig zu Bayern übergelaufen ist. Lahm ist 30 Jahre alt, und seine vorzeitige Vertragsverlängerung sagt vor allem eines: dass er weitere vier Jahre der Spieler sein will, ohne den im deutschen Fußball nichts geht. Lahms Macht ist erheblich, die Trainer Löw und Guardiola hören auf seinen Rat“. (C. Kneer SZ vom12.6.2014 S. 33) Der Vorteil der Führungspersönlichkeiten: Sie stehen im brodelnden Stadion mit ihrer Mannschaft auf dem Platz und spielen das Spiel ihres Lebens. „Deshalb ist es so wichtig, dass Jogis Führungsspieler bereits 2010 in Südafrika gelernt haben, mit dem emotionalen Ausnahmezustand WM umzugehen.“ (F. Beckenbauer BILD 6.6.2014)

5. Der Torwart
Manuel Neuer (28) ist amtierender Welttorhüter, hat an sechs WM-Spielen teilgenommen. Die Schulterverletzung ist auskuriert. Als Vertreter steht der erfahrene und sehr loyale Roman Weidenfeller (von Borussia Dortmund) zur Verfügung. Die Position ist also optimal besetzt.

6. Die Defensive
In der Defensive und im Mittelfeld ist die Mannschaft – auch nach Auffassung von F. Beckenbauer – „bärenstark aufgestellt“. Spitzenspieler sind hier Jeróme Boateng (25) (größte Stärken: Schnelligkeit, Kopfballsicherheit, Ruhe am Ball) (vgl. M 03.11), Per Mertesacker (29), 13 WM-Spiele, (größte Stärken: mit 1,98 sehr kopfballstark, ruhender Pol in der Abwehr), Mats Hummels (25) (größte Stärken: Sicherheit am Ball, präzise Spieleröffnung) und Benedikt Höwedes (26) (größte Stärken liegen im Zweikampf, im Kopfballspiel verbunden mit solider Grundschnelligkeit, schnörkellosen Spielweise und enormen Sprungkraft; Er gilt als Abwehrspieler der modernen Prägung, da er es auch verstehe, das Spiel mit dem ersten Pass zu öffnen.)

7. Das Mittelfeld
Sami Khedira (27) 7 WM Spiele, (deutliche Präsenz im Mittelfeld, durchsetzungsstark) (vgl. M 03.15); Philipp Lahm (30), s. Mannschaftsführer und Toni Kroos (24), 3 WM Spiele (enorme Schussstärke, Ballsicherheit und gute Kondition).

8. Die Offensive
Thomas Müller (24) 6 WM Spiele, Torschützenkönig der WM 2010 (größte Stärken: immer torgefährlich, intuitive Spielweise, großes Engagement für die Mannschaft), Mesut Özil (25) 7 WM Spiele (größte Stärken: überraschende Pässe aus dem Fußgelenk, hat den Blick für Torchancen, nutz eigene Torchancen fast fehlerlos) (vgl. M 03.12), Lukas Podolski (28) 13 WM Spiele (größte Stärken: gutes Zusammenspiel in der Mannschaft, robuster Antritt, schnörkelloser Abschluss, langjährige WM-Erfahrung) (vgl. M 03.13) und Miroslav Klose (36) 21 WM Spiele (gemeinsam mit dem Brasilianer Ronaldo ist er mit 15 Toren der aktuelle Rekordtorschütze aller Weltmeisterschaften) (vgl. M 03.14).

9. Die Integration von Spitzenspielern
Für den Erfolg der Mannschaft ist es von entscheidender Bedeutung, wie gut es gelingt, Fußballartisten in die Mannschaft zu integrieren. So ist die brasilianische Mannschaft ganz auf Neymar ausgerichtet, der im Eröffnungsspiel gegen die kroatische Mannschaft (3:1) dank guter Vorlagen für Brasilien zwei Tore erzielte. Mesut Özil ist in der deutschen Mannschaft ein anderes Beispiel, um das Integrationsproblem deutlich zu machen. Im Testspiel gegen Kamerun zeigte M. Özil – einer der besten Fußballer der deutschen Mannschaft und weltweit (Marktwert ca. 50 Mio. €) - keine Glanzleistung, er vergab sogar völlig unbegreiflich eine riesige Torchance. Ein solches Ereignis ruft nach Erklärungen. Insider meinen, das kampfbetonte Spiel gegen Kamerun läge ihm nicht – so P. Selldorf in der SZ: „Seine schwache Leitung sei eine Art Selbstschutzstrategie gegen den robust zupackenden Gegner gewesen: ‚Mesut würde sich nie gegen Kamerun verletzen.‘“ (SZ vom 11.6.2014) Weiter heißt es: „Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass der tatsächliche Bundestrainer seine gedachte Nummer 10 beim Eröffnungsspiel gegen Portugal draußen lässt, um etwa Toni Kroos im offensiven Zentrum zu postieren… Der Bundestrainer erkennt in dem gebürtigen Gelsenkirchener den Typus des idealen Spielers – auch weil er seinen Anspruch an Kunst und Ästhetik erfüllt.“ (C. Selldorf in SZ vom 11.6.2014 S. 34) Umgekehrt geht es auch darum, den Spitzenspieler des Gegners zu bremsen, was z.B. im Spiel gegen Portugal Ronaldo sein dürfte. Diese Bewacherfunktion kommt Boateng zu, sagt G. Netzer: „Jerome Boateng besitzt die Fähigkeit, Ronaldo zu stoppen. Aber er muss 90 Minuten lang konzentriert bleiben, ohne die temporären Aussetzer, wie sie ihm manchmal passieren.“ (G. Netzer BamS vom 15.6.2014 Sportteil S. 4)

10. Die Rolle der Allrounder
Kevin Großkreutz (25) ist nicht wegen seiner fußballerischen Extraqualitäten im WM-Kader gelandet, sondern weil er hoch motiviert, konditionell unverwüstlich und als „Allzweckwaffe“ auf fast jeder Position einsetzbar ist, wenn also andere Spieler ausfallen oder gesperrt sein sollten – in „seinem universellen Nutzen“ für die Mannschaft besteht aus der Sicht des Bundestrainers sein besonderer sportlicher Wert. (so P. Selldorf in der SZ vom 3.6.2104)

