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30.6.2010

Baustein 1: Alles klasse mit dem Klima?

Einstieg in die Befragung

Im ersten Projektabschnitt soll zunächst die Befragung durchgeführt und die persönliche Relevanz des Themas für die Schülerinnen und Schüler verdeutlicht werden. Zudem wird erläutert , warum eine anonyme Befragung in der Klasse eine geeignete Form zur Untersuchung des Klassenklimas darstellt und wie man diese einsetzt. Die Schülerinnen und Schüler sollen in die Lage versetzt werden, einen persönlichen Bezug zur Thematik herzustellen, und die allgemeine Relevanz des Klassenklimas ermitteln.

Zu Beginn der Reihe stellt Baustein 1 Material zur Bewusstmachung des Themas und Anbahnung des Befragungsprojekts zur Verfügung. Die Schülerinnen und Schüler sollen hier erschließen, warum das Thema eine Bedeutung für sie hat. Sie sollen in die Lage versetzt werden, einen persönlichen Bezug zur Thematik herzustellen, und die allgemeine Relevanz des Klassenklimas ermitteln. Zudem soll ihnen hier die Praktikabilität des Instruments der Befragung zur Ermittlung von Aussagen über das Klassenklima ersichtlich werden.

Lernziele

Die Schülerinnen und Schüler sollen
  1. einen persönlichen Bezug zum Thema "Klassenklima" herstellen.
  2. die positiven und negativen Wirkungen des Klassenklimas auf Schülerinnen und Schüler wie Lehrerinnen und Lehrer benennen können.
  3. Sinn und Zweck einer Befragung zum Thema "Klassenklima" erkennen.
  4. Vorgehensweisen der empirischen Sozialforschung und die Bedeutung von Befragungen kennen.


Zwei Befragungsvarianten

Wichtig ist, vor dem Ausfüllen des Fragebogens das Klassenklima nicht zum Thema zu machen, damit das Ausfüllen der Befragung nicht zu sehr vorbeeinflusst wird.

Mit Hilfe des Online-Fragebogens können Sie die Befragung schnell und unkompliziert in der Klasse durchführen. (© BpB)

Für die eigentliche Durchführung der Befragung bieten sich zwei Befragungsvarianten an. Zum einen kann die Befragung mit der bereits entwickelten Befragung online schnell und wenig aufwändig durchgeführt werden (Variante 1). Zum anderen können Sie auf Basis des Musterfragebogens auch eine schriftliche Befragung auf Papier durchführen und die Daten anschließend mit der Software GrafStat in den Computer eingeben (Variante 2).

Schnell und ohne Aufwand – Die Onlinebefragung

(Variante 1)

Der Einsatz der Online-Befragung hat für Sie folgende Vorteile: Hinweis: Der Service, an der durch das Team Forschen mit GrafStat betreuten Onlineumfrage teilzunehmen wurde mittlerweile eingestellt. Sie können aber mit Hilfe des Musterfragebogens und der Software GrafStat immer noch eigenständig eine Onlineumfrage einrichten und durchführen.

Sie wollen eine Onlinebefragung durchführen? Hier die einzelnen Schritte für Sie im Überblick:

Ausgedruckt und kopiert – Die Befragung auf Papier

(Variante 2)

Alternativ zur Onlinebefragung können Sie die Befragung auch traditionell mit einem ausgedruckten Fragebogen durchführen. Dazu können Sie die GrafStat-Befragungsdateien herunterladen.

Der Vorteil hier ist, dass Sie, wenn Sie mögen, den Fragebogen nach Ihren Wünschen auch – gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern – modifizieren und ganz auf den Bedarf Ihrer Klassenbefragung zuschneiden und anpassen können. Sie können einzelne Fragen (Items) löschen, selbst neue Fragen hinzufügen oder vorhanden Fragen umformulieren. Dabei sollten Sie jedoch beachten, dass bei der Formulierung von Items sehr schnell Fehler auftreten können, die die Qualität der erhobenen Daten beeinflussen, z.B. dann, wenn diese Fragen missverstanden werden.

