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10.6.2014

M 03.05 Die »Magie« der Nationalmannschaft generiert sozialen Mehrwert für die Gesellschaft

Die Nationalmannschaft hat eine bestimmte "Magie" auf die Gesellschaft. Nicht nur der einzelne Spieler, sondern das gesamte Land ist im Fußballfieber. Dieser Text zeigt, welche Auswirkungen diese "Magie" auf das gesamte Land hat, welcher sozialer Mehrwehr für die Gesellschaft entsteht und welche integrierende Wirkung entfacht wird.

Nicht nur für die einzelnen Spieler sondern auch für das gesamte Land scheint die Nationalelf eine gewisse Magie zu besitzen. Die Nationalmannschaft schafft einen sozialen Mehrwert für die Gesellschaft, indem sie eine persönliche und gesellschaftliche Vorbildfunktion einnimmt, integrierende Wirkung entfacht und für Gemeinschaftserlebnisse der Nation sorgt.

Die Nationalspieler besitzen Vorbildfunktion: Das Team als Mittler von Werten
Die Nationalmannschaft als Ansammlung von Stars besitzt Vorbildcharakter und dient als typischer Mittler von gesellschaftlichen Werten, was durch die Auswertung der Umfrage bestätigt wird. Fast 40% aller Teilnehmer sehen in ihrem Lieblingsnationalspieler ein persönliches Vorbild; über zwei Drittel (68%) sehen in ihm ein gutes Vorbild für die Gesellschaft.

Hierbei ist interessant zu beobachten, dass die Befragten in ihrem Lieblingsspieler allerdings eher ein Vorbild für andere als für sich selbst sehen. Dieses Phänomen konnte bereits in der Umfrage mit Bundesliga-Fans beobachtet werden (Schmidt/Hogele, 2011). Beim Vergleich der Werte wird ein interessanter Unterschied ersichtlich: Wahrend die Lieblingsspieler aus der Bundesliga zu 55% als gesellschaftliches Vorbild gesehen werden, stimmen dieser Aussage im Falle der Nationalspieler sogar zwei Drittel (68%) der Befragten zu.

Eine detaillierte Analyse der Kriterien für die Auswahl des Lieblingsspielers zeigt das interessante Ergebnis, dass dem Verhalten der Nationalspieler neben dem Platz eine ebenso hohe Bedeutung wie dem Verhalten und der Leistung des Spielers auf dem Platz beigemessen wird.

Fans eifern den Verhaltensweisen ihrer Idole nach, wodurch bestimmte Werte und Ansichten der Nationalmannschaft an ihre Anhänger vermittelt werden. Vor dem Hintergrund der enormen Popularität und Reichweite der Nationalelf ist hiermit natürlich eine hohe Verantwortung verbunden, die es für die Nationalspieler auch außerhalb des Platzes wahrzunehmen gilt.

Zahlreiche aktuelle und ehemalige Nationalspieler wie z.B. Christoph Metzelder, Per Mertesacker, Manuel Neuer oder Philipp Lahm unterhalten eigene Stiftungen und unterstutzen karitative Veranstaltungen. Die Nationalmannschaft verpflichtet sich zudem der gesellschaftlichen Verantwortung, einem der Grundwerte des DFB. So unterstutzt die Nationalmannschaft regelmäßig die DFL-Stiftung, die Kulturstiftung des DFB, die Sepp-Herberger-Stiftung, die Robert-Enke-Stiftung sowie weitere gemeinnützige Einrichtungen mit Millionenbetragen aus Benefizspielen. Diese sozialen Aktivitäten der Nationalmannschaft wirken sich auch auf die Spendenbereitschaft der befragten Fans aus. Die Umfrage ergab, dass mit steigender Identifikation der Befragten mit der Nationalmannschaft auch deren Spendenbereitschaft zunimmt. Zudem sind Fans eher bereit, an wohltätige Organisationen zu spenden, wenn die Nationalmannschaft dafür wirbt. Dies gilt erstaunlicherweise auch für Personen, die sich aktuell nicht aktiv für eine gemeinnützige Organisation engagieren.

Die »Inter-Nationalmannschaft« steht für Integration innerhalb der Gesellschaft
Die Nationalmannschaft steht als Repräsentant Deutschlands im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses und wird häufig als ≫Spiegelbild der Gesellschaft≪ (Bierhoff) und Vorbild für Integration≪ (Merkel) bezeichnet.

