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23.7.2014

Best Practice Projekt 4: Das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“

Hintergrund
Das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ existiert in Deutschland seit 1995. Die Idee entstand bereits 1988 an Schulen in Belgien. Mittlerweile gehören dem Netzwerk in der Bundesrepublik rund 3.000 Schulen aller Schulformen mit insgesamt über zwei Millionen Schülerinnen und Schüler an.

Treffen des Netzwerks mit Fahne (© Landeskoordination NRW „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ )

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist kein staatliches Projekt.Die Bundeskoordination liegt in der Verantwortung des Trägervereins Aktion Courage. In den verschiedenen Bundesländern gibt es darüber hinaus jeweils eine Landeskoordination. Der Grundgedanke von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ richtet sich zum einen gegen jede Form von Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt. Zum anderen möchte das Projekt Kinder und Jugendliche ermutigen, sich an ihrer Schule zu engagieren und somit den Schulalltag entsprechend dieser Leitidee aktiv mitzugestalten.

Die Ziele von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ sind in einer Selbstverpflichtungserklärung formuliert, die folgenden Wortlaut hat:
  1. Ich werde mich dafür einsetzen, dass es zu einer zentralen Aufgabe meiner Schule wird, nachhaltige und langfristige Projekte, Aktivitäten und Initiativen zu entwickeln, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden.
  2. Wenn an meiner Schule Gewalt, diskriminierende Äußerungen oder Handlungen ausgeübt werden, wende ich mich dagegen und setze mich dafür ein, dass wir in einer offenen Auseinandersetzung mit diesem Problem gemeinsam Wege finden, uns zukünftig zu achten.
  3. Ich setze mich dafür ein, dass an meiner Schule ein Mal pro Jahr ein Projekt zum Thema Diskriminierungen durchgeführt wird, um langfristig gegen jegliche Form von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, vorzugehen.
(Quelle: Schule ohne Rassismus: schule-ohne-rassismus.org)

Eine Schule bekommt dann den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ verliehen, wenn 70 Prozent aller Menschen an der Schule – Schüler/-innen, Lehrer/-innen, Verwaltungsmitarbeiter-/innen und Haustechniker/-innen sich zu dieser Selbstverpflichtung durch ihre Unterschrift bekennen. Eine weitere Anforderung besteht darin, einen Paten oder eine Patin zu finden, welche das Projekt an der Schule unterstützt. Patinnen und Paten können Personen des öffentlichen Lebens sein, Politiker/-innen, Sportler/-innen, Künstler/-innen oder Schauspieler/-innen, aber auch vielleicht weniger bekannte Menschen, die jedoch das Anliegen von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ durch ihre Haltung und ihr Engagement authentisch vertreten.

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ – Wege und Ziele
Das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ lebt vom Engagement der Schülerinnen und Schülern und kann auch nur auf diese Weise funktionieren. Versuche, das Projekt gleichsam „von oben“ zu initiieren, etwa durch einzelne Lehrerinnen oder Lehrer,

„Schule ohne Rassismus": Workshop Regionaltreffen Köln (© Renate Bonow)

das Kollegium oder die Schulleitung, scheitern häufig und entsprechen auch nicht dem grundlegenden Selbstverständnis und den Kernideen des Netzwerks. Zudem zeigt sich immer wieder, dass allein die Verleihung des Titels „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ keineswegs eine „Schluckimpfung“ gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung an den jeweiligen Schulen bedeutet. An manchen Schulen gerät im Laufe der Jahre das Bewusstsein, dem Netzwerk beigetreten zu sein, vollständig in Vergessenheit. Der Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist somit zweifellos eine Auszeichnung für das Engagement von Schüler/-innen und Lehrer/-innen – auf dem sich die Schule jedoch nicht ausruhen sollte.

Doch gerade in der Tatsache, dass die Ziele zu denen sich die Menschen an einer „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ bekennen, eben keine Verpflichtung, sondern eine Selbstverpflichtung darstellen, die immer wieder neu gefüllt werden muss, liegen auch die Chancen des Projekts. Anders ausgedrückt: Der Weg ist auch das Ziel. Für eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Rassismus und Ausgrenzung an der Schule bietet das Netzwerk zahlreiche Ansatzpunkte. Zum einen bietet das Projekt einen ständigen konkreten Gesprächsanlass und eine – neben den allgemeinen Bestimmungen des Schulgesetzes – deutliche Legitimation, sich kritisch mit den oftmals als unbequem und nicht besonders prestigeträchtig empfundenen Themen wie Rassismus und Diskriminierung zu befassen.

„Schule ohne Rassismus": Carolus-Magnus-Gymnasium Köln (© Renate Bonow)

Die Selbstverpflichtung macht ebenso deutlich, dass die Auseinandersetzung eine schulische Querschnittsaufgabe ist, die nicht alleine auf scheinbar dafür besonders prädestinierte Fächer wie „Geschichte“ oder „Sowi“ abgeschoben werden kann. Nicht zuletzt bietet die aktive Teilnahme am Netzwerk zahlreiche Möglichkeiten, sich zu unterschiedlichen Anlässen mit engagierten Schulen, Schüler/-innen und Lehrer/-innen über Erfahrungen und gelingende Projektideen auszutauschen. Der Weg zur „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist oft sehr kleinschrittig und nicht selten ein eher langwieriger Prozess, schließlich gilt es unter den Menschen an der Schule für die Anliegen und Ziele des Projekts zu werben und eventuell gegen Vorbehalte, aber auch manifeste Ressentiments zu argumentieren.

Die Erfahrungen, die Engagierte an ihren Schulen machen, sind daher häufig sehr unterschiedlich. Dennoch können eine Reihe von Schritten benannt werden, die sich auf dem Weg zur „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ bewährt haben. Sie seien hier stichwortartig genannt: Umfangreiche Informationen zum Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ sowie Hinweise auf Broschüren und pädagogische Materialien zum Themenfeld Rassismus und Diskriminierung sind abrufbar unter: http://www.schule-ohne-rassismus.org/

Eigener Text von Heiko Klare und Michael Sturm (mobim)

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