Nachteil dieser Variante ist, dass Sie die Fragebögen der Schülerinnen und Schüler selbst manuell in GrafStat eingeben müssen. Zudem kann es sein, dass die Schülerinnen und Schüler hier die Einhaltung der Anonymität gefährdet sehen. Die Befürchtung einer Re-Anonymisierung der Daten kann insbesondere durch ein mögliches Wiedererkennen der Schrift durch die Lehrkraft bedingt sein. Gerade bei den offenen Antworten, die ja sehr aufschlussreich und spannend sind, kann so die Bereitschaft der Schülerinnen und Schüler hier Auskunft zu geben, gesenkt werden.

Entscheiden Sie daher vor der Anbahnung des Projektes, welche Befragungsvariante zu Ihren Zielen passt.

Einstiegsmöglichkeiten ins Thema

Einstieg in das Thema: Wie fühlen sich diese Jugendlichen? (© AdPic)

Bei einer Befragung zum Thema Klassenklima ist es wichtig, die Jugendlichen in ihrem Antwortverhalten nicht zu beeinflussen. Dies kann bspw. durch eine umfangreiche Aufarbeitung des Befragungsthemas vor Durchführung der Befragung geschehen. Daher empfiehlt es sich, mit einem knappen Einstieg zu beginnen und dann direkt mit der Befragung zu starten.

Zum Einstieg dienen vier Fotos von vier unterschiedlichen Jugendlichen, die jeweils unterschiedliche Emotionen widerspiegeln (M 01.01). Die Schülerinnen und Schüler sollen die Fotos betrachten und überlegen, was diese Jugendlichen miteinander gemeinsam haben. Der Lehrer klärt auf, dass es sich hier um Schülerinnen und Schüler einer Klasse handelt.

In einem nächsten Schritt sollen sie vermuten, wie sich die Jugendlichen auf den Fotos fühlen. Dabei wird sicher schnell klar, dass es schwierig ist, Informationen über die Gefühlszustände der verschiedenen Schülerinnen und Schüler einer Klasse zu ermitteln. Im Planungsgespräch sollen die Jugendlichen erschließen, dass das Instrument der Befragung besser geeignet ist, Informationen über das Klima in einer Klasse zu erhalten.

Alternativ dazu kann für den Einstieg auch ein konkretes Ereignis oder ein bestimmter Vorfall in der Klasse als Aufhänger für eine Auseinandersetzung mit dem Klassenklima dienen oder die Befragung zur inhaltlichen Vorbereitung einer Klassen- oder Kursfahrt zum Thema genutzt werden.

Klasse Klima? – Durchführung der Befragung

In einem nächsten Schritt füllen die Schülerinnen und Schüler den Fragebogen (M 01.02) zum Klassenklima online oder auf Papier aus. Das Ausfüllen kann entweder im PC-Raum der Schule oder auch zu Hause erfolgen. Wichtig ist es, hier auf die Anonymität der Befragung hinzuweisen und darauf zu achten, dass diese auch eingehalten bzw. ermöglicht wird. Daher sollte sorgfältig geprüft werden, ob ein gemeinsames Ausfüllen im Computerraum sinnvoll ist. Es ist unbedingt zu vermeiden, dass Schülerinnen und Schüler sich gegenseitig in den Fragebogen schauen, damit gerade Jugendliche, die etwas Kritisches anmerken wollen, dies auch ungestört und unbeeinflusst tun können.

Der Fragebogen enthält folgende Inhaltsaspekte:
  1. Lern- und Arbeitsatmosphäre (Regeln, Störungsvermeidung etc.)
  2. Soziale Kompetenz und Soziale Interaktion innerhalb der Klasse
    • Streit-/Konfliktkultur
    • Meinungspluralität/Ausgrenzung
    • Minderung von Konkurrenzdruck/Neid
    • Förderung der Hilfsbereitschaft
  3. Kommunikation
  4. Klassenzusammenhalt
  5. Schulangst/-stress
  6. Partizipation und demokratische Strukturen innerhalb der Klasse
  7. Lehrerbild/Lehrerverhalten

Was ist ein gutes Klassenklima?