11. Der Einfluss der Medien
Die Kontaktpflege zur schreibenden und sendenden Zunft ist besonders wichtig, um das „richtige Bild“ in der Öffentlichkeit zu erzeugen und den Kontakt zur Fangemeinde zu pflegen. Nach einem schlechten Spiel, nach einer Niederlage oder bei Spannungen innerhalb der Mannschaft kann eine verständnisvolle Berichterstattung sehr hilfreich sein. Insgesamt ist der Einfluss der Berichterstattung über das internationale Großereignis schwer feststellbar, da die Meinungen und Kanäle sehr vielfältig und da die Leitmedien wie das TV in der Regel, zumal wenn sie öffentlich-rechtlicher Art sind, keinen direkten Einfluss (z.B. auf die Auswahl der Spieler, die taktische Einstellung, die Quartierwahl, das Verhalten der Spieler) nehmen, sondern die sportlichen Ereignisse kommunizieren und kommentieren. Sie sorgen für Gesprächsstoff und feuern die Emotionen an, haben also insgesamt eher verstärkenden Charakter.
Das kann durchaus kritisch gesehen werden. Zum einen macht das Reden über den Fußball die Hälfte der Berichterstattung aus, was mit einer massiven Ausweitung der Sendezeit einhergeht. Aber die journalistische Qualität der Beiträge lässt zu wünschen übrig: "Das größte Defizit ist ein Mangel an Themenvielfalt und Präsentationsformen", so Thomas Horky, Professor für Sportjournalismus in Hamburg. "Live wird nur noch abbildend berichtet. [...] Reporter haben die berechtigte Angst, mit kritischen Fragen und unliebsamen Themen Interviewpartner dauerhaft zu verprellen." Die Berichte seien einseitig auf Stimmung, Fans und Emotionen fixiert. Kritische Hintergrundberichte über Land und Leute, soziale Probleme in Brasilien, politische Auseinandersetzungen, z.B. zum Stadionbau und zur Finanzierung der WM (Rolle der FIFA) fehlten im Sportteil. Die "gewaltige Kluft zwischen weltweiter Euphorie und einheimischen Alltagssorgen" wird in den Sportsendungen nicht ansatzweise thematisiert (vgl. Michael Kraske S. 50). Ronny Blaschke fragt daher schon 2011 kritisch an: "Wenn die Mehrheit der Sportjournalisten sich mit Inszenierung beschäftigt, mit Personalisierung, Pathos, Heldenverehrung: Wer beobachtet dann das System, das den Sport umgibt, vereinnahmt, politisiert - und vielen Reporterkollegen die Existenz sichert?" (vgl. Ronny Blaschke S. 15)
Dank der digitalen Medien und Aufzeichnungstechniken hat die wissenschaftliche Analyse auch das Fußballspiel erobert und das Effizienzdenken auf der Basis von empirischen Daten im modernen Fußball enorm ausgeweitet, was bei Trainern, Spielern und Zuschauern nicht ohne Folgen bleibt. Es stellt die empirische Basis des modernen Systemfußball dar: „In den vergangenen Jahren ist die Berechnung von Effizienz zum Kennzeichen des modernen Fußballs geworden. Längst wird das einzige Spiel, das man mit Füßen spielt, die doch so denkbar ungeeignet sind für den kontrollierten Umgang mit einem Ball, in exakte Kennziffern zerteilt, in handhabbare, überprüfbare und verbesserungsfähige Einheiten. Sekundenbruchteilige Ballkontaktzeiten. Auf den Meter genau gemessene Laufleistungen. Sprintleistungen nach fünf, zehn oder fünfzehn Metern. Anzahl der Pässe, kurz oder lang, angekommene oder verfehlte. Anzahl der Ballkontakte. Computergesteuerte Nachverfolgung der Laufwege aller Spieler auf dem Platz durch Spezialkameras, auch der Passwege. Verortung der Torschüsse und der Schützen. All dies sind Chiffren einer Verwissenschaftlichung des Fußballs, getragen vom Wunsch nach Optimierung; ein Kampf mit immer aufwendigeren Mitteln gegen das Zufällige, Ungeplante, Unberechenbare.“ (Horeni 2014) Ein schöner Nebeneffekt: Der Sportwissenschaftler R. Loy hat auf der Basis von ca. 3000 Spielanalyse eine Reihe von gängigen Fußballerweisheiten („Angriffe über die Flügel versprechen mehr Erfolg als Angriffe durch die Mitte.“) erheblich relativiert (vgl. R. Loy 2010).

12. Finanzielle und organisatorische Rahmenbedingungen
Die FIFA (Fédération Internationale de Football Association), im Jahre 1904 in Paris gegründet, beschloss 1928, alle vier Jahre eine Fußballweltmeisterschaft durchzuführen (vgl. M 04.02.03). Zum ersten Mal fand sie 1930 in Uruguay statt. (vgl. Brüggemeier 2006, S.52) Zum Verband gehören 207 nationale Verbände. Die Finanzierung der Organisation und die der WM-Spiele erfolgt überwiegend durch Sponsoren wie Adidas, Coca-Cola, Mercedes u.a. global orientierte Unternehmen und durch die Einnahmen aus den TV-Übertragungsrechten (vgl M 04.03.01 und M 04.03.02). Nach inoffiziellen Schätzungen wird sie für die WM 2014 ca. 4,5 Mrd. Dollar einnehmen. So zahlen allein ARD und ZDF für die Übertragungsrechte nach inoffiziellen Schätzungen zwischen 150 und 180 Millionen Euro. (vgl. C. Siemes 2014) Die 16 Teams, die nach der Vorrunde ausscheiden, bekommen eine Garantiesumme von 5,8 Millionen Euro. Für das Achtelfinale werden knapp 6,6 Millionen Euro gezahlt, der Einzug ins Viertelfinale bringt 10,2 Millionen Euro. Der Sieger des Endspiels kassiert aus dem Topf des Weltverbandes 25,7 Millionen Euro. Der unterlegene Finalist streicht immerhin noch 18,3 Millionen Euro ein. Insgesamt schüttet die FIFA mit rund 422 Millionen Euro (576 Millionen Dollar) die höchste Summe der WM-Geschichte aus - in Südafrika waren es 2010 noch 420 Millionen Dollar. (vgl. n-tv vom 10.6.2014, http://www.n-tv.de/sport/fussball_wm_2014/Was-verdient-der-Fussball-Weltmeister-article12992591.html Abruf vom 18.6.2014)

