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14.11.2018

Wanderungsbewegungen

Neben der natürlichen Bevölkerungsbewegung (Geburten und Sterbefälle) kommt bei der Beobachtung und Analyse der Einwohnerzahl den sogenannten Wanderungen (räumliche Bevölkerungsbewegung) eine zentrale Bedeutung zu. Die Wanderungen bilden aber auch die Mobilität der Bevölkerung ab. Die Mobilität ist stark altersabhängig und ist am höchsten bei jungen Erwachsenen, die bedingt durch Ausbildung, Studium oder Einstieg ins Berufsleben oder aufgrund einer Partnerschaft häufiger umziehen.

Bei den Wanderungen wird zwischen den Wohnsitzwechseln von Personen in eine andere Gemeinde innerhalb Deutschlands (Binnenwanderung) und solchen über die Grenzen Deutschlands (Außenwanderung) unterschieden. Die Außenwanderung und die Binnenwanderung bilden zusammen die Gesamtwanderung.

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Info 4

Wanderungsstatistik

Die Wanderungsstatistik erfasst Zu- und Fortzüge, die die Meldebehörden den statistischen Ämtern melden. Der Wanderungssaldo ergibt sich aus der Differenz der Zu- und Fortzüge. Das Wanderungsvolumen bezeichnet die Summe aus der Binnen- und Außenwanderung. Zuzüge "von unbekannt" und Fortzüge "nach unbekannt" zählen dabei zur Außenwanderung.

Die Wanderungsstatistik weist Wanderungsfälle nach, also die Zu- oder Fortzüge über die Gemeindegrenzen, nicht die wandernden Personen. Durch die Binnenwanderung ändert sich die regionale Verteilung der Bevölkerung, aber im Gegensatz zur Außenwanderung nicht die Einwohnerzahl Deutschlands.

Binnenwanderung

Die Wanderungsströme innerhalb Deutschlands resultieren aus verschiedenen Faktoren. Zum einen spiegeln sie die wirtschaftliche Stärke von Ländern und Regionen wider. Bei Ausländerinnen und Ausländern können Netzwerke eine Rolle spielen, sodass sie bevorzugt dort hinziehen, wo Menschen gleicher Herkunft bereits leben. Darüber hinaus gibt es Verteilungsquoten für Personen, die als Spätaussiedlerinnen und -aussiedler oder als Schutzsuchende aufgenommen werden. So reisen beispielsweise Aussiedlerinnen und Aussiedler über eine zentrale Aufnahmestelle in Niedersachsen ein und werden anschließend nach festen Quoten (Königsteiner Schlüssel) in die Bundesländer weitergeleitet. Schutzsuchende werden ebenfalls vor dem Asylantragsverfahren nach dem Königsteiner Schlüssel verteilt.

Im Jahr 2016 wechselten 4,4 Millionen Menschen ihren Wohnsitz über die Gemeindegrenzen innerhalb Deutschlands. In den meisten Fällen blieben die Personen in ihrem Bundesland. Gut 27 % aller Binnenwanderungen (rund 1,2 Millionen Umzüge) fanden zwischen Bundesländern statt. Diese Wanderungen tragen zur unterschiedlichen Bevölkerungsentwicklung in den Ländern bei.

Wanderungssaldo nach Bundesländern 2016 — Personen insgesamt Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Wanderungssaldo nach Bundesländern 2016 — deutsche Personen Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Wanderungssaldo nach Bundesländern 2016 — ausländische Personen Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Dabei verzeichneten Brandenburg, Berlin und Schleswig-Holstein im Jahr 2016 die größten Wanderungsgewinne mit Wanderungssalden von 9.900 Personen (Brandenburg), 7.900 Personen (Berlin) und 6.600 Personen (Schleswig-Holstein). Die hohen Zuwanderungsüberschüsse von Brandenburg und Schleswig-Holstein sind insbesondere auf Zuzüge von Deutschen zurückzuführen. So betrug der Wanderungsüberschuss für Zuzüge von Deutschen aus anderen Bundesländern nach Brandenburg 13.300 Personen und nach Schleswig-Holstein 6.300 Personen. Sachsen verzeichnete ebenfalls einen Wanderungsgewinn von etwa 6.100 Deutschen. Bereits 2015 wiesen Brandenburg und Schleswig-Holstein die höchsten Wanderungsgewinne in der Binnenwanderung auf. Dabei dürfte die Nähe zu Berlin beziehungsweise Hamburg eine entscheidende Rolle spielen. Berlin und insbesondere Nordrhein-Westfalen waren 2016 bei Umzügen zwischen den Bundesländern beliebte Zielländer für ausländische Personen: Für Berlin ergab sich ein Wanderungssaldo – also die Differenz zwischen den Zuzügen und Fortzügen – von 4.500 Personen, für Nordrhein-Westfalen ein Saldo von 21.900 Personen.

