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30.6.2010

Didaktische Konzeption

Grundidee des Befragungsprojektes ist in der Schulklasse eine Online-Befragung zum Thema Klassenklima durchzuführen. Das Befragungsprojekt soll dabei ein gemeinsames Projekt von Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern sein. Ziel ist es, das Klassenklima zum Thema und Entwicklungsprojekt des gemeinsamen Unterrichts zu machen.

Einführung

Zielgruppe

Klasse 7-10, alle Schulformen

Ziele

  • Klassenklima zum Thema und Entwicklungsprojekt des gemeinsamen Unterrichts machen
  • Reflexion über das Klima in der Klasse, aber auch über die eigene Rolle und das eigene Verhalten
  • Auswahl an möglichen Maßnahmen zur Veränderung des Klassenklimas

Unterrichtsfächer

Politik / SoWi / Gesellschaftslehre, Religion, Ethik, Klassenlehrerunterricht

Themenbezug

Soziale Gruppe; Soziales Lernen; Befragungsmethoden; Neue Medien

Dauer

2 - 8 Wochen, je nach Baustein-Auswahl

Aufwand

Je nach Schwerpunktsetzung und Umfang

Materialien

  • je Baustein: Schema des Unterrichtsverlaufs und didaktische Hinweise, Sachinformationen und Unterrichtsmaterialien
  • Onlinefragebogen für Klassenbefragung zur zeitsparenden Teilnahme
    Alle Materialien stehen unter www.bpb.de/grafstat zur Verfügung.

Autor/innen

Wolfgang Sander, Julia Haarmann, Sabine Kühmichel


Häufige Leistungsüberprüfungen und Leistungsrückmeldungen gehören zum schulischen System. Mit Lernstandserhebung und zentraler Abschlussprüfung sind zu den normalen Klassenarbeiten weitere Prüfungen hinzugekommen. So viele Prüfungen können den Schülerinnen und Schülern womöglich vermitteln, dass man, um gute Noten zu erhalten, vor allen Dingen besser als Andere sein muss. Erleben Schülerinnen und Schüler solche kompetitiven Strukturen als sehr dominierend, kann ein Klima der sozialen Vergleiche entstehen.

Untersucht Euer Klassenklima! – Es ist entscheidend für die Qualität von Unterricht und Schule. (© AdPic)

Hinzu kommt im gymnasialen Bereich, dass das achtjährige Gymnasium (G8) mittlerweile zum Regelgymnasium in Deutschland geworden ist. Beinahe alle Bundesländer haben die verkürzte Schulzeit eingeführt. Einige Wissenschaftler und auch Lehrkräfte beobachten, dass die Verknappung und Konzentration dazu führt, dass Phänomene wie gesundheitsschädliches Verhalten unter Schülerinnen und Schülern und Aggressivität zugenommen haben. Sie nehmen an, dass die Verkürzung der Schulzeit viele Schülerinnen und Schüler einem stärkeren Bewährungs- und Leistungsdruck aussetzt.

Das stete Gefühl, den nötigen Unterrichtsstoff schaffen zu müssen, kann zu Schulstress und sogar Schulangst führen. Ein schlechtes Klassenklima verstärkt die Schulverdrossenheit. Ein gutes Klima und gute persönliche Bindung können das Lernen deutlich erleichtern, denn: Bildung braucht Bindung.

Das Klassenklima ist ein Aspekt von Unterricht und Schule, der entscheidenden Einfluss auf verschiedene Bereiche bei den Schülerinnen und Schülern hat: Grundidee des Befragungsprojektes ist es daher, in der Schulklasse eine Online-Befragung zum Thema Klassenklima durchzuführen. Das Befragungsprojekt soll dabei ein gemeinsames Projekt von Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern sein. Ziel ist es, das Klassenklima zum Thema und Entwicklungsprojekt des gemeinsamen Unterrichts zu machen.

Inhaltsübersicht

Bei diesem Angebot handelt es sich nicht um eine abgeschlossene Unterrichtsreihe, die von der ersten bis zur letzten Einheit durchgeführt werden sollte, sondern um ein Unterrichtsprojekt, das nach dem Bausteinprinzip aufgebaut ist und entsprechend variabel eingesetzt werden kann. Vorgestellt werden nicht einzelne Unterrichtsstunden, sondern thematische Schwerpunkte verfolgende Unterrichtseinheiten, deren Bearbeitung durchaus mehrere Unterrichtsstunden in Anspruch nehmen kann.

