zurück 
10.3.2021

Ungenutztes Arbeitskräftepotenzial

Im Zusammenhang mit den Diskussionen um mögliche Folgen des demografischen Wandels für den Arbeitsmarkt rücken Arbeitsmarktstatistiken in den Vordergrund, die das gegenwärtig ungenutzte Arbeitskräftepotenzial möglichst vollständig abbilden. Neben "Erwerbslosigkeit" wurden daher im Jahr 2011 "Unterbeschäftigung" und "Stille Reserve" als zusätzliche Indikatoren in das Labour-Force-Konzept aufgenommen und auf EU-Ebene festgelegt (siehe Abschnitt 5.1.1, Abbildung 1).

i

Info 3

Ungenutztes Arbeitskräftepotenzial

Die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen zum ungenutzten Arbeitskräftepotenzial orientieren sich an einem EU-weit gültigen Konzept, das von der 19. Internationalen Konferenz der Arbeitsstatistiker (ICLS) beschlossen wurde. Zum ungenutzten Arbeitskräftepotenzial zählen nicht nur Erwerbslose, sondern auch Erwerbstätige, die mehr arbeiten möchten und als Unterbeschäftigte erfasst werden. Hinzu kommen Nichterwerbspersonen, die gern arbeiten würden, gemäß ILO-Konzept aber nicht als erwerbslos gezählt werden. Sie zählen zur sogenannten Stillen Reserve (siehe auch Abschnitt 5.1.1, Abbildung 1). Der von der Statistik der Bundesagentur für Arbeit verwendete Begriff der Unterbeschäftigung unterscheidet sich vom hier verwendeten Konzept. Dabei werden registrierte Arbeitslose sowie Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik, also zum Beispiel Weiterbildungen oder Qualifizierungsprogrammen, die in der Beschäftigungsstatistik nicht als arbeitslos gezählt werden, zusammengefasst.


Das ungenutzte Arbeitskräftepotenzial als Summe der Erwerbslosen, Unterbeschäftigten und der Stillen Reserve betrug im Jahr 2019 nach Ergebnissen der Arbeitskräfteerhebung insgesamt 4,4 Millionen Personen. Es setzte sich neben 1,4 Millionen Erwerbslosen aus 2,1 Millionen Unterbeschäftigten und 900.000 Personen in der Stillen Reserve zusammen.

Ein Blick auf die sogenannten Unterbeschäftigten zeigt, dass auch bei den Erwerbstätigen noch ungenutztes Arbeitskräftepotenzial vorhanden ist. Personen in Unterbeschäftigung sind definiert als Erwerbstätige mit dem Wunsch nach zusätzlichen Arbeitsstunden, die zudem für eine zusätzliche Arbeit innerhalb von zwei Wochen verfügbar wären.

Von den insgesamt 2,1 Millionen unterbeschäftigt Erwerbstätigen übten 1,1 Millionen eine Teilzeit- und 1,0 Millionen eine Vollzeittätigkeit aus. Unterbeschäftigung bei einer Vollzeittätigkeit kommt eher bei Männern vor: Von den 1 Million Unterbeschäftigten in Vollzeit waren 74 % männlich. Bei den Unterbeschäftigten in Teilzeit hingegen dominieren die Frauen: Hier waren 2019 von 1,1 Millionen betroffenen Personen 70 % weiblich.

Personen in der Stillen Reserve gehen ebenso wie Erwerbslose keiner Erwerbsarbeit nach. Sie zählen nach den Kriterien der Internationalen Arbeitsorganisation nicht zu den Erwerbslosen, wünschen sich aber grundsätzlich eine Arbeit. Zur Stillen Reserve gehören Personen, die zwar Arbeit suchen, jedoch kurzfristig für eine Arbeitsaufnahme nicht zur Verfügung stehen. Ebenfalls zählen Personen dazu, die aus verschiedenen Gründen keine Arbeit suchen, aber grundsätzlich gern arbeiten würden und für diese Arbeit auch verfügbar sind. Unter den knapp 900.000 Personen in Stiller Reserve im Jahr 2019 waren Frauen und Männer zu etwa gleichen Teilen vertreten.

Bei den Menschen, die nicht am Erwerbsleben teilnahmen, gab es deutlich mehr Frauen (10,6 Millionen) als Männer (7,8 Millionen). Der Wunsch nach Arbeit ist unter den Männern auch etwas ausgeprägter: So gehörten 5,8 % der männlichen Nichterwerbspersonen zur Stillen Reserve, während es bei den weiblichen Nichterwerbspersonen 4,2 % waren.
Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 4.0 - Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International" veröffentlicht. Autor/-in: Christian Wingerter für bpb.de

Sie dürfen den Text unter Nennung der Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 und des/der Autors/-in teilen.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.

Christian Wingerter

Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln