Datenreport

Datenreport 2021



Prekäre Beschäftigung und mögliche Ursachen

Erwerbsarbeit wird in der Regel als die Basis für materielles Wohlergehen gesehen. Erwerbsarbeit dient aber auch als Quelle von Identität, Anerkennung, sozialer Vernetzung und Integration. Sie stellt das Fundament für Sicherheit in der modernen Arbeitsgesellschaft dar. Doch dies gilt nicht für alle Erwerbstätigen gleichermaßen. Ein Teil der Erwerbstätigen ist prekär beschäftigt, das heißt, die Erwerbstätigen befinden sich in einer ungewissen Schwebelage – irgendwo zwischen Sicherheit und Exklusion.

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Info 1

Prekäre Beschäftigung

Als prekär beschäftigt gelten Personen, bei denen sich arbeitsmarktbezogene Risiken kumulieren. Insgesamt werden sieben Risikofaktoren für die Identifikation von prekärer Beschäftigung berücksichtigt:
  1. Das Jahreseinkommen liegt unterhalb des steuerlich definierten Existenzminimums.
  2. Das Stundeneinkommen liegt unterhalb der Niedriglohnschwelle.
  3. Die ausgeübte Tätigkeit erfordert keine formale Ausbildung und kein Studium ("einfache" Arbeit).
  4. Im ausgeübten Beruf besteht ein überdurchschnittliches Erwerbslosigkeitsrisiko.
  5. Der Beruf geht mit physischen Gesundheitsrisiken beziehungsweise Belastungen einher.
  6. Die Erwerbstätigkeit ist nicht sozialversicherungspflichtig.
  7. Die Erwerbstätigkeit unterliegt nicht dem Kündigungsschutz.
Treffen mindestens zwei der sieben Indikatoren auf die Erwerbstätigen zu, werden sie als prekär beschäftigt eingestuft. Waren Erwerbstätige im Zeitraum von 2009 bis 2016 fünf Jahre oder länger prekär beschäftigt, werden sie als dauerhaft prekär beschäftigt eingestuft.

Bei Selbstständigen ergeben sich einige Besonderheiten: Selbstständige können nicht dem Kündigungsschutz unterliegen. Aus diesem Grund wird der Risikofaktor "fehlender Kündigungsschutz" bei Selbstständigen nicht berücksichtigt. Selbstständige unterliegen auch nicht der Sozialversicherungspflicht. Sie müssen sich freiwillig versichern, sofern es die wirtschaftliche Situation ihrer Unternehmung (kontinuierlich) zulässt. Insofern trifft der Risikofaktor "nicht sozialversicherungspflichtig" auf alle Selbstständigen sowie Solo-Selbstständigen zu. Weiterhin trifft dieser Risikofaktor auf ausschließlich geringfügig Beschäftigte und mithelfende Familienangehörige zu.

Diese Schwebelage bringt es mit sich, dass die Erwerbstätigen einerseits den Abstieg in Dauerarbeitslosigkeit, Armut und soziale Exklusion fürchten, während sie andererseits auf den Aufstieg in sichere Beschäftigungsverhältnisse, relativen Wohlstand und soziale Integration hoffen. Mit prekären Arbeitsverhältnissen und der damit einhergehenden Planungsunsicherheit können schwerwiegende Folgen für das materielle und psychologische Wohlergehen der Betroffenen und ihrer Familien einhergehen.

Im Folgenden geht es um die Risikofaktoren, den Umfang und um mögliche Ursachen von prekärer Beschäftigung in Deutschland. Dabei werden Unterschiede zwischen Männern und Frauen und zwischen alten und neuen Bundesländern in den Blick genommen. Als mögliche Ursachen werden drei Faktoren betrachtet: atypische Arbeitsverhältnisse, der Umfang, in dem kleine Kinder außerhäuslich betreut werden, und der ausgeübte Beruf.

Autor(en): Stefan Stuth – Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA)
Herausgeber: WZB / SOEP

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