BUNDESTAGSWAHL 2021 Mehr erfahren
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2.9.2021

Didaktische Konzeption

In der didaktischen Konzeption finden Sie Hinweise zum Unterrichtsprojekt hinsichtlich Ausgangslage, Einsatz in der Schule (Zielgruppe, Themenfelder etc.), Handlungsfelder für den Unterricht, Ziele, Inhalte und Aufbau des Projekts. Detailliertere Planungshinweise für den Unterricht finden Sie jeweils nochmal in den einzelnen Bausteinen.

Wortwolke aus Begriffen zum Projektthema (© Team "Forschendes Lernen" Uni Münster)

Die schulische und die außerschulische politische Bildung stehen im sogenannten „Superwahljahr“ 2021 bedingt durch aktuelle Krisen (Corona-Pandemie, Klimakrise, politische Polarisierung und Demokratiekritik, Veränderung von politischen Partizipationsräumen) vor neuen Herausforderungen. Dieses digitale Angebot, zur Bundestagswahl forschend zu lernen, entwickelt einen neuen Schwerpunkt zum Thema Wahlen und politische Partizipation: Angesichts einer pandemiebedingt digitalen Kampagnenführung sollen in diesem Projekt neue Sichtweisen auf Wahlkämpfe und ihre Dynamiken, die Rolle digitaler politischer Kommunikation, die Messung von Stimmungen sowie die Wahlforschung und ihre Einflüsse auf die Perzeption von Kandidierenden und die Wahl adressiert werden. Dieses neue Angebot ergänzt die vorherigen Angebote zu Wahlen (Bundestagswahl 2017 und die Europawahl 2019). Es ist verbunden mit den grundlegenden Angeboten der bpb zum Thema Bundestagswahlen. Die folgende Einführung zu Aufbau und Inhalt der vorliegenden Unterrichtsmaterialien eröffnet einen didaktischen Überblick auf mögliche Schwerpunkte bei der Wahlvorbereitung im sozialwissenschaftlichen Unterricht. Detaillierte Informationen zu Zielsetzung und Umsetzung sowie kopierfähige Materialien finden sich innerhalb der jeweiligen Bausteine.

Zielgruppe Lernende der Jahrgangsstufen 9-10, alle Schulformen
Einzelne Materialien können auch in der Sek II eingesetzt werden (z.B. der Datendetektiv, Baustein 3).

Multiplikatoren und Multiplikatorinnen der schulischen und außerschulischen politischen Bildung
Unterrichtsfächer Politik, Sozialwissenschaften, Sozialkunde, Gesellschaftslehre
Themenbezug Wahlen, Bundestagswahl, Wahlverhalten, Demoskopie, Meinungsbildung, Partizipationsformen, Medieneinfluss, Medienbildung, Befragungsmethoden, Digitalisierung, Wahlumfragen, politische Kommunikation, Umgang mit digitalen Medien, Medienkompetenz, digital campaigning, Instagram
Dauer/Umfang Die Bausteine sind in Lerneinheiten dargestellt, die an den zeitlichen Umfang von Schulstunden ausgerichtet sind. Es werden sowohl Einzelstunden (45min) als auch Doppelstunden (90min) fokussiert. Die konkreten zeitlichen Angaben finden sich in den didaktischen Hinweisen zu den einzelnen Bausteinen.
Aufwand Alle Arbeitsmaterialien sind fertig aufbereitet und liegen zusätzlich als kopierfähiges PDF vor.

Die Unterrichtsmaterialien sind als Baukastensystem konzipiert, die einzelnen Elemente lassen sich individuell, abhängig von Interessenschwerpunkt und Lerngruppe, angepasst an die jeweils eigene Unterrichtsgestaltung kombinieren. Dementsprechend variiert der Aufwand.
Materialien Alle benötigten Materialien stehen im Online-Angebot der bpb unter www.bpb.de/grafstat zur Verfügung.
Autorinnen und Autoren Prof. Andrea Szukala,
Katharina Grannemann, Sabine Kühmichel, Falk Leigers, Franka Potthoff, Linda Loreen Wolf
aus dem Team Forschendes Lernen der Universität Münster
Hinweis:
In dieser Darstellung wird so weit, wie möglich, auf gendergerechte Formulierungen zurückgegriffen.