Die höchsten Abwanderungsverluste bei Umzügen zwischen den Bundesländern wiesen Thüringen (Saldo: – 7.700 Personen) und Sachsen-Anhalt (Saldo: – 6.900 Personen) auf. In beiden Bundesländern ergab sich sowohl für Deutsche als auch für Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit ein negativer Wanderungssaldo. Allerdings gibt es auch hier unterschiedliche Muster für deutsche und ausländische Personen: Der Wanderungsverlust war für Deutsche am höchsten in Nordrhein-Westfalen (– 18.700 Personen) und für ausländische Personen in Mecklenburg-Vorpommern (– 7.900 Personen).

Aus historischen Gründen kommt den Wanderungsströmen zwischen dem früheren Bundesgebiet und den neuen Ländern und Berlin-Ost bei der Binnenwanderung eine besondere Bedeutung zu. Zwischen 1989 und 1991 war eine hohe Abwanderung von Ost nach West festzustellen. In den Folgejahren bis 1996 war die Entwicklung der Wanderungen zwischen dem früheren Bundesgebiet und den neuen Ländern gegenläufig: Die Zuzüge aus den neuen Ländern verringerten sich, die Wanderungen nach Osten stiegen an, sodass der Wanderungssaldo 1997 nur noch 10.400 Personen betrug. Ab 1998 begann eine neue Wanderungswelle von Ost nach West (Wanderungssaldo 2001: 98.000 Personen), die nach 2001 langsam zurückging. Mit einem Abwanderungsüberschuss von 3.300 Personen im Jahr 2014 wurde ein bisheriger Tiefpunkt beim Ost-West-Wanderungssaldo erreicht. Zuletzt wurde jedoch wieder ein Anstieg der Umzüge von Ost nach West in Relation zu den Umzügen von West nach Ost verzeichnet: Im Jahr 2016 lag der Abwanderungsüberschuss bei der Ost-West-Wanderung bei 14.900 Personen. Dieser Anstieg wurde wiederum maßgeblich durch die Binnenwanderung der ausländischer Personen geprägt: 19.000 Zuzügen von ausländischen Personen in die neuen Länder (ohne Berlin) im Jahr 2016 standen 40.300 Fortzüge in die alten Bundesländer gegenüber. Bei den Deutschen standen 80.100 Zuzügen in die neuen Länder (ohne Berlin) 74.000 Fortzüge in die alten Bundesländer gegenüber. Somit verzeichneten die neuen Bundesländer einen Wanderungsüberschuss von etwa 6.100 Deutschen.

Wanderungen zwischen dem früheren Bundesgebiet und den neuen Bundesländern sowie Berlin-Ost 1957–2016 — in Tausend Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Außenwanderung

Die Außenwanderung war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem durch die Aufnahme von Vertriebenen aus den Ostgebieten des ehemaligen Deutschen Reiches und den deutschen Siedlungsgebieten im Ausland geprägt. Zwischen 1950 und 1961 folgte eine Zuwanderung aus der ehemaligen DDR: So wurden von 1950 bis zum Mauerbau am 13. August 1961 rund 2,6 Millionen Menschen aus Ostdeutschland als Übersiedlerinnen und Übersiedler im früheren Bundesgebiet aufgenommen. Ferner kamen zwischen 1950 und 2006 rund 4,5 Millionen (Spät-)Aussiedlerinnen und Aussiedler in das frühere Bundesgebiet beziehungsweise seit 1990 nach Deutschland. Davon waren rund 2,3 Millionen Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion sowie deren Nachfolgestaaten, 1,4 Millionen kamen aus Polen und weitere 430.000 aus Rumänien. Im Jahr 1990 wurde mit rund 397.000 Personen die mit Abstand höchste Zahl von Aussiedlerinnen und Aussiedlern aufgenommen. In den folgenden Jahren bis 1995 waren es jährlich zwischen 220.000 und 230.000 Personen. Danach gingen die Zahlen stetig zurück. Seit 2006 werden weniger als 10.000 Aussiedlerinnen und Aussiedler jährlich aufgenommen. Bei diesem Rückgang dürften zum einen geänderte Einreisebedingungen ab 2005 für Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler und ihre Familienangehörigen eine Rolle spielen. Zum anderen gibt es in den Herkunftsländern weniger Personen mit Aussiedlerhistorie.