In einem nächsten Schritt sollen die Jugendlichen überlegen, welche Merkmale eigentlich ein gutes Klassenklima ausmachen und warum ein gutes Klassenklima wichtig ist. Als Impuls kann hier ein Fallbeispiel einer fiktiven Klasse mit einem schlechten Klassenklima dienen. Die Schülerinnen und Schüler sind aufgefordert, die geschilderten Situationen zu analysieren und zu identifizieren, was in dieser Klasse nicht gut läuft. Auf Grundlage dieser Negativfolie kann dann die Auseinandersetzung mit den Vorstellungen von einem "guten Klassenklima" erfolgen.

Zum Einsatz kommt hier die Methode Kartenabfrage. Dazu brauchen Sie Papierkarten in zwei verschiedenen Farben. Jeder Schüler und jede Schülerin soll dabei je 3 Karten einer Farbe bekommen. Die Schülerinnen und Schüler haben nun die Aufgabe, zu den Fragen "Was ist ein gutes Klassenklima?" und "Warum ist ein gutes Klassenklima wichtig?" jeweils drei Schlagworte/Aspekte zu notieren. Auch die Lehrkraft kann bei dieser Kartenabfrage mitmachen. Das anschließende Clustern der Karten kann entweder zunächst in Kleingruppen vorgenommen und anschließend in der Klasse an der Tafel oder auf einem Flipchart durchgeführt werden oder auch direkt in der großen Gruppe/Klasse vollzogen werden.

Dazu werden die Karten an der Tafel nach thematischen Aspekten gruppiert und wenn möglich mit Überbegriffen versehen. Zusätzlich können mit Kreide auch Abhängigkeiten, Zusammenhänge und Gegensätze mit Pfeilen und Symbolen verdeutlicht werden. Alternativ dazu kann auch mit der Methode Stummes Schreibgespräch und Plakaten gearbeitet werden.

Warum das Klassenklima wichtig ist

Nachdem so erste Definitionen und typische Phänomene ermittelt und die Schülerinnen und Schüler gedanklich in das Thema eingeführt wurden, sollen diese dann Ergebnisse verschiedener Studien zum Thema "Klassenklima" kennenlernen. Dazu lesen sie einen Text (M 01.03), der die zentralen Ergebnisse zusammenfasst und wandeln die wichtigsten Erkenntnisse in ein Schaubild, bzw. eine Mindmap um. In der Arbeitsphase zeichnet ein Schüler das Schaubild auf Folie und präsentiert dieses vor der Klasse, die anderen Schülerinnen und Schüler ergänzen anschließend fehlende Aspekte und überarbeiten dann, wenn nötig, ihre Schaubilder.

Wie arbeiten Sozialwissenschaftler?

GrafStat-Interview mit dem Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Sander. (© Sebastian Stolte)

Um die Schülerinnen und Schüler noch mehr über die Methodik von quantitativen Befragungen aufzuklären, kann zur Vertiefung ein Interview über das Vorgehen in der empirischen Sozialforschung und speziell über das Instrument der Befragung angehört werden (M 01.04).

Die Aufgabe für die Schülerinnen und Schüler ist mittels Beobachtungsaufgaben, die wichtigsten Aspekte zum Vorgehen zu ermitteln. Das vorliegende Interview ist als MP3-Datei und als Text verfügbar (M 01.04).
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Wolfgang Sander, Julia Haarmann, Sabine Kühmichel

Zur Person

Wolfgang Sander

Prof. Dr. phil., geb. 1944; Erziehungswissenschaftler an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
Anschrift: Westfälische Wilhelms-Universität, Institut für Erziehungswissenschaft, Georgskommende 33, 48143 Münster.
E-Mail: sander@uni-muenster.de


Julia Haarmann

Zentrum für Lehrerbildung, Westfälische Wilhelms-Universität Münster.


Sabine Kühmichel

Institut für Erziehungswissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität Münster.


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