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20.6.2013

Didaktische Konzeption

Dieses Unterrichtsangebot bietet praxisnahe Anregungen für die Entwicklung eines eigenen Projektes zur Partizipation im und mit dem Internet. Planungshinweise, Verlaufspläne der Unterrichtsstunden, Arbeitsblätter, Checklisten und Praxisbeispiele erleichtern und strukturieren die Planung, Durchführung, Präsentation und Evaluation der Aktion. Die Schülerinnen und Schüler können Hintergrundinformationen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen von Mitwirkung, Teilhabe und Mitbestimmung sowie zu ihren Beteiligungsmöglichkeiten im Internet erarbeiten, die sie bei der Durchführung direkt verwenden können.

Einführung

Zielgruppe

Klasse 7 bis 10, alle Schulformen, Jugendarbeit

Ziele

Die Schülerinnen und Schüler...
  • lernen Formen und Möglichkeiten der E-Partizipation (beispielhaft) kennen (Baustein 1)
  • beurteilen die Chancen und Risiken von E-Partizipations-Möglichkeiten und diskutieren diese.
  • erforschen ihre eigenen Aktivitäten und Interessen im Bereich E-Partizipation (Baustein 2).
  • können ihre Ergebnisse mithilfe aktueller Vergleichszahlen einordnen (Baustein 2).
  • planen eigene Aktivitäten in ihrem Umfeld und im Web 2.0 und führen diese durch (Baustein 3).

Unterrichtsfächer

Politik, Sozialkunde, Sozialwissenschaften, Gesellschaftslehre, Praktische Philosophie/Ethik, Klassenlehrerunterricht, Projektwoche, Jugendarbeit

Themenbezug

E-Partizipation; Befragungsmethoden; Neue Medien

Dauer

ab 2 Unterrichtsstunden, je nach Bausteinauswahl
Baustein 1: 4-8 Unterrichtsstunden
Baustein 2: 2-8 Unterrichtsstunden
Baustein 3: variabel

Aufwand

Je nach Schwerpunktsetzung und Umfang

Materialien

  • je Baustein: Schema des möglichen Unterrichtsverlaufes mit didaktischen Hinweisen, Sachinformationen und umfangreichen Unterrichtsmaterialien
  • Musterfragebogen
Alle Materialien stehen unter www.bpb.de/grafstat zur Verfügung.

Autorinnen und Autoren

Wolfgang Sander, Angela Gralla, Katharina Hempelmann, Sabine Kühmichel


Im ersten Baustein entdecken die Jugendlichen die grundlegenden Merkmale von E-Partizipation. Sie setzen sich mit Möglichkeiten und Gefahren des Internets und Web 2.0 auseinander und erarbeiten exemplarisch Beispiele von E-Partizipation. In Baustein 2 können sie mittels einer aktivierenden Befragung ihre Meinung und ihr Verhalten im Hinblick auf zentrale Aspekte von Partizipation 2.0 erforschen und reflektieren sowie Themen ausfindig machen, die für sie und die Jugendlichen in ihrem Umfeld interessant sind. Der abschließende Baustein 3 kann für nachfolgende Aktionen genutzt werden, indem die Interessen der jungen Menschen aufgenommen, gemeinsame Ziele formuliert und hieraus geeignete Formen der E-Partizipation ausgewählt werden.

Die einzelnen Bausteine sind so konzipiert, dass sie in einem logischen Ablauf nacheinander im Unterricht eingesetzt werden können. Es ist jedoch auch möglich, lediglich einzelne Bausteine oder Teile der Bausteine zu verwenden. Die Schwerpunkte der jeweiligen Einheit können somit von dem/der Lehrenden an die jeweilige Lerngruppe und Zielsetzung angepasst werden.