Ausgangslage

Mitten in einer Pandemie und konfrontiert mit Auswirkungen der Klimakrise befindet sich die Bundesrepublik 2021 in einem „Superwahljahr“: Sechs Bundesländer wählen ihre Landesparlamente, außerdem findet die Bundestagswahl statt, bei der zum ersten Mal kein Amtsinhaber oder eine Amtsinhaberin zur Wiederwahl steht.

Schon vor der letzten Bundestagswahl im Jahr 2017 haben sich neue gesellschaftliche Konfliktlinien abgezeichnet, wie beispielsweise eine Zunahme von Protestwählerinnen und -wählern, eine Zersplitterung des Parteiensystems sowie zunehmend polarisierte Diskurse rund um Europäisierung und Globalisierung und den demokratischen Prozess selbst (vgl. Szukala 2017). In diesem Jahr werden diese Konfliktfelder durch die Wahrnehmung von Maßnahmen in der Corona-Pandemie und den daraus resultierenden gesellschaftspolitischen und demokratiekritischen Diskursen noch verschärft. Hinzu kommt eine zunehmende Verlagerung von politischen Diskursen in den digitalen Raum begleitet von einer geringeren Präsenz von Parteien im öffentlichen Raum und damit einhergehend eine neue, zum Teil algorithmisch gefilterte, Wahrnehmung des politischen Kräftefeldes und demokratieschädliche Einflüsse auf den Wahlkampf, den demokratischen Prozess sowie die Wählerinnen und Wähler.

Wahlen werden nur dabei noch bedingt als kollektives Ereignis wahrgenommen. Politische Partizipation scheint sich in jüngeren Generationen nicht mehr über die Wahrnehmung von einer demokratischen Verpflichtung zur Wahlteilnahme abzubilden, sondern über Diskursräume in sozialen Gruppen im digitalen Raum und dort auch die maschinell gefilterte Wahrnehmung von Personen und Situationen in der Demokratie. Hierbei zeigt sich eine größere Aufgeschlossenheit der „Generation Rezo“ gegenüber wissenschaftlichen Evidenzen sowie die Datengetriebenheit heutiger Gesellschafts- und Politikbeschreibung. Dies geht andererseits einher mit einer gewachsenen Bedeutung der Befragungen im politischen Prozess, stellt die Demokratie aber auch vor Herausforderungen und macht Wahlkampagnen in spezifischer Weise anfällig für die Manipulation von Daten und deren Einbettung in kollektive Bewertungsprozesse, welche verschiedene bedeutende sozialpsychologische Implikationen für den Entscheidungsprozess zur Wahlteilnahme und zur Wahlentscheidung haben können.

Da die Nutzung von Big Data in Wahlkämpfen eine weiter anwachsende Wichtigkeit hat (unter anderem durch das Identifizieren von Individuen anhand spezifischer Merkmale), ist es unabdingbar, dass im Rahmen des forschenden Lernens auf Probleme des Umgangs mit datafizierter Evidenz im Kontext von Wahlen vorbereitet wird (Krebs/ Szukala 2020). Dies betrifft neben den Effekten, die die Demoskopie selbst auf den Kampagnenverlauf hat, vor allem das Bewusstsein für die Allgegenwart des Profiling/ Microtargeting in den Kampagnen. Hier ist es ein bedeutendes Ziel, durch politische Bildung Resilienzen und ein Bewusstsein auszubilden (Gerodimos & Justinussen 2015). Diese besondere Orientierung ist Teil einer digitalen demokratischen Kompetenz, der „civic media literacy“ (engl.).

