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21.9.2012

Baustein 1: Grundlagen der Demokratie

Im ersten Baustein dieses Kapitels geht es um die grundlegenden Merkmale der (repräsentativen) Demokratie in Abgrenzung zu autoritären Staatsformen. Dabei stehen folgende Ziele im Mittelpunkt:

Die Schülerinnen und Schüler... Eine tabellarische Übersicht über den Verlauf des Bausteins steht als PDF-Icon PDF-Dokument zum Download bereit.

Deutscher Bundestag (© Andrea Meschede; Anke Jakob)

Zum Einstieg in den Baustein legt die Lehrerin / der Lehrer eine Folie mit einem Zitat des britischen Staatsmannes und zweifachen Premierministers Winston Churchill auf den OHP (MW 01.01). Churchill formuliert dort eine zwiegespaltene Haltung gegenüber der Demokratie. Zwar wird diese Staatsform auch im Hinblick auf ihre Schwächen wahrgenommen, nichtsdestotrotz erscheint sie ihm als die beste der bestehenden und vergangenen Herrschaftsformen.

Mit Hilfe dieses Zitats wird zunächst das Vorwissen der Schülerinnen und Schüler aktiviert. Hierfür sollen diese sich in einer von drei vorher festgelegten Ecken des Klassenraums positionieren, je nachdem, ob sie den Aussagen Churchills zustimmen, diese ablehnen oder sich eine Beurteilung der Frage noch nicht zutrauen (Entscheidungsspiel). Vermutlich werden sich die meisten Schülerinnen und Schüler in der „Zustimmungs-“ bzw. „Neutralitätsecke“ positionieren. Aber es ist durchaus denkbar, dass Einzelne, entweder aus provokativen Erwägungen heraus oder ggf. auch aus Überzeugung, Ablehnung signalisieren. Im Anschluss an diese Stellungnahme werden die Schülerinnen und Schüler aufgefordert, ihre Meinung zu begründen, was, je nach ihrem Vorwissen, in eine mehr oder minder angeregte Diskussion einmünden wird. An einem geeigneten Zeitpunkt sollte die Lehrerin / der Lehrer nach den Merkmalen fragen, anhand derer man eine Demokratie von einer Diktatur unterscheiden kann. Die Antwort fällt erwartungsgemäß eher oberflächlich aus, sodass die Lehrerin / der Lehrer an dieser Stelle die Notwendigkeit einer tiefer gehenden Erarbeitung der spezifischen Merkmale der Demokratie passend ins Spiel bringen kann.

Grundprinzipien einer demokratischen Entscheidung



Die eigentliche Erarbeitung gliedert sich in mehrere Phasen. In einem ersten Schritt sollen die Grundgedanken demokratischen Entscheidens verdeutlicht werden. Dazu setzen sich die Schülerinnen und Schüler in Einzelarbeit mit einem Text (MW 01.02) auseinander, in dem eine Entscheidungssituation in einer Schulklasse geschildert wird. Sie arbeiten grundlegende Merkmale sowie Voraussetzungen demokratischer Entscheidungen heraus und formulieren die Vor- und Nachteile, die ein demokratisches Entscheidungsverfahren im Gegensatz zu einem autoritären („die Lehrperson entscheidet allein“) kennzeichnen. Diese Vor- und Nachteile sollten nach der Besprechung der herausgearbeiteten Grundmerkmale im Plenum besprochen und an der Tafel festgehalten werden.

Bundeskanzleramt (© Wolfgang Sander)

Da sich das Zitat von Churchill jedoch nicht auf die Schule, sondern auf staatliche Herrschaftsstrukturen bezieht, reichen die bisherigen Erarbeitungsschritte noch nicht aus. Zur Vorbereitung der Erarbeitung der wesentlichen Merkmale der modernen repräsentativen Demokratie, aber auch um die kreativen Potentiale der Schülerinnen und Schüler zu aktivieren, werden diese im Folgenden aufgefordert, in Gruppenarbeit ein eigenes demokratisches Entscheidungsverfahren für ein fiktives Land mit 40 Millionen Einwohnern in seinen Grundzügen zu entwickeln (MW 01.03). Die entwickelten Entscheidungsverfahren sollen in Form eines Schaubildes auf Folie festgehalten und anschließend dem Plenum präsentiert und erläutert werden, wo sie schließlich hinsichtlich der damit verbundenen Vor- und Nachteile diskutiert werden. Dabei werden die Schülerinnen und Schüler voraussichtlich schon auf Probleme wie die hohe Bevölkerungszahl, die eine direkte Beteiligung aller Bürgerinnen und Bürger unmöglich macht, hinweisen.