Ziele des Unterrichtsprojektes

Ziel des Unterrichtsprojektes "Partizipation 2.0" ist es, Jugendlichen mit der Nutzung des Web 2.0 eine zusätzliche Möglichkeit zur politischen Mitsprache und Beteiligung zu eröffnen. Ein solches Vorhaben hat das Potential, den jungen Menschen die Gelegenheit zu geben, fachlich fundiert und handlungsorientiert an demokratischen Prozessen der Willensbildung und Entscheidungsfindung mitzuwirken. So können sie zunächst Wissen über E-Partizipation, Angebote und Beiteilungsformen erarbeiten. Hierbei werden neben den Möglichkeiten auch die Grenzen und Gefahren der Internetnutzung in den Blick genommen, sodass die Jugendlichen zu einem reflektierten Umgang mit dem Medium gelangen. Ausgehend hiervon können die Jugendlichen ihre Interessen und Aktivitäten im Bereich E-Partizipation anhand einer aktivierenden Befragung in ihrer Gruppe, Klasse oder direktem Umfeld erforschen. Sie nehmen neben ihrer persönlichen Perspektive durch die Betrachtung aktueller Vergleichsdaten auch die gesellschaftliche Perspektive in den Blick. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse können die Jugendlichen zu einer echten Partizipation gelangen, indem sie einen Aktionsschwerpunkt entwickeln und mithilfe des Web 2.0 ihr Anliegen stark machen. Eine solche Aktion beginnt mit der Meinungsbildung und -äußerung, verharrt aber nicht an diesem Punkt. Ziel sollte es sein, andere (Jugendliche) für das Anliegen zu begeistern bzw. bei offiziellen Ansprechpartnern (z. B. in der Kommune oder bei Unternehmen) eine Reaktion zu erwirken und Veränderungen anzustoßen. Das Web 2.0 dient hierbei als Mittel der Teilhabe, das – entsprechend den jeweiligen Zielen – neben den anderen, klassischen Formen der Partizipation eingesetzt wird.

Möglichkeiten der E-Partizipation

E-Partizipation äußert sich in "Formen politischer Teilhabe, bei denen sich Bürger(innen) elektronischer Informations- und Kommunikationstechnologien bedienen, um mit staatlichen Organen oder untereinander an allen möglichen Stellen politischer Prozesse in Kontakt zu treten".[1]

Partizipation im Netz kann verschiedene Grade der Teilhabe in Anspruch nehmen. Auch "offline" erstreckt sie sich von der Interessens- und Meinungsbildung über die Mitsprache und Mit-Entscheidung zur Aktivbeteiligung (vgl. auch M 02.09). Der Einbezug von Jugendlichen in Entscheidungsprozesse geschieht häufig auf kommunaler Ebene, in der Regel über Kinder- und Jugendparlamente, offene Beteiligungsformen und Projekte in freier Trägerschaft. Im Web 2.0 eröffnen sich alternative Formen der Kommunikation, mittels derer Bürgerinnen und Bürger in die Entscheidungsfindung der Parlamente, Regierungen und Behörden einbezogen werden. Die Beiteilung kann allerdings auch - in einem weiteren Sinne - als (Mit-)Gestaltung von demokratisch-gesellschaftlichen Prozessen verstanden werden. Jugendliche sind dann gleichberechtigt und können wirklich an Entscheidungen mitwirken, wenn ihre Kenntnisse, Fähigkeiten, Überzeugungen und Interessen für die Entwicklung und Durchführung einer Beteilgungsaktion im Netz aufgenommen und ernst genommen werden. Im Web 2.0 eröffnet sich für diese Zielsetzungen eine Kommunikation, die Diese unterschiedlichen Kommunikationswege können zu einer verschieden ausgeprägten Intensität der Aktivierung bei den Jugendlichen führen. So unterscheiden Wagner, Brüggen et al. drei Formen der Partizipation im Netz: sich positionieren (z. B. Gruppenmitgliedschaften), sich einbringen (z. B. von Aktionen berichten; Musik, Videos oder Bilder mit inhaltlichen Aussagen hochladen, mit anderen diskutieren), andere aktivieren (z. B. online zu Aktivitäten aufrufen).[2] Bei der Gestaltung der einzelenen Bausteine werden diese Ebenen, Intensitätsgrade und Kommunikationswege der E-Partiziaption in den Blick genommen und für ein Projekt im Unterricht oder in der Jugendarbeit nutzbar gemacht.

Durchführung der Befragung

Mittels der in Baustein 2 vorgestellten Befragung können die Jugendlichen ihre Einstellungen und Vorstellungen zum Thema "E-Partizipation" erkunden, indem sie ihr eigenes Nutzungsverhalten sowie ihre Themeninteressen erforschen. Im Folgenden finden Sie einige Hinweise zur Durchführung dieser Befragung.

Zeitsparend und anonym – Die Online-Befragung

GrafStat ermöglicht es, ohne großen Aufwand, Online-Befragungen durchzuführen.

Für eine Internetbefragung wird der Fragebogen als HTML-Formular aufbereitet und auf einer Webseite veröffentlicht. Außerdem muss die Befragung auf einem Datensammelpunkt angemeldet werden. Ist alles ordnungsgemäß eingerichtet, können die Fragen anschließend weltweit beantwortet werden; die Daten laufen auf dem Datensammelpunkt zusammen, von wo sie jederzeit über das Internet abrufbar und in die Auswertung einbezogen werden können. Der Einsatz einer Online-Befragung hat folgende Vorteile: Beachten Sie bitte: Weitere Informationen zur Durchführung einer Online-Befragung finden Sie hier.