Im Rahmen des Lernvorhabens soll daher eine neue Annäherung an die besondere Natur von Wählerdaten und die Bedeutung von Wahlumfragen vor und während der Wahlen versucht werden. Dabei kann die Verbindung der qualitativen und quantitativen Dimension von wahlsoziologischen Datenreihen, wie z.B. das Sozioökonomische Panel (SOEP) entfaltet und Probleme der heutigen Datenerhebungen thematisiert werden: Zum Beispiel, ob und wann Personen bei Umfragen die Wahrheit sagen, oder welche sozialpsychologischen Effekte auf die politische Meinungsbildung wirksam werden, wenn Wahlumfragen medial umgesetzt, dargestellt sowie konnektiv (verbunden mit anderen) bewertet und diskutiert werden.

Handlungsfelder für den Unterricht

Die Bundestagswahl 2021 stellt die außer- und innerschulische politische Bildung durch die Verflechtungen der oben genannten komplexen Kontextvariablen vor besondere Herausforderungen. Vor dem Hintergrund der dargestellten gesamtgesellschaftlichen Aspekte lassen sich folgende Themenschwerpunkte für das Vorhaben der Erstwählervorbereitung im Wahljahr 2021 bestimmen:

a) Demoskopie als Instrument der politischen Meinungsbildung
Wahlumfragen sind in den Medien omnipräsent und spätestens seit der Aufarbeitung der unzutreffenden Prognosen zu der US-Präsidentschaftswahl 2016 oder zum Brexit-Referendum stehen die Demoskopie und ihre Einflüsse auf die politische Meinungsbildung, die Mobilisierung von Wählenden und das individuelle Wahlverhalten immer stärker im Fokus der gesellschaftlichen Debatte, der politischen PR und der Strategieabteilungen der Parteien. Dabei spielt auch die Verwissenschaftlichung der Betrachtung von Gesellschaft eine besondere Rolle, die durch die Wahlforschung in die Gesellschaft eingebracht wurde, denn sie ist ein geschichtlich herausragendes Beispiel für die Verknüpfung von wissenschaftlicher Selbstbeschreibung und politischer Instrumentalisierung von Forschung in der modernen Demokratie (sie ermöglicht insofern forschendes Lernen über die Natur der Sozialwissenschaften, Krebs/Szukala 2021, 40).

b) Rezeption und Rahmung von sozialwissenschaftlicher Evidenz
Anknüpfend an die oben geschilderten Dynamiken innerhalb der Demoskopie zeigt sich gerade auch bei heranwachsenden Wählergenerationen ein neuer Zugang und erstarktes Interesse an Daten, an faktenbasierter Analyse und wissenschaftlicher Evidenz sowie deren Niederschlag auf die politische Meinungsbildung. Diese Datenfokussierung geschieht häufig unreflektiert, denn die präsentierten Evidenzen scheinen wie eine unhintergehbare Beschreibung von politischer Realität. Was steckt hinter dieser Beschreibung, wie entstehen aggregierte Daten und wie hängen verschiedene Arten von Daten zusammen? Wie kommen Individuen in Daten vor und warum wehren sie sich häufig gegen die Verallgemeinerungen, die aus statistischen Evidenzen abgeleitet werden (Enttypisierungserfahrung)? Im Unterricht soll durch eine angeleitete Entdeckung von Individuen hinter Aggregatdaten („Datendetektiv“) die sozialwissenschaftliche Methodik und deren mögliche Einflüsse auf die Wahrnehmung demokratischer Prozesse und Zusammenhänge neu in den Blick genommen werden (vgl. Keck, 2020).

c) Thematisierung von einschlägigen Phänomenen der Sozialpsychologie
Im Kontext von Wahlkampf und des Wettbewerbs um die Wählerstimmen der Bürger und Bürgerinnen zeigen sich sowohl bei der Betrachtung von Demoskopiewirkungen als auch in der Rezeption von Wahlkampagnen besondere sozialpsychologische Wahrnehmungsphänomene. Diese müssen angesichts der häufig digital versteckt ablaufenden Prozesse stärker fokussiert, die Lernenden in ihrer Selbstwahrnehmung sensibilisiert und mögliche nicht-bewusste Kriterien der eigenen politischen Meinungs- und Entscheidungsbildung akzentuiert und diskutiert werden (vgl. Faas, 2014)

d) Kampagnendynamiken und Digitalität
Angesichts der zunehmenden demokratischen Digitalität und stark gestützt durch die Corona-Pandemie und einhergehende Maßnahmen zum social- bzw. spatial-distancing haben sich Wahlkämpfe in den Jahren 2020 und 2021 aus dem analogen politischen Raum herausverlagert. Die hohe Bedeutsamkeit von sozialen Medien wird entsprechend auch von den Parteien wahrgenommen, und insbesondere die Bedeutung der sozialen Medien, speziell von Instagram und Youtube, als Plattformen für politische Kommunikation erkannt. Lernende sollten bei der Rezeption von politischen Inhalten in den sozialen Medien begleitet und mit angepassten Strategien von digitalen (Wahl-)Kampagnen und die Erhebung von Daten in diesem Kontext vertraut gemacht werden (vgl. Haßler/Kümpel/Keller, 2021).

e) Wahl als Ausdruck politischer Partizipation und Ausbildung neuer demokratischer Diskursräume
In den letzten Jahren hat sich die Wahrnehmung und die Praxis von politischer Partizipation verändert, es haben sich neue Formen von (digitaler) politischer Kommunikation und Partizipation in medialen Diskursräumen herausgebildet. Lernende begegnen in ihrer politischen Identitäts- und Meinungsbildung politischen Themen häufig zuerst im digitalen Raum, der gleichzeitig aber eine undurchdringliche Informationsflut, häufig gekoppelt an oder gelenkt durch emotionale Botschaften, die sich an Einzelpersonen richten, hervorbringt. Lernende müssen beim Umgang mit dieser digitalen demokratischen Umgebung begleitet werden sowie für die Wirkweisen, vor allem für die Einflüsse von nicht-sichtbaren Akteuren, sowie emotionale Lenkungsprozesse und den Umgang mit verschiedenen Arten von „Fakten“ sensibilisiert werden.

Ziele des Projekts

Im Rahmen des Projektes wird daher Durch das Unterrichtsprojekt wird die Entwicklung der verschiedenen Kompetenzen (Sach-, Methoden-, Urteils- und Handlungskompetenz) adressiert, die in allen Lehrplänen der sozialwissenschaftlichen Fächer in der Bundesrepublik Deutschland verbindlich verankert sind. Die explizierte Fokussierung der sozialen Medien ist dabei ebenfalls in allen Lehrplänen und Medienkompetenzrahmen der Bundesländer obligatorisch. Auf der Sachebene steht vor allem das Wissen über Genese und Wirkung von Wahlumfragen auf die politische Meinungsbildung und das Campaigning sowie die unterschiedlichen Typen von Wahlumfragen im Vordergrund. Auf der Methodenebene wird das Lesen und Einordnen von Wahlumfragen und die Befragung im Kontext der Intention zu wählen thematisiert. Die politische Urteilskompetenz wird indirekt durch die metakognitive Fähigkeit verbessert, Aussagen über Kampagnenstrategien und die Positionen der Parteien zutreffend einzuschätzen und sich selbst zu diesen zu verorten. Handlungskompetenz wird durch die eigenständige Umsetzung von Projekten (z.B. Umfragen- oder Kampagnengestaltung) in kooperativen Lernsettings angeregt.

