zurück 
10.3.2021

Zusammenfassung und Diskussion

Über die vergangenen Jahrzehnte hat die internationale Mobilität von Deutschen kontinuierlich zugenommen. In der Bevölkerung in Deutschland berichten immer mehr Menschen, schon einmal für längere Zeit im Ausland gelebt zu haben. Diese ins Ausland gewanderten Deutschen unterscheiden sich wesentlich von der international nicht mobilen Bevölkerung. Bedingt durch die Möglichkeiten internationaler Mobilität und die gestiegenen Mobilitätserwartungen seitens der Arbeitgeber gehen insbesondere junge Menschen immer häufiger ins Ausland. Erleichtert wird dies unter anderem durch die geringeren sozialen Verpflichtungen in dieser Lebensphase. Ins Ausland gezogene Deutsche stammen häufiger aus Migrantenfamilien, aus akademischen Elternhäusern und sind überwiegend hoch qualifiziert. Die meisten haben ein Studium absolviert oder studieren aktuell noch. Allerdings machen abhängig Beschäftigte den mit Abstand größten Anteil unter den international mobilen Deutschen aus. Die deutliche soziale Selektivität bei der Entscheidung für einen Umzug ins Ausland zeigt sich auch im Qualifikationsprofil. Der berufliche Status und das Einkommen der international mobilen Erwerbstätigen sind deutlich höher als bei den international nicht mobilen Erwerbstätigen.

Im Allgemeinen scheint sich die Lebensituation von Deutschen mit ihrer Auswanderung zu verbessern. Die meisten international mobilen Deutschen nehmen mit dem Umzug ins Ausland eine Verbesserung ihrer Lebenssituation wahr. Dies bezieht sich neben der gesundheitlichen und familiären Situation vor allem auf die finanzielle Situation. Entsprechend ist der Umzug ins Ausland mit einer deutlichen Besserstellung in Form von Einkommensmobilität verbunden, die sich auch bei Berücksichtigung sozialer Selektivitätsmerkmale bestätigt. Den materiellen, familiären und gesundheitlichen Gewinnen stehen jedoch auch negative Auswirkungen entgegen. So berichten international mobile Deutsche eher, dass ihr außerfamiliäres soziales Umfeld vor dem Umzug besser war. Die soziale Klassenzugehörigkeit bleibt über den Umzug ins Ausland hinaus relativ stabil.

Die überwiegend positiven Konsequenzen internationaler Mobilität bestätigen sich im Übrigen auch, wenn die allgemeine Lebenszufriedenheit als zusätzliches Maß zur Beurteilung der eigenen Lebenssituation herangezogen wird. So berichten ins Ausland umgezogene Deutsche über eine bessere Lebenssituation – auch beim Vergleich von international mobilen und nicht mobilen Deutschen mit ähnlichen soziostrukturellen Merkmalen.

Zunehmend mehr Deutsche profitieren von Auslandserfahrungen, wenngleich bisher vor allem Hochqualifizierte von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Das Kapitel hat gezeigt, dass die Auswanderung in den ersten Monaten nach dem Umzug mit einem eindeutigen Anstieg im Wohlbefinden und einer Verbesserung der beruflichen und ökonomischen Situation verbunden ist. Die (temporäre) Auswanderung birgt somit das Potenzial, die individuellen Lebensumstände von Personen in ihrem weiteren Lebenslauf positiv zu beeinflussen. Inwiefern jedoch Deutsche mittel- bis langfristig von ihrer internationalen Mobilität profitieren und ob ein Auslandaufenthalt die Lebenssituation nachhaltig und substanziell beeinflusst, müssen weitere Auswertungen zeigen, die auf Grundlage der hier genutzten noch laufenden Studie in den kommenden Jahren möglich sein werden.
Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 4.0 - Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International" veröffentlicht. Autor/-in: Andreas Genoni Andreas Ette für bpb.de

Sie dürfen den Text unter Nennung der Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 und des/der Autors/-in teilen.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.

Andreas Ette, Andreas Genoni, Nils Witte

Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln