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10.3.2021

Wahrnehmung des Klimawandels als gesellschaftliches Problem

Die überwiegende Mehrheit der Menschen in Deutschland begreift den Klimawandel nicht nur als ein vorrangig von Menschen verursachtes Phänomen, sondern auch als ein ernsthaftes Problem. Das Problembewusstsein beim Thema Klimawandel lässt sich auf einer Skala von 0 (das Problem ist "überhaupt nicht ernst") bis 10 (das Problem ist "extrem ernst") darstellen. Auf dieser Skala erreichte das durchschnittliche Problembewusstsein im Jahr 2019 einen Wert von 8,4. Im Jahr 2014 lag dieser Wert bei 8,1. Es lässt sich somit ein leichter Anstieg im Problembewusstsein verzeichnen.

Das hohe Problembewusstsein beim Thema Klimawandel passt zu dem insgesamt hohen Umweltbewusstsein in Deutschland, dass beispielsweise anhand der Sorgen um den Schutz der Umwelt seit Mitte der 1980er-Jahre erfasst wird (siehe Kapitel 12.1.3). Umwelt- und Klimaschutz sind keine neuen Themen, sondern bewegen die Menschen in Deutschland seit vielen Jahren und Jahrzehnten. Aktuelle Ereignisse wie die Hitzesommer von 2018 und 2019 mit außergewöhnlich hohen Temperaturen und großer Trockenheit sowie die von Schülerinnen und Schülern getragene Bewegung "Fridays for Future" haben den Klimawandel und seine Folgen noch einmal verstärkt in die öffentliche Diskussion gerückt und das Problembewusstsein weiter erhöht.

Der Klimawandel wird innerhalb der Bevölkerung nicht in gleichem Maße als Problem wahrgenommen (siehe Abbildung 1). Im Durchschnitt sehen Frauen den Klimawandel stärker als ein Problem an als Männer. Für beide Geschlechter hat das Problembewusstsein in den vergangenen Jahren jedoch zugenommen. Anders als man vor dem Hintergrund der eher jugendlich geprägten Klimaproteste erwarten könnte, unterscheidet sich das Problembewusstsein beim Thema Klimawandel kaum nach Altersgruppen. Junge Menschen sind also keineswegs umweltbewusster als ältere. Auffällig ist allerdings, dass das Problembewusstsein bei jüngeren Personen unter 35 Jahren am stärksten angestiegen ist und die anderen Altersgruppen mittlerweile überholt hat. Deutlichere Unterschiede zeigen sich nach dem Bildungsniveau. Personen mit (Fach-)Hochschulreife nehmen den Klimawandel im Durchschnitt eher als Problem wahr als Personen mit mittlerer Reife, Hauptschulabschluss oder ohne Schulabschluss. Allerdings hat das Problembewusstsein in allen Bildungsgruppen in den vergangenen Jahren zugenommen. Es zeigt sich zudem ein starkes Ost-West-Gefälle. In Westdeutschland wird der Klimawandel stärker als Problem empfunden als in Ostdeutschland. Der Abstand zwischen beiden Regionen hat sich in den vergangenen Jahren zudem vergrößert.

Problembewusstsein für den Klimawandel nach verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Deutschland 2014 – 2019 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Die größten Unterschiede im Klimabewusstsein zeigen sich im Zusammenhang mit der politischen Orientierung, hier gemessen anhand einer einfachen Links-Rechts-Selbsteinstufung im politischen Spektrum. Personen, die sich selbst eher im rechten, also konservativen politischen Raum verorten, sehen den Klimawandel in geringerem Maße als ein Problem an als Personen, die sich selbst eher in der Mitte oder auf der linken Seite der Skala einordnen. Dieser deutliche Unterschied nach der politischen Orientierung hat sich in den vergangenen Jahren noch weiter verstärkt. Dies liegt vor allem an einem überproportional starken Anstieg des Problembewusstseins bei politisch eher linksorientierten Menschen.

Insgesamt zeichnet sich Deutschland durch ein relativ hohes Problembewusstsein hinsichtlich des Klimawandels aus, das in den vergangenen Jahren weiter angestiegen ist. Bei einigen Bevölkerungsgruppen zeigen sich jedoch auch gegenläufige Tendenzen. Ein Rückgang des durchschnittlichen Klimabewusstseins ist seit 2018 bei Männern, Personen ab 65 Jahren, Personen mit geringerer Bildung und bei politisch eher rechtsorientierten Personen zu beobachen. Das könnte darauf hindeuten, dass nach den intensiven Klimadebatten der vergangenen Jahre das Interesse am Thema Klima bei Teilen der Bevölkerung abzunehmen beginnt. Das ist häufig dann der Fall, wenn bei diesen Gruppen andere Themen, wie Arbeitslosigkeit oder die Wirtschaftslage, als wichtiger und dringender wahrgenommen werden.
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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 4.0 - Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International" veröffentlicht. Autor/-in: Christiane Lübke für bpb.de

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Christiane Lübke

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