Aufbau und Inhalte des Projekts

Das Unterrichtsprojekt zur Bundestagswahl 2021 greift die skizzierte Problemlage thematisch wie didaktisch auf und strukturiert eine vierteilige Lernumgebung, um den damit einhergehenden Herausforderungen im Unterricht wirksam zu begegnen.
Das Projekt gliedert sich in vier inhaltliche und didaktische Bausteine: Die Bausteine sind inhaltlich miteinander verbunden, können aber je nach Zeit, thematischen Schwerpunkten und Lerngruppe auch einzeln fokussiert und kombiniert werden. Innerhalb der Bausteine werden die Unterrichtsmaterialien in einzelnen Lerneinheiten angeboten, die sich zeitlich an typischen Unterrichtsformaten (Einzelstunden: 45 min bzw. Doppelstunden: 90min) orientieren. Sie lassen sich aber auch modular frei kombinieren, um eine größtmögliche Flexibilität für den individuellen Unterricht und unterschiedliche Lerngruppen abbilden zu können.

Im Folgenden werden die einzelnen Bausteine kurz skizziert. Detaillierte Hinweise zur Unterrichtsplanung, jeweils mit Übersicht über die verschiedenen Materialien, didaktischen Anmerkungen sowie einem tabellarischen Verlaufsplan zur schnellen Übersicht über Inhalt und Methoden sowie die ausgearbeiteten Arbeitsmaterialien für die Schülerinnen und Schüler finden sich im jeweiligen Baustein.

Baustein 1 nimmt die Bedeutsamkeit der Demoskopie in den Blick. Ausgehend von einem Experten-Podcast erarbeiten die Lernenden die Rolle von Meinungsumfragen für die politische Meinungsbildung sowie darin sichtbar werdende sozialpsychologische Phänomene. Lernende werden dafür sensibilisiert zu reflektieren, nach welchen Kriterien sie selbst Entscheidungen treffen und welchen Einfluss Umfragen und Meinungsbilder darauf haben. Sie lernen, angeleitet durch einen Leitfaden (Einordnen – Beschreiben – Auswerten), Umfrageergebnisse und Diagramme zu lesen und auszuwerten sowie die Daten in Beziehung zu setzen und Schlussfolgerungen abzuleiten. In einer aktivierenden Übung setzen sich die Lernenden abschließend mit der historischen Dimension der Meinungsumfragen auseinander.

Im Mittelpunkt von Baustein 2 steht die Entwicklung und Durchführung eines umfragebasierten Lernvorhabens. Im Zentrum steht die Entwicklung einer Meinungsumfrage zum Themenfeld „(Wann) Sagen Menschen die Wahrheit?“ und die Konzeption eines entsprechenden Fragebogens. Die Lernenden lernen - unterstützt durch einen Erklärfilm zur Umfrageplanung mit Dr. Marko Heyse der Universität Münster - die Herangehensweise bei der Planung einer Umfrage kennen und können geeignete Frageformen und Antwortskalen für ihre jeweilige Fragestellung formulieren und bestimmen. Sie kennen die Kriterien für die Repräsentativität einer Meinungsumfrage und können Ergebnisse von Umfragen daraufhin überprüfen. Sie sind in der Lage zu erklären, warum Personen bei Umfragen nicht immer wahrheitsgemäß antworten und können die entsprechenden psychologischen Effekte benennen.

Der Baustein 3 fokussiert die Verbindung von quantitativen und qualitativen Dimensionen von Wahldaten anhand eines innovativen Methodentools „Datendetektiv“. Die Lernenden lernen Elemente der empirischen Sozialforschung kennen, indem sie anhand des Beispiels von Nichtwählerprofilen die Individuen hinter einem aggregierten Datensatz aufdecken. Sie decodieren angeleitet Daten für Personenprofile und erlernen so sozialwissenschaftliche Methodik. Die Lernenden erfahren, wie durch Datenfilterungen Personen aufgedeckt und welche Schlussfolgerungen daraus gezogen werden können. Sie vergleichen ihre Ergebnisse mit wissenschaftlichen Typisierungen zu Nichtwählerinnen und -wählern und können Faktoren benennen, die die Wahlabsicht beeinflussen. Die Lernenden werden dabei auch für den Unterschied zwischen wissenschaftlicher Typisierung und Stereotypenbildung sensibilisiert und können diesen benennen.

