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12.7.2017

M 03.04 Wahlparadox

Die Schülerinnen und Schüler sollen mithilfe der Karikatur zum Wahlparadox die Widersprüchlichkeit innerhalb der rational-choice Theorie erkennen. Anschließend sollen sie dies disktuieren und sich damit auseinandersetzen, ob die Kritik an der Theorie gerechtfertigt ist.

Es ist wahrscheinlicher vor der Wahl als mit der Wahl unter die Räder zu kommen. (© Heinrich Schwarze-Blanke/hsb-cartoon)



Arbeitsaufträge:

1. Beschreibe die Karikatur. 2. Wie und mit welchen Mitteln wird das Thema dargestellt? 3. Wie beurteilt ihr die Aussage der Karikatur vor dem Hintergrund des Textes zum Wahlparadox. Diskutiert dies in der Klasse!

Das Wahlparadox

Laut dem US-amerikanischen Psychologen Burrhus Frederic Skinner ist die Wahrscheinlichkeit, auf dem Weg zur Wahlurne von einem Auto überfahren zu werden, größer als die Wahrscheinlichkeit, die alles entscheidende Stimme abzugeben. Daher wäre es von den Menschen rational, nicht wählen zu gehen, damit das Unfallrisiko vermieden wird. Wie bereits gelernt, zeichnen sich rationale Wählerinnen und Wähler dadurch aus, dass sie ihre Entscheidung rational und nicht emotional treffen. Denn ebenso wie sie bei der Wahl genau überlegen, wägen sie auch ab, ob es sich für sie lohnt, den Aufwand der Wahl auf sich zu nehmen, ob ihre eigene Stimme dem Wahlsieg seiner gewählten Partei helfen würde. Der Weg zum Wahllokal, die vorherige Informationseinholung über die Parteien etc. sind beispielsweise Mühen, die sich für die rationalen Wählerinnen und Wähler auch wirklich lohnen müssen. Für sie ist die Teilnahme an der Wahl erst dann rational, wenn der erwartete persönliche Nutzen höher ist als der aufgenommene Aufwand. An dieser Stelle kommt ein Problem der rational choice Theorie auf. Diese Theorie kann die hohe Wahlbeteiligung nicht erklären. Warum gehen die Menschen denn überhaupt wählen, wenn es sich eigentlich nicht lohnt? Es ist also nicht rational, sich an der Wahl zu beteiligen, da die eigene Stimme mit hoher Wahrscheinlichkeit für den Wahlausgang nicht entscheidend sein wird. Trotzdem nehmen regelmäßig viele Menschen an Wahlen teil. Darin besteht das „Wahlparadox“.

Eigener Text nach:

Heike Diefenbach: Die Theorie der Rationalen Wahl oder „Rational Choice“-Theorie (RCT), in: Ditmar Brock u.a.: Soziologische Paradigmen nach Talcott Parsons. Eine Einführung, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2009, S. 239-290.

Volker G. Täube: Die paradoxe Figur des „rationalen Wählers“, Berlin: WVB, 2002.

Das Arbeitsmaterial ist hier als PDF-Icon PDF-Datei abrufbar.
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