Baustein 1: Alles klasse mit dem Klima? – Anbahnung der Befragung

Mit Hilfe des Online-Fragebogens können Sie die Befragung schnell und unkompliziert in der Klasse durchführen. (© BpB)

Zu Beginn der Reihe stellt Baustein 1 Material zur Bewusstmachung des Themas und Anbahnung des Befragungsprojekts zur Verfügung. Die Schülerinnen und Schüler sollen hier erschließen, warum das Thema eine Bedeutung für sie hat. Sie sollen in die Lage versetzt werden, einen persönlichen Bezug zur Thematik herzustellen und die allgemeine Relevanz des Klassenklimas ermitteln. Welche Wirkungen hat das Klassenklima und warum ist es wichtig, sich hiermit zu beschäftigen?

In Baustein 1 wird die Online-Befragung durchgeführt. Die Schülerinnen und Schüler sollten möglichst unbefangen den Fragebogen zum Klassenklima ausfüllen können. Zudem sollen ihnen hier die Methodik sowie die Praktikabilität des Instruments der Befragung zur Ermittlung von Aussagen über das Klassenklima ersichtlich werden.



Baustein 2: Die Klasse – eine ganz besondere Gruppe

Um die Befragung zum "Klassenklima" inhaltlich zu begleiten und zu vertiefen, ist eine Beschäftigung mit Aspekten der Gruppenpsychologie sowie der Klasse als soziale Gruppe hilfreich: Baustein 2 bietet dazu Materialien und Planungshinweise an, die sehr handlungsorientiert aber auch mit Anknüpfung an soziologische und psychologische Grundlagen die Auseinandersetzung mit dem Lernen und Leben in Gruppen anregen. Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler Impulse bekommen, das eigene Verhalten und auch das Verhältnis zu anderen Gruppenmitgliedern zu reflektieren. Die Jugendlichen lernen die Bedeutung von Gruppen für das eigene Wohlfühlen zu erschließen sowie positive und negative Aspekte von Gruppen kennen. Mittels verschiedener Übungen und Texte sollen sie zudem für das Zusammenwirken von Individuen in Gruppen sowie für Gruppenprozesse sensibilisiert werden.

Baustein 3: Auswertung der Befragung

Die Auswertung der Befragung kann - sofern keine heiklen Ergebnisse vorliegen - von den Schülerinnen und Schüler selbst durchgeführt werden. (© Sebastian Stolte)

In Baustein 3 geht es darum, die in der Klasse erhobenen Daten zum Klassenklima gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern auszuwerten. Ziel ist es, Erkenntnisse zu verschiedenen Aspekten des Klimas in der Klasse zu gewinnen, um so bei Bedarf anschließend erforderliche und angemessene Maßnahmen ergreifen zu können.

Jugendliche erwerben dabei wertvolle methodische Fertigkeiten im Umgang mit Statistiken im Allgemeinen, den spezifischen Umfrageergebnissen sowie mit der Software GrafStat. Schritt für Schritt werden hier Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schüler dazu an die grundlegenden Auswertungsfunktionen der Software GrafStat herangeführt.


Baustein 4: Und was nun? – Konsequenzen und Maßnahmen

Baustein 4 bildet den Abschluss der Befragung und zugleich den Beginn der aktiven Gestaltung des Klassenklimas.

Anknüpfend an die Auswertungsphase von Baustein 3 sollen die Ergebnisse dahingehend diskutiert werden, welche Konsequenzen nun daraus gezogen werden können und sollen. Ganz wichtig ist dabei zu unterscheiden: Was kann ich selbst in und mit der Klasse lösen? Wo muss ich mir Hilfe von Dritten holen bzw. Dritte zur Durchführung geeigneter Maßnahmen hinzuzuziehen?

Inhaltliche Gestaltung des Fragebogens

Die Wahrnehmungen und Einstellungen der Schülerinnen und Schüler zurvorherrschende Klassenatmosphäre werden mit Hilfe eines Online-Fragebogens ermittelt. Neben der Erhebung des IST-Zustands soll der Fragebogen auch ermöglichen, mit Hilfe der gewonnenen Daten Reflexions- und Veränderungsprozesse in Gang zu setzen.