Im Falle eines WM-Sieges erhalten die Mitglieder der Nationalmannschaft in Brasilien und Spanien jeweils 700.00 Euro Siegprämie, in Italien 200.000 Euro. (vgl. Handelsblatt vom 16.6.2014), in Deutschland 300.000 Euro, in Portugal 400.000 Euro, in der Schweiz 410.000 Euro, in Uruguay 534.000 Euro, in England 430.000 Euro. Gegenüber der im Jahr 2002 in Japan und Südkorea ausgetragenen Fußball-Weltmeisterschaft hat sich das von der FIFA gezahlte Preisgeld ungefähr verdoppelt. (vgl. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaft-in-zahlen/so-viel-preisgeld-bekommen-die-wm-mannschaften-12985025.html Abruf vom 18.6.2014) Das Trainergehalt von J. Löw sieht nicht schlecht aus: „Im "Forbes"-Ranking der bestverdienenden WM-Trainer rangiert der Bundestrainer auf Platz sechs. Mit geschätzten rund 2,7 Millionen Euro im Jahr verdient Löw laut Forbes zehn Mal so viel wie Kanzlerin Angela Merkel, 82 Mal so viel wie der Durchschnittsverdiener in Deutschland und - ganz wichtig vor dem heutigen Spiel - auch deutlich mehr als Portugals Teamchef Paulo Bento (1,6 Millionen Euro). Dabei sind die Berechnungen von Forbes noch konservativ: Laut "Bild" hat Löw bei seiner jüngsten Vertragsverlängerung im Oktober sogar die 3-Millionen-Euro-Schallmauer durchbrochen. Damit ist Löw besser bezahlt als mancher Dax-Chef.“ (so das Manager-magazin vom 2.6.2014 http://www.manager-magazin.de/fotostrecke/fussball-wm-trainer-so-viel-verdient-joachim-loew-fotostrecke-115723.html Abruf vom 18.6.2014)

Je deutlicher die Wirtschaftsinteressen der FIFA zu Tage treten und dies zu Lasten der regionalen Wirtschaftsbetriebe geht, desto fragwürdiger wird die Bereitschaft der jeweiligen Bevölkerungsteile in der Region, sich mit diesem sportlichen Großereignis zu identifizieren. Am Beispiel der Markendominanz der Bierwerbung in Bayern lässt sich dies besonders deutlich zeigen. Der Einfluss der Hauptsponsoren führt dazu, dass regionale Anbieter völlig aus dem Werbebild verschwinden (müssen).

13. Das Klima und das Quartier
Nach Auffassung des DFB-Mannschaftsarztes Tim Meyer (46) sind die Spieler auf die klimatischen Bedingungen an den Spielorten in Brasilien gut vorbereitet. So liegt das DFB-Quartier in Santo André in einer Region, in dem es warm genug ist, um sich auf die besonderen Bedingungen der Spielorte weitgehend einzustellen und zugleich auch Training und Regeneration ermöglichen. Wichtig ist es bei Hochleistungssport in heißen Zonen den Flüssigkeitshaushalt z.B. durch Trinkpausen rasch zu regenerieren. „Das Klima wird schon ein Faktor sein bei dieser WM, aber man wird die WM nicht allein wegen des Klimas gewinnen oder verlieren.“ (im Interview mit C. Kneer u. P. Selldorf in der SZ vom 11.6. 2104) Bei der Auswahl der Quartiere für die Mannschaft kommen unterschiedliche Kriterien zum Tragen. Die einen wollen die Abgeschiedenheit des Trainingslagers nutzen, fußballerische Feinarbeit zu leisten und z.B. Standardsituation zu üben oder Abstimmung der Spieler untereinander kontinuierlich zu verbessern. Die anderen wollen primär die Stimmung und die Motivation der Spieler verbessern. Im SPIEGEL-Artikel über die beiden Trainer Löw und Klinsmann werden diese unterschiedlichen Vorstellungen deutlich: „Die Deutschen haben sich nach Bahia zurückgezogen, in eine ländliche, dünn besiedelte Gegend im Norden. Wer Joachim Löw sehen will, muss ans Ende der Welt reisen. Draußen laufen Hühner und barfüßige Jungs durch den Staub, drinnen ist eine Klublandschaft für 23 deutsche Fußballspieler aufgebaut worden wie früher das Reisezelt von Gaddafi. Die Amerikaner wohnen mitten in Sao Paulo, einer chaotischen, brodelnden Stadt voller Energie. Sie waren bereits im Januar dort für zwei Wochen, um zu trainieren. Klinsmann wollte seinen Spielern ein Gefühl dafür geben, was sie erwartet.“ Für J. Löw steht das Fußballspielen im Mittelpunkt und neben der körperlichen die mentale Vorbereitung der Mannschaft auf die Wettkämpfe.

Ein Deutscher Fan im Regen nach dem Spiel USA - Deutschland in Recife. (© D. Pfeiffer)

„Dazu gehören Ruhe, Regenerationsmöglichkeiten, dazu gehört die Nähe zum Trainingsplatz. Wie sind die Anfahrtswege zu den Flughäfen?“ Er will nicht Land und Leute kennenlernen, er will ein Turnier gewinnen. „Es ist wichtig, dass die Spieler sich nahekommen, kommunizieren, das gibt das Wir-Gefühl.“ (So Löw im SPIEGEL 2014 vom 16.6.2014) Weiter heißt es in dem Artikel: „Sie sollen beieinander sein. Er will ein Team formen, eine Einheit, die sich blind versteht. Löw sagt: Das Hotel, das Übungsgelände, das ist eine Festung… Klinsmann will die Welt in seine Mannschaft holen, Löw hält sie sich vom Leib.“ (ebd.) Das Klima in den Austragungsorten kann heiß und feucht, aber auch stark regnerisch sein wie z.B. bei dem Spiel USA - Deutschland in Recife. (vgl. M 04.02.05)