Eine besondere gesellschaftliche Integrationswirkung, die von der Nationalmannschaft ausgeht, wird durch die Ergebnisse der Umfrage bestätigt. Eine deutliche Mehrheit der Befragten ist der Ansicht, dass die Nationalmannschaft hinsichtlich Personen unterschiedlicher Herkunft oder Kulturen (88% Zustimmung) nicht nur integrationsfordernd wirkt, sondern auch zwischen unterschiedlichen Altersgruppen (75% Zustimmung) und sozialen Schichten (70% Zustimmung) sowie über Glaubensrichtungen (51% Zustimmung) hinweg als verbindendes Element dient (Abb. 23).

M 03.05 Abb. 23 (© Prof. Dr. Sascha L. Schmidt und Andreas Bergmann)


Besonderen Einsatz in dieser Hinsicht zeigen hierbei (ehemalige) Nationalspieler mit Migrationshintergrund wie z.B. Serdar Tasci und Cacau, welche sich als DFB Integrationsbotschafter aktiv für Integrationsbemühungen in Deutschland einsetzen. Ebenso engagiert sich Oliver Bierhoff in der Funktion des Managers der Nationalmannschaft als Schirmherr für den DFB und Mercedes-Benz Integrationspreis.

Die Nationalmannschaft als Quelle individuellen und kollektiven Wohlbefindens
Im Vergleich zu anderen Sportarten oder Mannschaftswettkämpfen steht gerade bei Spielen der Fußball-Nationalmannschaft neben dem sportlichen Ereignis das Gemeinschaft stiftende Element im Mittelpunkt. So gaben mehr als zwei Drittel der Befragten an, dass sie Fan der Nationalmannschaft sind, weil die Spiele der Nationalmannschaft für sie ein ≫gesellschaftliches Erlebnis≪ darstellen. Durch ein verbindendes, soziodemografisch übergreifendes Event wie das ≫Gemeinschaftserlebnis Nationalmannschaft≪ wird laut wissenschaftlichen Studien ≫sozialer Klebstoff≪ erzeugt (Putnam, 1995), der die Mitglieder einer Gesellschaft zusammenhält. Damit leistet die Nationalmannschaft einen Beitrag zur Schaffung von sogenanntem ≫Sozialkapital≪ (Cox, 1995; Sutton et al., 1997).

Die Nationalmannschaft ist offensichtlich in der Lage, ein gesamtgesellschaftliches Massenphänomen hervorzurufen. Sie erreicht insbesondere wahrend EM- und WM-Turnieren auch Personen, die sich ansonsten nicht für Fußball interessieren.

So wurde der Gefühlsrausch des ≫Sommermärchens 2006≪ wohl nicht allein durch das Sportereignis an sich, sondern vor allem durch die gemeinsamen Erfahrungen und Erlebnisse in der Gruppe ausgelost. Public Viewing ist nach der WM 2006 in Deutschland auch auf andere Fußballwettbewerbe übertragen worden. Das kollektive Fußballschauen wird mehr denn je zur sozialen Konvention und bildet so den ≫sozialen Klebstoff≪, der für den Bestand der Gesellschaft unerlässlich ist.

Dadurch, dass die Fußball-Nationalmannschaft in Deutschland als Aushängeschild und Vertreter der gesamten Nation wahrgenommen wird, erfolgt eine gefühlte Gleichsetzung des Teams mit dem ganzen Land. Aus der Auflösung der Grenzen zwischen Heimatland und Nationalmannschaft ergeben sich Wechselwirkungen zwischen der Teamidentifikation (≫Fan der Mannschaft≪) und Patriotismus (≫Fan des Landes≪). Damit ruft die Nationalmannschaft insbesondere wahrend EM- und WM-Turnieren einen gesteigerten Fußballpatriotismus in Deutschland hervor (Mutz, 2013; Schediwy, 2012).

Die Tragweite der gesellschaftlichen Wirkung der Nationalmannschaft wird durch die Umfrageergebnisse bestätigt. So geben 95% der Umfrageteilnehmer an, dass die Leistung der Nationalmannschaft die Stimmung im Land beeinflussen kann.

Zitatesammlung: Aus: Schmidt, Prof. Dr. Sascha L.; Bergmann, Andreas: Wir sind Nationalmannschaft - Analyse der Entwicklung und gesellschaftlichen Bedeutung der Fußball-Nationalelf. ISBS Research Series – Issue 7. 2014. S. 31ff.
www.ebs.edu/dfbstudie (06.06.2014)


Arbeitsaufträge:
Einzelarbeit
Gruppenarbeit
  1. Beschreibt den Einfluss der Nationalmannschaft auf die Gesellschaft.
  2. Welche Funktion haben dabei die Nationalspieler?
  3. Erstellt ein Schaubild mit euren Ergebnissen.


Eine Druckversion des Arbeitsblatts steht als PDF-Icon PDF-Datei zur Verfügung.
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