Zuzüge von Aussiedlerinnen und Aussiedlern Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Durch die Zuwanderung aus dem Osten (aus den früheren deutschen Gebieten im Osten, der ehemaligen DDR sowie durch Aussiedlerinnen und Aussiedler) gab es für die Bundesrepublik Deutschland seit Gründung bis Anfang des neuen Jahrtausends einen Zuwanderungsgewinn von Deutschen. Seit 2005 werden allerdings Wanderungsverluste beobachtet: Es wandern also mehr Deutsche ins Ausland ab, als Deutsche nach Deutschland ziehen. Ein wesentlicher Grund dafür ist der oben beschriebene Rückgang der Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler, die nach Deutschland kamen. Zeitgleich stiegen die Fortzüge deutscher Personen ins Ausland. So gab es in den 1990er-Jahren rund 110.000 Fortzüge von Deutschen pro Jahr, im Jahr 2008 lagen sie bei 175.000 Personen. Allerdings hat sich die Abwanderung mit Beginn der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 wieder reduziert und blieb bis 2015 mit jährlich 130.000 bis 140.000 Fortzügen konstant. Demgegenüber standen Zuzüge aus dem Ausland von Deutschen in der Größenordnung 115.000 bis knapp über 120.000 zwischen 2009 und 2015. Im Jahr 2016 wurden rund 146.000 Zuzüge und 281.000 Fortzüge von deutschen Personen verzeichnet. Hintergrund dieser starken Veränderung sind methodische Änderungen, wodurch die Zu- und Fortzüge deutscher Personen, deren bisheriger beziehungsweise neuer Wohnort nicht bekannt war, seit 2016 in der Wanderungsstatistik zusätzlich berücksichtigt werden (siehe Info 5). Rechnet man diese Effekte heraus, werden 2016 sowohl bei den Zuzügen (115.000 Personen) als auch bei den Fortzügen (131.000 Personen) keine wesentlichen Veränderungen gegenüber den Vorjahren verzeichnet. Hauptzielländer von auswandernden Deutschen waren im Jahr 2016 die Schweiz mit 17.700 Personen, die Vereinigten Staaten mit 12.800 Personen und Österreich mit 10.300 Personen.

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Info 5

Methodische Hinweise zu den Ergebnissen der Wanderungsstatistik 2016

Die Ergebnisse der Wanderungsstatistik ab Berichtsjahr 2016 sind aufgrund methodischer Änderungen, technischer Weiterentwicklungen der Datenlieferungen aus dem Meldewesen an die Statistik sowie der Umstellung auf ein neues statistisches Aufbereitungsverfahren nur bedingt mit den Vorjahreswerten vergleichbar. Insbesondere werden seit dem 1. Januar 2016 Zu- und Fortzüge von Deutschen von beziehungsweise nach "unbekannt / ohne Angabe" in der Wanderungsstatistik unter der Außenwanderung verbucht. Zuvor blieben sie weitgehend unberücksichtigt. Daher werden Meldungen von Personen, die zuvor "nach unbekannt" abgemeldet waren und sich wieder anmelden, statistisch nur dann als Zuzug "von unbekannt" verarbeitet, wenn die vorherige Abmeldung "nach unbekannt" in der Statistik berücksichtigt wurde (das heißt seit 2016 stattfand). Da im Gegenzug alle Abmeldungen von Deutschen "nach unbekannt" ohne Einschränkung berücksichtigt wurden, wird eine zu niedrige Zahl von Anmeldungen "von unbekannt" im Verhältnis zu den Abmeldungen "nach unbekannt" und somit eine erhöhte Nettoabwanderung von deutschen Personen nachgewiesen. Dieser methodisch unvermeidbare Effekt trifft insbesondere auf die Ergebnisse 2016 zu und dürfte in den Folgejahren nachlassen. Die sonstigen Ergebnisse zur Außenwanderung von Deutschen nach Herkunfts- / Zielländern sind von dieser methodischen Änderung nicht betroffen.

Darüber hinaus kommt es zu Einschränkungen bei der Genauigkeit der Ergebnisse. Diese können zum einen aus der erhöhten Zuwanderung und den dadurch bedingten Problemen bei der melderechtlichen Erfassung Schutzsuchender resultieren. Zum anderen handelt es sich um Folgeprobleme, die sich nach den technischen Umstellungen in den Datenlieferungen aus dem Meldewesen und im neuen statistischen Aufbereitungsverfahren ergaben.

Ausführliche methodische Erläuterungen finden sich unter www.destatis.de > Wanderungen.

Wanderungen zwischen Deutschland und dem Ausland 1954–2016 — in Tausend Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Ab Anfang der 1960er-Jahre hatte die Zu- und Abwanderung von ausländischen Personen durch die Anwerbung ausländischer Gastarbeiter erheblich an Bedeutung gewonnen. Die Wanderungsströme ausländischer Staatsangehöriger zwischen dem früheren Bundesgebiet und dem Ausland verzeichneten ein relativ hohes Wanderungsvolumen mit jährlich hohen Zu- und Fortzugszahlen. Dabei war der Wanderungssaldo zeitweilig positiv und zeitweilig negativ und spiegelte den Konjunkturverlauf in Deutschland wider.

Seit Mitte der 1970er-Jahre wird das Wanderungsverhalten der Ausländerinnen und Ausländer von anderen Faktoren beeinflusst, zum Beispiel dem Familiennachzug oder der politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Situation in den Herkunftsländern. Insbesondere politische Umbrüche, Öffnung von Grenzen sowie Krisen können Auswanderungswellen nach Deutschland auslösen. Zudem wirken sich Maßnahmen der Bundesregierung zur Steuerung der Wanderungsströme aus. Von besonderer Bedeutung sind in diesem Zusammenhang der 1973 erlassene Anwerbestopp, das Rückkehrhilfegesetz von 1983 sowie asylrechtliche Neuregelungen wie die Änderung des Grundgesetzes (Artikel 16a) im Jahr 1993. Diese Regelungen bewirkten zum Beispiel, dass Einreisen zum Zweck der Asylsuche nach 1993 erheblich zurückgingen. In den Jahren 2015 und 2016 wurden auch politische Maßnahmen ergriffen, die die massive Zuwanderung von Schutzsuchenden zuerst ermöglicht und danach durch das EU-Abkommen mit der Türkei oder das Aussetzen des Familiennachzugs eingedämmt haben. Zunehmend wird die Zuwanderung auch durch Beschlüsse auf Ebene der Europäischen Union (EU) beeinflusst, unter anderem durch EU-Erweiterungen, Freizügigkeitsregelungen, Abkommen mit Ländern der Europäischen Freihandelszone (EFTA-Ländern) oder veränderten Visaregelungen. Dies zeigt sich beispielsweise im Anstieg der Zuzüge aus Ländern, die 2004, 2007 beziehungsweise 2013 der EU beigetreten sind (siehe Kapitel 11.1, Abb 1). Auch haben 2011 – nach Ablauf der letzten Einschränkungen zum Arbeitsmarktzugang für die 2004 beigetretenen Länder – die Zuzüge von dort stark zugenommen. Das gleiche gilt seit 2013 für Rumänien und Bulgarien.

Im Jahr 1992 hatte die Zuwanderung ausländischer Staatsangehöriger mit 1,2 Millionen Personen einen ersten Höhepunkt erreicht. Gründe waren die Öffnung der Grenzen zu Osteuropa und die Flucht vieler Menschen vor dem Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien. Danach war die Tendenz mit einigen Schwankungen bis 2006 eher rückläufig. So kamen 2006 rund 558.000 Menschen nach Deutschland. In den Folgejahren stieg die Zuwanderung wieder erheblich an. Infolge der Wirtschaftskrise in den südeuropäischen Ländern sowie des Beitritts vieler osteuropäischer Länder zur EU 2004 beziehungsweise 2007 nahm die Zuwanderung aus diesen Ländern sprunghaft zu. Ab 2014 kam infolge der temporären Öffnung der Grenzen (Balkanroute) der Strom von Schutzsuchenden aus den von Krieg gezeichneten Ländern (vor allem Syrien, Afghanistan, Irak) dazu. So wurden im Jahr 2014 rund 1,3 Millionen Zuzüge ausländischer Personen verzeichnet und im Jahr 2015 wurde mit über 2 Millionen Zuzügen der bisherige höchste Stand erreicht. Rund 43 % der Personen (865.000) kamen dabei aus der EU, 41 % (833.700 Personen) aus dem außereuropäischen Ausland und 14 % aus einem sonstigen Land aus Europa (284.900 Personen). Eine große Rolle bei diesem Anstieg dürfte die Zuwanderung von Schutzsuchenden spielen (Syrien: 326.000 Zuzüge; Afghanistan: 94.600; Irak: 71.700). Im Jahr 2016 war die Zuwanderung von Nichtdeutschen wieder leicht rückläufig, allerdings mit über 1,7 Millionen Zuzügen immer noch auf einem sehr hohen Niveau. Die Hauptherkunftsländer 2016 waren Rumänien (212.200 Zuzüge), Polen (159.400 Zuzüge) und Syrien (155.200 Zuzüge).

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Info 6

Erfassung der Schutzsuchenden in der Wanderungsstatistik

Schutzsuchende Personen sind grundsätzlich meldepflichtig, sobald sie in Deutschland angekommen sind, und damit grundsätzlich bei ihrer Ankunft in Deutschland in der Wanderungsstatistik enthalten. Der Status als Schutzsuchende beziehungsweise Schutzsuchender wird in der Wanderungsstatistik nicht erfasst. Im Herbst 2015 konnten allerdings nicht alle Schutzsuchenden zeitnah erfasst werden und wurden teilweise nacherfasst. Zur Abschätzung der Wanderungsbewegungen von Schutzsuchenden werden die Wanderungsfälle von Staatsangehörigen von Staaten mit einem hohen Anteil an Schutzsuchenden wie Syrien oder Irak betrachtet.

Die Abwanderung von Ausländerinnen und Ausländern erreichte 1993 mit 711.000 Personen einen ersten Höhepunkt. Danach war die Tendenz bis 2007 rückläufig, abgesehen von einem vorübergehenden Anstieg in den Jahren 1997, 1998 und 2004 infolge der Rückkehr bosnischer Bürgerkriegsflüchtlinge.

Die Fortzugszahlen zwischen 2008 und 2010 sind durch bundesweite Bereinigungen der Melderegister überhöht und mit den Vor- und Folgejahren nicht vergleichbar. Die Bereinigungen führten zu zahlreichen Abmeldungen von Amts wegen, die sich in den Fortzugszahlen niedergeschlagen haben.

Seit 2011 steigt die Zahl der Fortzüge von Ausländerinnen und Ausländern wieder an und lag 2016 bei 1.084.000 Fällen. Da viele Zugewanderte, vor allem aus der EU, nicht dauerhaft in Deutschland bleiben und nach einer kürzeren oder längeren Zeit in ihr Herkunftsland zurückkehren beziehungsweise in ein anderes Land weiterziehen, geht eine hohe Zuwanderung zeitversetzt mit einer hohen Abwanderung einher.

Der Wanderungssaldo war seit Beginn der Statistik in den 1950er-Jahren überwiegend positiv. Lediglich in konjunkturell schlechten Zeiten der 1960er- und 1970er-Jahre, in der Zeit des Rückkehrhilfegesetzes in den 1980er-Jahren und nach Kriegsende in Bosnien 1997/1998 fiel der Saldo negativ aus. Die bis dahin höchsten Wanderungsüberschüsse (mehr als 600.000 Personen Zugewinn pro Jahr) wurden zur Zeit der Wende im ehemaligen Ostblock und des jugoslawischen Bürgerkrieges zwischen 1989 und 1992 verzeichnet – als Folge der hohen Zuwanderung in diesen Jahren. Seit 2011 werden wieder hohe Wanderungsüberschüsse mit einem Höchstwert im Jahr 2015 verzeichnet (2014: + 577.000 Personen; 2015: + 1.157.000; 2016: + 635.000).

Claire Grobecker, Elle Krack-Roberg, Olga Pötzsch, Bettina Sommer

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