14. Die Schiedsrichter
Während des WM-Turniers stehen die Schiedsrichter und ihre Assistenten unter einem enormen psychischen Druck, in den riesigen Stadien und vor der Weltöffentlichkeit dafür zu sorgen, dass die Spiele fair ablaufen. Da sie aus den an der WM beteiligten Ländern und Teilnehmernationen weltweit stammen, ist nicht immer gewährleistet, dass sie mit allen Tricks der Profis gleichermaßen vertraut sind, wie man sich z.B. einen Freistoß durch eine Schwalbe erschleichen kann. Zwar hat die FIFA die besten Schiedsrichter der Länder ausgewählt und intensive Schulungen durchgeführt, aber ein Unsicherheitsfaktor bleibt der Schiedsrichter weiterhin, denn er muss in sekundenschnelle Entscheidungen fällen, ob z.B. ein Elfmeter zu geben ist oder nicht, was häufig spielentscheidend ist. So konnte Brasilien im ausgeglichenen Eröffnungsspiel gegen Kroatien infolge einer offensichtlichen Schwalbe ein Elfmetertor erzielen: Im Strafraum nahm Fred die Kugel mit dem Rücken zum Tor stehend an und ging nach einem leichten Zupfer von Lovren an der Schulter mit einer theatralischen Einlage zu Boden. Der zuvor fehlerlose japanische Schiedsrichter Yuichi Nishimura gab den umstrittenen Strafstoß (69. Minute), was die Brasilianer wieder beflügelte und zum Sieg führte. Im Spiel Deutschland gegen Portugal wurde Götze von Joao Pareira im Strafraum niedergerissen. Der serbische Schiedsrichter Milorad Mazic gaben den Elfmeter, den Müller sicher verwandelte. Noch gravierender: Der Portugiese Pepe ließ sich zu einem angedeuteten Kopfstoß gegen den am Boden liegenden Müller hinreißen. Der Schiedsrichter Mazic zeigt ihm dafür die rote Karte. Der hohe Gewinn der deutschen Mannschaft ist nicht nur der guten spielerischen Leistung, sondern sicher auch dieser 10:11 Situation zu verdanken. Während der WM 2014 kommt die elektronische Torlinientechnik erstmals in allen zwölf Stadien zum Einsatz. Mit ihr wird dem Schiedsrichter eine Entscheidungshilfe an die Hand gegeben, so dass er sehr sicher über die Tore entscheiden kann. Im Spiel Frankreich gegen Honduras hat sich die Technik bereits bewährt. Mit bloßem Auge war nicht zu erkennen, ob der Ball beim zweiten Tor der Franzosen die Linie mit voller Umdrehung überschritten hatte. Die Technik brachte den Beweis.

15. Der Heimvorteil der Brasilianer
Brasilien ist sicher eine der größten Fußballnationen. Nach der Gründung des brasilianischen Fußballverbandes durch die deutschen Auswanderer Hans Nobiling, Hermann Friese und dem Schotten Charles Miller im Jahre 1899 gelang es dem begabten Starfußballer Artur Friedenreich (Sohn eines deutschen Kaufmanns und einer afrobrasilianischen Wäscherin), der noch heute den FIFA-Statistik-Rekord mit 1329 Toren hält, die rassistischen Vorurteile der weißen Oberschicht zu überwinden, den Sport von Anfang an für Farbige zu öffnen und ihn so zu einem Integrationsfaktor zu machen. „Erst durch die Öffnung für afrobrasilianische Spieler wurde der Fußball zum Volkssport und damit zum Sinnbild der brasilianischen Nation.“ (D. Huhn / S. Metzger S. 16)

Deutsche Fans beim Spiel USA - Deutschland in Recife. (© D. Pfeiffer)

Die Fußballbegeisterung in diesem Land kennt auch heute keine Grenzen. Die Begeisterung der Zuschauer in den heimischen Stadien stellt eine ungemein wichtige psychologische Stütze für die Heimmannschaft dar. Hinzukommt, dass ein Großteil der brasilianischen Mannschaft die klimatischen Bedingungen gewohnt ist und zumindest gegenüber den europäischen Mannschaften einen Startvorteil genießt. Ob sich dieser Vorteil auch konditionell niederschlägt und dann spielentscheidend ist, wird der Verlauf der WM zeigen. Auch die Fußballfans aus den benachbarten Staaten und aus Europa (z.B. Deutschland) sind in den Stadien gut vertreten und unterstützen ihre Mannschaft. (vgl. M 04.01.01 und M 04.01.02)

Wissenschaftliche Analysen zur Fußball-Weltmeisterschaft: Drei exemplarische Studien

Das Fußballspiel trägt zweifelsohne zur Gemeinschaftsbildung bei. Einige Daten, die die quantitativen Ausmaße dieses Massenphänomens allein in Deutschland verdeutlichen, seien hier angeführt:
An Spieltagen ziehen deutlich mehr Besucher in die Stadien als in jede andere Veranstaltung der Gesellschaft. Die Spieltage der Bundesliga stellen in den Stadien der großen Vereine riesige Massenveranstaltungen dar und umfassen in Dortmund (im Jahr 2012/13) regelmäßig über 80.000 Zuschauer, in München 71.000, auf Schalke 61.000 und in Hamburg 52.000. Zu den 306 Bundesliegaspielen sind in diesem Zeitraum 13 Mio. Besucher gekommen. (vgl. http://www.weltfussball.de/zuschauer/bundesliga-2012-2013/1/ Abruf vom 18.6.2014) Die Besucher der vielen Vereine der zweiten und dritten Ligen und die der kleinen Sportvereine mit E- und A-Jugend) sind hier noch nicht mitgerechnet. (vgl. auch http://de.statista.com/statistik/daten/studie/167051/umfrage/bestbesuchte-fussballstadien-der-welt-nach-besucherzahlen-2010/ Abruf vom 18.6.2014) Aktiv betreiben ca. 13% der Bevölkerung selbst Fußballsport. (vgl. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/171143/umfrage/spielhaeufigkeit-von-fussball-in-der-freizeit/ Abruf vom 18.6.2014) Die TV-Berichterstattungen über den Fußball („Sportschau“ in der ARD und „aktuelles Sportstudio“ im ZDF) gehört zu den beliebtesten Sendungen: „Im Schnitt sahen sich 5,70 Millionen Menschen ab drei Jahren die Zusammenfassungen der Bundesliga-Partien ab 18.30 Uhr [in der Sportschau] an.“ (http://www.quotenmeter.de/n/55325/sportschau-wird-immer-staerker Abruf vom 18.6.2014)

