Datenreport

Datenreport 2021



Internationale Mobilität und Sozialstruktur

Deutschland ist nicht nur eines der wichtigsten Zielländer internationaler Migration, sondern mittlerweile auch ein bedeutendes Herkunftsland internationaler Wanderungsbewegungen. Ganz allgemein entscheiden sich Menschen für einen kurzfristigeren oder auch dauerhaften Aufenthalt im Ausland, um ihre individuellen Lebensumstände zu verbessern. So ziehen Menschen ins Ausland, um ihre beruflichen Perspektiven zu erweitern, um ihre Familienbeziehungen zu pflegen oder auch einfach nur um ihren eigenen Erfahrungshorizont zu erweitern.

Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Globalisierung können sich das Leben in einem unbekannten Land und der Kontakt mit der dort lebenden Bevölkerung positiv auf interkulturelle Kompetenzen und Sprachkenntnisse auswirken. Ferner erfordert die mit der Globalisierung einhergehende internationale Handels- und Produktionsvernetzung erhöhte Mobilitätsbereitschaft von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Dies zeigt sich etwa dadurch, dass in Staaten mit stark international ausgerichteter Wirtschaft wie Deutschland Auslandserfahrungen immer häufiger zu den gängigen beruflichen Voraussetzungen gehören. Internationale Mobilität fungiert also auch als eine Art "transnationales Humankapital", das Personen zur Verbesserung ihrer Lebensumstände erwerben und beispielsweise im Arbeitsmarkt gewinnbringend einsetzen können.

Während die Zuwanderung und ihre Konsequenzen für die Sozialstruktur in Deutschland ein traditionelles Feld der Sozialberichterstattung darstellt, wissen wir vergleichsweise wenig über die Menschen aus Deutschland, die temporär oder dauerhaft auswandern. Wer sind die Menschen aus Deutschland, die sich für einen Umzug ins Ausland entscheiden? Wie wirkt sich die internationale Mobilität auf deren individuelle Lebenssituation aus? Im Folgenden werden diese Fragen unter anderem mit Daten der German Emigration and Remigration Panel Study (GERPS), einer mit dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) verwandten Studie, untersucht.

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Die zentralen Datenquellen

Dieses Kapitel basiert überwiegend auf Daten der ersten Befragungswelle der neuen German Emigration and Remigration Panel Study (GERPS). Die Befragung richtet sich an deutsche Staatsangehörige im Alter zwischen 20 und 70 Jahren, die innerhalb eines Jahres vor der Befragung international mobil waren (sprich: aus- oder rückgewandert sind). Die erste Befragungswelle fand Ende 2018 statt und führte zu 11.010 vollständigen Interviews. GERPS liefert Daten zur internationalen Mobilität, die für die deutsche Bevölkerung repräsentativ sind. Die Daten geben erstmals eine empirische Basis zur Untersuchung der Frage, inwiefern sich internationale Mobilität auf die Lebenssituation und den Lebensverlauf von Menschen auswirkt. In diesem Zusammenhang profitiert die Studie allgemein von der Vergleichbarkeit mit den Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), das als Referenz für die international nicht mobile deutsche Bevölkerung herangezogen wird. Der hier angestellte Vergleich zwischen GERPS und SOEP erfolgt auf Basis der SOEP Version 35 aus dem Jahr 2018. Es werden dabei ausschließlich 20- bis 70-jährige Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit mit den kürzlich ausgewanderten Befragten aus GERPS verglichen. Für die Analysen werden Informationen von insgesamt 3.768 Personen aus GERPS und 15.939 Personen aus dem SOEP verwendet.

Ausgehend von der steigenden gesellschaftlichen Relevanz der internationalen Mobilität der Bevölkerung in Deutschland wird im Kapitel die vor Kurzem ins Ausland umgezogene Bevölkerung mit der in Deutschland lebenden, international nicht mobilen Bevölkerung verglichen. Die Ergebnisse zeigen nicht nur, wer sich überhaupt für einen Umzug ins Ausland entscheidet, sondern geben auch Hinweise auf die hinter dieser Entscheidung liegenden Wanderungsmotive. Die individuellen Konsequenzen dieser internationalen Migration werden durch einen Vergleich der Lebenssituation international mobiler Deutscher vor und nach ihrer Auswanderung dargestellt. Die angestellten Vergleiche basieren dabei zum einen auf objektiven Indikatoren zur Sozialstruktur, beispielsweise der Veränderung des Einkommens, zum anderen auf subjektiven Einschätzungen ausgewanderter Deutscher, zum Beispiel zur Veränderung ihres Familienlebens oder ihres Lebensstandards.

Autor(en): Andreas Ette, Andreas Genoni, Nils Witte
Herausgeber: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB)

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