zurück 
10.7.2020

NISA

Im digitalen Raum kommen Jugendliche und junge Erwachsene selbstverständlich nicht nur in Form von extremistischer Propaganda mit Ideologien der Ungleichwertigkeit in Kontakt. Vor allem Mädchen und junge Frauen sind dort immer wieder tradierten Rollenbildern sowie anderen Formen des Sexismus (Diskriminierung aufgrund von Geschlechtszugehörigkeit) ausgesetzt. Das Projekt "NISA" versucht Alternativen zu patriarchalen Narrativen zu vermitteln. Hier erfahren Sie mehr zu den Hintergründen des Projekts.

(© Turn - Verein für Gewalt- und Extremismusprävention)


Hintergrund

Auch online sind Mädchen und junge Frauen Sexismus nicht ausschließlich durch direkte Ansprachen ausgesetzt, sondern auch durch eine latente, indirekte Vermittlung. Eines von vielen Beispielen in diesem Zusammenhang sind Geschlechterstereotype, die durch die (sozialen) Medien verstärkt werden und so gesellschaftlich definierte Unterschiede zwischen den Geschlechtern legitimieren, um letztendlich dazu beizutragen die Geschlechterhierarchie in der Gesellschaft aufrechtzuerhalten.

Neben anderen gehört Instagram zu den wichtigsten Social-Media-Plattformen für Jugendliche und junge Erwachsene, vor allem was die Inszenierung der eigenen Identität betrifft. [1] Während ein Schwerpunkt auf der Interaktion mit Peers liegt, folgt ein Großteil der Jugendlichen und jungen Erwachsenen dort auch Influencer/-innen. [2] Studien zeigen, dass die im deutschsprachigen Raum wichtigsten Influencerinnen hauptsächlich tradierte Inszenierungen von Weiblichkeit transportieren und dadurch "den Rahmen dessen ab[stecken], was attraktives Frau-Sein heute ausmachen kann, und […] eine durchgehend ähnliche postfeministische Maskerade [präsentieren]". [3] Gleichzeitig haben diese Influencerinnen "für Mädchen eine nachweisbare und bedeutende Vorbildfunktion in der Selbstinszenierung", während die eigene Selbstdarstellung von "einem sehr kritischen Blick auf ihre natürliche Erscheinung" geprägt ist. [4] In den sozialen Medien fehlt es also an einem Gegengewicht, das Mädchen und jungen Frauen alternative Narrative und Handlungsoptionen anbietet, die ihrer Lebenswelt entsprechen und mit herkömmlichen Rollenbildern brechen. Das können Online-Kampagnen sein, die jungen Frauen eine Stimme gegeben, die empowern und die Selbstwirksamkeit von Mädchen und jungen Frauen fördern.

Das Projekt "NISA"

Projektteam
Genau hier setzt das partizipative Online Streetwork Projekt "NISA" an: Ein Projektteam von turn - Verein für Gewalt und Extremismusprävention und vier Mädchen und jungen Frauen verfasste auf der Grundlage der narrativen Biographiearbeit das Drehbuch für das erste Video "Ich bin Jana. Und ich breche mit euch das Schweigen!" Trotz der sehr unterschiedlichen Hintergründe der teilnehmenden Mädchen und jungen Frauen traten im Zuge der narrativen Biographiearbeit Gemeinsamkeiten in ihren Geschichten bzw. Lebenswelten hervor, v.a. hinsichtlich des Aufwachsens als junge Frau in einer patriarchal strukturierten Gesellschaft.

"Ich bin Jana. Und ich breche mit euch das Schweigen!"