Zum Vergleich: Die durchschnittliche Anzahl der kath. Gottesdienstbesucher in Deutschland beläuft sich im Jahr 2012 auf 2,9 Mio. (im Jahr 1950: 11,7 Mio.). (vgl. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/2637/umfrage/anzahl-der-katholischen-gottesdienstbesucher-seit-1950/ Abruf vom 18.6.2014) Die hohe Attraktivität dieser Sportart bei allen gesellschaftlichen Schichten hat auch elf fußballbemeisterte Theologen dazu verleitet, über das Konkurrenzunternehmen „Fußballgott“ – so der Titel ihres Sammelbandes - nachzudenken und einige erhellende Betrachtungen mit deutlichen Bezügen zu ihrer Fachdisziplin anzustellen (vgl. A. Merkt 2006), wobei es dort u.a. um die Arena und ihre „Liturgie“, die Fangemeinde, den Fußballglauben und das Abseits geht. Die Kritik am gesellschaftlichen Phänomen Fußball fällt in Deutschland aktuell eher verhalten aus und geht polemisierend bzw. moralisierend vor, wie z.B. der Zeit-Artikel von Sabine Rückert mit dem bezeichnenden ZEIT-Titel „Darf man Fußball auch hassen?“ (2014), in dem das Sündenregister des Profifußballsports wortgewaltig aufgelistet wird. In Brasilien hat die Kritik an der FIFA-WM 2014 fast zu einer Spaltung in der fußballbegeisterten Gesellschaft geführt, da die Ökonomisierung der WM den armen, nicht zahlungsfähigen Gesellschaftsschichten diese Spiele (und ihre Stadien) „geraubt“ hat, wogegen diese sich wehren und zum Mittel der politischen Demonstrationen gerade während der WM greifen. Die Nationalmannschaft, der Trainer und viele Spitzenspieler solidarisieren sich mit den Kritikern (vgl. Materialien in Baustein 4 dieses Projektes). In seiner Situationsanalyse bestätigt der ZEIT-Autor T. Fischermann diese neuen kämpferischen Züge in der brasilianischen Protestbewegung: „Sowohl die ehrgeizigen Aufsteiger des Landes als auch die Unzufriedenen unter den Bessergestellten begreifen ihr Land nun als eine Baustelle und den viel gerühmten Aufstieg zum erfolgreichen Schwellenland nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit, sondern als ein Projekt, für das sie kämpfen müssen.“ (T. Fischermann 2014)

Projekt 1: Die gesellschaftliche Bedeutung der Begeisterung für den Fußball
Genau diese Thematik ist Gegenstand eines empirischen Untersuchungsprojektes von Soziologen der Universität Bielefeld, das für Forschen-mit-GrafStat-Projekte in der Schule sehr interessant sein dürfte, da es in seiner Struktur überschaubar ist und einige relevante Ergebnisse für die politische Bildung liefert. Die Autoren möchten herausfinden, ob angesichts eines Nachlassens klassischer Sozialisationsagenten wie Familie, Schule und Kirche und eines Erstarkens der Individualisierungstendenzen in Fangruppen des Fußballsports - gegenläufig zur gesellschaftlichen Atomisierung - Vergemeinschaftungsprozesse unter Gleichgesinnten feststellbar sind und welche Auswirkungen dieser Befund für das politische Engagement hat (vgl. M.Schäfer, J. Roose 2008). Die Autoren gehen der Frage nach, „ob mit einem hohen Vergemeinschaftungsgrad tatsächlich ein höheres politisches Interesse einhergeht“ (S. 205). Im Zentrum ihrer Untersuchung steht die exemplarische Überprüfung von drei gegensätzlichen Thesen zur politischen Bedeutung von lokaler Fan-Gruppenbildung: These 1 (im Anschluss an R. D. Putnam): Wer in kleinen Gruppen (Kirche, Sport, Verein u.a.) gelernt hat, anderen zu vertrauen, sich gegenseitig zu unterstützen und planvoll zu kooperieren, dessen Handlungsbereitschaft wird gefördert und dessen Wille zu politischem Engagement wird gestärkt. Sport könnte so gesehen in elementarer Weise eine Schule der Demokratie sein. These 2 (im Anschluss an die gesellschaftskritische Position von K. Marx, T. W. Adorno und M. Horkheimer): Massenveranstaltungen in den Bereichen Religion, Musik und Sport dienen der Ablenkung und vordergründigen Befriedung der verelendeten Menschen und dienen nicht der politischen Bewusstseinsbildung und fördern also nicht das politische Engagement. („Religion ist Opium des Volkes“.) These 3 (im Anschluss an die Systemtheorie, die die Ausdifferenzierung der Gesellschaft in zahlreiche Subsysteme und deren Koordination untersucht): Die Menschen sind in unterschiedliche (Sub-)Systeme wie Familie, Schule, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien, Freizeit u.a. eingebunden, die jeweils ihrer eigenen Logik gehorchen. Daraus folgt: Das Engagement im Sport sagt nichts aus über das Engagement im Politikbereich (Indifferenzthese). Trotz aller Zugewinne an individueller Autonomie, einer „Loslösung der Individuen aus sozialen Milieus, in denen Gemeinschaftsfähigkeit gelernt wird“ (W. Weidenfeld), bedeutet dies nicht, dass alte und neue Formen der Vergemeinschaftung in der Moderne gänzlich verschwinden. „Fußballfans sind … gewiss ein geeigneter Ort, um danach zu suchen.“ (S. 208) Die Autoren sind der Auffassung, „dass sich Fußballfans als moderne Form der Gemeinschaftsbildung betrachten lassen“ (S. 210). Prozesse der Vergemeinschaftung sollten sich, wenn es sie gibt, empirisch nachweisen lassen. Um diese messen zu können, werden sie von den Autoren im Anschluss an soziologische Klassiker wie F. Tonnies, M. Weber und E. Durkheim in drei Dimension Identifikation (subjektiv empfundene Zusammengehörigkeit), Interaktion (emotionales und affektives Handeln) und Kollektivwohlorientierung (die Gruppen geht vor) (vgl. S. 207) aufgeteilt und durch geeignete Items operationalisiert. Mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens führten die Autoren im Jahre 2005/6 eine Online-Befragung von 2041 Fans durch und kamen zu folgenden Ergebnissen: Hinsichtlich der Ausgangsfrage nach der Vergemeinschaftung durch Fußball kommen die Autoren zu dem klaren Ergebnis: „Die Gruppierung von Fußballfans lassen sich also augenscheinlich als spezifische, moderne Form der Gemeinschaftsbildung verstehen.“ (ebd.) Die Antwort auf die zweite Forschungsfrage nach der politischen Relevanz der Vergemeinschaftung innerhalb der Fangruppen fällt auch erstaunlich klar aus: Mit Hilfe eines Strukturgleichungsmodells wird der Zusammenhang zwischen der Intensität der Vergemeinschaftung und der Präferenz für das Partizipations-Item („mehr Einfluss der Bürger auf Entscheidungen der Regierung“) untersucht. Das Ergebnis lautet: „Es lässt sich kein positiver Zusammenhang zwischen der Intensität der Vergemeinschaftung und dem Interesse an politischer Mitbestimmung zeigen. Allerdings lässt sich auch kein negativer Zusammenhang nachweisen, wie es die marxistisch inspirierte These vom ‚Opium des Volkes‘ unterstellt. Es gibt stattdessen keinen Zusammenhang.“ (S. 219f) Das Resümee der Autoren lautet: „Sport und Politik gehören, so lassen sich die Ergebnisse interpretieren, unterschiedlichen Sphären an, was für die differenzierungstheoretische These spricht. Das Sozialkapital, welches mit der Vergemeinschaftung von Fans entsteht, hat keinerlei Auswirkungen auf das Interesse an politischer Mitwirkung.“ (S. 220) Die Ergebnisse sind für die politische Bildung ernüchternd und durchaus ernst zu nehmen. Doch seien einige kritische Anmerkungen angeführt, die m.E. weitere Untersuchungen erforderlich machen und einige Anknüpfungspunkte für die Didaktik bieten:
Berücksichtigt man diese Kritikpunkte in Anschlussuntersuchungen, dürften aufschlussreiche und didaktisch brauchbare Ergebnisse zum Zusammenhang von Vergemeinschaftung und politischem Interesse bei Fangruppen u.a. im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Gruppierungen (Gewerkschaft, Kirche, Turn-, Schützen- und Freizeitvereinen, politischen Gruppen u.a.) zu gewinnen sein.