Inhaltlich beziehen sich die Fragen auf das Lehrer-Schüler-Verhältnis (Bsp: Wertschätzung, Mitsprache und Verantwortung der Schülerinnen und Schüler, Regeln und ihre Einhaltung etc.), das Schüler-Schüler-Verhältnis (Bsp: Hilfsbereitschaft, Gemeinschaft/Rivalität, Umgang mit Konflikten etc.) und die gemeinsamen Einstellungen zur sozialen Umwelt "Klasse".

Im hier entwickelten Musterfragebogen wurde das Klassenklima mittels folgender Aspekte strukturiert:
  1. Lern- und Arbeitsatmosphäre (Regeln, Störungsvermeidung etc.).
  2. Soziale Kompetenz und Soziale Interaktion innerhalb der Klasse
    • Streit-/Konfliktkultur
    • Meinungspluralität / Ausgrenzung
    • Minderung von Konkurrenzdruck / Neid
    • Förderung der Hilfsbereitschaft
  3. Kommunikation
  4. Klassenzusammenhalt
  5. Schulangst /-stress
  6. Partizipation und demokratische Strukturen innerhalb der Klasse
  7. Lehrerbild / Lehrerverhalten


Ziele des Unterrichtsprojektes

Grundidee des Projektes "KlassenCheckup!" ist es, in der Schulklasse eine Online-Befragung zum Thema Klassenklima durchzuführen. Ziel ist es, das Klassenklima zum Thema und Entwicklungsprojekt des gemeinsamen Unterrichts zu machen.

Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler Kenntnis über die Wirkungen des Klassenklimas auf sie selbst und ihre Mitschülerinnen und Mitschüler erlangen und somit auch Sinn und Zweck der Befragung erkennen. Mittels der Befragungsergebnisse soll ein Reflexionsprozess über das Klima in der Klasse, aber auch über die eigene Rolle und das eigene Verhalten in der Klasse in Gang gesetzt werden.

Die Jugendlichen erlernen dabei zudem die Vorgehensweise der empirischen Sozialforschung und die Bedeutung von Befragungen. Beim Auswerten der Ergebnisse erwerben sie methodische Kenntnisse zur Auswertung und Interpretation empirischer Daten. Zentral wichtig ist es dabei, dass die Schülerinnen und Schüler merken, dass Selbstevaluation – hier in Form einer Klassenklima-Befragung – nicht folgenlos ist bzw. sein darf, sondern ihre Meinung und Einstellungen gefragt sind, welche Grundlage für Veränderungen in der Klasse sein können.

Mit Hilfe von Übungen und Materialien bspw. aus der Gruppenpsychologie wird das Nachdenken über das Zusammenleben und Zusammenwirken von Gruppen sowie die Auswirkungen auf den Einzelnen angeregt. Abschließend sollen die Schülerinnen und Schüler Konsequenzen aus den Ergebnissen formulieren und gemeinsam mit dem Lehrer entscheiden, welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge ergriffen werden können, um Teilbereiche des Klassenklimas zu verändern oder zu fördern.

Durchführung der Befragung

Die Online-Variante bietet eine Reihe von Vorteilen. (© BpB)

Wichtig ist, vor dem Ausfüllen des Fragebogens das Klassenklima nicht zum Thema zu machen, damit das Ausfüllen der Befragung nicht zu sehr beeinflusst wird. Zur Durchführung der Befragung bieten sich zwei Varianten an:

Schnell und mit wenig Aufwand – Die Online-Befragung

(Variante 1)

Der Einsatz der Online-Befragung hat für Sie folgende Vorteile: Sie wollen teilnehmen? Hier die einzelnen Schritte für Sie im Überblick:
  1. Anmeldung für das Projekt per Mail oder Telefon (0251-83-22222).
    Ihre Mail sollte folgende Angaben enthalten:
    • Kontaktdaten der Lehrerin, bzw. des Lehrers,
    • Name der Schule,
    • Adresse der Schule,
    • Klassenstufe,
    • Anzahl der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler,
    • geplanter Befragungszeitraum.
  2. Durchführung der Online-Befragung mit Hilfe des für Sie kodierten Online-Fragebogens (Link s. Bestätigungsemail)
  3. Die aktuellste Version der Software GrafStat – für den Einsatz im Bildungsbereich kostenlos – herunterladen (http://www.grafstat.de/) und installieren.
  4. Mit dieser können Sie nach der Durchführung der Befragung in Ihrer Klasse die Daten mittels der zugesandten Kenndaten vom Datensammelpunkt herunterladen. Dazu die PDF-Icon Befragungsdatei mit GrafStat öffnen und über "Daten zusammenfügen" --> "aus dem Internet" die Daten der Klasse importieren. (Erforderliche Kenndaten wurden Ihnen nach der Anmeldung zugesandt.) Anschließend mit den Schülerinnen und Schülern die Daten gemeinsam auswerten. (Weitere Hinweise hierzu siehe Baustein 3 des Projektes.)

