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24.7.2020

Arbeitsblatt 3: Islambilder in deutschen Medien

Fächer: Politik, Sozialkunde/Gesellschaftskunde, Ethik/Religion/Philosophie, Deutsch
empfohlen ab 10. Klasse

(© filmfaust/Christian Kochmann)


Deutschland ist ein Einwanderungsland. Über 22 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund leben in Deutschland und gestalten Gesellschaft, Kultur, Politik und Wirtschaft mit. Nach dem Christentum ist der Islam inzwischen die zweitgrößte Religion in Deutschland – wie auch weltweit. Entsprechend vielfältig wird der Glauben gelebt. Im Gegensatz dazu dominieren in Medien jedoch häufig einseitige Darstellungen.

Vor der Filmsichtung

  1. Im Film "Oray" stehen junge muslimische Erwachsene im Zentrum der Handlung. Sie sind die in Deutschland aufgewachsen und leben in Deutschland. Welche Bilder vom Islam in Deutschland kennt ihr aus Filmen und aus anderen Medien?
    • Sammelt im Plenum die Bilder und Vorstellungen von jungen Muslim*innen in Deutschland, die ihr im Kopf habt.
    • Recherchiert in Partnerarbeit oder in Kleingruppen einen Medienbeitrag zum Thema Islam in Deutschland (z. B. Zeitungsartikel, Pressefotografie, Nachrichtenbeitrag, Fernsehsendung, Dokumentation, Spielfilm …).
    • Wertet den Beitrag kurz aus:
      • Worum geht es?
      • Wie wird über Muslim*innen berichtet?
      • Welches Bild von Muslim*innen wird vermittelt?
      Präsentiert eure Recherchen im Plenum. Vergleicht die Medienbilder mit euren Vorstellungen. Wertet die Ergebnisse gemeinsam aus.

    • Macht den "Faktencheck":

Während der Filmsichtung

  1. Welche Bilder und Vorstellungen vom Islam in Deutschland, die ihr in a) gesammelt habt, findet ihr im Film wieder?
    Notiert eure Beobachtungen unmittelbar nach dem Film.

Nach der Filmsichtung

  1. Inwiefern vermittelt der "Oray" bekannte bzw. typische Bilder vom muslimischen Leben in Deutschland? Werden diese Bilder im Verlauf der Handlung …
    • … bestätigt?
    • … berichtigt?
    • … vielschichtiger?
    • … unterlaufen?
    Wertet eure Beobachtungen aus c) zunächst in Kleingruppen aus (zum Beispiel mit Unterstützung eines Platzdeckchens), dann im Plenum.

  2. Der Regisseur Mehmet Akif Büyükatalay wollte mit "Oray" einen Film schaffen, der realitätsnah über die Identitätssuche junger Muslim*innen in Deutschland erzählt – jenseits von den häufigen klischeehaften Darstellungen in vielen Medien.
    • Lest die ersten drei Fragen und Antworten des Interviews mit Mehmet Akif Büyükatalay (hier zu finden) und notiert ein bis drei Schlüsselsätze.
    • Vergleicht und besprecht die Schlüsselsätze im Plenum.
    • Analysiert in Kleingruppen am Beispiel von Filmausschnitten, wie in "Oray" junge Muslim*innen in Deutschland filmisch dargestellt werden.

      Mögliche Leitfragen für die Analyse:
      • Welches bekannte Bild oder Klischee wird angedeutet?
      • Wie werden bekannte Bilder oder Klischees berichtigt/ausdifferenziert/unterlaufen/bestätigt?
      • Wie wirken die muslimischen Filmfiguren auf euch?
      • Welches Bild vom Islam bzw. von jungen Muslim*innen vermittelt der Ausschnitt?
    Orays und Burcus Streit [00:04:10 – 00:06:45]
    Eine Hochzeit [00:10:51 – 00:12:12]
    Fußball gucken [00:25:07 – 00:27:09]
    Orays Predigt [00:40:28 – 00:44:16]
    Paintball [00:50:00 – 00:51:24]
    Schafschlachtung [00:53:47 – 00:55:10]
    Predigt zu Sport [00:57:26 – 00:59:00]

  3. Diskutiert: Hat sich euer Bild vom Islam in Deutschland durch die Beschäftigung mit dem Film "Oray" verändert?
    Erinnert euch dafür auch an eure Ergebnisse aus Aufgabe a) vor der Filmsichtung.

Zur Vertiefung:

  1. Im Interview (Seite 4/5) zum Film sagt der Regisseur Mehmet Akif Büyükatalay:

    "[…] Muslime und ihre Konflikte werden im Kino oft allein auf den Glauben reduziert."

    Unterprüft diese Aussage, indem ihr die Figuren und die Handlung von "Oray" mit muslimischen Figuren und ihren Konflikten in einem anderen deutschen Spielfilm vergleicht. Vergleicht und diskutiert auch die Islambilder, die beide Filme vermitteln.

    Tipp: Eine Auswahl möglicher Spielfilme findet ihr zum Beispiel über die Suchfunktion von kinofenster.de, dem Onlineportal für Filmbildung der Bundeszentrale für politische Bildung: www.kinofenster.de/filme/filmsuche.html
    (Filtern nach: Thema > Islam; Land > Deutschland)

    Vergleicht eure Ergebnisse mit den Analysen im Hintergrundtext "Das Islambild deutscher Medien – antimuslimische Diskurse im Nachrichtenjournalismus und Film".

  2. Welche Verantwortung tragen Medien bei Entstehung und Verbreitung von Klischees in Bezug auf Muslim*innen? Wie kann man sich als Medienmacher*in dieser Verantwortung stellen?

    Lernt am Beispiel eines Interviews mit dem Chefredakteur des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" diesbezügliche Überlegungen und Strukturen kennen:
    www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/ueber-die-rolle-der-medien-klaus-brinkbaeumer-im-interview-100.html

    Fasst die zentralen Aussagen des Interviews zusammen und diskutiert diese kritisch am Beispiel der im Interview vorgestellten Titelseiten.

  3. Wie jede große Religion wird der Islam weltweit und auch in Deutschland vielfältig interpretiert und gelebt. Sichtet die Webvideos aus der Reihe "Begriffswelten Islam" der Bundeszentrale für politische Bildung und stellt Verbindungen zu euch und eurem Umfeld her.

    "Muslime in Europa": Video-Icon www.bpb.de/mediathek/222100/muslime-in-europa

    "Was hat islamischeGeschichte mit mir zu tun?": Video-Icon www.bpb.de/mediathek/214950/was-hat-islamische-geschichte- mit-mir-zu-tun
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Dieser Text und Fotos sind unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Marguerite Seidel für bpb.de

Sie dürfen den Text unter Nennung der Lizenz CC BY-NC-ND 3.0 DE und des/der Autors/-in teilen.

Fußnoten

1.
Das Quiz gibt es auch als PDF-Datei zum Ausdrucken:
www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/BPB_Was_geht_web.pdf (Quiz S. 2 – 6, Auflösung S.13 – 14)

Marguerite Seidel

Marguerite Seidel

Marguerite Seidel hat Film- und Literaturwissenschaft in Berlin, Paris und Montpellier studiert. Als freie Autorin und Redakteurin arbeitet sie im Bereich Film, Filmvermittlung und Fremdsprachen. Sie unterrichtet zudem Deutsch als Fremdsprache an einem Hamburger Gymnasium.


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