Projekt 2: Fußballfans: Patrioten auf Zeit?
Das überraschende Aufkommen eines „unkomplizierten“, „lockeren“, „fröhlichen“ und „unverkrampften“ Umgangs mit den nationalen Symbolen anlässlich der WM 2006 in Deutschland war für die einen Anlass, vor einem neuen deutschen Nationalismus zu warnen, die anderen sahen darin eher ein willkommenes Zeichen der Normalisierung. (zu den Debatten im Feuilleton vgl. Schediwy 2012; Dembrowski 2009; Hebeker /Hildmann 2007) Der Göttinger Sportwissenschaftler Michael Mutz formulierte zu diesem Themenkomplex vier Forschungsfragen, die er in einem empirischen Projekt untersuchte und dessen Ergebnisse auch für das hier vorgestellte Unterrichtsprojekt von Bedeutung sein dürften: „Erstens ist grundsätzlich zu fragen, ob Nationalstolz tatsächlich durch ein Fußball-Großereignis messbar ansteigt? 2) Zweitens ist zu prüfen, ob es sich bei diesem Nationalstolz um einen harmlosen Patriotismus handelt, bei dem das Feiern und der Sport im Vordergrund stehen oder ob auch nationalistische Einstellungen zunehmen, in denen sich eine Überhöhung der deutschen Nation und die Abwertung anderer Nationen ausdrücken. 3) Drittens ist zu klären, wie genau nationale Identifikation während eines Fußballturniers erzeugt und aktualisiert wird. 4) Schließlich stellt sich eine vierte Frage: ist der vermutete größere Nationalstolz währende eines Fußball-Events kurz danach wieder verflogen oder handelt es sich um einen nachhaltigen Effekt von längerer Dauer?“. (Mutz 2013, S. 519) Mit Hilfe repräsentativer ALLBUS-Daten hat der Autor in einem ersten Zugriff Veränderungen im Nationalstolz der Deutschen im Verlauf der Fußball-WM 2006 untersucht (gemessen mit dem relevanten Item „Ich bin sehr stolz ein Deutscher zu sein“). Seine Ergebnisse bestätigen die vermutete Zunahme sehr deutlich: Vor Beginn der WM (im Juni 2006) stimmten 19% der Deutschen dieser Aussage zu. Nach dem Viertelfinale stieg der Patriotismuswert auf 45% deutlich an, flachte dann aber mit dem Ende der WM im August wieder auf 22% ab. Es ist deutlich zu erkennen, dass die (Fußball-)Euphorie ein eventgesteuertes Phänomen ist und nur von kurzer Dauer ist. „Nach dem Fußball-Spektakel verliert die nationale Zugehörigkeit rasch ihre Salienz, und die auf die Nation bezogenen Gemeinschaftsgefühle verschwinden. Der Nationalstaat tritt dann wieder in den Hintergrund und dient selbstreflexiven Individuen lediglich als einer von vielen möglichen und insofern kontingenten Ankerpunkten für kollektive Identifikation.“ (Mutz 2013, S. 525) In einem zweiten Schritt hat Mutz dann den Kontext der Fußball-Europameisterschaft 2012 genutzt und in drei Wellen 80 Sportstudierenden an den Universitäten Göttingen, Dortmund und Berlin zu unterschiedlichen Zeitpunkten (vor der Fußball-EM, nach dem Viertelfinale und nach Beendigung der EM) befragt. Folgende vermuteten Kausalzusammenhänge sollten untersucht werden: „Durch das Ansehen der EM-Spiele der deutschen Mannschaft erleben Personen positive Emotionen, und sie werden in kollektive Rituale eingebunden, durch die sie sich nationale Symbole aneignen. Dadurch wird die Verbundenheit zur Nation verstärkt, was in einer stärkeren Bekundung von patriotischen und/oder nationalistischen Einstellungen zum Ausdruck kommen sollte.“ (ebd. S. 529) Das gemeinsame Ansehen der Spiele müsste demnach zu einer Zunahme der Patriotismus- und/oder Nationalismuswerte führen. Diese Effekte müssten noch deutlicher ausfallen, wenn die befragten Personen die Spiele bei Public Viewing erleben. Trotz der recht kleinen Stichprobe und der fehlenden Repräsentativität scheinen die Ergebnisse der Untersuchung aufschlussreich zu sein für die politische Bildung. Das Resümee des Autors lautet: „Bereits das Ansehen der Spiele der deutschen Mannschaft in der privaten Wohnung ist mit einer stärkeren nationalen Identifikation (Patriotismus, Nationalismus) verbunden. Noch stärker ist der Zuwachs an nationaler Identifikation, wenn die Spiele in der Öffentlichkeit angesehen werden. Beim Public Viewing steigert sich zum einen die emotionale Erregung durch die Anwesenheit Gleichgesinnter, zum anderen ist das Fußballspiel dort stärker eingerahmt in nationale Symbole, die sich die Anwenden aktiv aneignen. Beide Einflussfaktoren – starke positive Emotionen und Aneignung nationaler Symbole sind, wie die Befunde zeigen, für die stärkere nationale Identifikation verantwortlich.“ (S. 534f) Die Zunahme der patriotischen Verbundenheit mit der Nation fällt dabei deutlich höher aus als die der nationalistischen Orientierung. Allerdings lässt die episodenhafte Form der Vergemeinschaftung schnell wieder nach, sobald die Spiele beendet sind und sich der punktuelle Erregungszustand aufgelöst hat.