Ausgedruckt und kopiert – Die Befragung auf Papier

(Variante 2)

Alternativ zur Onlinebefragung können Sie die Befragung auch traditionell mit einem PDF-Icon ausgedruckten Fragebogen durchführen. Dazu können Sie die PDF-Icon GrafStat-Befragungsdateien herunterladen.

Der Vorteil hier ist, dass Sie, wenn Sie mögen, den Fragebogen nach Ihren Wünschen auch – gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern – modifizieren und ganz auf den Bedarf Ihrer Klassenbefragung zuschneiden und anpassen können. Sie können einzelne Fragen (Items) löschen, selbst neue Fragen hinzufügen oder vorhanden Fragen umformulieren. Dabei sollten Sie jedoch beachten, dass bei der Formulierung von Items sehr schnell Fehler auftreten können, die die Qualität der erhobenen Daten beeinflussen, z.B. dann, wenn diese Fragen missverstanden werden, so dass hier viel Sorgfalt auf die Formulierung und Gestaltung der neuen Fragen gelegt werden sollte.

Ein kleiner Nachteil dieser Variante auf Papier ist, dass die Fragebögen der Schülerinnen und Schüler manuell in GrafStat eingegeben werden müssen. Dadurch kann es sein, dass die Schülerinnen und Schüler evtl. die Gewährleistung der Anonymität gefährdet sehen, weil insbesondere durch ein mögliches Wiedererkennen der Schrift bei den Freitextantworten durch die Lehrkraft eine Zuordnung der Daten zu einzelnen Schülern stattfinden könnte. Gerade die offenen Antworten sind jedoch aufgrund möglicher Begründungen und Freiraum für eigene Anmerkungen und freie Formulierungen sehr aufschlussreich und spannend, so dass es sehr schade wäre, wenn wegen der Befürchtung einer Re-Anonymisierung so evtl. die Bereitschaft der Schülerinnen und Schüler, hier Auskunft zu geben, gesenkt wird.

Entscheiden Sie daher vor der Anbahnung des Projektes, welche Befragungsvariante zu Ihren Zielen passt bzw. für Ihre Klasse die geeigneteste ist.

Dokumentation

Die Durchführung dieses Unterrichtsprojektes ist zwar ein komplexes Unterfangen, aber es lohnt sich. Dabei ist es stets hilfreich, wenn man sich an den Erfahrungen und Kenntnissen von Lehrerinnen und Lehrern orientieren kann, die ein ähnliches Projekt bereits durchgeführt haben. Die Bundeszentrale für politische Bildung stellt aus diesem Grund eine so genannte Praxisbörse zur Verfügung. Auch Sie können sich daran beteiligen. Nach einer problemlosen Registrierung können Sie dort die Dokumentation ihres eigenen Projektes in Wort, Ton und Bild im Internet für andere veröffentlichen.

Indem Sie das von Ihnen durchgeführte Projekt dort hinterlegen, ermöglichen Sie es anderen Klassen und Lehrpersonen, von Ihren Erfahrungen zu profitieren. Zusätzlich ist es für die Schülerinnen und Schüler natürlich auch motivierend, die eigenen Arbeitsergebnisse im Internet dokumentiert zu wissen. Wir würden uns freuen, wenn hierüber ein produktiver Austausch zwischen Lehrerinnen und Lehrern in Gang gebracht werden könnte. Hilfreiche Hinweise, Tipps und Ideen, wie ein GrafStat-Projekt, auch ohne großen Aufwand, dokumentiert werden kann, finden Sie unter Dokumentationsmethoden.
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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht.
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Wolfgang Sander, Julia Haarmann, Sabine Kühmichel

Zur Person

Wolfgang Sander

Prof. Dr. phil., geb. 1944; Erziehungswissenschaftler an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
Anschrift: Westfälische Wilhelms-Universität, Institut für Erziehungswissenschaft, Georgskommende 33, 48143 Münster.
E-Mail: sander@uni-muenster.de


Julia Haarmann

Zentrum für Lehrerbildung, Westfälische Wilhelms-Universität Münster.


Sabine Kühmichel

Institut für Erziehungswissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität Münster.


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