Merkmale der repräsentativen Demokratie



Auf solche Weise vorbereitet, sollte die Erarbeitung der wesentlichen Merkmale der modernen repräsentativen Demokratie möglich sein. Die Schülerinnen und Schüler fertigen – ausgehend von ihren bisherigen Notizen und dem Text MW 01.04 – eine Liste der Merkmale der repräsentativen Demokratie an. Jedes Merkmal der Liste wird mit einigen kurzen Bemerkungen schriftlich erläutert. In einer anschließenden Partnerarbeit erhalten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, ihre Listen miteinander zu vergleichen, zu ergänzen, zu korrigieren, zu modifizieren und weiterzuentwickeln. Die so fertiggestellten Checklisten werden anschließend dem Plenum in Auswahl präsentiert. Die Lehrerin / der Lehrer hält die wichtigsten Aspekte an der Tafel fest (MW 01.05).

Ein Schüler oder eine Schülerin kann zur längerfristigen Sicherung der erarbeiteten Liste gebeten werden, diese in Form eines Lernplakates zu Hause noch einmal zusammenzufassen. Dieses Plakat kann dann schließlich – für alle sichtbar – in der Klasse aufgehängt werden (Lernplakat erstellen).

Fallbeispiel Myanmar



Nachdem die Merkmale repräsentativer Demokratie nun in ihren Grundzügen bekannt sind, wird durch einen Rückbezug auf das Eingangszitat die Überleitung zu den Materialien MW 01.06 und MW 01.07 hergestellt. In MW 01.06 finden sich vergleichende Definitionen von Demokratie und weiteren Herrschaftsformen nach zwei unterschiedlichen Klassifikationsmustern. MW 01.07 hingegen enthält Informationen über die Parlamentswahlen in Myanmar im Jahr 2010. Die Schülerinnen und Schüler erhalten nun die Gelegenheit, die von ihnen entwickelte Checkliste am Beispiel Myanmars zum Einsatz zu bringen, indem sie herausarbeiten, welche wesentlichen Merkmale von Demokratie bei den Parlamentswahlen in Myanmar im Jahr 2010 missachtet wurden.

Nach der in Einzelarbeit stattfindenden Überprüfung diskutieren die Schülerinnen und Schüler im Plenum erneut das Zitat von Churchill bzw. ihre eigene Positionierung dazu. Zum Abschluss des Bausteins arbeiten die Schülerinnen und Schüler aus einem kurzen Text wichtige Argumente heraus, die begründen, weshalb die Demokratie als die beste aller Herrschaftsformen bezeichnet werden kann, aber auch politisches Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger erfordert. Die Argumente werden in einer zusammenfassenden Übersichtstabelle zu den Vor- und Nachteilen der Demokratie festgehalten und abschließend unter erneutem Rückbezug auf das Eingangszitat und in der Gesamtschau aller Argumente diskutiert.

Wolfgang Sander, Angela Gralla, Sabine Kühmichel, Julia Haarmann

Zur Person

Wolfgang Sander

Prof. Dr. phil., geb. 1944; Erziehungswissenschaftler an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
Anschrift: Westfälische Wilhelms-Universität, Institut für Erziehungswissenschaft, Georgskommende 33, 48143 Münster.
E-Mail: sander@uni-muenster.de


Angela Gralla

Institut für Erziehungswissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität
Lehrerin für die Sekundarstufe I und II


Sabine Kühmichel

Institut für Erziehungswissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität Münster


Julia Haarmann

Zentrum für Lehrerbildung, Westfälische Wilhelms-Universität Münster


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