Projekt 3: Werbung mit Fußball(ern) – keine Garantie für den Erfolg
Pünktlich zur Fußballweltmeisterschaft hat man den Eindruck, dass in der Werbung der Bezug zum Fußball allgegenwärtig ist. Das „one world, one game“ von Coca-Cola – einer der Hauptsponsoren der WM – will den Konsumenten zeigen, dass Fußball nicht nur Spaß macht, sondern auch Hoffnung gibt. Mit einem übergroßen Plakat des Nationalspielers M. Özil am Gebäude der „Berliner Zeitung“ wirbt der andere WM-Hauptsponsor Adidas für die Fußballspiele in Brasilien. Die Lufthansa erfindet eine „Fanhansa-„ Maschine, die die 50 WM-Gewinner der Lufthansaverlosungen werbewirksam nach Brasilien bringt. Sogar die Deutsche Krebshilfe wirbt mit dem Nationalspieler B. Höwedes.

Ein Werbeplakat der Deutschen Krebshilfe mit dem deutschen Nationalspieler Benedikt Höwedes (Hafenstraße, Münster) (© W. Sander)




Die Krombacher Brauerei wirbt mit dem ehem. Profifußballer und jetzigen ARD-Co-Moderator Mehmet Scholl in Großanzeigen für ihre Marke und versucht so, den Bitburger-TV-Spots und Plakataktionen etwas entgegensetzen zu können.

Fußball-Motive in Großplakaten zur WM 2014 (Industrieweg, Münster) (© W. Sander)


Die Zeitschrift „Werben & Verkaufen“ hat zehn dieser aktuellen Werbeauftritte mit Bezug zum Fußball analysiert und stellt nüchtern fest: „Besonders geglückte Kampagnen sind selten, es dominiert das Mittelmaß.“ (T.L. Nguyen 2014). Zitiert wird der Ex-Agentur¬chef und Hirnforscher Kai Fehse, der eine „Überreizung der Konsumenten durch die übermäßige Verwendung von Fußball-Idolen“ feststellt, was Abstumpfungseffekte beim Verbraucher zur Folge habe, vor allem dann, wenn die Werbeidee nicht so richtig zum Produkt passt und die zentrale Botschaft nicht zu erkennen ist. (Ein Beispiel: die Adidas-Kampagne „Mein Herz für den Fußball“ s. M 04.03.02) Stimmt also unsere Alltagwahrnehmung, dass der Bezug zum Fußball in der Werbung deutlich zunimmt, was angesichts von Übersättigungseffekten vielleicht kontraproduktiv sein könnte? Bewirkt der Bezug zum Fußballmotiv eine positive Imageübertragung auf die beworbenen Produkte oder doch nicht? In der wissenschaftlichen Diskussion fallen die bisherigen Antworten kontrovers aus. Der Kommunikationsforscher Volker Gehrau (Universität Münster) hat diese Kontoverse anlässlich der Fußball-WM 2010 in einem Forschungsseminar mit Studierenden aufgegriffen. Die konkurrierenden Hypothesen des Forschungsprojektes lauten daher: „Auf der einen Seite könnte die Referenz der Werbung auf die FIFA-WM die erhofften Werbeeffekte verstärken, da den entsprechenden Spots hohe Aufmerksamkeit und hohe Sympathie entgegengebracht wird. Auf der anderen Seite könnten sich die Effekte aber auch aufheben, wenn viele Spots versuchen den Vorteil zu nutzen, und dadurch im Endeffekt sogar Reaktanz- und Wear-our-Effekte erzeugen.“ (Gehrau u.a. S. 15) Er kommt in einer methodisch ausgeklügelten Studie zu folgenden Ergebnissen: Mit Hilfe einer Frequenzanalyse vor und nach der WM 2010 wurde untersucht, wie viele TV-Spots der Privatsender Verweise auf Fußball oder WM enthielten und ob ein Anstieg zu erkennen war. Der Befund der empirischen Untersuchung lautet: Der Anteil der allgemeinen Fußballspots stieg nach dem Start der WM um vier Prozentpunkte auf 19, der Anteil der WM-Spots stieg von elf auf 13 Prozent. Entgegen der Alltagswahrnehmung war somit eine Dominanz von Fußball- oder WM-Motiven in der TV-Werbung nicht zu erkennen. (vgl. Gehrau u.a. S.18) Eine Inhaltsanalyse von ausgewählten 50 WM-Werbespots ergab, dass die Gestalter der Spots „offenbar eher auf Authentizität denn auf spektakuläre oder exotische Bilder“ gesetzt und die „Nähe zum Fußball“ gesucht haben und „dass lediglich in vier der 50 analysierten Fernsehspots Spieler von Nationalmannschaften auftraten.“ (ebd. S. 22) Mit Hilfe einer repräsentativen Befragung von 440 Teilnehmern aus der werberelevanten Zielgruppe zwischen 14 und 19 Jahren, denen zuvor ausgesuchte Werbespots vorgespielt wurden, stellen die Autoren fest, dass das generelle Interesse am Fußball als signifikanter Prädiktor besonders deutlich in Erscheinung trat: „Je größer das Interesse, desto spannender fanden es die Befragten, sich Spiele anzusehen… Je mehr Interesse an der WM die Befragen hatten, umso weniger nervte sie die Werbung mit Bezug zu Fußball und der WM.“ (Gehrau u.a. S. 24) „Die Häufigkeit von Fußball- oder WM-Spots war zwar insgesamt nicht so groß wie vermutet. Bei den großen Sendern war aber nahezu jeder fünfte Spot ein Fußball- oder WM-Spot, was selbst bei konservativer Schätzung mindestens ein bis zwei Spots pro Werbeblock bedeutet und damit individuell schon Anlas für Verärgerung bieten könnte. So war es immerhin ein Drittel der Befragten, das nach eigenen Angaben von den Fußball- und WM-Spots genervt war“ (Gehrau u.a. S. 27). Die Glaubwürdigkeit von Fußballspots wurde allerdings deutlich geringer eingeschätzt, was deren positive Werbeeffekte beeinträchtigen dürfte. Volker Gehrau stellt in einem aktuellen Interview mit der Zeitung der Uni-Münster folglich fest: „Der Effekt von TV-Werbung mit Fußball- oder WM-Bezug lässt sich mit einem Holzhammer vergleichen: Er nivelliert… Wenn Sie einen – aus Publikumssicht – richtig guten Spot haben, dann lassen Sie Fußball- oder WM-Bezüge besser raus.“ (J. Polenz 2014) Die Präsenz von Fußball- und WM-Spots dürfte sich zur Fußballweltmeisterschaft 2014 nicht deutlich erhöht haben, denn deren Wirkung scheint sich – auch wegen eines gewissen Abnutzungseffektes – deutlich in Grenzen zuhalten.