Ausgedruckt und kopiert – Die Befragung auf Papier

Die Befragung kann mit einem ausgedruckten Fragebogen durchgeführt werden. Der Musterfragebogen liegt als druckfähige PDF sowie als GrafStat-Dateien zum Download vor.

Sie können den Fragebogen nach Ihren Wünschen auch – gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern – modifizieren und ganz auf den Bedarf Ihrer Klassenbefragung zuschneiden und anpassen. Sie können einzelne Fragen (Items) löschen, selbst neue Fragen hinzufügen oder vorhanden Fragen umformulieren. Dabei sollten Sie jedoch beachten, dass bei der Formulierung von Items sehr schnell Fehler auftreten können, die die Qualität der erhobenen Daten beeinflussen, z. B. dann, wenn diese Fragen missverstanden werden, so dass hier viel Sorgfalt auf die Formulierung und Gestaltung der neuen Fragen gelegt werden sollte. Wird dies beachtet können Sie GrafStat im Rahmen dieses Projektes auch für weitere Befragungen (z. B. zum aktuellen Freizeitangebot in der Gemeinde) einsetzen (siehe Praxisbeispiel Info 04.04).

Ein kleiner Nachteil dieser Variante auf Papier ist, dass die Fragebögen der Schülerinnen und Schüler manuell in GrafStat eingegeben werden müssen. Dadurch kann es sein, dass die Schülerinnen und Schüler evtl. die Gewährleistung der Anonymität gefährdet sehen, weil insbesondere durch ein mögliches Wiedererkennen der Handschrift bei den Freitextantworten durch die Lehrkraft eine Zuordnung der Daten zu einzelnen Schülerinnen und Schülern stattfinden könnte. Gerade die offenen Antworten sind jedoch aufgrund möglicher Begründungen und als Freiraum für eigene Anmerkungen und freie Formulierungen sehr aufschlussreich und spannend, so dass es sehr schade wäre, wenn wegen der Befürchtung einer Re-Anonymisierung so evtl. die Bereitschaft der Schülerinnen und Schüler, hier Auskunft zu geben, gesenkt wird.

Entscheiden Sie daher vor Projektbeginn, welche Befragungsvariante zu Ihren Zielen passt und welche Befragungen für Ihre Klasse geeignet sind.

Dokumentation

Die Durchführung dieses Unterrichtsprojektes lohnt sich in mehrfacher Hinsicht. Denn Sie erweitern die Kenntnisse der Jugendlichen zum Thema "E-Partizipation" und stärken ihre Bereitschaft zur Mitwirkung und Teilhabe. Darüber hinaus die Jugendlichen erfahren durch eine abschließende Veröffentlichung eine höhere Wirksamkeit ihres Engagements und ermöglichen darüber hinaus anderen Bürgerinnen und Bürgern von Ihren Erfahrungen zu profitieren. Da die Gestaltung der Aktion unter Einbezug des Web 2.0 stattfindet, sind alle Voraussetzungen für eine ansprechende Dokumentation grundsätzlich gegeben. Die Aktivitäten und Veröffentlichungen in digitaler Form im Netz können für die Präsentation gesammelt und abschließend oder sogar bereits im Prozess ansprechend aufbereitet werden. Das Projekt kann in Wort, Ton und Bild z. B. auf der Webseite der Schule, auf einer eigenen Projektseite im Internet oder über die Printmedien vor Ort dokumentiert werden. Hilfreiche Hinweise, Tipps und Ideen, wie ein GrafStat-Projekt dokumentiert werden kann, finden Sie unter Dokumentationsmethoden und bei M 03.03.


Vorschau Spielbrett

Wenn Sie möchten, können Sie zum Abschluss der Unterrichtsreihe das neu erworbene Wissen spielerisch mit einem Spiel, bestehend aus Wissens- und Tabu-Karten, in der Klasse testen.

Fußnoten

1.
Grimme-Institut. Gesellschaft für Medien, Bildung und Kultur mbH (Hrsg.): Im Blickpunkt. E-Partizipation, 2011, http://www.grimme-institut.de/imblickpunkt/pdf/imblickpunkt_e-partizipation.pdf, S. 2.
2.
Wagner, Ulrike / Brüggen, Niels / Gebel, Christa: Web 2.0 als Rahmen für Selbstdarstellung und Vernetzung. Analyse jugendnaher Internetplattformen und ausgewählter Selbstdarstellungen von 14- bis 20-Jährigen. JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis München (Hrsg.). München: 2009. Online unter: http://www.jff.de/dateien/Bericht_Web_2.0_Selbstdarstellungen_JFF_2009.pdf.
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