Im Zentrum von Baustein 4 steht Instagram als Medium für digitalen Wahlkampf und politische Kommunikation. Die Lernenden erarbeiten die Bedeutung von sozialen Medien, insbesondere Instagram, für den Wahlkampf für die Bundestagswahl 2021 mithilfe eines Experteninterviews im Videoformat mit Prof. Anna Sophie Kümpel von der TU Dresden. Dabei lernen die Schülerinnen und Schüler Strategien des digitalen Wahlkampfes kennen und können die Chancen und Herausforderungen von Instagram als Medium für politische Meinungsbildung einschätzen. Angeleitet durch einen konkreten Leitfaden analysieren die Lernenden in einem Dreischritt (Wahrnehmen – Beschreiben – Verstehen) aktuelle Instagram-Posts von politischen Parteien. Da 2021 über vierzig Parteien bei der Bundestagswahl zur Wahl stehen, werden im Sinne der didaktischen Reduktion die Kandidatinnen und Kandidaten für das Kanzleramt fokussiert. Die Lernenden wenden anschließend ihr erarbeitetes Wissen zu digitalen Wahlkampfstrategien aktiv an, indem sie für eine fiktive Wahlkampagne eigenständig einen eigenen Instagram-Post erstellen.


Literaturhinweise

Faas, Thorsten (2014): Zur Wahrnehmung und Wirkung von Meinungsumfragen. In: APuZ 64, H. 43-45, S. 3-10. Online verfügbar unter: https://www.bpb.de/apuz/192958/zur-wahrnehmung-und-wirkung-von-meinungsumfragen?p=all (Abfrage: 05.08.2021).

Gerodimos, R., & Justinussen, J. (2015): Obama’s 2012 Facebook campaign: Political communication in the age of the like button. Journal of Information Technology & Politics, 12(2), 113-132.

Haßler, Jörg/Kümpel, Anna Sophie/Keller, Jessica (2021). Instagram and political campaigning in the 2017 German federal election. A quantitative content analysis of German top politicians’ and parliamentary parties’ posts. Information, Communication & Society. Advance Online Publication. https://doi.org/10.1080/1369118X.2021.1954974

Keck, Max (2020): Wer wählt die AfD? Experimente mit einer quasi-qualitativen Analyse quantitativer Mikrodaten des Sozioökonomischen Panels (SOEP), in: Institut für Soziologie (Hrsg.): Populismus. IfS Working Papers, Nr. 5, Münster, S. 46- 57. (Online als Volltext: https://doi.org/10.17879/99019647619)

Krebs, Oliver/ Szukala, Andrea (2021): Forschendes Lernen im Politikunterricht. Schwalbach.

Szukala, Andrea (2017): Repräsentationslücke, Responsivitätsprobleme und Wahlen: Überlegungen zu den Erwartungen an eine Wahlvorbereitung in und außerhalb von Schule. In: Politisches Lernen, 35 (1-2), S. 5-10.
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Andrea Szukala, Katharina Grannemann

Andrea Szukala

Professur für Fachdidaktik der Sozialwissenschaften
an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

Institut für Politikwissenschaft der WWU
Scharnhorststr. 100 (R. 206)
48151 Münster
andrea.szukala@uni-muenster.de


Katharina Grannemann

Katharina Grannemann (M.A.)

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Didaktik der Sozialwissenschaften am Institut für Politikwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU).
Forschungsschwerpunkte: Sprachbildung im Fachunterricht, Diversitätssensible Lehrer*innenbildung, Professionalisierung in der Lehrer*innenbildung


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