Eigene Untersuchungen zur Fußballweltmeisterschaft 2014 im Format Forschen-mit-GrafStat

Vor diesem Hintergrund lassen sich nun auch im sozialwissenschaftlichen Unterricht eine einfache Fragen nach Häufigkeiten und nach Zusammenhängen stellen und im Format Forschen-mit-GrafStat untersuchen, wie z.B. wie hoch das Nationalbewusstsein bei Schülerinnen und Schülern ist und ob ein internationales sportliches Großereignis wie die Fußballweltmeisterschaft eher dazu beiträgt, die Identifikation mit der deutschen Nationalmannschaft und mit der deutschen Nation zu fördern und ob parallel dazu die internationale Orientierung der Bevölkerung, insbesondere der sportbegeisterten Jugendlichen verstärkt wird. Nimmt mit der patriotischen Identifikation die internationale Orientierung zu oder ab? Fragen dieser Art lassen sich allerdings nur indirekt beantworten, da Wirkungsanalysen nur mit großem Aufwand (z.B. Langzeitstudien) durchgeführt werden können, aber es lassen sich Befragungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten durchführen und „einfachere“ Hypothesen formulieren, die mit Hilfe der erhobenen Daten dann überprüft werden können. So kann die Arbeitsweise der empirischen Sozialforschung exemplarisch verdeutlich werden. Das Vierfelder-Schema ist besonders geeignet, die Struktur dieser empirischen Arbeitsweise zu unterstreichen. Kombiniert man z.B. die Variable „internationale Orientierung“ mit der Variablen „Identifikation mit der Nationalmannschaft“ lassen sich vier typische Fälle unterscheiden:
  1. Die Identifikation mit der deutschen Fußballnationalmannschaft ist gering. Diese geringe Identifikation geht einher mit geringem Interesse an anderen Fußballnationen, mit geringem Wissen über andere Fußballnationen.
  2. Die Identifikation mit der deutschen Fußballnationalmannschaft ist sehr hoch. Das Interesse an anderen Fußballnationalmannschaften, Nationen, kulturellen Hintergründen und wirtschaftlichen Situationen in anderen Ländern ist dagegen sehr gering. Es ist eine starke Ablehnung dieser anderen Nationen erkennbar.
  3. Eine Identifikation mit der Fußballnationalmannschaft ist gering, aber das Interesse, die Kenntnisse und das Wissen über andere Nationen, Kulturen und sozialen Hintergründe ist groß (z.B. als Folge von Reisen, Filmen, Buchlektüre, beruflicher Tätigkeit).
  4. Die Identifikation mit der deutschen Fußballnationalmannschaft ist hoch und zugleich ist ein deutliches Interesse an anderen Fußballnationalmannschaften, an anderen Nationen und an anderen Kulturen und sozialen Hintergründen erkennbar.
Durch Befragungen von Jugendlichen an der eigenen Schule oder in der eigenen Stadt können Jugendliche mit vertretbarem Aufwand geeignete Daten gewinnen, um empirisch zu überprüfen, ob die vermuteten Zusammenhänge vorhanden sind und in welcher Ausprägung sie vorkommen – oder auch nicht.

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Kinder- und Jugendliteratur zur Fußballweltmeisterschaft


Dijkzeul, Lieneke: Ein Traum vom Fußball, Würzburg 2014.

Behl, Anne-Kathrin: Matze vor, tanz ein Tor, Zürich 2014.

Küpper, Corinna (Hrsg.): Fußball ist Klasse! Die spannendsten Fußballgeschichten von Isabel Abedi u.a., Hamburg 2014.

Nielsen, Maja: Abenteuer! Fußballhelden, Hildesheim 2014.

Podolski, Lukas: Dranbleiben. Warum Talent nur der Anfang ist, Stuttgart/Wien 2014.

Rasmussen Jens: Kann ich mitspielen?, St. Pölten 2014.

Silei, Fabrizio: Abseits – 1938. Ein Fußballer sagt Nein, Berlin 2014.

Stilton, Geronimo: Geronimo vor, noch ein Tor! Hamburg 2014.

Eine Besprechung der Kinder- und Jugendbücher findet sich in der Süddeutschen Zeitung vom 13. Juni 2014.

Wolfgang Sander

Zur Person

Wolfgang Sander

Prof. Dr. phil., geb. 1944; Erziehungswissenschaftler an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
Anschrift: Westfälische Wilhelms-Universität, Institut für Erziehungswissenschaft, Georgskommende 33, 48143 Münster.
E-Mail: sander@uni-muenster.de


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