Das Ziel der beteiligten Mädchen und jungen Frauen ist es, "den anderen zu zeigen, wie es wirklich ist heute als Mädchen durch diese Welt zu gehen". Aus einem Zusammenfluss unterschiedlicher, weiblicher Biografien entstand so die erste von mehreren Hauptfiguren "Jana", die mit dem Schweigen bricht: Sie lässt die Zuschauer/-innen für einen Augenblick die Welt aus ihrer Perspektive erleben, erzählt von ihren alltäglichen Diskriminierungserfahrungen und über die an sie gleichzeitig gerichtete (implizite) Forderung, alles möglichst angepasst (still, brav und lächelnd) über sich ergehen zu lassen. Ihre Wut versucht sie zunächst mittels organisierter Schlägereien zu bewältigen. Auch wenn diese Coping-Strategie einen momentanen Ausbruch aus genderspezifischen Rollenerwartungen und gleichzeitig eine situative Spannungsreduktion ermöglichen kann, erkennt Jana, dass dieser Ausbruchsversuch nichts an den Missständen, die ihre Wut ursprünglich hervorgerufen haben, ändert. Sie begreift, dass sie mit ihrem Schmerz über die vorherrschenden Ungerechtigkeiten nicht alleine ist. Vielmehr ist sie als junge Frau patriarchalen Gewaltmechanismen ausgesetzt, die strukturell in der Mehrheitsgesellschaft und somit auch in unseren Normvorstellungen verankert sind. Sie beginnt sich mit anderen dagegen zu solidarisieren um gemeinsam in Aktion treten zu können: "Ich bin Jana, und ich breche zusammen mit euch das Schweigen!"

Ziele und Zielgruppen
Mit der Online-Kampagne zum Video soll eine relativ breite Dialoggruppe angesprochen werden. Ziel ist es, Mädchen und junge Frauen zu erreichen, die sich aufgrund eines hohen sozialen Drucks, einengender gesellschaftlicher Rollenerwartungen bzw. genderspezifischer (Handlungs-)möglichkeiten einerseits und erschwerenden familiären und/oder ökonomischen Bedingungen andererseits, delinquenten Jugendsubkulturen anschließen. Vor allem richtete sich die Online Kampagne dabei an Mädchen und junge Frauen die aufgrund von (symbolischer) Gewalt, die auf patriarchale Strukturen in der Gesellschaft zurückzuführen ist, zu selbstgefährdenden Ausbruchsversuchen neigen. Diesen Ausbruchsversuchen wird Solidarität und gemeinsame Aktion als Alternative entgegengesetzt. Das Video soll empowern und zeigen, dass die Mädchen und jungen Frauen aus der Zielgruppe mit ihren Erfahrungen nicht alleine sind. Diese Botschaft wird über die fiktive Figur "Jana" an die Zielgruppe herangetragen und mit der Methode Online Streetwork vermittelt und diskutiert. Die eigenen Kanäle auf den Social-Media-Plattformen werden dabei in erster Linie als Diskussionsplattformen für Jugendliche und junge Erwachsene gesehen.

Ich bin Jana. Und ich breche mit euch das Schweigen!
Redaktionell empfohlener externer Inhalt "Ich bin Jana. Und ich breche mit euch das Schweigen! - YouTube" von www.youtube.com.Ich bin damit einverstanden, daß externe Inhalte von www.youtube.com nachgeladen werden. Damit werden personenbezogenen Daten (mindestens die IP-Adresse) an den Drittanbieter übermittelt. Weiteres dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

 Externen Inhalt einbinden
Creative Commons License

Dieser Text und der Medieninhalt sind unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht.

Fußnoten

1.
Götz, M. (2019). Man braucht ein perfektes Bild: Selbstinszinierung von Mädchen auf Instagram. Abgerufen auf http://www.br-online.de/jugend/izi/deutsch/publikation/televizion/Digital/Goetz-Perfektes_Bild.pdf
2.
Feierabend, S., Rathgeb, T. & Reutter, T. (2018). JIM 2018. Stuttgart: Medienpädagogischer Forschungsverband Südwest.
3.
Götz, M. (2019). Man braucht ein perfektes Bild: Selbstinszinierung von Mädchen auf Instagram. Abgerufen auf http://www.br-online.de/jugend/izi/deutsch/publikation/televizion/Digital/Goetz-Perfektes_Bild.pdf
4.
Götz, M. (2019). Man braucht ein perfektes Bild: Selbstinszinierung von Mädchen auf Instagram. Abgerufen auf http://www.br-online.de/jugend/izi/deutsch/publikation/televizion/Digital/Goetz-Perfektes_Bild.pdf
Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln