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14.11.2018

Arbeitsmarkt

Erwerbstätigkeit



Abgekoppelt von der Entwicklung auf dem europäischen Arbeitsmarkt hält das Beschäftigungswachstum in Deutschland bereits seit mehr als zehn Jahren an. Dank der guten wirtschaftlichen Lage erreichte die Erwerbstätigenquote der 20- bis 64-Jährigen 2017 den neuen Höchststand von 79 %. Innerhalb der EU lag der Erwerbstätigenanteil nur in Schweden mit 82 % noch höher. In den meisten EU-Staaten waren die Folgen der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/2009 lange auf den Arbeitsmärkten zu spüren. Erst seit 2014 gab es wieder Zeichen der Entspannung: Auch besonders stark betroffene Länder wie Griechenland, Italien, Kroatien oder Spanien verzeichneten wieder langsam steigende Erwerbstätigenquoten. Das Vorkrisenniveau konnte bislang aber nicht wieder erreicht werden.

Erwerbstätigenquote der 20- bis 64-Jährigen — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Erwerbsbeteiligung von Frauen



Die Erwerbsbeteiligung von Frauen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Dennoch sind Frauen auf dem Arbeitsmarkt weiterhin seltener vertreten als Männer: Im EU-Durchschnitt gingen 2017 in der Altersgruppe der 20- bis 64-Jährigen rund 66 % der Frauen, aber 78 % der Männer einer Arbeit nach. Am häufigsten berufstätig waren Frauen in Schweden (80 %). Es folgten Litauen (76 %), Deutschland und Estland (jeweils 75 %).

Erwerbstätigenquote der 20- bis 64-Jährigen 2017 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Erwerbstätige ab 55 Jahren



Die Beschäftigungssituation für ältere Erwerbstätige hat sich in den vergangenen Jahren vor allem in Deutschland deutlich verändert. Die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen stieg zwischen 2007 und 2017 um 19 Prozentpunkte von 51 % auf
70 %. Zu den Gründen dafür können neben der guten Konjunktur auch erschwerte Vorruhestandsregelungen und das steigende Bildungsniveau älterer Beschäftigter zählen, das mit einer längeren Teilnahme am Erwerbsleben einhergeht. Noch höher als in Deutschland war die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen nur in Schweden mit 76 %. Im EU-Durchschnitt stieg der Anteil der 55- bis 64-jährigen Erwerbstätigen zwischen 2007 und 2017 von 44 % auf 57 %.

Arbeit im Rentenalter



Das reguläre Renteneintrittsalter wird in Deutschland gegenwärtig schrittweise von 65 Jahren auf 67 Jahre angehoben, in anderen EU-Ländern ist die Entwicklung ähnlich. Der Anteil der Erwerbstätigen ab 65 Jahren steigt langsam, aber stetig. In Deutschland gingen 2017 von den 65- bis 74-Jährigen noch 12 % einer Arbeit nach. Neun EU-Länder verzeichneten gleiche oder höhere Quoten, darunter auch Länder mit ähnlichem Wirtschafts- und Sozialsystem wie Deutschland, so zum Beispiel Dänemark (12 %) und Schweden (17 %).

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Info 2

Definitionen zum Arbeitsmarkt

Erwerbspersonen sind alle Personen, die entweder erwerbstätig oder erwerbslos sind.

Erwerbstätige sind laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) Personen, die in der statistischen Berichtswoche mindestens eine Stunde lang gegen Bezahlung beziehungsweise als Selbstständige arbeiteten oder aber einen Arbeitsplatz hatten, von dem sie nur vorübergehend abwesend waren, beispielsweise aufgrund von Elternzeit.

Erwerbslose sind Personen, die in der statistischen Berichtswoche ohne Arbeit waren, für eine Arbeit sofort kurzfristig zur Verfügung standen, in den vergangenen vier Wochen aktiv auf Arbeitsuche waren oder eine Arbeit gefunden hatten, die sie innerhalb der nächsten drei Monate aufnehmen würden.

Die Erwerbstätigenquote bezeichnet die Erwerbstätigen als Anteil an der Gesamtbevölkerung der gleichen Altersgruppe.

Die Erwerbslosenquote ist der Anteil der Erwerbslosen an den Erwerbspersonen der gleichen Altersgruppe. Die Erwerbslosenquote ist nicht vergleichbar mit der in Deutschland von der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) veröffent- lichten Arbeitslosenquote, die sich nur auf die bei der Bundesagentur registrierten Arbeitslosen bezieht.

Siehe auch Kapitel 5.1, Info 1 und Abb 1.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf



Überall in der EU weisen Mütter deutlich niedrigere Erwerbstätigenquoten auf als Väter. In Deutschland unterschieden sich 2017 die Erwerbstätigenquoten von Müttern (75 %) und Vätern (92 %) weiterhin deutlich. Die erwerbstätigen Frauen arbeiten zudem häufig in Teilzeit. Männer schränken den Umfang ihrer Erwerbstätigkeit auch als Väter kaum ein, sie arbeiten in der Regel in Vollzeit.

Erwerbstätigenquoten von Frauen und Männern mit Kindern 2017 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)




Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern



Frauen in Deutschland verdienen im Durchschnitt gut ein Fünftel weniger als Männer: Der Gender Pay Gap – die Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern, gemessen am durchschnittlichen Bruttostundenverdienst der Männer – lag 2016 in Deutschland bei 21 % und war einer der höchsten der EU. Einen höheren geschlechtsspezifischen Verdienstabstand wiesen nur Tschechien (22 %) und Estland (25 %) auf. Es handelt sich dabei um den unbereinigten Gender Pay Gap, der den geschlechtsspezifischen Verdienstunterschied in allgemeiner Form betrachtet, das heißt ohne Berücksichtigung struktureller Unterschiede in den Beschäftigungsverhältnissen von Männern und Frauen. Auf diese Weise wird auch der Teil des Lohnabstands erfasst, der beispielsweise durch unterschiedliche Zugangschancen beider Geschlechtergruppen auf bestimmte Tätigkeitsfelder oder Leistungsgruppen verursacht wird, die möglicherweise ebenfalls das Ergebnis benachteiligender Strukturen sind (siehe Kapitel 5.2).

Gender Pay Gap: Unbereinigter geschlechts­spezifischer Lohnunterschied 2016 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Gesetzlicher Mindestlohn



Deutschland ist 2018 einer von 22 EU-Staaten, in denen ein gesetzlicher Mindestlohn gilt. Die Untergrenze von 8,84 Euro pro Stunde entspricht einem Bruttomonatslohn von rund 1.498 Euro (39,1-Stundenwoche multipliziert mit 52 Arbeitswochen dividiert durch 12 Monate). Mit diesem Betrag liegt Deutschland im Vergleich der 22 Länder im oberen Drittel. In sechs weiteren westlichen EU-Staaten gelten ebenfalls monatliche Mindestlöhne von über 1.000 Euro. In den östlichen EU-Staaten – mit Ausnahme von Slowenien – liegen die Mindestlöhne hingegen monatlich unter 600 Euro brutto. Das Schlusslicht bildet Bulgarien mit 261 Euro.

Gesetzlicher Mindestlohn brutto 2018 — in Euro im Monat Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Erwerbslosigkeit



Deutschland hatte 2017 mit 3,8 % die zweitniedrigste Erwerbslosenquote der EU nach Tschechien (2,9 %). Deutlich schwieriger war die Situation in Südeuropa, wo die Erwerbslosenquoten seit mehreren Jahren im zweistelligen Bereich verharren. In Griechenland waren 2017 rund 21,5 % der 15- bis 74-jährigen Erwerbspersonen auf Jobsuche, in Spanien 17,2 %. Der EU-Durchschnitt lag bei 7,6 %. Damit waren in der Europäischen Union rund 19 Millionen Menschen auf Arbeitssuche. Davon wiederum waren 35,6 % langzeiterwerbslos, das heißt seit mehr als einem Jahr ohne Arbeit.

Erwerbslosenquote 2017 — in Prozent der Erwerbspersonen der Altersgruppe Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Jugenderwerbslosigkeit



Der Berufseinstieg stellt für viele junge Menschen in der EU eine große Herausforderung dar. Die EU-weite Erwerbslosenquote der 15- bis 24-Jährigen lag 2017 bei 16,8 % und war damit mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller Erwerbspersonen (7,6 %). Besonders angespannt war die Situation in Spanien und Griechenland, wo 38,6 % beziehungsweise 43,6 % der jungen Erwerbspersonen keine Arbeit hatten. Deutschland verzeichnete mit 6,8 % die niedrigste Jugenderwerbslosigkeit in der EU.

Johanna Mischke

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